BGH · IV ZR 285/61 vom 11.04.1962
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 25* Oktober 1961 aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverv/iesen. Februar- 1952 bei dem Entschädigungsamt in Berlin eingegangenen Mantelbogen vom gleichen Tage einen Antrag auf Entschädigung gestellt und erklärt, er habe im Rahmen dieses Antrags Ansprüche nach Formblatt E 2 - Schaden im beruflichen Fortkommen in der Privatwirtschaft -.Im Juli 1958 hat er ferner beantragt, ihn wegen Schadens an Körper und Gesundheit zu entschädigen. Die Entschädigungsbehörde hat letzteren Antrag als fristgerecht gestellt erachtet, den Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Körper und Gesundheit jedoch abgelehnt, weil nach dem Gutachten des Gesundheitsamts K^^ keine verfolgungsbedingte Schädigung vorliege. Er hat zunächst beantragt, den Beklagten zu verurteilen, an ihn Kapitalentschädigung und Rente wegen Schadens an Körper oder Gesundheit nach Maßgabe der §§ 28 ff BEG zu gev/ähren unter Zugrundelegung einer vergleichbaren Beamtengruppe des gehobenen Dienstes und einer verfolgungsbedingten Erwerbsminderung von mindestens 25 /* von der Zeit vom 1. Seine Entscheidung hat es damit begründet, daß der Anspruch wegen Schadens an Körper und Gesundheit nicht rechtzeitig angemeldet und ein Wiedereinsetzungsantrag nicht gestellt worden sei, ein solcher Antrag, falls er als gestellt anzusehen sei, wegen schuldhafter Versäumung der Antragafrist durch die Verfahrensbevollmächtigten des Klägers abgev/iesen werden müßte und die Klage auch bei fristgerechter Anmeldung keinen Erfolg hätte haben können, v/eil die verfolgungsunabhängigen Paktoren bei der Entstehung der körperlichen Leiden des Klägers überwiegen würden* Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebt der Kläger die Aufhebung des angefochtenen Urteils und die Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Landgericht. Das Berufungsgericht hat einen Anspruch des Klägers auf Entschädigung wegen Schadens an Körper und Gesundheit verneint, v/eil di er Kläger den Antrag auf Entschädigung wegen dieser Schadensart verspätet gestellt habe, die Versäumung der Antragsfrist als einer Ausschlußfrist von Amts wegen zu beachten sei und es folglich an einer materiellrechtlichen Voraussetzung des Anspruchs fehle. Bei Prüfung der Rechtzeitigkeit des Antrags hat, wie die Revision mit Recht rügt, das Berufungsgericht nicht die Bedeutung berücksichtigt, die nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats der nach § 189 BEG erforderlichen Anmeldung zukommt. Dezember 1959 - IV ZR 189/59 - (insoweit in LM Nr. 3 zu § 189 BEG 1956 und in RzY/ I960, 135 Nr. 37 nicht abgedruckt) darauf hingewiesen, daß das Gesetz für den Antrag, durch den Ansprüche geltend gemacht werden, keine bestimmte Form vorschreibt, daß § 190 BEG nur regelt, welche Angaben der Antrag enthalten soll und daß die Antragsfrist auch gewahrt ist, wenn ein Antrag dieser Vorschrift nicht entspricht. Eine rechtswirksame Anmeldung nach § 189 BEG ist z.B. daher anzunehmen, wenn der Antragsteller erklärt: "Ich verlange Entschädigung" oder "Ich beantrage die mir zuutehende Wiedergutmachung" oder "Ich mache meine mir nach dem BEG zustehenden Rechte geltend". Die Anwendung dieser Grundsätze, von doien abzugehen kein Anlaß besteht, ergibt, daß die rechtzeitige Anmeldung des Klägers auch den Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Körper und Gesundheit umfaßt. Auch kann hieraus nicht gefolgert werden, daß der Kläger seinen Antrag bewußt auf eine Entschädigung wegen dieser Schadensart beschränken und auf weitere Ansprüche v/egen anderer Schadenstatbestände verzichten wollte. Ob ein Verfolgter die eine andere Schadensart betreffenden Angaben auch dann noch nachholen kann, wenn die Entschädigungsbehörde Uber den einzigen in der Anmeldung erläuterten Anspruch bereits entschieden hat, bedarf hier keiner Erörterung. Denn die Entschädigungsbehörde hat Uber den vom Kläger im Mantelbogen aufgeführten Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen erst im November 1958» also nach Eingang der Eingaben des Klägers zu dem Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Körper und Gesundheit entschieden. Nach allem umfaßt die im Jahre 1952 bei der Entschädigungsbehörde eingegangene Anmeldung des Klägers auch dessen Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Körper und Gesundheit. Aus diesen Gründen muß das angefochtene Urteil aulgehoben werden» Der Rechtsstreit muß an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, damit dieses die zur Entscheidung über den Anspruch erforderlichen tatrichterlichen Feststellungen treffen kann.