Verkündet am
24. April 1963
Hoeppe? Justizangestellte als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle
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Namen
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In dem Entschädigungsrechtsstreit
des Kaufmannes Jakob
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- Prozeßbevollmächtigter:
Klägers und Revisionsklägers? Rechtsanwalt
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gegen
das Land Rheinland-Pfalz?
vertreten durch den Leiter des Landesamtes für Wiedergutmachung und verwaltete Vermögen in Mainz? Aliceplatz .4?
. Beklagten und Revisionsbeklagten?
hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 19* April 1963 unter Mitwirkung des
Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Raske? wilden? I)r« Loowenheim und Dr« Graf
♦
für Recht erkannt:
*
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des > 1o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Neustadt a«d« Y/einstraße vom 1« Dezember 1961 aufgehoben«
Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen
Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurück-verwiesen,
*
Das Verfahren des Revisionsrechtszuges ist frei von gerichtlichen Gebühren und Auslagen,
♦
Von Rechts wegen
2
Tatbestand:
Der am
1916 in
(CSR)
geborene jüdische Kläger gehört nach seiner Darstellung dem deutschen Sprach- und Kulturkreis an» Sr hat mit
einem am 5« Februar 1958 beim Bezirksamt für Wiedergut machung in Koblenz eingegangenen Antrag und mit einem weiteren, am 11. September 1958 beim Bezirksamt für
Y/iedcrgutmachung in Neustadt a
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Weinstraße eingegangenen
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g einen Anspruch auf Sntschädigung für Schad
im
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uflichen Fortkommen angemeldet und zur Begründung vor
zusammen mit seinem
getragen: Sr habe in
Vater und seine
Bruder eine Kartonagenfabrik betrieben
, Oktober 1939
In der Zeit vom 16, September 1939 bis 28
sei er von der SS in einem Gefängnis in Prag festgehalten
worden. Anschliessend
sei
er in das Lager
und im
Januar 194o in das
verbracht worden. Dort sei
er am 6* April 194o befreit worden. Dann habe er sich nach
begeben. Am 18
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1942 sei er dort erneut
festgenommen und in das Lager
gebracht worden
Bei
einem Partisanenaufstand sei er am 29o August 1944 befreit
den
Anschlie
habe er sich in d
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Nach der Befreiung durch die Russen im April 1945 habe
er
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uswanderung nach Palästina entschlossen
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weil er
nicht unter einem kommunistischen Regime habö-* leben wollen und weil er erneute Verfolgungen befürchtet habe. Nach
kurzem Aufenthalt in
habe er sich nach Budapest begeben, dann im August 1945 nach Österreich und
im Oktober 1945 nach Italien, Im Mai 1946 sei er in Palästina
*
eingewandert,
*
♦
3
Die iäntschädigungsbehörde in Neustadt a«do Weinstraße
*
hat den Antrag abgelehnt, weil der Kläger nicht vor der allgemeinen Vertreibung in das Ausland ausgewandert sei«
Der Kläger hat Klage erhoben und beantragt
das
beklagte Land zu verurteilen, an ihn wegen Schadens im beruflichen Fortkommen '‘ocooo DM zu zahlen«.
Das Landgericht hat, entsprechend dem Antrag des beklagten Landes, die Klage abgewifrsen. Es hat nur den bei der Sntschädigungsbehörde in Neustadt a«
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Weins trai3e
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September 1958 eingegangenon Antrag beachtet und
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demgemäß die Anmeldung als verspätet angesehen«, Vorsorglich
hat es auch die Voraussetzungen
des
154 BEG- verneint
weil die Deportierung
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des Klägers nach Polen keine
Auswanderung
sei und der Klag
t im Mai 1945 nach dem Beg
der allgemeinen Vertreibung ausgewandert
sei
Die Berufung des Klägers ist erfolglos geblieben
Mit der vom Bundesgerichtshof zugelassenen Revision
verfolgt der
♦
er den Klageanspruch weiter
Er beantragt Aufhebung des Berufungsurteils und Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht«,
Das beklagte Land hat sich
Revisionsrechtszug nicht
vertreten lassen
Die Revision ist begründet
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Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen..
daß also Anspruchsgrundlage nur die Bestimmungen der
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BEG in Betracht ko
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der Anspruch des Klägers auf Ent~
Schädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen also gemäß § 154 BEG davon abhängt9 daß der Kläger vor der allge
das
meinen Vertreibung in der ständigen Rechtsprechung
Ausland ausgewandert ist» Dach
des erkennenden Senats
(vgl
Urteil vom 3. Oktober 1962 - IV ZE 68/62
24 9
RzW 1963, 76 Dr mit weiteren Nachweisen) können nur Verfolgte» die Ver-
triebene im Sinne des
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Abs
2 Nr«, 1 BVPGr sind,, Entschüdi
gung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen gemäß § 154 BEG verlangen,, An dieser auch im Schrifttum vertretenen Auf
fassung (vglo
und § 153 Anm,
Blcsain/Ehrig/Wilden 3® Aufl» BEG § 154 Anm
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9
van Dam
Loos
BEG
154 Anm. 5 und § 153
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hält
der Senat fest
Der Verfolgte muß somit nach
dem 3o0 Januar
50 die in
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des BVFG genannten
Gebiote verlassen und seinen Wohnsitz im Ausland genommen haben,, weil aus Gründen der politischen Gegnerschaft gegen
den RationalSozialismus oder aus Gründen der Rasse
des
Glaubens oder der Weltanschauung nationalsozialistische Gewalt maßnahmen gegen ihn verübt worden sind oder ihm drohten»
2» Nach der Auffassung des Berufungsgerichts hat der Kläger das spätere Vertreibungsgebiet nicht schon dadurch
,,verlassen,,5 daß er im Herbst 1939 nach und von
dort im Januar ?94o in das Gh^^P verbracht worden ist»
Diese Auffassung begegnet keinen rechtlichen Bedenken«, Eine zwangsweise Verbringung an einen anderen Ort kann nicht einer Auswanderung gloichgesetzt werden«. Denn zu letzterer gehört«, daß der Verfolgte seinen bisherigen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt aus eigenem Entschluß auf gibt«, um anderwärts eine
neue Heimat zu finden (Urteil des erkennenden Senats vom 22. J’ebruar 1961 - XV ZR 256/6o Xää Hr. 2 zu § 154 3S&
1956 = RzW 1961, 324 Nr. 35).
4
3<> Dem Berufungsgericht ist auch darin zuzustimmen.«, da£
die Auswanderung des Klägers im Jahre 1945 seine Vertrie-beneneigenschaft im Sinne des § 1 Abs«, 2 Nr«, 1 BEG schon deshalb nicht begründen lcann9 weil hierzu gehört«, daß die
Auswanderung unter dem Druck der Verfolgung stattgefunden
*
hat«, der Kläger aber zu einer 2eit ausv;anderte? da nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahmen nicht mehr zu befürchten waren (vgl«, das vorerwähnte Senatsurteil vom 22, Februar 1961), Von dieser Auffassung abzugehen«, besteht
kein Anlaß,
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Berufungsgericht hat jedoch zu Unrecht die Frage,
ob der Kläger seinen Wohnsitz
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oder dadurch
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daß er sich im April 194o nach
offen gelassen. Der Kläger sei ausgeführt«, von
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schon ifgegeben begeben hat«, t im 3erufungsurteil
aus in
damalige Slowakei
also
in ein Vertreibungsgebiet«, zurückgekehrt, Danit habe er
die "Vertreibungsgebiete" nicht endgültig verlassen
Der
Umstand«, daß im Jahre
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94o
zu dem Protektorat
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zur selbständigen Slowakei
gehört habe, sei unerheblich
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Da
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gesamte Gebiet der damals
geteilten xs
Tschechoslowakei sei als einheitliches Vertrei
bungsgebiet
u betrachten. Bine Wohnsitzverlegung innerhalb
dieses Gebietes würde eine Vertreibung aus der Tschechoelov#
nach dem Kriege nicht gehindert haben
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Mit Recht wendet sich die Revisi
gegen diese Auf
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ung des Berufungsgerichts* Der erkennend
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bereits im Urteil vom 24, November 1961 - IV ZR 135/61
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LM Nr
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154 BEG 1956 * RzW 1962. 224 Nr
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23
ausge
sprochen. daß die Vorschrift des
154 Abs, 1 Satz 2 BEG
als Anspruchsvorauscetzung allein die Auswanderung in d
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Ausland verlangt* jedoch nicht die Auswanderung in ein Gebiet*
das im Zuge der späteren- Entwicklung nicht zu dem Vcrtroibungs
ebiot geworden ist. Legte man
154 Abs, 1 S
2 BEG dahin
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o p daß d
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Anspruch wegen Berufsschadens nur d
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wenn der Verfolgte in ein Gebiet außerhalb de°
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Vertreibungsgebietes ausgewandert ist. so schränkte man die
Bedeutung der Vorschrift zu üngunsten der Verfolgt
einer dem Zweck und Sinn des BEG zuwider lauf enden Y/eise ein.-.
Nach der in dieser Entscheidung vertretenen Auffassung
des
Senats wird
somit der Anspruch-des Verfolgten aus den Ver
troibungegebieten wegen Schadens
im beruflichen Fortkommen
nicht dadu
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ch ausgeschlossen
daß er aus den Gebieten
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die
er vor der allgemeinen Vertreibung ausgewandert ist* später im Zuge der allgemeinen Vertreibung vertrieben worden ist.
Bor Senat hat demgemäß den in § 154 BEG vorgesehenen Anspruch
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ei einem Verfolgten* der nach der Besetzung des
Sudetenlandes
von dort nach Prag übergesiedelt und hier bis Kriegsende
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ist
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unter der Voraussetzung bejaht, daß d
Verfolgte im Zeitpunkt der Übersiedlung nicht tschechoslowa
kiseher Staatsangehöriger wa
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sich also nicht in seinen
Hoimatstaat begeben hat
Biese Rechtsprechung hat der Senat
in einem v;eiteren Urteil vom 2. Mai 1962 - IV ZR 12/62 (nicht veröffentlicht) aufrecht erhalten. Er hat in diesem
Urteil im Anschluß an die Entscheidung vom 24* November
96
ausgeführt* daß ein Verfolgter9 der aus dem Protektorat (Pr
in die Slowakei geflohen ist. im Sinne des § 154 BEG in
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Ausland ausgewandert ist, da die Slowakei damals ein selbständiger Staat war* Weiter ist in der Entscheidung dargelegt, daß der Verfolgte durch die Auswanderung aus
dem Protektorat der späteren allgemeinen Vertreibung aus diesem Gebiet entgangen ist, wie dies der Senat zur Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen gemäß § 154 BEG
> 1 BVFG’ verlangt, und daß
in Verbindung mit
Abs
2 Nr
seine gewonnene Rechtsstellung nicht deshalb beeinträchtigt wird, weil er im Zuge der späteren politischen Entwicklung auch im Zufluchtsland der Vertreibung zu dem Opfer gefallen ist oder zu dem Opfer gefallen wäre
5
<7*
Das Urteil des Berufungsgerichts, das auf einer
rechtsirrtümlichen Auslegung des
15
Abs
1 Satz 2 BEG
in Verbindung mit §
Abs
2 Nr
BVPG beruht, muß daher
aufgehoben werden. Da das Berufungsgericht über die Frage
ursprünglichen Wohnsitz in
ob der Erblasser seinen
durch seine Übersiedlung nach
aufgehoben
hat
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wie auch über die
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pruchsborechtigung des
tigen Voraussetzungen der
keine Feststellungen
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getroffen hatP muß der Rechtsstreit zur weiteren tat-richterlichen Klärung an die Vorinstanz zurückverwiesen werden*
Ascher
Raske
Wild en
Dr* Loewenheim
Er, Graf