BGH · IV ZR 307/55 vom 07.03.1956
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Rechtssatz: Auch bei anlagebedingten Leiden eines Verfolgten bedarf es einer Feststellung des ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen verursachten Schaden und dem heutigen Gesundheitsschaden; es besteht hierbei keine gesetzliche Viermutung, daß die Gewaltmaßnahmen das anlagebedingte Leiden ausgelbst oder verschlimmert und dadurch verursacht haben« Berufungskläger und Revisionsbeklagten, Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr, hat der IV0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 29«Februar 1956 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Schmidt, der Bundesrichter Ascher, Dr„Kregel Dr«v, Werner und Wüstenberg für Recht erkannt: Das Qberlandesgericht hat auf Grund der vorliegenden medizinischen Gutachten festgestellt, daß die Ei*werbsfähigkeit des Klägers heute um 40 v.H. gemindert sei. Leiden jedoch eine Minderung seiner Erwerbsfähigkeit zur Folge gehabt hätten« Während der Haft hätten sich Angstzustände, eine psychogen bedingte Atemnot und eine Haftpsychose eingestellt« Heute leide der Kläger an depressiven Verstimmungen, einer allgemeinen psychischen Labilität, einem labilen Überblutdruck und an einer Vergrößerung der linken Herzkammer« Feststellungen darüber, ob, für welchen Zeitraum und in welchem Maße die während der Haft aufgetretenen GesundheitsSchädigungen die späteren Krankheitserscheinungen verursacht haben, sind vom Berufungsgericht ausdrücklich nicht für erforderlich gehalten worden , Das Berufungsgericht ist, soweit dies die Uz’teilsgründe erkennen lassen, der folgenden Rechtsauffassung: Wenn Krankheitserscheinungen während der Haftzeit aufgetreten seien und diese entsprechend der Vermutung des § 15 Abs 1 Satz 2 BEG als durch die Haft verursacht zu gelten hätten, dann seien nach § 4 der 2 o DV-BEG auch anlagebedingte Leiden grundsätzlich als durch die Verfolgung verursacht anzusehen', ohne daß es hierzu eines Beweises bedürfe, ob sie durch die Verfolgung ausgelöst oder verschlimmert worden seien«. nur für tatsächlich durch die Verfolgung angerichtete Schäden, nicht aber für Schäden, die nichts mit der Verfolgung zu tun haben, gewährt werden kann und daß* grundsätzlich nach § 83 Abs 1 BEG von A.mts wegen alle hierfür erheblichen Tatsachen zu ermitteln und alle erheblichen Beweise zu erheben sind« Hierbei greifen allerdings, wenn Ermittlungen zu keinem zweifelsfreien Ergebnis führen, zugunsten des Verfolgten Beweiserleichterungen Platz, wie sie sich aus Be- Vielmehr bedarf es hierfür stets einer Feststellung des ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem ?>ährend oder unmittelbar nach der Haft aufgetretenen und dem heute vorhandenen Gesundheitsschaden, wobei es allerdings entsprechend dem § 1 der 2. Diese Leiden.treten in der Regel unabhängig von der Einwirkung eines Dritten auf, so daß eine Entschädigung für sie entsprechend dem Grundsatz des § 3 Abs 3 BEG nicht zu gewähren wäre. von einer Entschädigung auszuschließen, sondern in derartigen Fällen besteht auch zwischen der Einwirkung und dem Auftreten oder der Erscheinungsform des Leidens ein adäquater Zusammenhang, der eine Entschädigung rechtfertigt, wenn die äußere Einwirkung eine Verfolgungsraaßnah-me war* Dies klarzustellen ist der Zweck und Sinn des § 4 der 2« DV-BEG, nicht wird jedoch durch ihn eine Vermutung geschaffen, daß ein durch Gewaltmaßnahmen verursachter Gesundheitsschaden auch ein anlagebedingtes Leiden ausgelöst oder verschlimmert und dadurch verursacht hat* - Infolgedessen hätte das Berufungsgericht nicht die Präge offenlassen dürfen, ob und inwieweit die heute vorhandenen gesundheitlichen Schäden des Klägers auf nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen zurückzuführen sind. Rechtsirrtümlich würde es auch sein, die vor Beginn der nationalsozialistischen Verfolgung vorhanden gewesenen Gesundheitsschäden schon auf Grund des § 4 der 2„- DV-BEG als unbeachtlich anzusehen, da entsprechend dem § 1 Abs 1 BEG nur der durch die Verfolgung verursachte Schaden und daher bei einem vor der Verfolgung vorhanden gewesenen Gesundheitsschaden nur die durch die Verfolgung eingetretene Verschlimmerung zu entschädigen ist (vgl auch § 5 2.