BGH · IV ZR 305/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Tatbestands Der am 6, Oktober 1904 geborene Kläger isi deutscher Staatsangehörigerf Er hatte seinen Wohnsitz in Hamburg, Im Jahre 3.934 wurde er von den Sondergerichten Altona^ und Hamburg au Zuchthausstrafen verurteilt, die er bis 4. : Der Klager verlangt von dem beklagten Land Soforthilfe für; Rückwanderer, weil seine Verbringung nach Buchenwald eine Deportation im Sinne des § 141 BBG gewesen sei-« Das Landgericht hat die Klage angewiesen» Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers gegen aas landgerichtliche IJrteil surückgewiese^^;ia Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Klager seinen Klägantrag weitere Die Beklagte hat gebeten? Die Revision ist unbegründetr Der Kläger hätte nur dann einän Anspruch auf Soforthilfen wenn er durch seine Einliefe rung'- in das Konzentrationslager Der erkennende Senat hat in dem Urteil vom 2> Oktober 1957 - 17 ZH 157/57 (JOT KzW 1957* 413 Er. 34) den Sinngehalt des Begriffs der Deportation untersucht und ist dabei' zu dem Ergebnis gelangt, das Bunde sentschad igungs-gesetz enthalte keine Begriffsbestimmung, daher sei von dem Sprachgebrauch auszugehen, der zu der Zeit geherrscht habe, als § 141. BBG sei wesentlich die zwangsweise Verbringung eines Verfolgten aus deutschen Gebiet in ein Gebiet, das nach allgemeinen Anschauungen damals nicht als deutsches Staatsgebiet betrachtet werde, selbst wenn es von Deutschland zeitweise annektiert oder militärisch besetzt gewesen sei« Daraus ergibt sich, daß die Voraussetzungen des § 111 aeO nicht erfüllt sind, wenn.der Verfolgte in einem 'Konzentrationslager; 'festgehalten worden ist, das sich im Gebiete dos Deutschen Reiches in den Grenzen nach dom Staude vom 31* Dezember 1937 befunden hat. ohne jede Aussicht auf Rückkehr entfernt: werden sollten, begünstigeno Allen diesen Personen ist gemeinsam* daß sie ihre deutsche Heimat aus Ve r f o 1 g urig sgründen verlassen mußten, •sei es, daß sie auswanderteri, ausgewiesen oder deportiert wurden* Da sie nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches in der Regel geneigt waren, isi Ausland zu bleiben, sollte durch § 141 BEG ein Anreiz geschaffen werden, sich in der Bundesrepublik niederzulassen und sich hier eine dauernde Lebensgrundlage zu sehsffen. Mit dieser Zweckbestimmung der Vorschrift des § 14-1 BIG ist es nicht vereinbar, wenn die Revision es für ausreichend ansieht, daß dem Verfolgten im Reichsgebiet die Freiheit entzogen worden sei, Kur wenn der Verfolgte an einen Ort verschickt .wurde, der nach allgeminer Anschauung nicht als zur deutschen Heimat gehörig anzusehen ist, ist das !Tat-bestandsmerkma 1 der Deportation im Sinne des § 141 BIG erfüllte Is ist nicht zu verkennen, daß das Gesetz die deutschen Staats- und Volkszugehörigen, die nach Lagern außerhalb Deutschlands verbracht und dort festgehalten wurden, gegenüber denjenigen, die innerhalb des Reichs inhaftiert waren, begünstigte Dies hat der Gesetzgeber in Kauf genommen, weil die Ausgewanderten, Ausgewiesenen und Deportierten durch Gewährung einer Sonderhilfe, wie oben ausgeführt- ist, ver-anlaßt werden sollten, nach der'Bundesrepublik zurückzuwandern und hier ihre - dauernde Lebensgrundlage zu finden* Dieser Zweck des § 141 BIG rechtfertigt ihre Bevorzugung/ Wie der Senat in dem erwähnten Urteil vom 2, Oktober 1957 (aaO) ausgeführt hat, kann hierin keine Willkür des Gesetzgebers und kein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbe-