Hachschlagewerk:
Amtliche Sammlung:'
ia
Ci
nein
BEC- §§ 171 p 189 Abs. 1
Auch der Antrag auf Gewährung von Härteausgleichsleistungen war grundsätzlich bis zu dem 1, April 1958
zu stellen.
Urt
■’0. April 1963 _ IV Zß 309/62 - 010 Düsseldorf
LG Düsseldorf
IV ZE 3o
1
Verkündet am
10, April 1963
Hoeppe, Justizangestellter als* Urkundsbeamter
der Geschäftsstelle
I m
Namen
des
Volkes
In dem Entschädigungsrechtsstreit
*
*
gegen
das Land iüordrhein-V/estfalen,
vertreten durch den Innenminister des Landes Nordrhein-Weu*t
falen in Düsseldorf, Elisabethstr <> 5->
Beklagten und Revisionsbeklagten«,
hat der IV» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs ohne mündlich Verhandlung am 3« April 1963 unter Mitwirkung des Senats— Präsidenten Ascher und der Bundesrichter Wüstenberg, Maaß, Wilden und Dr„ Graf
♦
♦
♦
?ür Recht erkannt:
♦
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 11o Zivilsenat des Oberlandesgerichts
♦
in Düsseldorf vom 11«, Juli 1962 wird zurück—
gewiesen.
Gerichtsgebühren und Auslagen werden nicht erhoben* Die außergerichtlichen Kosten der Revision trägt der Kläger.
V"on Rechts wegen
%m
+ •
Tatbestand:
Der am
Kläger wurde 1944 in
1927 in
geborene jüdische
verhaftet und in verschiedenen
Konzentrationslagern festgehalten* Er ist jetzt geisteskrank und geschäftsunfähig* Sein Vater, der Pfleger des Klägers ist, hat erstmalig in einem am 27* November 1959
beim Bayerischen Landesentschädigungsamt cingegangenen
Schriftsatz vom 23» November 1959 für ihn Entschädigung
Schreiben hat er gebeten
nach den B3G beantragt* In diesem
die Versäumung der Anmeldefrist als unverschuldet anzusehen
Lurch Schrift
Br
Gewährung c
r* n
t
__kJ
von 19o/2o* April i960 hat Rechtsanwalt beim Regierungspräsidenten in Köln um die
Härteausgleichs und gleichzeitig wegen
nco
der Versäumnis der Antragsfrist um die Wiedereinsetzung
in den vorigen Stand gebeten* Sr ha
vorgex
gen
9
die
Geisteskrankheit de^
rs sei
eien in den
durch die Strapazen und
fcionslagern, denen er im Alter
von 16 Jahren ausgeoetzt gewesen sei, hervorgerufen worden
Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen hat den Antrag des Klägers zurückgewiesen* Er hat es unent-schieden gelassen, ob der Wiedereinsetzungsantrag des Klägers begründet sei, denn dem Antrag könne ohnehin nicht
entsprochen werden, weil der Kläger die allgemeinen Wohn-
*
sitsvorausSetzungen der §§ 4, 149 ff BEG nicht erfülle* Außerdem lebe er in einem Land, zu dem die Bundesrepublik Deutschland keine diplomatischen Beziehungen unterhalte*
Die gegen den ablehnenden Bescheid erhobene Klage ist durch Urteil der 4« Entschädigungskammer des Landgerichts
*
Die Berufung des Klägers blieb ohne Erfolg
Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Hevision verfolgt der Kläger seinen Antrag auf Aufhebung des ange~ fochtenen Bescheids weiter,,
Das beklagte Land hat sich im Revisionsrechtszug
nicht vertreten lassen»
Die Revision ist nicht begründet»
Mit Recht hat das Oberlandesgericht dem Kläger wegen Versäumung der Antragsfrist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gemäß § 189 Abs» 3 BEG gewährt»
Zutreffend hebt das Berufungsgericht hervor? daß die
in
189 Aua»
b
CJ
7
1 BEG bestimmte Anmeldefrist grundsätzlich
auch für die Anträge auf Gewährung von Härteausgleichs
Leistungen nach § 171 BEG gilt (vgl» van Dam/Loos? BEG § 1
s ?
Ann
12; Zorn? RzW 1961
7
145
7
148)
Die gegenteilige Ansicht
von Blessin/Ehrig/Wilden (BEG
*=;
Aufl
17t Nr» 24) über
zeu«t nicht
5
da sie
dem eindeutigen? im Wortlaut des § 189
Ab
O o
I BEG zu dem Ausdruck gelangten Willen des Gesetzgebers
widerspricht» Auch Härteausgleichsleistungen werden nur auf
189 Abs» 1 BEG waren die Anträge für
An
*!•
0
gewährt» Gemäß
April 1958 oinsureichen
die Leistungen nach dem BEG bis zu dem 1 Insofern l
Leistung eine Ausnahme in Betracht? die in ihrer be
ommt nur hinsichtlich der in § 141 BEG
ten
v»
Na t u
begründet liegt
D
a der
Gesetzgeber in
189
Abs»
en
1 BB&
* * * • •
v; % t v
..
*
• * ♦
nur die Ansprüche nach § Hl BEG von der sonst allgemeingültigen Anmeldefrist ausgenommen hat, folgt, daß die Ansprüche hinsichtlich aller anderen Leistungen nach dem ERG bio sum Io April 1958 anzu demelden waren» Bann können bei verspäteter Anmeldung Entschädigungaleistungen nur suerkannt werden, wenn einem ordnungsgemäß gestellten Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand otatt-
zugebon ist«
CA
Bas Oberlandesgericht hat den Wiedereinsetzungsbegründet erachtet, weil er ohne
ntrag des Kxa
s für
o
ein Verschulden verhindert gewesen sei, die Antragsfrist
einzuhalten
Er selb
G o
sei geschäftsunfähig und sein Vater
und
flegor habe im Schreiben an das Bayerische Landcsent
s
chä d i gung s amz
vom 23° November 1959 glaubhaft gemacht.
daß ihm in
die
Bestimmungen
des
unbekannt geblieben seien»
Auch
sei
BEG bis Ende 1959
der Wiedercinsetzungs
1*
c
JL
mera
. /-> •A» V/
chtseitig gestollt, weil er gleichseitig mit der
Anmeldung des Anspruchs angebracht worden sei
Hiergegen sind keine Einwendungen zu erheben» Einem auf Unkenntnis der gesetzlichen Anmeldefrist gestützten Wiedereinsetzungsantrag kann nur stattgegeben werden, wenn die Unkenntnis nicht auf einem Verschulden beruht» Babci hat der Verfolgte für ein Verschulden seines Vertreters einzustchen (u» a. Urteil vom 18» Bescmbcr 1959 - IV ZR 189/5 Rz\7 I960, 135 Nr» 375 Beschluß vom 23» November I960 -IV ZR 324/60 RsW 1961, 83 Nr» 45)« Bas gilt auch für den Rail, in welchen der Verfolgte einen gesetzlichen Vertreter
hat, der für ihn handelt (Urteil, vom 13° März 1963 - IV ZR
247/62 -)» Ist der Vertreter rechtskundig, so ist zur Erago des Verschuldens bei der Versäumung der Antragsfrist darauf
5
abzustell
9
ob er jede ihm zu demutbare Sorgfalt aufgewendet
hat
9
um die Einhaltung der Antragsfrist zu gewährleisten
(vgl
Urteil vom 15« März*196
IV ZR 213/60
9
RzW 1961
9
325 Nr
36)
Allerdings muß auch er objektiv die Möglichke
gehabt haben, sich über die deutsche Wiedergutmachungsgesetzgebung und deren Einzelvorschriften, also über die
rechtlichen Grundlagen, zu informieren, und es muß ihm die
*
Zwar
im Land seiner
Tätigkeit auch zu demutbar gewesen
sein»
ist der Vater
des
Klägers Rechtsanwalt in
Wenn es
das
Oberlandesgericht trotzdem für glaubwürdig erachtet ha
von der deutschen
daß er sich nicht vor Ende 1959 Kenn
Wiedcrgutmachungsgccctzgebung verschaffen konnte, so ist
♦
dagegen
a:
igesichts der damaligen besonderen Verhältnisse
i]
nichts zu
nnahmo zu Rech
erinnern. Schließlich besteht auch die
9
daß der
iViedereinsetzungsantrag frist
gerecht gestellt worden ist
De
Revision
t aber
sachlich
rlind
der
Erfolg zu versagen»
Das Berufungsgericht geht davon aus, daß der vom
Kläger beantragte Härteausgleich nicht schon deshalb abzu-
*
lehnen sei- weil der Kläger die allgemeinen Voraussetzungor
von denen nach § A BEG der Anspruch auf Entschädigung ab-
»
hängt, nicht erfüllt» Die Entschädigungsbehörde müsse vielmehr im Rahnen ihres pflichtgemäßen Ermessens befinden, ob
♦
sie dem Kläger einen Härteausgleich gewähren wolle» Es handle sich um eine echte ErmessensentScheidung, die das Gericht nur in den durch § 211 BEG gezogenen Grenzen nachprüfen könne» Wenn die Entschädigungsbehörde, insbesondere anhand der behördlichen Richtlinien, dem Beihilfeantrag
r*
• / • *
*
6
des Klägers nicht entsprochen habe, so sei nach Lage der Sache ein Ernessenofehler oder ein Ermessensmißbran.ch nicht ersichtlich. Auch verstoße die Entscheidung nicht
gegen verfassungsrechtliche Grundsätze,
#
Dem Berufungsgericht ist im Ergebnis, nicht dagegen in der Begründung zuzüstimmen. Eine Ermessensentscheidung,
die von den Gerichten nur im Rahmen des § 211 BEG nach-
♦
geprüft werden könnte, steht im vorliegenden Pall nicht in Frage, Denn der Kläger, der nach der Sachlage nicht die Voraussetzungen des § 4 BEG oder der §§ 149 ff BEG erfüllt, kann Leistungen aus dem Härteausgleich nach § 171 BEG nicht erhalten. Der erkennende Senat vertritt in ständiger Rechtssprechung die Auffassung, daß nur diejenigen Verfolgten einen Hiirteausgleich nach der genannten Vorschrift erhalten können, bei denen die Voraussetzungen des § 4 BEG oder der §§ 15o
oder 16o BEG gegeben sind. Diese Rechtsauffassung hat der
erkennende Senat insbesondere in den Entscheidungen vom
28, November 1962 - IV ZR 178/62 vom 12, Dezember 1962 -
,
IV ZR 177/62 - und vom 16, Januar 1963 - IV ZR 239/62 -
*
(mit Stellungnahme zu den Ausführungen von Schüler in
RzY/ 1963? Io ff) vertreten und begründet« Hierauf wird zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug genommen,..Auch nach erneuter Prüfung und unter Berücksichtigung der von der Revision erhobenen Einwendungen sieht der Senat keine Ver-anlacsung, von dieser Rechtsprechung abzuweichen.
t
7
den §§
Ascher
Die Revision war daher mit der Kostenfolge aus 97 Abs» 1 ZP09 225 Abs» 1 BEG zurttckzuweisen.
Y/üstenberg Bundesrichter Maaß Wilden Dr* Grs
ist beurlaubt und
daher verhindert zu unterschreiben
Ascher
»