BGH · IV ZR 340/63 vom 11.11.1964
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Sie hat im ersten Rechtszug beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an sio eine Kapitalont-Schädigung von 19.660 DM oder nach erklärter Wahl für die Zeit vom 1. Pas Landgoricht hat das beklagte Land verurteilt, der Klägerin anstelle der in dom Bescheid zuorkarmten Entschädig gungs lei st ungen eine Kapi talent Schädigung von 3 <>533 PM oder nach erklärter Wahl für die Zeit vom 1« November 1959 an eine monatliche Konto von 100 BM zu zahlen. Pie Klägerin hat Berufung eingelegt und im zwoiten Rechtozug beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an sie über die zuorkannten Beträge hinaus für die Zeit vom 1. 1. Pas Berufungsgericht hat fostgestollt, daß das Einkommen dor Klägerin, wie sich aus den von ihr zur Angootoll-tonvorsicherung gezohlton Beiträgen ergibt, in den Jahren von 1932 bio 1938 den nach dor Anlage 3 zur 3» DV-BBG in der eroton Altorostufo für don einfachen Bienst maßgebenden Richtsatz von 2*400 RM nicht überschritten habe« Das durch dio Auskunft der Bundosvorsicherungsanstalt für Angestellte ausgowiosene Einkommen entspreche den für die Klägerin maßgebenden Tarifordnungen. 2o Die Revision beanstandet, daß das Berufungsgericht als Beginn der Verfolgung erst den Zeitpunkt der Entlassung bei dor angenommen habe. Gegenüber den Bestrebungen, jüdische Angestellte zur Entlassung zu bringen, habe sie sich überhaupt nur wegen der Wertschätzung, die sie genossen habo, bis zu dem 30. Sowohl die Firma m v/io die If^-Dank seien als jüdische Unternehmen wegen der gegen sie selbst gerichteten Verfolgung nicht in dor Lage govroson, der Klägerin ein Gehalt zu zahlen, aus dem sich Schlüsse auf den Wert ihrer Tätigkeit hätten ziehen lassen. Die Annahme des Berufungsgerichts, daß die Klägerin ohno Verfolgungsdruck von der G^| zur und von dieser zur X^^^übergewochselt soi, und daß die Verfolgung der Klägerin erst mit dor Entlassung bei der 1^^^ begonnen habe, ist nicht zu beanstanden. Das Berufungsgericht hat unangreifbar festgestellt, daß das durch die Auskunft der Bundesvorsichorungsanstalt für Angestellte ausgowiosono Einkommen den für die Klägerin maßgebenden Tarifordnungen entsprochen habo (zunächst Tarifordnung für die in Loipzig in Großhandelsbetrieben beschäftigten kaufmännischen Angestellten vom 30. 3. Bas Einkommen, dos die Klägerin in den letzten 3 Jahren vor dom Beginn der Verfolgung erziolte, rechtfertigt nur oino Einreihung dnrdon einfachen Dienst. Diese Annahme wird nicht dadurch beeinträchtigt, daß das Berufungsgericht von dom in der ReichstarifOrdnung für das private Bankgowerbe ausgcwiooonon Mindostmonätseinkommens-sätzen für die Klägerin als weibliches, in die Gruppe IV eingereihtes Gefolgschaftsmitglied nicht 10, sondern nur 7 l/2 hätte abzichen dürfen* Es kann auch dahingestellt bloibcn, ob der v/eitere von dem Berufungsgericht vorgonom-meno Ortoklaoocnabochlag berechtigt ist* Keinesfalls hat das Binkomnon der Klägerin in den letzten 3 Jahren vor der Verfolgung die Tabollonoätzo der Anlage 3 zur 3® BV-BEG für don mittleren Bienst orrciohto 4o V/ird mit dom Berufungsgericht entsprechend der Behauptung der Klägerin untorstellt, daß sie bei der Grohag zunächst eine dreijährige Ausbildung durchlaufen hat, so kommt als Beginn der Berufsausübung der 1» April 1935 in Betrachte Die Klägerin befand sich dann, als 3ie Ende 1938 aus ihrer Tätigkeit boi der verdrängt wurde, nicht, wie das Berufungsgericht angenommen hat, im 7«», sondern orot im im 4» kaufmännischen Berufojahr* Bas ändert aber nichts daran, daß sie, v/io das Berufungsgericht angenommen hat, damals nicht mehr am Anfang der Berufsausübung stand, und daß für sie berufliche Entv/icklungsmöglichkoiten, die oine über die erreichte v/irtochaftliehe Stellung hinausgohendo Einstufung rechtfertigen könnten (§ 76 AbOo 1 Satz 5 BEG, § 14 Abs» 4 3o DV-BEG), nicht vorhanden waren* Burch die Berücksichtigung der beruflichen Entv/icklungsmöglichkoiten soll dom Umstand Rechnung getragen werden, daß oin Berufsanfängor die besondoron körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die für die volle Ausübung soinoe Berufs erforderlich sind, erst nach und nach entfalten kann und während dieser Anlaufzeit noch nicht das Einkommen bezieht, das dor erfahrene Berufsangehörigo erhält (Urteile dos Senats RzW 1962, 171 Nr. 21 unö von 15. Bas Berufungsgericht hat unterstellt, daß die Klägerin oine dor banktechnischen gleichwertige kaufmännische Ausbildung genosoon habe und deshalb in die am günstigsten entlohnte Einkommensgruppe IV dor ReiohstarifOrdnung für daa private deutsche Bankgov/orbo gefallen soi, Nach den sich aus dieser Eingruppiorung ergebenden Mindestcinkommenssätzon hätte die Klägerin, wenn man dio oroten 3 Jahro als Zeit der Ausbildung außer Betracht läßt und berücksichtigt, daß ein 13* Monatsgehalt gezahlt wurde und bei weiblichen Angestellten gewisse Abschläge vom Gehalt gemacht wurden, vom 8» Berufsjahr an, in dem sie das 27, Lebensjahr vollendet hätte, ein Gehalt bezogen, das die fabollensätzo dos mittleren Dienstes der Anlage 3 zur 3«» DV-BEG orroicht odor überstiegen hätte. Dabei hätte os sich aber nicht mehr darum gehandelt, daß die Klägerin vorher ihre beruflichen Fähigkeiten noch nicht voll entfaltot und aus diosom Grunde orst nach einer so langon Anlaufzeit das ihrer Vorbildung und ihren Fähigkeiten entsprechende Gehalt orhalton hätte, sondern um eine Gehalts-steigerung, wie sie violon Angestellten bis zu oinor gewissen Höchstgrenze auch dann noch zuteil wird, wenn die beruflichen Anfangsschwiorigkoiton längst üborwundon sind und die Angestellten vollwertige Arbeitskräfte darotollen. Derartige GehaltsSteigerungen haben nichts mehr damit zu tun, daß der Angosteilte zu Beginn soinor Berufolaufbahn noch nicht voll leistungsfähig war; sie sind deshalb für die Einstufung ohne Bodeutung, Daß sio nicht mehr Ausdruck der orst allmählich sich steigernden beruflichen Fertigkeiten, sondern oinor dem ausgobildoton Angestellten zuteil gewordenen Vergünstigungen sind und also bei der Einstufung außer Betracht bleiben müssen, ist um so eher anzunehmen, jo geringer die Anforderungen an die Vorbildung sind, die in dem betreffenden Beruf gestollt werden, Wenn os bei der Prüfung, ob oin Verfolgter statt in don gehobenen in den höhoron Dienst oinzuroihen ist, erheblich sein kann, ob er noch 3pätOstens bis zur Vollendung des 30o Lebensjahres oin Einkommen ontsprochond den Tabcllon-satzon erreicht, die für den höhoron Dionot in der ersten und wenn auch bei der Abgrenzung zwischen mittlerem und gehobenem Dienst noch längere Anlaufzeiten zu borücksichti-gon sein mögen (Urtoil dos Senats vom 13«» Juli 1962 IV ZR 84/61), so kann doch das Erreichen dor Tabollonsätze für den mittleren Dienst orst in dor zweiten Hälfte des zweiten Lobensjahrzchntos, also nach einer bereits viele Jahre andauernden Ausübung dor dom einfachen oder mittleren Dienst entsprechenden Berufsobliogonhoiton, keine Rolle für die Einroihung spielen» In diesem Zusammenhang i3t von Bedeutung, daß nach dor vom Berufungsgericht horangezogonen Reichstarifordnung für das private deutsche Bankgowerbe das vom 15• Be-rufojahr an von der Klägorin bezogene Höchstgehalt etwa von ihrem 50» Lebensjrhr an hintor den 3ich mit den weiteren Altersstufen steigernden Tabcllensätzon dor Anlage 3 zur 3» DV-BEG für den mittleren Dienst zurückgeblieben wäre und in den höheren Altersgruppen wieder nur mohr den Sätzen des einfachen Dionstos entsprochen hätte» 5» Auch die Auffassung dos Berufungsgerichts, daß die Berufsausbildung dor Klägerin nicht zu einer Einstufung in den mittleren Dienst führen könne?, ist aus Reohtsgründen nicht zu beanstanden» Dor wirtschaftlichen, sich aus dom Einkommen ergebenden Stellung kommt dann nicht die maßgebende Bedeutung zu, wenn dieses Einkommen in ersichtlichem Mißverhältnis zu der erhaltenen Ausbildung und den durch sie erworbenen beruflichen Fähigkeiten steht und die Berufsausbildung v/osentlich über die Anforderungen hinausgeht, die für die innegohabto Stellung zu verlangen sind (Urteile des Senats RzW 1958, 270 Hr. 35, I960 465 Hr. 20, 1964, 31 Hr. 19 173 Hr. 37). aber boi dor Klägerin nicht gooprochon v/ordon, mag sic auch die Schulo mit dor mittleren Reife verlassen und sich anschließend einer kaufmännischen Ausbildung unterzogen haben* dio, wie das Berufungsgericht unterstellt hat, zu einer Ein-gruppiorung in die am günstigsten bezahlte Einkommensgruppe dor Re ichstar if Ordnung für das private deutsche Bankgov/erbe führto 5 denn auch boi diooer Eingruppiorung galt nach der Tarifordnung für viele Berufsjahre ein dem einfachen Bienst entsprochendos Gehalt als angemessen.