BGH · IV ZR 594/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
;ia EheG §§ 41, ,44, 45; ZPO § 511 Per klagende Ehegatte ist nicht beschwert, "Wenn das Gericht die Ehe nicht auf den' Hauptantrag•aus § 44 EheG, sondern auf den hilfsweise gestellten Antrag aus § 45 EheG scheideto Plc Scheidungsgründerder §§ 44 und 45 EheG .sind gleichwertige ■ Er hat ausgeführt, daß er erst durch das von dem Landgericht ein-geholte medizinische Gutachten davon erfahren habe, daß die Beklagte schon vor der Eheschließung an einer Geisteskrankheit gelitten habe.. .Rechtlich zutreffend hat das Berufungsgericht angenommen, daß die Berufung unzulässig ist, weil der Kläger nicht dadurch beschwert ist, daß das Landgericht seine Ehe gemäß seinem Hilfabogohren aus § 45 EheG statt nach seinem Hauptbegehren aus § 44 EheG geschieden hat. Ber Kläger, der verschiedene Ansprüche geltend macht, ist daher beschwert, wenn er mit seinem Hauptantrag abgewiesen und nur dem Milfsantrag stattgegeben worden ist (Stein/Jonas/Schönke/ Grunsky, ZPO 19. Vielmehr ist die : für die Zulässigkeit des Rechtsmittels geforderte Beschwer nur gegeben, wenn ein Vergleich des rechtskräftigen Inhalts des angefochtenen Urteils mit dem Klagebegehren ergibt, daß die Entscheidung für den Röchtsmitteiklüger in irgend einer Weise sachlich nachteilig ist (Biomeyer, Zivilprozoßrecht 1965 § 97 XI 1)0 Der Klüger ist nicht beschwert, wenn das Gericht ihm den geltend gemachten Anspruch zugesprochen und ihn rechtlich nur anders zugeordnet hat, als es in der Klage geschehen ist (BGH MDR 1959, 486). Deswegen ist in Ehesachen der Scheidungskläger, wenn die Ehe statt aus dem in erster Linie geltend gemachten Scheidungsgrund aus einem anderen hilfsweise geltend gemachten Grund geschieden wird, nur dann heschv/ert, wenn der hilfs-weise geltend gemachte Grund von geringerer Tragweite ist, mithin eine materielle Rechtsbeointrächtigung vorliegt (Baur, Zur "Beschwer" im Rechtsmittelverfahren des Zivilprozeßrechts in festschrift für Lent 1957 So 5; Diederichsen, Lie Revision in Ehesachen t PamRZ 66, 605, 612; Yfieczorck ZPO § 511 An. B II c 7, Höffmann/Stephan, EheG 2. Ler klagende Ehegatte, der mehrere gleichwertige Scheidungsgründo geltend macht, ist nicht beschwert, wenn das Gericht die Ehescheidung aus einem dieser Gründe ausspricht (Hoffmann/ Stephan, EheG 2. Renn wegen der Gleichwertigkeit der Scheidungsgründe stellt das Urteil, das in solchem falle die Ehe aus einem der geltend gemachten Gründe scheidet, für den Kläger auch in Verhältnis sum Hauptantrag keinen rechtlichen Nachteil dar, wenn das Gericht nicht dem. Ällg„ Einl, vor § 511 An. V 3 c) überzeugt nicht; sie erscheint nicht vereinbar mit dem an gleicher Stelle vorausgeschickten und zutreffenden Grundsatz, daß der siegreiche Kläger nur beschwert ist wenn die Ehe aus einem hiXfsweioe .geltend gemachten : Grund von geringerer Tragweite geschieden wird. Zutreffend hat das Berufungsgericht diesen Gesichtspunkten Rechnung getragen und darauf abgestellt, ob es sich bei dem vom Kläger in der Form des Haupt-und Hilfsantrags geltend gemachten^ Scheidungsgründen aus § 44 und § 45 EheG um gleichwertige Scheidungs-gründe handelt, her Ansicht dos Berufungsgerichts, daß diese Frage zu bejahen sei, ist zuzustimmen (ebenso Hoffmann/Stephan EheG 2. Bas Interesse des Klägers, daß der Tatbestand des § 44 EheG vom Gericht fest ge st eilt werde,-der voraussDtzt, daß die Beklagte eine objektive Ehe-Verfehlung begangen hat, ist aber kein rechtliches und kann insoweit nicht berücksichtigt werden, jedenfalls nicht in dem vorliegenden Falle, in dem der Kläger nicht geltend gemacht hat, hieran aus besonderen Gründen interessiert zu sein. Somit ist -anders als in den Fällen, in denen der Kläger in erster Linie Scheidung aus Verschulden (§§ 42, 43 EheG) und in zweiter Linie Scheidung ohne Schuldausspruch (§§ 44» 45» 46, 48 EheG) begehrt oder in erster Linie Scheidung aus § 42 und hilfsweise Scheidung aus § 43 EheG, dann, wenn der Kläger die Klage lediglich auf die gleichwertigen Scheidungsgründe der §§ 44 und 45 EheG stützt, eine Beschwer und demgemäß die Zulässigkeit des Rechtsmittels zu verneinen, wenn das Gericht aus einem dieser Scheidungs-gründe die Ehe geschieden hat. Der Kläger hatte die Aufhebung der Ehe im ersten Rechtszuge noch nicht begehrt„ Somit würde'es ihm schon an einer -Beschwer im engeren formellen Sinne fohleno Aber auch wenn er die Aufhebung der Ehe im ersten Rechtszuge begehrt hätte, würde aus den dargelegten Gründen eine -Beschwer für das Rechtsmittel der Berufung zu verneinen sein, weil der Kläger mit seinem Scheidungsbegehren aus § 45 EheG Erfolg gehabt hat und die Eheaufhebungsgründe den. Scheidungsgründen der §§ 44, 45* EheG gleichwertig sind„ Im Falle der 'Aufhebungsklage '-wird die Ehe wie bei der Scheidungsklage erst mit der Rechtskraft des Urteils aufgelöst (§ 29 Satz 2 EheG)o Die Übereinstimmung der Rechtsfolgen von Eheaufhebung und Ehescheidung ergibt sich aus § 37 Abs» 1 EheG, Etwas anderes könnte nur dann gelten, wenn der klagende Ehegatte mit der Aufhebungsklage den Antrag verbindet, den beklagten Ehegatten als schuldig aiizusöhen (§ 37 Abo. 2 EheG)» l/ird eine mit einem solchen Schuldantrag verbundene Aufhebung der Ehe in erster Linie und hilfsweise die Scheidung der Ehe aus den , §§ 44 oder 45 EheG begehrt, so ist der klagende Ehegatte allerdings als beschwert anzusehen, v/enn das Ge- r rieht nicht dem Hauptantrag auf Aufhebung, sondern nur dem Hilfsantrag auf Scheidung der Ehe entsprochen hat» ■ : So liegt es aber hier nicht, da der Kläger mit dem Aufhebungsantrag nicht den Schuldantrag aus § 37 Ab gl 2 EheG verbunden hat. Ehe noch zuzulassen ist, wenn der Kläger den von ihm geltend gemachten Aufhebungsgrund erst nach der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht erfahren hat. Denn diese von Rechtsprechung und Rechtslehre vertretene Erweiterung der Zulässigkeit der Berufung gilt nur in dem Balle, in dem eine Beschwer anzunehmen wäre, falls der Kläger die Aufhebung schon.im ersten Rechtszuge begehrt hätte, d.h. wenn der Äufhebimgs-grund für ihn. Aufl,' § 41 Anm„ 78, Wieczorek ZPO § 511 An. B II c 7)o Bas ist aber hier nicht der Fall, da der Kläger - in dem für die Beurteilung der Beschwer maßgeblichen Zeitpunkt der Einlegung des Rechtsmittels nicht erklärt hat,.h Die Zulässigkeit des Übergangs zur Nichtigkeitsklage schließlich ist von dem Berufungsgericht zu Recht aus dem Grunde verneint worden, daß die Verbindung einer Scheidungs-oder Aufhobungsklago mit einer Nichtigkeitsklage nach den §§ 615 Abs. 2, 653 Abs. 1 ZPO nicht statthaft ist.