BGH · IV ZR 503/68 vom 12.07.1968
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Der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 10c Juli 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Hauß und der Bundesrichter Johannsen, Dr« Reinhardt, Dr« Bukov; und Dr« Buchholz für Recht erkannt: Den vom Kläger gefahrenen Kraftv;agen hatte dessen früherer Eigentümer und Halter» der Tankwart V0M> bei der Beklagten gegen Haftpflicht versichert - im folgenden als Versicherungsverhältnis oder altes Versicherungsverhältnis bezeichnet« Am Morgen des 18» Januar 1963 fuhr 2ur Geschäftsstelle der Beklagten in Oberhausen und beantragte dort eine Haftpflichtversicherung für einen neueren und größeren Personenkraftwagen (Mercedes 220 S), den er erwerben wollte« Nach dem Versicherungsantrag sollte die neue Versicherung am 18« Januar 1963, Nach dem Bei’ufungsurtcil hat der Kläger keinen Anspruch auf Versicherungsschutz, weil der von ihm gefahrene Kraftwagen im Zeitpunkt des Unfalls bei der Beklagten nicht mehr versichert gewesen sei» Biese Überzeugung hat das Berufungsgericht aus der Auslegung des Versicherungsantrages gewonnen, den der frühere Fahrzeugeigentümer und -halter VflHI am *18 • Januar 1963 gestellt hat» Bei der Ausfüllung des Formulars wurden die Versicherungs nummer für da3 Kraftfahrzeug, das der Kläger beim Unfall fuhr, und als Batum der 18» Januar 1963 eingesetzt» Am Schluß des Formulars - übor der Unterschrift des Antragstellers - heißt es: II» Zu dem Streit der Parteien, ob und wann es auf Grund des Versicherungsantrags vom 18» Januar 1963 zu einer Aufhebung des alten Versicherungsverhältnisses gekommen ist, hat das Berufungsgericht ausgeführt: Bie Beklagte habe nicht bewiesen, daß der Leiter ihrer Geschäftsstelle in Oberhausen den Antrag schon am 18„ Januar 1963 angenommen habe» Den von ihrer Geschäftsstelle nur entgegenge-noramonen Antrag habe die Beklagte aber nach Ablauf der ihr gosetaten Annahmcfrist von fünf Tagen stillschweigend angenommen« Im übrigen mache es für die rechtliche Beurteilung keinen Unterschied, ob das alte Versicherungsverhältnis vor oder erst nach dem Unfall des Klägers erloschen ccio Denn die Beteiligten hätten die Beendigung des Versicherungsverhältnisses rückwirkend ab 18« Januar 1963 vereinbart» Nach § 3 Abs„ 1 Satz 1 der Durchführungsverordnung zu dem Kraftfahrzeug-Pfliehtversicherungsgesetz vom 6« April 1940 (HGB1 1617) gilt der Antrag auf Abschluß eines Versicherungsvertrages als angenommen, wenn der Versicherer ihn nicht innerhalb einer Frist von fünf Tagen vom Eingang des Antrags an dem Antragsteller gegenüber schriftlich ablehnt» Diese seinerzeit mit der Pflichtversicherung zu dem Schutze des Unfallopfers eingeführte Annahmefiktion gilt, v/ie auch aus dem Versicherungsantrag ersichtlich, nur für den Abschluß einer Haftpflichtversicherung im Bahmon des Pflichtversicherungsgesetzes, nicht hingegen für die Aufhebung einer Haftpflichtversicherung (BGH VorsR 1952, 37)« Soll auch insoweit eine entsprechende Regelung gelten, so muß diese von den Vertragsparteien vereinbart worden» Eine solche Vereinbarung - Annahmefrist von fünf Tagen (§ 148 BGB) und Verzicht auf die Annahmeerklärung (§ 151 BGB) - hat das Berufungsgericht hier angenommen« Das ergebe sich, v/ie das Berufungsgericht ausführt, daraus, daß die Beteiligten den Antrag auf Abschluß der neuen Versicherung und den Antrag auf Aufhebung des alten Versicherungsverhältnisses in ein und dasselbe Formular aufgenommen hätten« Hiermit habe die Beklagte der Interessenlage ihres Versicherungsnehmers Rechnung tragen vollen« Denn dieser sei nach dem Abschluß der neuen Versicherung nicht imehr an dem Fortbestand des alten Versicherungsverhältnisses interessiert gewesen; er habe keine doppelte Prämie zahlen vollen. Die Aufhebung des Versicherungsverhältnisses hängt danach nicht nur davon ab, ob und wann der Aufhebungsvertrag zustande gekommen ist, sondern auch davon, ob die Beteiligten in diesem Zeitpunkt verfügungsberechtigt gewesen sind. Nimmt man mit dem Berufungsgericht an, daß die Beklagte den von VflB gestellten Aufhebungsantrag fünf Tage nach Eingang des Antrags bei ihrer Oberhausener Geschäftsstelle angenommen hat, so ist der Aufhebungsvertrag am 24. Bis zur Kenntnis von der Veräußerung konnte die Beklagte daher VflB nach wie vor als Versicherungsnehmer behandeln und mit ihm auch die Aufhebung des Versicherungsverhältnisses vereinbaren. Dieses Rechtsgeschäft muß der zwischenzeitlich zu dem Versicherungsnehmer gewordene Erwerber des Kraftwagens, der Gebrauchtwagenhändler sflBK gemäß § 407 Abs. 1 BGB gegen sich gelten lassen; es hat zu dem Erlöschen des Versicherungsverhältnisses geführt« Die Rechtslage wäre nur dann anders, wenn die Beklagte bei Annahme dos von wagenhändler S Zu Recht hat das Berufungsgericht danach angenommen, daß für den Personenkraftwagen OB -I^Hlaxn 26« Januar 1965, dem Tage des Verkehrsunfalls, ein?Versicherungsverhältnis, aus dem der Kläger als mitversicherter Fahrer einen Anspruch auf Versicherungsschutz gegen die Beklagte herleiten könnte, nicht mehr bestanden hat«