BGH · IV ZR 336/62 vom 09.10.1963
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Der Kläger hat im ersten Rechtszuge beantragt, die Ehe der Parteien v/egen Verschuldens der Beklagten zu scheiden. Die Beklagte hat um Klageabweisung gebeten und vorgetragen, der Kläger habe niemals verlangt, daß sie ihm nach Westberlin folge» Ihm sei auch zu keiner Zeit ernsthaft an ihrer Übersiedlung nach Westberlin gelegen gewesen« Er habe nichts getan, um die Voraussetzungen für einen eigenen Hausstand in Westberlin zu schaffen. Unter diesen Umstanden sei es ihr nicht zuzu demuten gewesen, Babelsberg, wo sie geboren und aufgewachsen sei, und wo sie weiterhin mietefrei im väterlichen Hause wohnen könne und einen Erbschaftsanspruch von 30 000 DM-Ost verfolge, aufs Ungewisse zu verlassen» Außerdem habe sie im Jahre 1957 erfahren, daß der Kläger ehebrecherische oder ehewidrige Beziehungen zu Prau unterhalte, und Grund gehabt, daran zu glauben» Zu derselben Zeit sei ihr zugetragen worden, der Kläger habe während des Krieges ehebrecherische und ehewidrige Beziehungen zu einem 18-jährigen Mädchen unterhalten. Im Berufungsrechtszuge hat er • seine Klage in erster Linie auf § 48 EheG gestützt und beantragt, die Ehe ohne Schuldausspruch, hilfsweiso, aus den Verschulden der Beklagten zu scheiden. Das Oberlandesgericht hat nach weiterer Beweiserhebung das landgerichtliche Urteil aufgehoben und die Ehe aus § 48 EheG ohne Schuldausspruch geschieden« Mit der Revision will die Beklagte erreichen, daß das klagabweisende Urteil des Landgerichts wiederhergesteilt wird o Der erste entscheidende Grund für die Zerrüttung der Ehe ist nach dom feststehenden Sachverhalt zweifellos darin zu sehen, daß der Kläger Ostern 1952 die eheliche Wohnung in verlassen und nach Westberlin, wo er bis dahin bereits seinen Arbeitsplatz gehabt hatte, übersiedein mußte» Die Parteien sind darüber einig, daß der Klüger zu diesem Y/ohnsitzwechscl aus politischen Gründen genötigt war, so daß er ihm nicht als Verschulden angorechnot werden kann» Das Berufungsgericht hat nun im einzelnen dargelegt, daß auch für die Zeit nach dieser unfreiwilligen Trennung der Parteien ein für die Zerrüttung der Ehe ursächliches schuldhaftes Verhalten des Klägers, insbesondere ein ehewidriger Verkehr mit einer anderen Frau, wie ihn die Beklagte zunächst behauptet hatte, nicht nachgewiesen sei» Die Revision greift diese Feststellungen des Berufungsgerichts nur insoweit an, als sie geltend macht, das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigt, daß der Kläger nach der Trennung nichts unternommen habe, um die Übersiedlung der Beklagten nach Westberlin zu ermöglichen«, Diese Rüge ist nicht begründet« Die Revision verkennt daß die Beklagte in diesem Rechtsstreit nie behauptet hatte, ihr sei an einer Übersiedlung nach Westberlin ernstlich gelegen gewesen und sic habe ein entsprechendes Verlangen an den Kläger gerichtet« Vielmehr hatte sie geltend gemacht, 'daß sie seit ihrer Geburt in ihrer elterlichen Wohnung in BafHHH) v/oilne> wo sie keine Miete zu zahlen brauche und von ihren beiden Kindern unterstützt werde, daß ihr somit in ihrem Alter nicht angesonnen werden könne, nach Westberlin ins Ungewisse zu gehen, wo sie weder Y/ohnung noch Existenz habe (vgl« Schriftsatz vom 20« September I960, Bl« 26/27 GA, und vom 30« September I960, Bl« 34 GA)« In einem ähnlichen Sinne hat die Beklagte sich auch bei ihrer Vernehmung durch das Kreisgericht Potsdam vom 13 * Februar 1962 (öl» 101/102 GA) geäußert« Nach ihrem Vorbringen (vgl« Bl« 26 und 102 GA) haben offenbar beide Parteien die Trennung in der Hoffnung hingenommen, daß doch einmal eine Änderung der politischen Verhältnisse eintreten werde durch die ihnen wieder ein Zusammenleben, gegebenenfalls auch in der früheren gemeinsamen ehelichen Wohnung, ermöglicht werden würde«, Unter diesen Umständen bestand für das Berufungsgericht kein Anlaß, die Tatsache, daß der Kläger nach der Trennung der Parteien nichts dafür getan hat, daß auch die Beklagte mit den Kindern zu ihm nach Westberlin übersiedeln konnte, als ein schuldhaftes ehezerrüttendes Verhalten des Klägers zu würdigen<>