BGH · IV ZR 755/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
seiner Anstellung bei der Post viel mit Kollegen und Kolleginnen ausgegangen» Oft sei er erst sehr spät oder gar nicht nachts nach Hause gekommen» Wenn sie ihm deshalb Vorhaltungen gemacht habe, habe er sie geschlagen» Sie sei von ihm bedroht und wiederholt mißhandelt worden» Seit 1961 unterhalte er ehewidrige Beziehungen zu Frau Anneliese .SUHV* Die Ehezerrüttung habe er verschuldet» Sie halte Jedoch an der Ehe fest und habe das in vielen Briefen an den Kläger zu dem Ausdruck gebracht, er habe aber ihre Vorschläge abgelehnt» Einen anders lautenden Brief vom 24» Januar 1965 habe sie in einer augenblicklichen Verärgerung geschrieben, weil er erklärt habe, daß sie ihn nicht mehr interessiere» Demgegenüber hat der Kläger vorgetragen <> den Anstoß zur Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses habe die Beklagte im Jahre 1958 durch eine unbegründete Eifersuchtsszene gegebena die sie ihm wegen der Frau SHB gemacht habe» Danach habe sie ihm das Leben durch Eifersucht und ihr jähzorniges Wesen zur Qual gemachto Wiederholt habe sie ihn bedroht, und sie sei auch tätlich gegen ihn geworden <> Den Trennungszustand in der Ehewohnung habe sie vollzogen0 Später habe sie erklärtp daß sie mit ihm keine Gemeinschaft mehr wolle » Das ergebe sich auch aus ihrem Brief vom 24 „ Januar 1965 der bei ihm den letzten Rest an ehelicher Gesinnung zerstört habe» Gescheitert sei die eheliche Gemeinschaft, so fährt das angefochtene Urteil in seinen Erörterungen zu dem Widerspruch der Beklagten nach § 48 Abs» 2 EheG fort, schließlich daran, daß die durch den Neubau hervorgerufenen Schwierigkeiten nicht gemeistert worden seieno Nach dem Einzug in das neue Haus solle nach der Darstellung des Kläger v/ie der einigermaßen Frieden geherrscht haben, und auch die Beklagte habe bekundet, daß "die Geschichte mit der Frau begraben gewesen sei» Danach sei es zu neuen heftigen Streitigkeiten gekommen. Wenn der Kläger sie als unbeherrscht und angriffslustig schildere und sie tatsächlich aufgeregt und zu dem Schimpfen geneigt sein sollte, v/as nicht einmal bewiesen sei, so würde es sich dabei im wesentlichen um charakterliche Mängel gehandelt haben, die er nicht habe zu dem Anlaß nehmen dürfen, sich ihr zu entfremden» Falls man noch einen geringfügigen Rest ehelicher Gesinnung beim Kläger darin erblicken wolle, daß er in einem an die Beklagte geribhteten Schreiben vom 27» April 1964 eine spätere Wiederherstellung der Gemeinschaft nicht für völlig ausgeschlossen gehalten habe, so sei die angebliche Zerstörung dieses restlichen ehelichen Gefühls durch den Brief der Beklagten vom 24» Januar 1965 nicht mehr von irgendwie maßgeblicher Bedeutung» selbst wenn er die Entfremdung noch vertiefte, daran nichts zu änderno Unbegründet ist ferner die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe nicht zu der Überzeugung gelangen dürfen, die Ehe sei daran gescheitert, daß die durch den Neubau hervorgerufenen Schwierigkeiten nicht gemeistert worden seien0 Der Kläger hatte bei seiner letzten Vernehmung vor dem Oberlandesgericht selbst erklärt, daß seinerzeit die Baupläne zu Zwistigkeiten mit der Beklagten geführt hätten, weil sie dem Bauvorhaben zunächst abgeneigt gewesen sei„ Im übrigen hat das Berufungsgericht ersichtlich der Aussage der Beklagten ge- Das braucht nicht zu bedeuten, daß die Ausschreitungen, die sich der Kläger gegenüber der Beklagten wiederholt zuschulden kommen ließ, unmittelbar bei Auseinandersetzungen wegen des Hausbaues erfolgten* Ob das Berufungsgericht einen solchen unmittelbaren Zusammenhang annehmen wollte, für den sich aus der von ihm herangezogenen Aussage der Tochter der Parteien keine Anhaltspunkte ergeben, geht aus den Urteilsformulierungen nicht ganz klar hervor; es kommt darauf aber nicht an, da es die Beurteilungsgrundlage nicht maßgeblich verändert, wenn es zu den Ausschreitungen bei G legenheit von Streitigkeiten über den Neubau kam, oder wenn solche Streitigkeiten allgemein den Boden dafür bereitet hatten, daß der Kläger aus anderen Anlässen sich zu Tätlichkeiten gegen die Beklagte hinreißen ließ* Im übrigen findet sich im angefochtenen Urteil insofern eine gewisse Unstimmigkeit, als es im Tatbestand heißt, die Parteien hätten sich innerhalb der Ehewohnung kurz nach dem letzten Eheverkehr, der am 18* Januar 1961 stattfand, getrennt, während in den Entscheidungsgründen ausgeführt wird, die Gemeinschaft sei nach dem Vorfal7> in der Nacht vom 1* zu dem 2* Januar 1f6l aufgehoben worden* Auch dieser Widerspruch ist freilich kaum ent- Das Berufungsgericht sieht die überwiegende Schuld des Klägers darin, daß er die durch den Bau hervorgerufenen Schwierigkeiten nicht zu dem Anlaß genommen habe, die der Beklagten dadurch auferlegten Opfer durch liebevolles Verständnis und größeres Entgegenkommen tragen zu helfen, und daß er selbst etwaige charakterliche Mängel der Beklagten nicht hingenommen habe» Dabei hat aber das Berufungsgericht die vom Kläger der Beklagten vorgev/orfenen Bedrohungen und Beschimpfungen als nicht bev/iesen angesehen und auf dieser Grundlage seine Entscheidung getroffen* Das war fehlerhaft, da die Beklagte die Beweislast für die Tatsachen hat, aus denen sie die Zulässigkeit ihres V/iderspruchs gegen die Scheidung herleiteto Der Kläger kann deshalb nicht ohne weiteres als beweisfällig gelten für seine Behauptungen darüber, wie es zu ehelichen Auseinandersetzungen gekommen sei und wie sie verlaufen seien,. Läßt sich nicht klären, wer der Hauptverantv/ortliche für den Anlaß oder das Ausmaß solcher Streitigkeiten ist, so kann dem Kläger nicht die überwiegende Schuld daran beigemessen werden (BGH vom 10o Januar 1969 - IV ZR 691/68)Q Wenn freilich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme seine Behauptungen über die Gründe, die bei ihm zu dem Verlust der ehelichen Gesinnung geführt haben, nicht einmal hinreichend^wahrscheinlich gemacht sind, kann dieser Vortrag der Entscheidung nicht zugrundegelegt werden* Unter Umständen ist bei gegensätzlichen Parteiaussagen über Vorfälle, für die sonst keine Zeugen zur Verfügung stehen, zu erwägen, unabhängig von der Beweislast die Partei, die glaubwürdiger als die andere erscheint, auf ihre Aussage zu beeiden (§§ 448, 552 ZPO); das kommt aber nur für ganz bestimmte Vorfälle und Tatsachen und nicht für allgemeine Beurteilungen in Betracht und wird insbesondere zu vermeiden sein, wenn es sich um solche Auseinandersetzungen handelt, die allzuleicht jede Partei gutgläubig von ihrer Warte aus anders als die Gegenpartei sieht» Die Revision weist auf den Vortrag des Klägers hin, die Beklagte habe ihn mit Feuerhaken, Schöpfkelle und Kohlenschaufei bedroht und ihn mit Blumentöpfen beworfen und durch Beschimpfungen provozierte Sie habe wiederholt geäußert, sie wolle ihm die Kehle durchschneiden oder ihm den Kopf einschlagen; auch den Gifttod habe sie ihm angedroht <> In dem zwischen den Parteien geführten Unterhaltsprozeß hat der Kläger einzelne Vorfälle, bei denen er solchen Bedrohungen und Beschimpfungen ausgesetzt gewesen sei, mit zeitlichen Angaben näher dargestellt; darauf hat er im vorliegenden Verfahren in einem in erster Instanz eingereichten Schriftsatz ausdrücklich Bezug genommen0 Ob dieser Vortrag ganz oder teilweise der Entscheidung über die Zulässigkeit des Widerspruchs hätte zugrunde gelegt v/erden müssen, läßt sich nicht ohne weiteres beurteilen o Es kommt darauf an, ob der Kläger seine Behauptungen wenigstens wahrscheinlich zu machen in der Lage isto Eine solche Wahrscheinlichkeit läßt sich nicht von vornherein ausschließen, da das Berufungsgericht immerhin einige in diese Richtung gehende Tatsachen festgestellt hat, nämlich daß die Beklagte bei der Eifersuchtsszene im Mai 1958 den Kläger bedrohte, und daß sie in der Nacht vom Io zu dem 2o Januar 1961 dem schlafenden Kläger einen heftigen Schlag mit dem Pantoffel versetzte und damit dessen Tätlichkeit gegen sie heraufbeschwor, die freilich über Jede verständliche Reaktion erheblich hinausging e dessen von dem Ehepartner lossagtP aus diesem Grund die überwiegende Schuld an der Zerrüttung der Ehe treffen kann« Die Verpflichtung* unbeherrschte Verhaltensweisen der Beklagten hinzunehmen* war um so größer für den Kläger* weil er die Ehe durch seine die Möglichkeiten der Parteien offenbar übersteigenden Hausbaupläne und die Mißhandlungen der Beklagten selbst schwer belastete» Ob ihn deshalb die überwiegende Schuld an der Zerrüttung der Ehe trifft* läßt sich aber erst sagen* wenn das Ausmaß der Beschimpfungen und Bedrohungen* deren sich die Beklagte schuldig gemacht haben soll* unter Berücksichtigung der für die Beweislast und Beweisführung geltenden Grundsätze ermittelt worden ist» Erst dann ist es möglich* alle in Betracht kommenden Zerrüttungsursachen gegeneinander abzuwägeno Da darüber ein abschließendes Urteil noch nicht zu gewinnen ist* es vielmehr zunächst einer nochmaligen Prüfung des Sachverhalts in tatsächlicher Hinsicht bedarf* ist das angefochtene Urteil aufzuheben und der Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückzuverweisen <>