BGH · IV ZR 307/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
-Proz eßb evollmächtigter: Rechtsanwalt Br das Band Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den Regierungspräsidenton in Büoaoldorf, Beklagten und Rovisionsbeklagten, hat der IV, Zivilsenat dos Bundesgerichtshofs auf dio mündliche Verhandlung vom 22, März 1963 unter Mitwirkung der Bundesrichter Johannsen, Wüotenherg, Maaß, Br, loewonhcim und Br, Graf für Recht erkanntt Auf die Revision des Klägers wird das Urtoil des 11, Zivilsenats des Oh erland esgericht s in Büssoldorf vom 17, Januar 1962 aufgehobon, Bor Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen, Bas Verfahren-, des Revisionorechtssugoo ist froi von gerichtlichen Gebühren und Auslagon, Von Rechts wegen Dio Entschädigungsbehörde hat dem jüdischen Kläger, dor von 1929 his 1955 Vertreter einer fextilfirma gewesen war, durch Toilbeschoid vom 18* Januar 1957 als Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen eine monatliche Rento in Höhe von 600«— DM für die Zeit vom 1, Novembor 1953 an und eine KapitalentSchädigung in Höhe der Rcntenbo-zügo eines Jahres für die Zeit vor dom 1. In den Angaben des Klägers über die Höhe seines Einkommens hat das Berufungsgericht insofern Unrichtigkeiten erblickt, al3 das monatliche Fixum von 200 EM mit der Provision verrechnet worden ist und diese sich noch um die Unkoston dos Klägers in Höhe von monatlich durchschnittlich 200 RM Vörringert haben* Nach den weiteren Feststellungen dos Berufungsgerichts hat der Kläger dieso Unkosten vorschwiegen und eino unrichtige Darstellung über die Verrechnung des Fixums gegebenum den Eindruck eines weit höheren Einkommens zu erwecken und dadurch höhere Bnt-schädigungsleistungon zu erlangon. Die völlige Entziehung der bereits zuerkannten Ansprüche und die Versagung der weiterhin geltend gemachten Ansprüche hat das Berufungsgericht mit der Erwägung gebilligt, daß sich die Bohördo von dem besonderen Ausmaß des Verstoßes des Klägers gegen dio Wahrheitspflicht habo leiten lassen und dies mit Rücksicht auf den Strafcharakter des § 7 3EG bei schuldhafter Verletzung der Warheitspflicht auch gerechtfertigt sei. 2« Dio Revision rügt mit Recht, das Berufungsgericht sei von einer anderen Sachlage ausgegangen, als der, die dem angefochtenen Bescheid zu Grunde gelegt worden sei« Damit habo das Berufungsgericht für die Versagung der Ansprüche des Klägers sein Ermessen an die Stolle dos Ermessens der Behörde gesetzto Rach § 7 BEG liegt dio Entziehung oder Versagung von Entschädigungsansprüchen im Ermessen der Entschädigung sbehörde, Das Entschädigungsgericht hat nach § 211 BSG nur zu prüfen, ob die Entschädigungsbohörde dio gesetzt liehen Grenzen des Ermessens überschritten oder von dem Ermessen in einer dom Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat» Zu dieser ihm Vorbehaltenon Prüfung ist das Gericht nur dann in der Dago, wenn es au3 der Ermessensentscheidung der Behörde ersehen kann, welche Erwägungen bei der völligen oder teilweisen Versagung dos Anspruchs eine Rolle gespielt haben« An diese Erwägungen sind die Entschädigungsgerichte gebunden« Sie dürfen nicht ihr Ermessen anstolle, des Ermessens der Entschädigungsbehördo setzen« Eine solche Änderung ist unzulässig (vgl« Urteil dos erkennenden Senats vom 8« November 1957 - IV ZR 152/57 IM Nr« 3 su § 7 BEG 1956 = RsW 1958, 101 Rr« 19 und Urteil vom 50o Mai 1962 - IV ZR 287/61 EzW 1962, 474 Nr«40)« Eine solche unzulässige Änderung dex’ Ausübung des Ermeooons liegt aber dann vor, wenn das Bntechädigungsgericht die Entziehung und Versagung billigt, obwohl der von ihm fest-gestellt o und daher seiner nach § 211 BEG getroffenen Entscheidung zugrundeliegende Sacjiverhalt in objektiver oder subjektiver Hinsicht wesentlich von dem Verhalten des Be- tächlich erzielten Einkommens angegeben und dadurch seine Wahrheitspflicht gröblich verletzt habe, und daß wegen dieses Ausmaßes des Verstoßes gegen die Wahrheitspflicht die völligo Versagung der Ansprüche erforderlich gewesen sei» Von diesem für die Erwägungen der Entschädigungsbehörde maßgeblichen Sachverhalt weicht der dem Berufungo-urtoil zugrundeliegendo Sachverhalt in erheblichem Umfang ab. Nach letzterem Sachverhalt hat der Kläger bei dor Schilderung seines Vorverfolgungseinkommeas seine tatsächlich erzielten Einkunfto nicht um das Vierfache, condom allenfalls um das Doppelte erhöht0 Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß das Berufungsgericht zu der von ihm festge-stollten Differenz zwischen dem tatsächlichen und dem vom Kläger angegebenen Einkommen unter anderem auch deshalb gekommen ist, weil der Kläger von seinem Einkommen die mit monatlich 200 RM veranschlagten Geschäftsunkosten habe ab-setzon müsseno Letzteres ist zwar zweifellos richtig (vglo Urteil des erkennenden Senats vom 14, Juli 1961 - IV ZR 40/61 RzW 1961, 558 Nr» 22]. Nach allem durfte das Berufungsgericht nicht auf Grund des von ihm festgestellten Sachverhalts die Ermessensentscheidung der Entschadigungsbehöröo, die von einem wesentlich anderen Sachverhalt ausgegangen ist, nach § 211 HEG bestätigen, ohne daß das beklagte Land sein Ermessen erneut ausgeübt und dio hierfür maßgeblichen Gründe unter Berücksichtigung des vom Berufungsgericht angenoranenan Sachverhalto erneut dargelegt hatte» Nur dann hätte das Berufungsgericht die nach § 211 BIG gebotene Prüfung vornehmen können (vgl« das vorerwähnte Urteil vom 50.