BGH · IV ZR 683/68 vom 04.12.1968
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Es hat angenommen, daß die dem Kläger von der Beklagten vorgeworfenen Beziehungon, die er in Kassel zu einem Eräulein KliflK unterhielt, in der Zeit vor dem Auszug der Beklagten nicht ehewidrig gewesen seien« Die Beklagte habe insoweit auch keinen hinreichenden Anlaß für einen berechtigten Argwohn gehabt« Die von ihr durchgeführte Trennung sei daher nicht gerechtfertigt gewesen; es könne nicht festgestellt werden, daß den Kläger die überwiegende Schuld an der Zerrüttung der Ehe treffe« Der von der Beklagten gegen die Scheidung erhobene Widerspruch sei demnach unzulässig« Das Oberlandesgericht hat der Berufung der Beklagten stattgegeben und die Klage wegen des Widerspruchs der Beklagten abgewiesen« Das Berufungsgericht ist mit dem Landgericht davon ausgegangen, daß die für die Scheidung in § 48 Abs, 1 EheG bestimmten Voraussetzungen vorliegen« Es hat jedoch im Gegensatz zu dem Landgericht angenommen, daß den Kläger mindestens die überv/iegende, wenn nicht die alleinige Schuld an der Zerrüttung der Ehe treffe und der Widerspruch der Beklagten demgemäß nach § 48 Abs« 2 EheG zulässig sei« Hierzu hat das Berufungsgericht ausgeführt, die Beziehungen des Klägers zu der Zeugin Kliflfc hätten schon lange vor der Trennung der Parteien Pormen angenommen, die mindestens den Anschein eines Liebesverhältnisses her-vorrufen mußten« Der Kläger habe sich seit dem Jahre 1958 mit der Zeugin regelmäßig und mindestens einmal wöchentlich zu gemeinsamen Spaziergängen, zu dem Besuch von Kinovorstellungen oder Gaststätten getroffen« Im Herbst 1958 hätten sie je eins der beiden Zimmer einer abgeschlossenen Mansardenwohnung in Kassel, in der außer ihnen niemand weiter gewohnt habe, bezogen, wenn dies auch nach der Darstellung der Zeugin Kli4V nicht gegenseitig abgesprochen sei, sondern auf einem Zufall beruhe« Past regelmäßig habe der Kläger an den Wochenenden auf seiner Pahrt zu seiner Familie die Zeugin KlitiBI in seinem Kraftwagen mit nach Korbach genommen, wo diese ihre Eltern besucht hätte« Das Berufungsgericht hat weiter ausgeführt, die Beklagte habe vor ihrer Trennung davon erfahren, daß der Kläger mit der Zeugin KliiV zusammen in der Mansardenwohnung wohnte« Der Verdacht auf unerlaubte Beziehungen ihres Mannes zu der Zeugin sei dadurch verstärkt worden, daß der Kläger seit dem Jahre 1961 mit ihr Verhandlungen über ihre Einwilligung in eine Scheidung geführt habe» Die Beklagte habe auch erkennbar Anstoß an den Beziehungen ihres Mannes zu der Zeugin genommen«. Durch ihre in dem Verfahren auf Erlaß dor einstweiligen Verfügung eingor eichte eidesstattliche Versicherung vom 30» Januar 1962 habe sie die fortdauernden Beziehungen des Klägers zu Fräulein Klifl^ als Urund für ihre Absicht bezeichnet«» sich von dem Kläger zu trennen» Dennoch habe der Kläger seine Beziehungen zu Fräulein Klif® nicht abgebrochen» Daher sei der Fortgang der Beklagten nicht ungerechtfertigt gewesen» Jedenfalls sei in den Beziehungen des Klägers zu Fräulein Kli^B die eigentliche Ursache für das Zerwürfnis der Parteien zu sehen« Es hat zwar nicht festgestellt, daß die Beziehungen des Klägers zu Fräulein Kli^B in der Zeit vor der Trennung der Parteien einen erotischen Charakter gehabt hätten, sondern nur angenommen, daß sie den Anschein eines Liebesverhältnisses hervorgerufen haben» Es hat aber keinen Zweifel daran gelassen, daß es die Beziehungen in dem festgestellten Umfang als ehewidrig angesehen hat« Denn es hat sich ausdrücklich gegen die Auffassung des Landgerichts ausgesprochen, daö diese Beziehungen nicht als ehewidrig bezeichnet hatte, und ausgeführt, daß das Verhalten des Klägers, jedenfalls seitdem der Kläger den Umgang mit Fräulein KlifV fort setzte, obwohl die Beklagte erkennbar Anstoß genommen hatte, eine schwere Eheverfehlung Bas Berufungsgericht konnte das langjährige regelmäßige Treffen mit Fräulein KliflP» ihr Neheneinandorv/ohnen in zwei Mansardenzimmern, den gemeinsamen Besuch von Kino und Faschingsfesten und das Buzen in seiner Gesamtheit durchaus als ein ehewidri-ges Verhalten des Klägers ansehen und zu demindest von der Zeit an als schwere Eheverfehlung bewerten, als der Kläger dem Wunsch der Beklagten, den Verkehr abzubrechen, nicht entsprochen hatte. An dem ehewidrigen Verhalten des Klägers hat die Beklagte nach der Feststellung des Berufungsgerichts erkennbar Anstoß genommen. Bas Berufungsgericht hat hiernach zu Recht angenommen, daß die Beklagte zu dem Getrenntleben berechtigt war» Anscheinend v/ar der Kläger mit der Trennung auch einverstanden, da sonst kaum zu erklären ist, daß er seinerseits schon längere Zeit vor der Trennung Scheidungsvorhandlungen mit der Beklagten geführt und sich in dem Verfahren auf Brlaß einer einstweiligen Verfügung nicht gegen die Trennung gewendet hat, sondern nur bestrebt v/ar zu verhindern, daß die Gegenstände aus der Rhewohnung zu einer ihm nicht genehmen Zeit entfernt wurden« Die nachträglichen Bemühungen des Klägers, die Beklagte zur Rückkehr zu bewegen, konnte das Berufungsgericht unbedenklich als unzureichend bewerten, insbesondere im Hinblick darauf, daß der Kläger sich nicht zu einer Zusage bereitgefunden habe, seine Beziehung zu Fräulein Kli<flM aufzugeben« Br hatte gegenüber dem früheren Zustand also keine neue Sachlage geschaffen, nach der der Beklagten nunmehr eine Rückkehr in die Bhewohnung zuzu demuten gewesen wäre» Die in diesem Zusammenhang erhobene verfahrensrechtliche Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe hierbei die eigene Darstellung der Beklagten in ihrer Vernehmung vor dem Landgericht am 3« Dezember 1963 übersehen, wonach der Kläger sie gebeten habe zurückzukehren, entbehrt der Begründung« Sie übersieht, daß die Beklagte nach dieser ihrer Darstellung auf die Bitten des Klägers erwidert hat, sie könne erst zurückkehren, wenn sie die Überzeugung gewonnen habe, daß der Kläger die Freundschaft mit Fräulein Kli|0 beendet habe, und daß der Kläger selbst nicht vorgetragen hat, der Beklagten diese Überzeugung vermittelt zu haben*