BGH · IV ZR 620/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
die beanstandeten Reifen seien noch verkehrssicher gewesen, zu demindest für ihre Verwendung auf den beiden rechten Außenräderno Allenfalls habe eine geringfügige Gefahrerhöhung Vorgelegen, die von den Klägern unverschuldet trotz pflichtgemäßer Kontrollen nicht erkannt worden sei o Auf das Zustandekommen und die Schwere des Unfalls habe der Zustand der beiden Reifen keinen Einfluß gehabte Die Beklagte hat dieses tatsächliche Vorbringen bestritten und Abweisung der Klage beantragte Die Klage hatte in beiden Vorinstanzen keinen Erfolge Mit der Revision verfolgen die Kläger ihr Begehren weiter« 1o Mach den Feststellungen waren die jeweils beiden mittleren Profilrillen der rechten äußeren Reifen des Anhängers bis auf Profilreste glattgefähren0 Die Ansicht des Berufungsgerichts, daß sie damit auch nach den derzeit geltenden Bestimmungen nicht mehr verkehrssicher waren, begegnet keinen rechtlichen Bedenkeno Es trifft zu, daß die Verkehrssicherheit eines Reifens zur Zeit des Unfalls danach zu beurteilen war, ob sein Zustand es dem Fahrer ermöglichte, auch unter ungünstigen Straßenund Witterungsverhältnissen den V Anforderungen des Verkehrs gerecht zu werden0 Über die Frage, welche Mindestanforderungen unter diesem Gesichtspunkt an die Reifenprofile zu stellen v/aren, verhielten sich die vom Berufungsgericht herangezogenen Richtlinien des Bundesverkehrsministers vom 7° März 1956 (VkBl 56, 170)0 Nach ihnen war die Grenze der Verkehrssicherheit erreicht, wenn u»a» die Profiltiefe in den mittleren Rillen der Lauffläche nur noch etwa 1 mm betrug» Der II» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat für die Zeit vor dem 1» August I960 wiederholt entschieden, daß Reifen mit weniger als 1 mm tiefen mittleren Rillen hiernach als nicht mehr verkehrs- 20 Dem Berufungsgericht ist auch darin beizutreten, daß in der Weiterverwendung der beiden beanstandeten Reifen objektiv eine Gefahrerhöhung im Sinne von § 23 VVG lag» Es hat mit Recht darauf abgestellt, ob der einzelne Reifen für sich betrachtet den Anforderungen der Verkehrssicherheit genügte, und die Profiltiefen der anderen am Fahrzeug befindlichen Reifen insoweit außer Betracht gelassen» Der II» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat mehrfach ausgesprochen, daß schon die Benutzung eines versicherten Fahrzeugs mit nur einem nicht verkehrssicheren Reifen eine Gefahrerhöhung darstellt (Urteil vom 26» September 1966 aaO; ferner Urteil vom 25° Februar 1965 II ZR 14/63 = Diese Gewähr besteht schon beim Bremsen nicht, weil dort grundsätzlich jedes einzelne Rad für sich zur Wirkung kommt (vgl* das mündliche Gutachten dos Sachverständigen Prof» Dr<> Koeßler vom 26» Oktober 1966, Seite 5 der Niederschrift)» Daß abgefahrene Reifen unter ungünstigen Straßenund Witterungsverhältnissen ein unzulängliches Bremsverhalten zeigen, hat das Berufungsgericht zutreffend dargelegt0 Die Revision beschränkt sich denn auch auf die Ausführung, die verminderte Seitenführungskraft der abgefahrenen Reifen sei durch die der übrigen Breifung (zu demindest jeweils innerhalb einer Achse) ausreichend kompensiert wordene Mit dieser Betrachtung, die nur auf eine Art der betrieblichen Beanspruchung abhebt, läßt sich die allgemein größere Gor fahrgeneigtheit unstatthaft abgenutzter Reifen nicht ausräumen 0 der eingeholten Gutachten davon aus, daß die Seitenführungskraft der ganzen Achse gleich der Summe dei’ Profilv/irkungen aller auf ihr montierten Reifen war* Deren unterschiedlich gute Eigenschaften glichen sich also zu einem mittleren Gesamtwert aus* Dennoch hat das Berufungsgericht allein darauf abgehoben, daß die Profilwirkung des rechts außen befindlichen Reifens um einen geringen Betrag größer gewesen wäre, wenn die beiden mittleren Rillen noch überall die Mindesttiefe von 1 mm aufgewiesen hätten* Es hat entschieden, mit Blick hierauf lasse sich nicht ausschließen, daß die insoliert in dem Mangel dieses einen Reifens zu erblickende Gefahrerhöhung Einfluß auf das Zustandekommen oder doch die Schwere des Unfalls gehabt habe * War es so, daß die Seitenführungskraft entscheidend war, dann ist damit im Ergebnis die Möglichkeit einer Kompensation durch vorhandene günstige Faktoren auch insoweit verneint worden, als es sich um die Auswirkung der (allgemein zu bejahenden) Gefahrerhöhung auf einen bestimmten Betriebsvorgang handelte* Dem kann nicht beigetreten werden* Wie das Berufungsgericht nicht verkannt hat, ist die Frage der Ursächlichkeit nur durch einen Vergleich zwischen der tatsächlichen und einer gedachten Lage zu beantworten* Die Entscheidung hängt damit von der Y/ahl des richtigen Vergleichsmaßstabes ab«. Das Berufungsgericht hat ausgeführt , als zutreffende Vergleichsgrundlage komme nur der Zustand in Betracht, bei dem anstelle des einen abgefahrenen Reifens ein solcher mit mindestens 1 mra Profiltiefen, im übrigen aber der tatsächlich vorhandene (doho weit besser erhaltene) Reifensatz verwandt worden wäre * Auf den entsprechenden Standpunkt hatte sich das Berufungsgericht bereits in einem anderen Falle gestellt, wo es sich um das teils glattgefahrene, teils besonders gut erhaltene Profil auf der Lauffläche desselben Reifens handelte» Auch hier hatte es zu dem Vergleich einen gedachten Reifen gewählt, der anstelle der abgefahrenen Rillen solche von 1 mm Tiefe, im übrigen aber das vorhandene gute Profil aufgewiesen hätte o Die Klägerin hätte es hinnehmen müssen, wenn alle vier Reifen auf der Vorderachse einheitlich bis auf 1 mm Profiltiefe abgefahren gewesen wären« Denn dann wäre noch keiner der Reifen verkehrsunsicher, die Gefahr also noch nicht erhöht gewesen« Diesen gedachten Zustand haben die Sachverständigen Dr« Lossagk und Prof« Dr«Koeßler deshalb mit Recht als den Vergleichsmaßstab angesehen, der ihren Untersuchungen zugrunde zu legen war« Sie sind zu dem Ergebnis gelangt, die Vorderachse habe mit der tatsächlich vorhandenen Bereifung hinsichtlich der entscheidenden SeitenfUhrungskraft eindeutig günstigere Voraussetzungen geboten, als v/enn alle Profile (statthaft) auf das vorgestellte Maß abgefahren gewesen wären« Das Berufungsgericht ist diesen Gutachtern u«a« deshalb nicht gefolgt, weil es den angestellten Vergleich für unzulässig gehalten hat« Da es möglicherweise anders entschieden hätte, v/enn es nicht von dem dargelegten Rechtsirrtum beeinflußt gewesen wäre, war der Revision stattzugeben und die Sache an das Berufungsgericht zur erneuten Prüfung unter dem veränderten rechtlichen Gesichtspunkt zurückzuverv/ei sen« 5« Endlich hat der erkennende Senat unter Aufgabe der früheren, vom Berufungsgericht noch zugrunde gelegten Ansicht inzv/isehen entschieden, daß der Versicherungsnehmer durch die Benutzung eines Fahrzeugs, dessen Verkehrssicherheit vre sent lieh beeinträchtigt ist, eine Gefahrerhöhung im Sinne von § 23 VVG nur vornimmt, wenn er den mangelhaften Zustand des Fahrzeugs kennt (BGHZ 50, 385 und 392)« Das Berufungsgericht hat, von seinem Standpunkt aus folgerichtig, diese von den Klägern bestrittene Kenntnis nicht festgestellt, sondern das Kennenmüssen (im Rahmen der Verschuldensprüfung) genügen lassen« Der Re-