BGH · IV ZR 314/62 vom 12.07.1963
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Die Revision gegen das Urteil des 5* Zivilsenats dos Oberlandesgerichts Köln vom 2, Juli 1962 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen. März I960 hat das Landgerich die Klage dem Grunde nach fUr gerechtfertigt erklärt« In dem Urteil wird ausgeführt, der Kläger habe den Nationalsozialismus aus politischen und religiösen Gründen abgelehnt« Seine Gegnerschaft sei in Parteikreisen bekannt gewesen« Ihm sei ein wesentlicher, allein durch die Verfolgungsgründe des § 1 BEG verursachter Geschäftsschaden entstanden«, Er sei in der Ausübung seiner selbständigen ErwerbStätigkeit wesentlich beschrankt worden« Wenn auch keiner der vernommenen Zeugen zu dem Umfang der Geschäftsschädigung präzise Angaben habe machen können, biete der bisherige Streitstand nicht zuletzt auch in Hinblick auf die Vorschrift des § 176 Abs« 2 BEG do..*if<: genügend Anhaltspunkte für die Feststellung, daß im Falle des Klägers eine wesentliche Berufsbeschränkung im Sinne des § 66 Abo« 1 und Abs« 3 BEG schon jetzt uneingeschränkt im Rahmen der beim Grundurteil zur Schadensfcststellung anzu-steilenden Erwägungen bejaht werden könne« Bas Landgericht hat durch Sndurtoil vom 14«» November 1961 unter Abweisung der Klage im übrigen das beklagte Land verurteilt, an den Kläger wegen Schadens im beruflichen Fortkommen in selbständiger Erwerbstatigkeit eine Kapitalent-schädigung von 3 852 Bfö su zahlen, Gegen dieses Urteil haben beide Parteien Berufung eingelegt, Bas Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers zurUckgowieoen und auf die Berufung des Beklagten das Urteil dos Landgerichts dahin geändert, daß die Klage in vollem Umfang abgowiesen wird. 3o auf die Berufung des Klägers den Rechtsstreit in dem aus dieser Berufung ersichtlichen Umfang zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht surückzuverweisen und dem Berufungsgericht auch dio Entscheidung über die Kosten der Revision su übertragen; Auch sonst habe die Beweisaufnahme nicht ergeben* daß der Kläger aus Gründen der Gegnerschaft zu dem Nationalsozialismus durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen so erheblich in seiner Erwerbstätigkeit beschränkt worden sei* daß ihm ein Anspruch auf Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen suctünöo« Außor dem erwähnten Schreiben vom 3» September 1944 seien keine konkreten Verfolgungsmaßnahraen fo3tzusteilen, die zu einer wesentlichen beruflichen Schädigung des Klägers geführt haben könnten* Die Beschlagnahme vom Kraftwagen, die vorübergehende Einziehung zu dem Wehrdienst, die Heranziehung zur Arbeiten an der Ruhrtalsperre und die Belegung des Hauses mit SS-Leuten als Einquartierung müßten als Verfolgungsmaßnahmcn von vornherein ausscheiden* Maßnahmen dioser Art seien in unzähligen Fällen erfolgt, ohne daß Vcrfolgungcgründe dabei eine Rolle gespielt hätten* Aus dem Vortrag des Klägers ergäben sich auch keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, daß es in seinem Falle anders gewesen sei* V/ao die Belieferung der RAD-Verbände angehe, so habe die Beweisaufnahme nur ergeben, daß dem Kläger im Jahre 1958 oder 1959 mitgctcilt worden sei, es brauchten vorläufig keine Spirituosen an den RAD mehr geliefert zu werden, und daß der Kläger und seine Umgebung der Überzeugung gewesen seien, man habe ihn nur wegen seiner gegnerischen Einstellung zu dem Nationalsozialismus von der weiteren Belieferung der RAD-Verbände ausgeschlossen* Aus einem solchen Sachverhalt könne aber nicht der Schluß gezogen werden, dem Kläger sei die weitere Belieferung dos RAD entzogen worden, um ihn als Gegner dos Nationalsozialismus zu treffen« Ebensogut sei es möglich, daß ein Konkurrent des Klägers sich auf Grund besserer Beziehungen zu den in Betracht kommenden Stellen des RAD den Auftrag verschafft gehabt habe« Ähnlich liege der Sachverhalt bei den Zuteilungen während des Krieges* Auch hier fehle jeder bestimmte Anhaltspunkt für eine konkrete Verfolgungcmaßnahrae* Ferner sei zu bedenken, daß der Umsatz des Klägers bis zu dem Jahre 1940 ständig biG zu dem Betrage von 46 518 RM gestiegen und im Jahre 1941 mit 56 445 RM auf eine Zahl zurückgefallen sei, die immer noch über derjenigen von 1958 gelegen habe* Zu berücksichtigen sei schließlich, daß im Kriege und vor allem in den Jahren 1942 bis 1945 auf Grund der damaligen Kontingentierung^ Maßnahmen die geschäftliche:. Entwicklung bei vielen Spiri- • tuosenherstellern und -Händlern rückläufig habe werden müssen, ohne daß solche Rückgänge auf nationalsozialistischen Vor-folgungcmaßnahmen beruht hätten» Unter diesen Umständen sei nicht festzustellcn, ob und in welchem Zeitraum der Kläger infolge nationalsozialistischer Yerfolgungsmaßnahmen eine Einkommonsminderung von mehr als 25 $ erlitten habe, wie dies nach § 66 Abs» 3 BEG Voraussetzung für einen Anspruch auf Entschädigung für Beeinträchtigung der selbständigen Erwerbs-tätigkoit sei» IT 1 o Zu Unrecht rügt die Revision«, daß das Berufungsgericht mit Rücksicht auf das zuvor ergangene rechtkräftig gewordene Grundurteil des Landgerichts die Klage nicht in vollem Umfang hätte abweisen dürfen» Denn ein Grundurteil durfte in dem hier zu entscheidenden Rechtsstreit, der einen Schaden im beruflichen Fortkommen durch wesentliche Beschränkung in der Erwerbstätigkeit betraf, nicht ergehen» Der erkennende Senat hat aus demselben Grunde in einem Rechtsstreit über einen Anspruch auf Kapitalentschädigung und Rente wegen Gesundheitsschadens eine Vorabentscheidung über den Grund für unzulässig erklärt, da die in dem Verfahren notwendigen Feststellungen über das Ausmaß der Minderung der Erwerbsfähigkeit den Grund und den Betrag des Anspruchs betreffen (LM ZPO § 3o4 Mr. 18). Dasselbe gilt, wenn es sich um einen Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Portkommen handelt, der sich darauf gründet, daß der Kläger in der Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit wesentlich beschränkt worden ist* Auch hier läßt sich eine saubere und eindeutige Trennung zwischen den den Grund des Anspruchs betreffenden Voraussetzungen und denen, die sich auf die Hoho des erlittenen Schadens beziehen, nicht vornehmen, da nicht jede-Beschränkung, sondern nur eine wesentliehe, die in der Gesamtzeit der Schädigung zu einer Einkommensminderung von mehr als 25 v.H. geführt hat, den Anspruch auf Entschädigung begründet. Das; Gericht muß daher, wenn es über den Grund des Anspruchs vorab entscheiden will, nicht nur prüfen, oh der Kläger von nationalsozialistischen Verfolgungsraaßnahmen betroffen worden ist und ob diese zu einer Schädigung in seinem beruflichen Portkommen geführt haben. der nach einer mindestens 25 $ betragenden Beschränkung seiner Erwerbstätigkoi in der Zeit vom 1 * Januar 1936 bis 31» Dezember 1949 zu berechnen wäre« Das folgt schon daraus, daß für die Entschädigungoverfahren nach § 209 BEO die Vorschriften der ZPO sinngemäß ansuv/enden sind« Bei der Eigenart des Entschädigungoverfahrens und der besonderen Gestalt des Anspruchs auf Entschädigung für einen durch Beschränkung in der Erwerbstätigkeit hervorgerufenen Berufsschäden, dem zu Folge cs nicht nur unzweckmäßig, sondern verwirrend und kaum durchführbar ist, über Grund und Betrag getrennt zu entscheiden, kann jedenfalls in Entschädigungsverfahren ein unzulässig ergangenes Grundurteil keine Hechtskraft erlangen« Es kann das Gericht nicht hindern, in dem weiteren Verfahren den ganzen Anspruch und damit auch die Frage nach dem Vorliegcn und dem Ausmaß einer verfolgungsbedingten Beschränkung in der Erwerbstätigkeit unabhängig von den in dem Grundurteil getroffenen Feststellungen, zu prüfen« 2o Selbst wenn, entgegen der hier vertretenen Ansicht, ein Grundurteil für zulässig gehalten würde, würde doch das in dieser Sache ergangene Grundurteil für die im Betragsverfahren zu treffende Entscheidung nicht binden« Grundsätzlich kann die Bindung nach §§ 318, 512 ZPO nicht weiter gehen, als es dem Willen des das Zwischenurteil erlassenden Gerichts entspricht« Maßgeblich ist dabei nicht die Urteilsformel für sich allein, sondern es müssen zu ihrer Erläuterung die Entscheid ungsgründo mit herangezogen werden« Der Inhalt des Grundurtcils richtet sich nach den vom Gericht erkennbar getroffenen Feststellungen und Schlußfolgerungen und geht nicht darüber hinaus« Nur so weit reicht nach § 512 ZPO auch die Bindung des Berufungsgerichts* Es kann daher sehr wohl Vorkommen, daß im Nachverfahren die Klage vollständig abge-wieccn wird, weil kein Schaden entstanden ist« Der Umstand,* Bei dem Anspruch auf Entschädigung fUr Schaden im beruflichen Portkommen, der durch eine Beschränkung der selbständigen Erwerbstätigkeit hervorgerufen worden ist, könnte daher ein Grundurteil, falls es zulässig wäre, nur ergehen, wenn das Gericht nach Maßgabe der Umstände des Palles davon überzeugt ist, daß die verfolgungsbedingte Beschränkung der Brwerbstätigkeit zu einer Binkoramensminderung von mehr als 25 i* geführt hat» Nur diese für den Brlaß des Grundurteils notwendige Voraussetzung hat auch das Landgericht festgestellt mit seinem Hinweis, daß im Rahmen der beim Grundurteil zur Schadcnsfeotstellung anzuoteilenden Erwägungen nach dem Stroitstand zur Zeit des Erlasses des Grundurteils genügend Das Berufungsgericht konnte und mußte daher auf jeden Fall im Betragsvorfahren prüfen, wie hoch die verfolgungsbedingte Minderung des Einkommens des Klägers tatsächlich gewesen ist» Das Grundurteil schloß die Feststellung, daß eine solche Minderung nicht feotgestellt werden könne, schon nach seinem Inhalt nicht aus und hinderte das Berufungsgericht nicht daran, die Klage aus diesem Grunde abzuweisen«, IIo Unbegründet sind auch die Angriffe, die die Revision gegen die Ausführungen des Berufungsgerichts richtet, daß eine verfolgungsbedingte Minderung des Einkommens des Klägers um mehr als 25 f° nicht festgestellt werden könne» Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß für die Entscheidung der Frage, ob eine Beschränkung in der Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit wesentlich ist, die zurückgcgcngonen Einnahmen mit denjenigen aus der Zeit vor der Verfolgung zu vergleichen sind und daß es nicht entscheidend ist, welche Einnahmen der Verfolgte ohne die Verfolgung möglicheryjeise erzielt hätte (vgl» Urteil des Senats RzW 1961, 174 Nr» 20 mit Hinweisen auf die frühere Rechtsprechung des Senats)» Sin anderer Rechtsstandpunkt ist auch in dem in der Revisionsschrift angeführten Urteil RsW I960, Abgesehen davon kann eine Beschränkung in der Erwerbs-tätigkeit des Klägers in den Jahren von 1937 bis 1941 schon aus dem Grunde nicht angenommen werden* weil nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts Umsatz und Einkommen des Klägers in diesen Jahren wesentlich höher lagen als in den dem Beginn der Verfolgung vorangehenden drei Jahren* Erstmals im Jahre 1942 waren Umsatz und Einkommen des Klägers geringer als in den der Verfolgung vorangehenden drei Jahren* 1943 überstiegen sie wieder die vergleichsweise horanzusiehenden Beträge* um 1944 und 1945 dann erheblich absuainken» Insoweit hat das Berufungsgericht berücksichtigt* daß in Kriege und vor allem in den Jahren 1942 bis 1945 auf Grund der damaligen Kontingentierungsmaßnahmen die geschäftliche Entwicklung bei vielen Spirituosenherstellern und -Händlern rückläufig werden mußte* ohne daß solche Bückgänge auf nationalöozialistischtfiVorfolgungsmaßnahmen beruht hätten* Das Berufungsgericht verstieß damit nicht gegen das Verfahrensrecht * wenn cs nicht in der Lage war fest2ustellen* ob und in welchem Zeitraum der Kläger infolge nationalsozialistischer Verfolgungemaßnahmen eine Einkommensminderung von mehr als 25 fo erlitten hat* Bas Berufungsgericht brauchte daher nicht zu prüfen* wie hoch der Umsatz des Klägers und sein Verdienst gewesen wäre* wenn er die Beichsarbeitsdienstlager weiter beliefert und ihm Spirituosen fernerhin zugeteilt worden wären*