BGH · IV ZR 317/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Durch ein dem Beklagten am Io, Mai 1958 zugestelltes Urteil des Landgerichts ist die Ehe der Parteien auf Klage und Widerklage geschieden« Beide Parteien sind mit der Maßgabe für schuldig erklärt worden, daß dio Schuld des Beklagten überwiege« Gegen dieses Urteil hat der Beklagto am 12« Mai 1958 Berufung eingelegt« Nachdem das Kammer-gericht ihn durch Verfügung vom 16« Juni 1958 darauf hingewiesen hatte, daß die Berufung nicht fristgerecht begründet worden sei, hat der Beklagte mit einem am 25« Juni 1958 eingogangenen Schriftsatz vom 24« Juni 1958 seine Berufung begründet« In einem weiteren gleichzeitig eingereichten Schriftsatz vom selben Tage hat er eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist erbeten« Hierbei hat sein Prozeßbevollmächtigter angegeben, daß er auf dem Aktenexemplar der Berufungsschrift eine ’»prompte Wied er vorlagefrist zu dem io« 6«1958” verfügt habe« Diese Frist sei auch im Pristenkalender notiert worden« Trotzdem sei die Akte nicht vorgelegt worden^ Zur Glaubhaftmachung hat er eine eidesstattliche Versicherung seiner Ehefrau überreicht« Setzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Begründungsfrist gewährt und seiner Berufung stattgegeben« Mit der Revision beantragt die Klägerin, die Berufung des Beklagten als unzulässig zu verwerfen« Der Beklagte bittet, die Hevision zurückzuweisen« Ihr war stattzugeben5 denn eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist dem Beklagten zu Unrecht gewährt worden« Zwar kann der Auffassung der Klägerin nicht zugestimmt werden, daß der Wiedereinsetzungsantrag unzulässig gewesen sei, weil er die Nachholung der versäumten Prozeß- Der Beklagte hat jedoch, wie die Revision mit Reeht geltend macht, nicht ausreichend glaubhaft geiaaeht, daß die Versäumung der Begründungsfrist auf einem unabwendbaren Zufall beruht« In der vom Beklagten Überreichten eidesstattlichen Erklärung der mit der Rührung des Pristen-kalenders beauftragten Ehefrau seines Prozeßbevollmächtig-ten ist versichert, daß auf der Durchschrift der Berufungen0 eine Frists Mlo« 5« genau* verfügt gewesen sei«, Hierzu hat der Prozeßbevollmächtigte erklärt, daß dies ein "offensichtlicher Schreibfehler sei"« Ob damit eine ausreichende Glaubhaftmachung entsprechend .der Vorschrift des § 294 ZPO erfolgt ist, kann bei der Bedeutung der versicherten Frist schon zweifelhaft sein« Xh jedem Falle aber fehlt es in dem Wiedereinsetzungsgesuch an einer Angabe darüber$ was nach Einlegung der Berufung von dem Prozeßbevollmächtigten des Beklagten zur Anfertigung der Begründungsschrift .veranlaßt, insbesondere ob und zu welchem Termin eine Wiedervorlegung seiner Handakten zu diesem Zweck verfügt worden und aus welchem Grunde auch diese unterblieben ist« Denn grundsätzlich genügt eine bloße Anordnung zur Notierung einer Frist unmittelbar vor Ablauf einer Begründungsfrist nicht« Erforderlich sind vielmehr, wenn die Begründung.nicht gleichzeitig mit der Einlegung eines Rechtsmittels erfolgt, auch Maßnahmen zur Anfertigung der Begründungs-schrift« Infolgedessen erfordert ein Wiedereinsetzungsantrag grundsätzlich eine genaue Darlegung und Glaubhaftmachung aller zwischen dem Beginn und dem Indo einer Notfrist oder Begründungsfrist liegenden Umstände, die für die Frage bedeutsam sind, wie und^gogöboneiPv; ? Entsprechend dem intrag der Klägerin war daher das Berufungsurteil aufzuheben und die Berufung wogon Versäumung der Begründungsfrist gemäß •§ 519 b ZPO als unzulässig zu verwerfen®