BGH · IV ZR 293/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die am® W 1907 geborene Klägerin ist jüdischer Herkunft <, Sie wanderte im November 1938 von nach BflU aus« Mit Mantelantrag vom 5* März 1957 meldete sie bei der Entschädigungsbehörde des beklagten Landes Entschädigungsansprüche für Schaden an Freiheit* an Vermögen und im beruflichen Fortkommen an» In der Rubrik "Schaden an Körper und Gesundheit" strich sie das vorgedruckte Wort "Ja" durch und ließ das vorgedruckte Wort "Nein" steheno Den Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Vermögen nahm sie durch Erklärung gegenüber der Ent Schädigungsbehörde vom 6o Mai 1958 zurück* Mit Bescheid vom 13» Juni 1958 sprach ihr die intSchädigungsbehörde eine Entschädigung für Schaden an Freiheit von 3»900 DM und für Schaden im beruflichen Fortkommen von 9*217 DM zu» Diesen Bescheid focht sie mit der Klage an« Dieses Verfahren wurde durch den vor dem Oberlandes gericht am 23* März I960 geschlossenen Vergleich beendete Das beklagte Land verpflichtete sich* zur Abgeltung aller Entschädigungsansprüche für Schaden im beruflichen Fortkommen an die Klägerin weitere 7*500 DM zu zahlen (2 U 112/59 =i: 8 0 434/58 LG Hildesheim)o Mit dem am Io November I960 bei der Entsehädigungsbo-hörde eingegangenen Schriftsatz vom 31» Oktober 1960 haben die Prozoßbevollmächtigten der Klägerin für diese Entschädigungsansprüche für Schaden an Körper oder Gesundheit ange-meldet und dazu den von der Klägerin ausgefüllten Fragebogen B vom 10* August I960 und die Atteste der Ärzte Dr* und Dr * eingereicht * Die Entschädigungsbehörde hat diesen Entschädigungsansprüeh mit Bescheid vom 1„ März 1961 als unzulässig abgelehntdiesen Bescheid jedoch auf Gegenvorstellungen der Frozeibevollmächtigten der Klägerin hin Mit der im Berufungsurteil zugelassenen Revision verfolgt die Klägerin ihren Anspruch wegen Schadens an Körper oder Gesundheit weiter» Bas beklagte Band hat sich vor den Revisionsgericht nicht vertreten lassen» aber ein den Anspruch der Klägerin abweisender Verwaltungsakt ergangen sei* Abgesehen von einem Wiederein-setzungsantrag, fehle es auch an einem Wiedereinsetzungs-grundo Die Versäumung der Antragsfrist sei von Amts wogen zu beachten, da der rechtzeitig gestellte Antrag nicht nur verfahrensrechtliche, sondern in erster Linie materiell-rechtliche Bedeutung habe« Abgesehen von diesen Ausführungen, sei aber für die nachträgliche Substantiierung eines Einzelanspruchs doch nur so lange Raum, als der Antrag, dem sie dienen solle, bei der Entschädigungsbehörde anhängig sei* Dem Versuch, auch später noch auf eine zwar vom Mantelantrag miterfaßte, aber weder gekennzeichnete noch substantiierte Schadensart zurückzugreifen, stehe dann der durch den gerichtlichen Vergleich modifizierte Bescheid vom 13* den rechtsirrtumsfreien Feststellungen des Berufungsgerichts für den Gesundheitsschadensanspruch der Klägerin nicht anzunehmen ist3 so kann während der Bauer dos Verfahrens bei der Entschädigungsbohörde die Anmeldung durch sog» nachgeschobeno Ansprüche ergänzt werden» Ist jedoch das Verfahren über rechtzeitig angemeldete Entschädigungsansprüche endgültig abgeschlossen und die Frist des § 189 Abs, 1 BEG abgelaufen, so können nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteile vom 13o November 1963 - IV ZR 100/63 zur Veröffentlichung bestimmt, und vom 1I» Dezember 1963 - IV ZR 120/63 nicht veröffentlicht) weitere Entschädigungsansprüche, ohne daß die Voraussetzungen für eine Wiedereinsetzung gegen die FristVersäumnis vorliegen, nicht mehr angemcl-det werden» ergänzungsbedürftigen Form?angemoldeto Diese Anmeldung genügt, wenn sie bis zu dem Abschluß des Verfahrens in gehöriger Weise ergänzt bzw» konkretisiert wird» Mit dem Abschluß des Verfahrens entfällt jedoch diese Möglichkeit, weil nunmehr von einem noch wirksamen Efobpzogensein dieser Ansprüche in ein schwebendes Verfahren nicht mehr gesprochen werden kann» Eine Wiedereröffnung des Verfahrens kann jetzt nur noch auf Grund eines neuen Antrags erfolgen» Voraussetzung dafür ist, daß entweder die Antragsfrist des § 189 BEG zur Zeit der Neuanmeldung noch läuft oder daß die ; Voraussotzungen einer Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung dieser Frist für einen solchen Antrag gegeben sind» Bas ist nur dann der Fall, wenn der Antragsteller ohne sein Verschulden verhindert war, seinen Antrag bereits vor dem Abschluß des wegen eines bestimmten Schadenstatbestandes anhängigen Verfahrens zu ergänzen. Bas bedeutet für den vorliegenden Fall, daß das Berufungsgericht, soweit Entschädigungsbehörde und Landgericht den Anspruch der Klägerin abgelehnt hatten, dieser also Gegenstand des Berufungsverfahrens geworden war, zu-nächst die Zulässigkeit dieses Verfahrens zu prüfen hatte, und zwar unabhängig davon, ob die Zulässigkeit in der Vor-instanz (Entschädigungsbehörde, Landgericht) bejaht war. Baß das von der Klägerin mit ihrem Antrag auf Entschädigung wegen des von ihr erlittenen Schadens an Freihei Vermögen und im beruflichen Fortkommen eingeleitete Entschädigungsverfahren bereits abgeschlossen war, als sie am 1o November I960 ihren Oe sundhe its schaden anmeldote, hat das Berufungsgericht zutreffend dargelegt* Bas Berufungsgericht hat aber auch die Präge, ob die Voraussetzungen für eine Wiedereröffnung des Entschädigungsverfahrens gegeben waren, ohne Rechtsirrtum verneinto Es kann zwar nicht zweifelhaft sein«» daß mit der Heuanmeldung des OesundheitsSchadens eine solche Wiedereröffnung beantragt war«, Bie Klägerin hat aber, wie das Berufungsgericht rechtlich unangreifbar footstellt, keinen Orund angegeben, weshalb sie ohne ihr Verschulden nicht in der Lage gewesen wäre, auf ihren Oeoundheitsschaden bereits hinzuweisen, während das durch die Anmeldung der oben erwähnten Sehadensarten eingoleitoto Verfahren noch schwebteo Aus diesen Gründen ist die Revision mit der sich aus den §§ 209 Abs» 1, 225 Abs« 1 BEG, 97 Abs<> V ZPO < gebenden Kostenfolge zurückzuweisen.