BGH · IV ZR 643/68 vom 25.02.1970
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Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 25° Februar 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten DrHauß und der Bundesrichter Johannsen, Wüstenberg, Dr« Pfretzschner und Dr, Bukow für Recht erkannt: September 1949 ausgestellten Internationalen Führerscheine Der Kläger verlangt von der Beklagten als Entschädigung für sein zerstörtes Fahrzeug die Zahlung von 2,900 DM* Die Beklagte lehnt jede Leistung ab, weil der Internationale Führerschein des Klägers diesen nicht berechtigt habe, ein Kraftfahrzeug in der Bundesrepublik zu führen* Der Kläger habe deshalb bei Eintritt des Versicherungsfalles nicht die vorgeschriebene Fahrer- ' laubnis gehabt* X* Mach § 2 Nr* 2c der Allgemeinen Bedingungen für die Kraftverkehrsversicherung (AKB), die dem Versicherungsverhältnis der Parteien zugrunde liegen, ist der Versicherer von der Leistung frei, wenn der Fahrer des Fahrzeugs bei Eintritt des Versicherungsfalles nicht die vorgeschriebene Fahrerlaubnis hat* Hier streiten die Parteien darüber, ob der Internationale Führerschein des Klägers, ausgestellt am 23» Juli 1963 in Barcelona9 diesen zur Zeit des Unfalls, am 20 Januar 1966, zur Führung eines Kraftfahrzeugs in der Bundesrepublik berechtigte o Es handelt sich um einen auf Grund des Internationalen Abkommens über den Straßenverkehr vom 190 September 1949 ausgestellten Führerschein0 Da die Bundesrepublik Deutschland diesem Abkommen nicht beigetreten ist, gibt es keine deutschen Rechtsvorschriften für einen auf Grund des Abkommens von 1949 ausgestellten Internationalen Führerschein3 Diese Regelung bezieht sich aber nur auf Internationale Führerscheine , die auf Grund des Internationalen Abkommens über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 240 April 1926 (RGBl 1930 II 1234) ausgestellt worden sindo Zu Recht hat das Berufungsgericht daher angenommen, daß der Führerschein des Klägers kein in der Bundesrepublik Deutschland gültiger Interna-t i o n a 1 e r Führerschein sei0 Das bedeutet aber noch nicht seine völlige Wirkungslosigkeit„ Es bestehen keine Bedenken, mit dem Berufungsgericht den Internationalen Führerschein des Klägers als "ausländische Fahrerlaubnis zu dem Führen von Kraftfahrzeugen" im Sinne von § 4 AbSo 1 Buchst, b VOInt anzusehen (ebenso VkBl 1958, 579; 1962p 629; Eckhardt? Nach dem Sinn und Zweck der Verordnung könne als Grenzübertritt nur diejenige Einreise gelten, die der Begründung des ständigen Aufenthalts vorangeheo Eine andere Auslegung würde dazu führen, daß außerdeutsche Kraftfahrzeugführer, sofern sie in jährlichen Abständen für kurze Zeit aus dem Bundesgebiet ausreisen, auf Grund einer ausländischen Fahrerlaubnis ein Fahrzeug im Bundesgebiet nicht nur »vorübergehend1*, wie in § 4 VOInt bestimmt, sondern ständig führen dürftenc - Bern ist zuzustimmen (vgl0 BGH LM Nro 21 zu § 6 VVG ~ VersR 1969, 147 und die Rechtsprechungsübersicht bei Floegel/Hartung, Straßenverkehr sr echt 18o Auflo § 15 StVZO Anim 40 - A0Ac OLG Stuttgart VersR 1969, 341/42)c Das Berufungsgericht hält den Kläger für entschuldigt und hat dazu ausgeführt“ Der Kläger habe geglaubt , sein Internationaler Führerschein berechtige ihn während der darauf angegebenen Gültigkeitsdauer zu dem Führen eines Kraftfahrzeuges in der Bundesrepublik o Die wahre Rechtslage sei weithin ünfeekannto Zweifel, ob das in Barcelona ausgestellte Dokument ein in Deutschland gültiger Internationaler Führerschein sei, hätten sich dem Kläger nicht aufgedrängt, weil der Führerschein die wesentlichen Teile seines Wortlautes auch in deutscher Sprache enthalten habe0 Bei dieser Sachlage seien keine Tatsachen zu erkennen, die geeignet seien, den für einen Irrtum des Klägers spre- Es fehlt dafür an einem typischen Geschehensablauf9 der nach der Lebenserfahrung darauf schließen läßt9 daß der Inhaber eines Internationalen Führerscheins 9 wie ihn der Kläger besitztP sich über dessen Inhalt und Umfang irrige Vorstellungen macht und keinen Anlaß hat, die Gültigkeit des Internationalen Führerscheins für das Gebiet der Bundesrepublik in Zweifel zu ziehenc Der vom Versicherungsnehmer zu führende Nachweis ? hervorgetreten sind, daß der Klager bei seiner Einreise oder v/ährend seines Aufenthalts in der Bundesrepublik auf die Grenzen, die der Gültigkeit eines ausländischen oder Internationalen Führerscheins in der Bundesrepublik gesetzt sind, hingev/iesen worden ist, sei es von Arbeitskameraden , sei es bei der Zulassung seines Fahrzeugs oder beim Abschluß der Kfz-Haftpflichtversicherung o Dabei würde sich gerade für den Versicherer eine Belehrung anbieten, wenn die Ausländereigenschaft des Versicherungsnehmers (Name und Sprache) unverkennbar istQ Doch kann sich die Beklagte nach den Umständen nicht auf ihre Leistungsfreiheit gemäß § 2 Nr, 2c AKB berufeno Der Senat hat bereits in seinem Urteil vom 22, November 1968 - IV ZR 775/68 - (= LM VVG § 6 Nr, 21 - NJW 1969p 371 - VersR 1969, 147) ausgeführtP daß unter Beachtung des Schutzzweckes der Führerscheinklausel des § 2 Nr, 2 c AKB geprüft werden müsseP ob aus deren Verletzung die Versagung des Versicherungsschutzes gegenüber einem Ausländer zu rechtfertigen seiP der zunächst ein Jahr auf Grund seines ausländischen Führerscheins in der Bundesrepublik ein Kraftfahrzeug führen durfte und geführt hat. und somit der spezifische rechtliche Zusammenhang zwischen der Obliegenheitsverletzung und dem Eintritt des Versicherungsfalles fehlte 0 Im vorliegenden Fall ist die Feststellung eines mangelnden ursächlichen Zusamjaenhangs nicht ausdrücklich getroffen9 andererseits hat das Verhandlungsergebnis aber auch keinerlei Anhaltspunkte dafür erbrachtp daß der von dem Kläger angerichtete Unfall auf Unkenntnis der deutschen Straßenverkehrsvorschriften oder auf mangelnder persönlicher Eignung zu dem Führen von Kraftfahrzeugen (§9 StVZO) beruht, Bei dieser Sachlage sind die Belange der Beklagten durch die Verletzung der Führerscheinklausel so wenig beeinträchtigt worden9 daß eine Verwirkung des Versicherungsschutzes dazu in keinem vertretbaren Verhältnis stehen würde, Die Führerscheinklausel soll; den Versicherer: vor dem erhöhten Risiko schützenP das im allge- wenn der Versicherungsnehmer eine ausländische Fahrerlaubnis besitzt und auf Grund dieser Fahrerlaubnis für die Bauer eines Jahres berechtigt ist, ein Kraftfahrzeug in der Bundesrepublik zu führen«, Bei ihm steht die erforderliche Fahrkunde, die sonst nur durch eine praktische Fahrprüfung nachgewiesen werden kann, außer Frage, woran nichts ändert, daß der ausländische oder Internationale Führerschein nach Ablauf der in der Verordnung über Internationalen Kraftfahrzeugverkehr vom 120 November 1934 festgesetzten Zeit nicht mehr anerkannt wirdo Der Inhaber einer ausländischen Fahrerlaubnis erhält deshalb nach § 15 StVZO eine deutsche Fahrerlaubnis, wenn er ausreichende Kenntnisse der deutschen Verkehrsvorschriften nachweist und an seiner Eignung keine Zweifel besteheno Die Befähigung, ein Kraftfahrzeug auf Öffentlichen Straßen zu führen, braucht er nicht mehr nach-zuweisenc Haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß der verursachte Unfall auf eine Unkenntnis der deutschen Straßenverkehrsvorschriften zurückzuführen ist, so ist jedenfalls dann die Versagung des Versicherungsschützes nicht gerechtfertigt^ wohn es verständlich ist, daß der Versicherungsnehmer auf die weitere Anerkennung seines Internationalen Führerscheins in der Bundesrepublik vertraut hat, sein Verschulden also als gering erscheint0 Das aber ist hier der Fall0 Form und Inhalt des Internationalen Führerscheins deuteten darauf hin, daß der Inhaber während der angegebenen Gültigkeitsdauer ein Kraftfahrzeug in der Bundesrepublik führen durfte 0 Derm in dem Internationalen Führerschein des Klägers war in dessen Landessprache vermerkt, daß die erteilte Fahrerlaubnis im