BGH · IV ZR 538/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
In Erfüllung einer gesetzlichen Obliegenheit machen wir Sie darauf aufmerksam, daß der von uns bestrittene Versicherungsschutz bei Meidung des Verlustes innerhalb einer Prist von 6 Monaten, gerechnet ab Erhalt dieses Schreibens, gerichtlich geltend gemacht werden muß"» Die Klägerinnen verlangen von der Beklagten Versicherungsschutz» Sie haben behauptet, die Beklagte habe bereits durch die am 2» Mai 1961 bei ihr eingegangene Schadensanzeige ihres Versicherungsnehmers davon Kenntnis erhalten, daß dieser nicht die vorgeschriebene Pahrerlaubnis besessen habe» Die nach § 6 Abs» 1 WG ausgesprochene Kündigung sei daher verspätet» Auch habe die Beklagte nicht, wie es § 6 VVG verlange, fristlos gekündigt» Schließlich genüge der abschließende Hinweis in dem Schreiben vom 28* Juni 1961 nicht den in § 12 Abs» 3 VVG gestellten Anforderungen » Die Klägerinnen haben beantragt, festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet ist, den Klägerinnen als Hinterbliebenen des verstorbenen Versicherungsnehmers für das Schadensereignis vom 3o Pebruar 1961 Versicherungsschutz zu gewähren » Das Berufungsgericht hat ausgeführt, die Klage sei unbegründet, weil der Anspruch auf Grewährung von Versicherungsschutz gemäß § 12 Abs» 3 VVG erloschen sei«, Ir sei nicht innerhalb von 6 Monaten seit dem Zugang des Schreibens durch den die Beklagte den Versicherungsschutz abge- Der in dem Schreiben der Beklagten vom 28«, Juni 1961 enthaltene Hinweis "in Erfüllung einer gesetzlichen Obliegenheit „ • <>M werde den Anforderungen gerecht, die § 12 Abs» 3 Satz 2 VVG an das Abiehnungsachreiben stelle* Die von der Revision hiergegen erhobenen Rügen greifen nicht durch» Die Erklärung des Versicherers, den Anspruch auf Versicherungsschutz abzulehnen, muß mit der damit verbundenen rechtlichen Belehrung des Versicherungsnehmers so klar und eindeutig sein, daß auch der einfache Mann aus dem Volke sie ohne weiteres verstehen kann» Insoweit müssen an den Inhalt des Schreibens strenge Anforderungen gestellt werden» Denn die Regelung des § 12 Abs» 3 VVG ermächtigt den Versicherer, sieh mittels der dem Versicherungsnehmer gesetzten Klagfrist endgültig von seiner Leistungspflicht zu befreien» Zu Gunsten und im Interesse des Versicherers droht dem Versicherungsnehmer allein durch Zeitablauf der Verlust seines Versicherungsanspruchs, ganz gleich, ob die Ablehnung des Versicherungsschutzes objektiv berechtigt ist oder nicht» Hierauf muß der Versicherungsnehmer unmißverständlich hingewiesen werden (Urteil des Senats vom 3» Juli 1968, IV ZR 509/68)» Die Beklagte hat den Versicherungsnehmer, wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, durch das Schreiben vom 28» Juni 1961 eindeutig und unmißverständlich auf diese Rechtsfolge hingewiesen» Im Eingang des Schreibens hat sie dargelegt, aus welchen Gründen sie es ablehne, dem Versicherungsnehmer Leistungen zu erbringen» Abschließend hat sie ausgeführt, daß der von ihr bestrittene Versicherungsschutz bei Meidung des Verlustes innerhalb einer trist von 6 Monaten, gerechnet ab Erhalt dieses Schreibens, gerichtlich geltend gemacht werden müsse» Auch ein einfa- Den Begriff “Verlust des Versicherungsschutzes “ kann der Versicherte nicht anders verstehen als daß damit die Verpflichtung der Versicherung zur Leistung gemeint ist, wie sie durch die Versicherungsbedingungen (§ 10 AKB) umschrieben ist. Der Inhalt des Schreibens ist auch nicht, wie es die Revision vorbringt, deswegen unklar oder mißverständlich, weil es am Eingang der Belehrung heißt “In Erfüllung einer gesetzlichen Obliegenheit machen wir Sie darauf aufmerksam, daß .o o“. Er ist aber unschädlich, denn der Versicherungsnehmer konnte daraus, wie das Berufungsgericht zutreffend dargelegt hat, nicht entnehmen, daß die anschließenden Ausführungen nur formeller Hatur und in der Sache bedeutungslos seien» Der erkennende Senat hat zwar in dem Urteil vom 3» Juli 1968 - IV ZR 509/68 - einen ähnlich lautenden Hinweis, der mit den Worten begann "Der Vorschrift entsprechend weisen wir noch darauf hin, daß *o.M, für nicht genügend klar und eindeutig gehalten» Diese Entscheidung beruht aber darauf, daß in dem dort entschiedenen Pall die vorangegangene Ablehnung des Versicherungsschutzes nur sehr allgemein und nicht eindeutig genug erklärt war» Es war insbesondere die Möglichkeit, Rückgriff bei dem Versicherungsnehmer zu nehmen, wenn der Versicherer von dritter Seite in Anspruch genommen werden sollte, nur sehr klausuliert ausgedrückt worden» Derartige Mängel weist das Ablehnungsschreiben in denr hier zu entscheidenden Pall nicht auf» Die Beklagte hat klar und unmißverständlich zu dem Ausdruck gebracht, daß der Versicherungsnehmer eine Obliegenheit vorsätzlich verletzt habe und daß sie deswegen von der Pflicht zur Leistung frei sei» Ebenso hat sie unmißverständlich erklärt, daß sie Rückgriff nehmen müsse, wenn sie von den Geschädigten in Anspruch genommen werden sollte» Insgesamt gesehen genügt daher das Ablehnungsschreiben den gesetzlichen Anforderungen»