BGH · IV ZR 304/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Gesetzs BEG § 141 Rechtssatz 8 Wer in einem Konzentrationslager innerhalb des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31« Dezember 1937 festgehalten worden ist, ist im Sinne des § 141 BEG- nicht deportiert worden« 9» Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 17* Juli 1957 wird zuTückgewiesen«» Die außergerichtlichen Kosten der Revision hat der Kläger zu tragen? Der Kläger fordert von dem beklagten Land Soforthilfe für Rückwanderer, da seine Überführung in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau als Deportation im Sinne des § 141 BEO zu werten sei* Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers zurückgewiesen» Der Kläger hätte nur dann einen Anspruch auf Soforthilfe, wenn er durch seine Einlieferung in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau als Deportierter im Sinne des § 141 BEG anzusehen wäre« Dies ist jedoch nicht der Fall. So Die sich gegen diese Erwägungen wendenden Rügen der Revision greifen nicht durch* Der erkennende Senat hat in dem Urteil vom 2. Oktober 1957 - IV ZR 157/57 (NJW RzW 1957, 413 Nr*34) den Sinngehalt des Begriffs der Deportation untersucht und 1st dabei zu dem Ergebnis gelangt, das Bundes" entsehädigungsgesetz enthalte keine Begriffsbestimmung, daher sei von dem Sprachgebrauch auszugehen, der zu der Zeit geherrscht habe, als § 141 BEG in das Gesetz eingefügt worden sei. Der Senat kommt zu dem Ergebnis,#für den Begriff der Deportation im Sinne des § 141 BEG sei wesentlich die zwangsweise Verbringung eines Verfolgten aus deutschem Gebiet in ein Gebiet, das nach allgemeinen Anschauungen da* mals nicht als deutsches Staatsgebiet betrachtet werde, selbst wenn es von Deutschland zeitweise annektiert oder militärisch besetzt gewesen sei. der Verfolgte in einem Konzentrationslager festgehalten worden ist, das sich im Gebiete des Deutschen Reiches in. Da sie nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches in der Regel geneigt waren* im Ausland zu bleiben, sollte durch § 141 BEG ein Anreiz geschaffen werden* sich in der Bundesrepublik niederzulassen und sich hier eine dauernde Lebensgrundlage zu schaffen« Mit dieser Zweckbestimmung der Vorschrift des § 141 BEG ist es nicht vereinbar, wenn die Revision es für ausreichend ansieht, daß dem Verfolgten im Reichsgebiet die Freiheit entzogen worden sei® Hur v/enn der Verfolgte an einen Ort verschickt wurde, der nach allgemeiner Anschauung nicht als zur deutschen Heimat gehörig anzusehen ist, ist das Tatbestandsmerkmai der Deportation im Sinne des § 141 BEG erfüllt» Es ist nicht zu verkennen,-daß das Gesetz die deutschen Staats- und Volkszugehörigen, die nach Lagern ausserhalb Deutschlands verbracht und dort festgehalten wurden, gegenüber denjenigen, die innerhalb des Reichs inhaftiert waren, begünstigt« Dies hat der Gesetzgeber in Kauf genommen, weil die Ausgewanderten, Ausgev/iesenen und Deportierten durch Gewährung einer Sonderhilfe, wie oben ausgeführt ist, veranlaßt werden sollten, nach der Bundesrepublik zurückzuwandern und hier ihre dauernde Lebensgrundlage zu finden« Dieser Zweck des § 141 BEG rechtfertigt ihre Bevorzugung« Wie der Senat in dem erwähnten-Urteil vom 2« Oktober 1957 (aaO) ausgeführt hat, kann hierin keine Willkür des Gesetzgebers und kein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleiehbehandlung im Sinne des Art«3 GrundG