BGH · IV ZR 307/58
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daß einem Geschädigten, der aus den in § 1 BEG angeführten Gründen verfolgt worden ist* zur Milderung von Härten ein Härteausgleich gewährt werden kann* daß aber hiervon ausgenommen sein sollen Personen* für die Ponds mit besonderer Zweckbestimmung vorgesehen sindo Io Wie das Landgericht und das Oberlandesgericht zutreffend dargelegt haben«, soll der auf Grund des Art« 1 b des sog* Israel-Abkommens vom io«, September 1952 und des Haager Protokolls tfrc 2 vom gleichen Tage (BGBl 1953* 35? sageno Er ist nicht darauf abgestellt, daß einem Verfolgten wegen seiner religiösen Anschauung ein Härteausgleich nicht gewährt werden kann, sondern nur darauf, daß sich ein Ausgleich auf Grund dieser Bestimmung für solche Personen erübrigt«, für die durch Bildung besonderer Ponds bereits anderweit die Möglichkeit geschaffen worden ist* die Verfolgungsschäden über den sonst vorgesehenen Rahmen hinaus zu milderno Es ist davon auszugehen, daß es nicht möglich ist, die Schäden«, die der Nationalsozialismus innerhalb wie außerhalb des Reichsgebietes verursacht hat, im Hinblick auf ihren unermäßlichen Umfang und die für eine Entschädigung zur Verfügung stehenden beschränkten Mittel in vollem Umfang wiedergutzu demachen0 Wenn der Gesetzgeber aus dieser Erkenntnis heraus seine Entschädigung nur für einzelne Pälle und auch für diese nur in beschränkter Höhe gewährt hat, so beruht dies auf dem Zwang der Verhältnisse0 Hierbei ist er/wie die eingehenden Beratungen der gesetzgebenden Körperschaften zeigen, nicht willkürlich verfahrene Es’ ist durchaus sachgemäß, daß ein Verfolgter«, für den ein besonderer Ponds vorgesehen ist, nicht zu den Destinatären des allgemeinen Härtefonds gehört und auf diese Weise gegenüber anderen Verfolgten bevorzugt wird. Zu berücksichtigen ist dabei vor allem, daß gerade mit der Bildung besonderer Ponds, vor allem aber des hier allein interessierenden 45o-Millionen-Ponds der Claims Conference im wesentlichen dasselbe Ziel verfolgt wird, wie mit dem nach § 171 BEG gebildeten allgemeinen HärtefondSoVDidser/u^) Ponds ist nach Art0 2 des Protokolls Nr0 2 (BGBl 53 II, 94) "für die Unterstützung, Eingliederung und Ansib dlung jüdischer Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung” bestimmt Der Leiter der Delegation Conference on Jewish Material Claims against Germany hat sich ausdrücklich mit einer anderweiten Härteregelung "für Verfolgte, für die Ponds mit besonderer Zweckbestimmung anderweitig nicht vorgesehen sind’1, einverstanden erklärt (vgl« sein Schreiben vom 80 September 1952)« Hinzu kommt, daß durch die Bestimmungen über den Härteausgleich kein der gerichtlichen Nachprüfung unterliegender Hechtsanspruch geschaffen worden istc Ebenso, wie die Verwaltungsbehörde einen Härteausgleich versagen körnte, weil dem Verfolgten anderweitige Unterstützungen zufließen, kann der Gesetzgeber nicht gehindert sein, aus diesem durchaus sachlichen Grunde die Verwendung der nach § 171 BEG zur Verfügung zu stellenden Härteausgleichsmittel zu beschränke n0 Nun ist äL lerdings nach den vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen Feststellungen der Kläger durch die Verweisung auf den für Glaubens3uden gebildeten Fonds insofern ungünstiger gestellt, als“die Claims Conference und ihre Außenstelle, die zentralwohlfahrts-stelle der Juden in Frankfurt/Main, grundsätzlich aus diesem Fonds keine Darlehen zu dem Existenzaufbau gewähren, wie dies für den allgemein H-ärtefonds § 171 Abs* 1 Satz 3 BEG vorsiehto Die Gewährung von Darlehen zu dem Aufbau einer Existenz an Verfolgte ist keine sich aus § 171 Abs« 1 Satz 1 BEG zwangsläufig ergebende Folge« Die Versagung derartiger Hilfeleistungen kam darauf beruhen, daß die durch besondere Fonds begünstigten Personen nach anderen Gesichtspunkten unterstützt werden« Es kann auch nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, daß ein mit besonderer Zweckbestimmung gebildeter Fonds nicht einwandfrei für den gedachten Zweck verwendet wird, besonders bei einer Organisation, wie es die Claims Conference ist« Ob der Verwaltung eines solchen Fonds ‘bei der Verwendung * der Fondsmittel gegen die für die Verwendung des Fonds maßgebenden Bestimmungen oder Vereinbarungen "verstößt, besagt, solange nicht eine offensichtliche Unzulänglich- 2« Aus der Gültigkeit dieser Bestimmung folgt jedoch noch nicht, daß die Klage unbegründet ist«, Entscheidend ist vielmehr, ob mit Rücksicht auf die Praxis der CC und der Zentralwohlfahrtsstelle, Aufbaudarlehen an 'Einzelpersonen nicht zu gewähren, davon gesprochen werden kann, daß für Glaubensjuden ein Fonds mit besonderer Zweckbestimmung im Sinne des § 171 Abs«, 1 Satz 1 BEG nicht vorgesehen ist, der sie von dem auf Grund dieser Vorschrift gebildeten allgemeinen Härtefonds ausschließt«, Diese Frage ist, nach der Ansicht des Berufungsgerichts, eine Tatfrage«, Zwar hat es keinen Zweifel, daß der Gesetzgeber mit einem Fonds im Sinne des § 171 AbSo 1 Satz 1 BEG in erster Linie den für den Kläger hier in Frage kommenden Fonds gemeint hat, wie ja auch in dem Briefwechsel anläßlich des oben angeführten Protokolls Er«, 2 der Ausdruck "Fonds mit besonderer Zweckbestimmung" gebraucht worden ist«, Das Berufungsgericht meint jedoch, daß "‘vorgesehen" ein Fonds nur dann sein könne, wenn seine Mittel von seinem Verwalter auch tatsächlich dem besonderen Zweck gewidmet werden, d«h0 wohl für den besonderen Zweck verwendet werden0 Diese Auslegung des Begriffs "vorgesehen" versteht sich nicht von selbst« Daß ein Ponds für einen bestimmten Zweck vorgesehen ist, bedeutet nicht ohne weiteres, daß er auch dafür "verwendet” wird» Der Gesetzgeber hätte, wenn er es auf die tatsächliche Verwendung der Sonderfonds (im Sinne des § 171 BEG) hätte abstellen wollen, dies unschwer durch den Gebrauch des Wortes "verwendet" zu dem Ausdruck bringen können« hach dem bloßen Wortlaut des § 171 Abs« 1 Satz 1 BEG könnte es daher genügen, daß der Sonderfonds mit der Zweckbestimmung gebildet worden ist oder noch wird, wie sie in dem Protokoll Nr« 2 vom Io« September 1952 festgelegt worden ist, sodaß der zu den Glaubens juden gehörende Kläger nicht zu den nach § 171 BEG begünstigten Personen zu rechnen wäre« so würden die an die Sonderfonds verwiesenen Personen im Ergebnis ungünstiger gestellt sein als die Verfolgten* die die Destinatäre des allgemeinen Härtefonds sind* Es kann aber nicht Rechtens sein, daß Verfolgte * die möglicherweise entgegen der maßgebenden Zweckbestimmung des Sonderfonds durch die Praxis der für die Verwaltung dieser Ponds maßgebenden Stellen nichts aus dem Sonderfonds bekommen* auch nicht an dem allgemeinen Härtefonäs beteiligt werden* Das widerspräche dem Zweck der in § 171 BEG getroffenen Regelung* die Verfolgten entweder au dem allgemeinen Ponds oder zu den Sonderfonds zuzulassen* Nach Art© 4 des schon erwähnten Protokolls Nr© 2 in Verbindung mit Art«, 15 (a) (i) des Israel-Abkommens vom Io o September 1952 kann die Bundesregierung die nach Arto 14 aaO zu bildende Schiedskommission anru-fen, wenn die CC den Bestimmungen des Art* 2 des Protokolls, der auch die Verwendung und Zweckbestimmung des Ponds regelt, nicht nachkommt© Stellt die Schiedskommission fest, daß die CC einen (von der Bundesrepublik Deutschland) geleisteten Betrag nicht für die in dem Protokoll erwähnten Zwecke oder ohne wichtigen' Grund nicht verwendet, so stehen der Bur4 esrepublik die in Arto 15 (a) (i) (ii) vorgesehen Rechte zu0 Daraus ergibt sich, daß die Bundesrepublik einen klaren Rechtsanspruch an die CC darauf hat, daß der Ponds entsprechend seinem in Art0 2 des Protokolls niedergelegten Zweck verwendet wird o Y/eiter aber folgt daraus, daß es für die Anwendung des § 171 Abs© 1 Satz 1 BBC zu dem Nachteil der Glaubens-juden nicht, wie es die Revision will, genügen kann, daß die Bundesrepublik in Übereinstimmung mit dem Israel-Abkommen und dem Haager Protokoll Nr© 2 die zur Bildung des Ponds notwendigen Mittel zur Verfügung stellte Denn dann würde es in das freio und unkontrollierte Belieben der Vertragspartner des Abkommens und des Protokolls gestellt, wie der Ponds verwendet wird©Das würde aber die dem Zweck der in § 171 BBC und dem Protokoll Nr© 2 getroffenen Regelung widersprechende Polge haben, daß Glaubensjuden, die zur Begründung oder Aufrechterhaltung ihrer Existenz eines Aufbaudarlehens bedürfen, von der feilmahne an dem allgemeinen Härtefonds ausgeschlossen sind, auf der anderen Seite aber entsprechend der Praxis Deshalb ist§dem Berufungsgericht grundsätzlich darin beizustimmen, daß unter diesen Umständen der ‘Kläger nicht < schon deswegen von der Teilnahme an dem allgemeinen Här-tefonds ausgeschlossen ist, weil die Bundesrepublik, was unstreitig ist, vereinbarungsgemäß die für die Bildung des Ponds notwendigen Mittel zur Verfügung ‘Stellt ‘bezw* gestellt hato Die Präge, ob diese Mittel vereinbarungsgemäß durch die CC, die die Stellung eines Treuhänders einnimmt, verwaltet und verwendet werden, kann nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben« Es kann dem Berufungsgericht jedoch nicht beigetreten werden, wenn es ausführt, daß die Tatsache allein, daß die CC Aufbaudarlehen an einzelne Glaubens jaden nicht gewährt, schon genüge, anzunehmen, daß "zur Zeit« ein Sonderfonds für Glaubens j.uden im Sinne des § 171 BBG nicht vorgesehen sei, solange die Meinungsverschiedenheit zwischen der Bundesregierung und der CC nicht durch eine Entscheidung der Schiedskommission geklärt s‘ei0 Es kommt vielmehr darauf an, ob die Bundesregierung die Handhabung der CC in Ansehung der Verwendung des Ponds, über deren Berechtigung nur die Schiedskommission endgültig entscheiden kann, ohne gerechtfertigten Grund hinnimmt, ohne ihrem Recht, die Schiedskommission anzurufen, Gebrauch zu machen0 nicht mehr so verwendet, wie dies in Arte 2 des Protokolls Nr0 2 vorgesehen ist, eine andere Beurteilung Platz greifen,, Bann könnte der Klager, wie auch andere betroffene Glaubens Juden, in der (Tat eine Person sein, für die ein Ponds mit besonderer Zweckbestimmung nicht vorgesehen wärec Hierzu bedarf es aber noch näherer tatsächlicher Feststellungen, und zwar einmal um zu klären, wie der Fonds im einzelnen verwendet wird und warum auf Grund dieser Verwendung Personen, wie der Kläger, obwohl sie die Voraussetzung des Arte 2 des Protokolls Nr0 2 erfüllen, aus dem Fonds nichts erhalten, zu dem anderen um die Beantwortung der Frage zu ermöglichen, ob nicht die Bundesregierung lediglich aus Gründen der Opportunität sich mit einer solchen Verwendung des Fonds einverstanden erklärt, wenn sie einem derartigen Verfahren nicht widerspricht, insbesondere auch"wegen dieser Streitfrage nicht die zu ihrer Entscheidung vorgesehene Schiedskommission anrufen und die im Art* 15 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik und dem Staat Israel vorgesehenen Rechte ausüben will«. zungsgesetzes bestanden hat, das bereits in seinem § 79 einen Ausschluß von Geschädigten, für die Fonds mit besonderer Zweckbestimmung vorgesehen war, anord“ ne to, sich nichts zu Gunsten des Klägers ergibt, hat das Berufungsgericht bereits zutreffend ausgeführt*