BGH · IV ZR 312/58 vom 22.05.1959
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§ 141 BEG setzt nicht voraus, daß der Verfolgte im Zeitpunkt der Geltendmachung des Soforthilfeanspruchs seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Geltungs hereich des Bundesentschädigungsgesetzes hat. Es sei auch, im Gegensatz zu der Auffassung des beklagten Landes, nicht erforderlich, daß der zurückgekehrte Verfolgte bei Geltendmachung des Soforthilfeanspruchs seinen Wohnsitz noch im Geltungsbereich des Bundes ent Schädigungsgesetzes habe. 1. Wie der Senat in seinem Urteil vom 2.Oktober 1957 - IV ZR 157/57 - (RzW 1957, 413 Nr. 34) ausgesprochen und eingehend begründet hat, war die zwangsweise Verbringung der deutschen Juden nach Theresienstadt eine "Deportation,r im Sinne des § 141 BEGt Begriffswesentlich hierfür ist nach dem Sinn des Gesetzes die zwangsweise Verbringung eines Verfolgten aus deutschem Gebiet in ein solches, das nach allgemeiner Anschauung damals als nicht deutsches Gebiet betrachtet wurde. Für die Maßgeblichkeit dieser geographischen Gesichtspunkte spricht auch, daß § 141 BEG die "Deportation” zusammen mit "Auswanderung" und "Ausweisung", welche, obwohl es auf die deutschen Staatsgrenzen, wie betont, ausschlaggebend nicht ankommt, in jedem Palle aber doch einen Grenzübertritt erfordern, angeführt und den Soforthilfeanspruch an die "Iffickwanderung" geknüpft hat» Die Ansicht von Böhm (RzW 1959, 97, 99), der Verfolgte müsse in ein "Deportationslager" verbracht worden sein, findet im Gesetz keine Stütze, Diese Meinung würde auch, soweit der Verfolgte zwar in ein seinem Volkstum fremdes, außerdeutsches Gebiet, aber nicht in ein "Deport at ions lager", sondern in ein gewöhnliches Konzentrationslager verbracht worden ist, zu einer dem Sinn und Zweck des Gesetzes zuwiderlaufenden Einschränkung des Deportationsbegriffes führen; andererseits würde sie, soweit derartige "Deportationslager" im innerdeutschen Gebiet lagen, zur Annahme einer "Deportation" auch in diesen Pallen nötigen, was mit dem Sinn und Zweck des Gesetzes gleichfalls nicht vereinbar ist (vgl, Urteil des Senats vom 22» Mai 1959 - IV ZR 11/59). Danach hat das Oberlandesgericht eine "Deportation" der Klägerin nach dem im damaligen Protektorat Böhmen und Mahren gelegenen Theresienstadt im Sinne des § 141 BEG ohne Rechtsirr tum bejaht. 2, Unbegründet sind die Angriffe der Revision gegen die Annahme des angefochtenen Urteils, die Klägerin habe nach ihrer Rückkehr aus 'Theresienstadt in (DgpP) ihren Wohnsitz gehabt. und diesen Ort dann wegen der anfänglichen Schwierigkeiten im Eachkriegs-Deutschland wieder verlassene Das Oberlandesgericht hat ohne Rechts irrt um angenommen, das Gesetz erfordere, daß der zurückgekehrte Verfolgte nach dem 8» Mai 1945 im Geltungsbereich des Bundesentschädigungsgesetzes den ernsthaften Willen betätigt haben müsse, sich hier einen neuen Lebensraum zu schaffen und für unbestimmte Zeit seßhaft zu werden, den gewählten Ort also zu dem Mittelpunkt oder Schwerpunkt seiner Lebensverhältnisse zu machen und nicht nur vorübergehend dort zu verweilen» Das öberlandesgericht trifft auch rechtlich das Richtige, wenn es weiter ausführt, das Erfordernis der Dauer könne nur relativ, nämlich im Sinne eines unbestimmten, nicht von vornherein befristeten Zeitraums, nicht dagegen im Sinne eines ”für immer” verstanden werden» Es unterliegt keinem rechtlichen Bedenken, wenn das Berufungsgericht diese VoruassetZungen in der Person der Klägerin für gegeben erachtet hat (vglo die Entscheidungen des Senats vom 21» Juni 1957 - IV ZR 111/57 RzW 1957, 522 Er» 22; vom 29» Juni 1957 - IV ZE 107/57 -, RzW 1957, 520, 522 Er» 21; vom 5» Juli 1957 - IV ZR 70/57 RzW •1957, 561 Er» 22; vom 14» Pebruar 1958 - IV ZR 286/57 RzW 1958, 260 Er» 21; vom 11» März 1959 - IV ZR 262/58 -)» 5» Rechtsirrig ist schließlich auch die Annahme der Revision, es gehöre zu den gesetzlichen Voraussetzungen des § 141 BEG, daß der Verfolgte im Zeitpunkt der Geltendmachung des Soforthilfeanspruchs seinen Wohnsitz noch im Geltungsbereich des Bundesentschädigungsgesetzes habe» Allerdings ist die Klägerin bereits im September 1950 nach den USA ausgewandert„ Gemäß § 141 Abs» 1 BEG wird Jedoch lediglich vorausgesetzt, daß der Verfolgte nach dem 8. hat oder nimmt; diese gesetzliche Voraussetzung ist hinsichtlich der Klägerin oben bereits bejaht worden- Im übrigen besteht nach § 4 Abs* 1 Nr, 1 Buchst, c BEG der Anspruch auf Entschädigung auch dann, wenn der Verfolgte vor dem 31, Dezember 1952 ausgewandert ist und seinen letzten Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Gebieten • - hier Lambrecht (Pfalz) - gehabt hat, die am 31» Dezember 1937 zu dem Deutschen Reich gehört haben« Der gesetzliche Ausnahmefall, daß der Verfolgte im Zeitpunkt der Entscheidung seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Gebieten hat, mit deren Regierungen die Bundesrepublik Deutschland keine diplomatischen Beziehungen unterhält, liegt hier nicht vor. In rechtspolitischer Hinsicht ist, wie das Oberlandesgericht zutreffend ausgeführt hat, der Zweckgebundenheit der Soforthilfe für Rückwanderer im Sinne einer Existenzgründung in der Bundesrepublik Deutschland bei der Klägerin durch die Vollendung von deren verfolgungsbedingt unterbrochener Ausbildung Rechnung getragen« Soweit die Soforthilfe dem Rückwanderer einen Anreiz zu dem Verbleiben in der Bundesrepublik geben soll, ist, wie das Oberlandesgericht ebenfalls mit Recht hervorgehoben hat, dieser Zweck in der Person der Klägerin für eine genügende Zeitdauer erfüllt (Urteile des Senats vom 25» Juni 1958, IV ZR 53/58 /RzW 1958, 322 Nr. 647 und IV ZR 67/58 /RzW 1958, 406 Nr»2-77)«