BGH · IV ZR 334/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat für einen Schaden im beruflichen Fortkommen durch Bescheid der Landesrentenbehörde vom 15«* Februar 1963 für die Zeit vom 1, Januar 1949 Kapitalentschüdi-gung und Rente erhalten« Die Behörde ging dabei davon aus, daß der Kläger insgesamt um 30 und verfolgungsbedingt um 25 £ erwerbsgemindert sei« Die Leistungen wurden entsprechend dem wechselnden Einkommen des Klägers nach einem Hundert satz zwischen 15 und 28 und unter Einstufung in den höheren Dienst bemessen« Die Rente für die Monate November und Dezember 1953 wurde nach einem Hundertsatz von 15 gezahlt, Mit seiner Klage hat der Kläger die HeraufSetzung des Hundertsatzes für die den Zeitraum vom 1, November 1953 bis 31o Dezember 1956 umfassende Rente und dementsprechend höhere Kapitalentschädigung verlangt. Mit seiner gegen dieses Urteil eingelegten Berufung hat der Kläger allein noch die Kerauf-setzung des Hundertsutzes für dio für die Monate November und Dezember 1953 gewährte Rente und demzufolge auch eine höhere Kapituientschädigung begehrt« Er hat geltend gemacht, er habe im November und Dezember 1953 keine Einkünfte erzielt« Die Rente sei daher für diese Monate nach einem Hundertsatz von 30 v« H« zu berechnen, also nach dem um 2« v, Ho zu erhöhenden Mittelwert von 28« Das Berufungsgericht hat das Urteil des Landgerichts insoweit dieses die Klage abgewiesen hat, bestätigt, da Io der Kläger seinen Anspruch für Entschädigung für Schaden an Körper und Gesundheit nicht innerhalb der in § 189 Abs» 1 BEG bestimmten Frist und auch nicht bis zur endgültigen Erledigung des fristgerecht angemeldeten Anspruchs auf Entschädigung für Bei der Festsetzung der für diese Monate zu zahlenden Rente müßte von den gesamten Einkünften, die der Kläger im Jahre 1953 aus Erwei'bStätigkeit erzielt habe, ausgegangen werden» Es komme nicht darauf an, in welchen Monaten ihm diese Einnahmen zugeflossen seien» IIo Die Ausführungen des angefochtenen Urteils, daß die weitergehende Klage, auch abgesehen von dem eben erwähnten Umstand unbegründet sei, werden von der Revision ira Ergebnis mit Recht angegriffen» bewertet werden mußten, die für die Bemessung der ihm zu gewährenden Rente maßgebend waren« Bas Berufungsgericht hat sich für die von ihm angestellte Erwägung, daß das gesamte Einkommen des Klägers aus seiner Erwerbstätigkeit im Jahre 1955 in Betracht zu ziehen sei, auf die in der RzW 19609 507 Nr« 15 veröffentlichte Entscheidung des erkennenden Senats berufene Biese Entscheidung betrifft jedoch einen'anders gelagerten Fall* der mit dem hier zu entscheidenden nicht verglichen wei’den kann« Maßgebend waren die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Verfolgten im November 1955» Seine wirtschaftlichen Verhältnisse bestimmen sich dabei nicht nach den Einnahmen, die er im November 1955 tatsächlich erzielt hat, sondern es muß beurteilt werdenp wie sich die wirtschaftliche Lage des Verfolgten in diesem Zeitpunkt darsteilte, insbesondere, welche nachhaltigen Einkünfte er in diesem Zeitpunkt zu erwarten hatte« Darauf, ob sein tatsächliches Einkommen in dem maßgebenden Zeitpunkt zufällig sehr hoch oder nur gering war oder ob er damals zu-fäDig gor kein Einkommen gehabt hat, kann es allein nicht ankOQimen« Es muß vielmehr rückschauend und vorausschauend die wirtschaftliche Lago des Verfolgten in Betraoht gezogen werden« Dabei muß davon ausgegangen werden, daß der Kläger in dem maßgeblichen Zeitpunkt kein Einkommen hatte« Ob er in der Folgezeit alsbald wieder das frühere Einkommen erreichen würde, ob die fehlenden Einnahmen im November und Dezember 1955 nur eine regelmäßige, saisonbedingte Erscheinung waren, so daß zu erwarten war, daß er auch im kommenden Jahr insgesamt gesehen wieder dieselben Einkünfte wie im Jahre 1955 haben würde« Wenn diese Annahme zutreffen würde, hätte das Berufungsgericht die Wirtschaft« liehe Lage des Verfolgten richtig beurteilt« Wenn aber die Umstände, die für die Stellung des Klägers im Erwerbsleben in Betracht kamen, den Schluß rechtfertigen wurden, daß er künftig keine oder wesentlich geringere Einnahmen als im Jahre 1953 erzielen würde, dann hätte das Berufungsgericht die wirtschaftliche Lage des Klägers zu seinen Ungunsten zu günstig beurteilt* Anhaltspunkte für di© Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Klägers in dem maßgeblichen Zeitpunkt November 1953 kann auch die Entwicklung des Einkommens geben, das der Kläger im Jahre 1954 tatsächlich erzielt hat* Der Kläger hat in der Klagschrift (S„ 3) ausgeführt, daß er wegen der allgemeinen Marktlage in seinem Gewerbozvveig im Jahre 1954 kein steuerpflichtiges Einkommen gehabt habe* Es ist zu prüfen, ob diese Behauptung zutrifft und dazu führen kann, die wirtschaftliche Lage des Klägers im November 1953 weniger günstig zu beurteilen, als es in dem angefochtenen Urteil geschehen ist«