BGH · IV ZR 283/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zur Frage, ob dem aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit verdrängten Verfolgten die Berufsschadensrente zusteht, wenn er auf Grund seiner in den Vereinigten Staaten von Amerika geleisteten Erwerbstätigkeit von der Social Security eine Altersrente erhält, die nur zusammen mit dem für die Ehefrau gewährten Frauenzuschlag den Betrag der Berufsschadensrente übersteigt, Da der am dHHHHIP1878 geborene Kläger seit 1954 nicht mehr berufstätig und ihm eine Berufstätigkeit auch nicht zuzu demuten ist, kommt es darauf an, ob er im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung des Berufungsgerichts aus seiner früher ausgeübten Erwerbstätigkeit eine ausreichende Versorgung hatte (§ 82 Satz 2, 3 BEG)» Der Kläger bezieht zusammen mit seiner Ehefrau auf Grund der von ihm in den Vereinigten Staaten von Amerika geleisteten Erwerbstätigkeit eine Altersrente von der Social Security; weitere Versorgungsleistungen erhält er nach den getroffenen Feststellungen nicht» Es ist demnach entscheidend, inwieweit diese Altersrente bei der Prüfung der hinreichenden Versorgung zu berücksichtigen ist, und ob sie in dem zu berücksichtigenden Umfang bei Umrechnung oio in die deutsche Währung die Beträge erreicht, die dem Kläger als Berufsschadensrente nach § 83 Abs» 1 BEG, §22 3= BV-BEG in Verbindung mit der Anlo 5 zur 3» BV-BEG zu leisten wären (§ 21 Abs0 4 3* BV-BEG ).Wenn der Verfolgte eine dementsprechende Versorgung hat, so können nach der eindeutigen gesetzlichen Regelung besondere wirtschaftliche Belastungen, denen er oder seine Familie ausgesetzt sind, nicht in Rechnung gestellt werden, und es kommt dann auch nicht darauf an, ob die Versorgungsleistungen das nach den jeweiligen unterschiedlichen Richtlinien des Aufnahmelandes festgesetzte sog» Existenzminimum erreichen (Urteil des Senats RzW 1963s 506 Nr» 23)» 235 Nr» 30)„ Soweit demnach diese Rentenbeträge zu berücksichtigen sind, sind sie nach § 12 AbSo 3, § 21 AbSo 5 3o BV-BEG in die deutsche Währung umzurechnen» Bas Berufungsgericht hat die Kaufkraft des Bollars mit 2,50 DM bewertet» Es hat sich dafür auf seine ständige Praxis und die Rechtsprechung der meisten Oberlandesgerichte berufen und ausgoführt, durch die Anwendung dieses Umrechnungskurses würde den von dem erkennenden Senat in dem Urteil RzW 1961, 121 Nr» 18 dargelegten Gesichtspunkten und gerade auch den Belangen der unteren Verbraucherschichten, denen der Kläger angehöre, Rechnung getragen» Bundesamts, bei denen die in der Rechtsprechung des erkennenden Senats entwickelten Rechtsgrundsätze beachtet worden sind; diese Ermittlungen bilden ersichtlich auch die Grundlage für die Entscheidung des Berufungsgerichts» Demgegenüber können die vom Kläger behaupteten und unter Beweis gestellten besonderen Belastungen, denen er und seine Familie ausgesetzt seien, nicht zu einer weiteren Korrektur der Kaufkraftrichtzahlen führen» Auf die besonderen Belastungen des einzelnen Verfolgten kann bei der Ermittlung der Kaufkraft der von ihm erzielten Einkünfte nicht abgestellt werden; vielmehr sind allgemeine Durchschnittswerte zu bilden, wie es in der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts geschehen ist» Mit Recht hat das Berufungsgericht auch kein weiteres Gutachten darüber eingeholt, ob sich die Kaufkraft der Währung der Vereinigten Staaten bei besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der Verfolgten etwa seit der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts gemindert habe» Nach der vom Berufungsgericht getroffenen Feststellung hat sich die Kaufkraft des Dollars im Vergleich zur Deutschen Hark in den letzten Jahren erhöht» Die Frage, wie die Verhältnisse des Klägers bei der Annahme eines Umrechnungskurses von 1 s 2,10 oder 1 ; 2 zu beurteilen wären, hat das Berufungsgericht lediglich hilfsweise erörtert, ohne zu unterstellen, daß ein solcher Kurs der Kaufkraft des Dollars im Verhältnis zur Deutschen Mark entspreche» Die Ansicht der Revision, es müsse auf Grund dieser in dem angefochtenen Urteil enthaltenen Ausführungen zugunsten des Klägers von der Umrechnung 1 j 2 ausgegangen werden, ist deshalb unrichtig» Maßgebend ist die unangreifbar» getroffene Feststellung, unter Berücksichtigung der den Haushalt der Verfolgten besonders belastenden Ausgaben entspreche die Kaufkrai des Dollars derjenigen von 2,50 DM» 5» Das Berufungsgericht hat angenommen, daß die Rente, die der Kläger zusammen mit seiner Ehefrau von der Social Security bezieht, die maßgebende monatliche Berufssehadeno-rente übersteigt<> Diese beträgt für den Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung des Berufungsgerichts hei einer Einstufung des Klägers in den einfachen Dienst in der für ihn maßgebenden vierten Altersstufe 287 DI!„ Daß die Einstufung aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden ist, hat der Senat in seinem ersten in dieser Sache ergangenen Urteil ausgeführt. Die nach der Verkündung des Berufungsurteils ergangene Ande-rungsverordnung vom 16, Dezember 1964 hat den maßgebenden Rentenbetrag mit Wirkung für den Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung des Berufungsgerichts nicht erhöhte Die getroffenen Feststellungen ergeben, daß der Kläger von der Social Security eine monatliche Rente von 147 Dollar erhält, und daß davon 49 Dollar als Frauenzulage, weil der Kläger verheiratet ist, bezahlt werden, daß jedoch auch dieser feil der Rente seine Grundlage in der Erwerb Stätigkeit des Klägers hat. Die Revision macht geltend, daß die von der Social Security für die Ehefrau des Klägers erfolgenden Zahlungen auf Grund einer dieser selbst, nicht dem Kläger, zustehenden Rente geleistet würden» In dem angefochtenen Urteil, dessen Ausführungen über das amerikanische Sozialversicherungsrecht für das Revisionsgericht bindend sind (§ 209 Abs» 1 BEG, § 549 Abs» 1, § 562 ZPO), wird ausgeführt, daß es sich insoweit nicht um eine selbständige Rente, sondern um eine Frauen Zulage für verheiratete Rentner handele» Damit würde er sich gegen Grundlagen des deutschen öffentlichen Besoldungs- und Rentenrechts wenden, das allgemein den Familienstand des Bezugsberechtigten unberücksichtigt läßt und es diesem, abgesehen von den unter gewissen Voraussetzungen zu zahlenden Kinderzuschlägen und Kinderzuschüssen, zu demutet, die sich daraus ergebenden erhöhten Belastungen auf sich zu nehmen» Das ist ein Rechtsgrundsatz, der auch durch Art» 6 Abs» 1 GG nicht in Frage gestellt wird» Wenn aber der Verfolgte, der nach deutschem öffe: liehen Recht eine Versorgung erhält, von dieser nicht im Hinblick auf die gegenüber seinem Ehegatten bestehende Unterhaltspflicht einen Abschlag machen darf, kann das nicht dem Verfolgten zugebilligt werden, der nach ausländischem Recht auf Grund seiner früheren Erwerbstätigkeit eine Versorgung bezieht die entsprechend der besonderen Struktur des ausländischen Rechts zu einem Teil als eine für den Ehegatten bestimmte Versorgung geleistet wird» Andernfalls würden Verfolgte, die deutsche oder ausländische Versorgungsrenten beziehen, im Entschädigungsrecht ohne sachliche Gründe verschieden behandelt» Dem steht nicht entgegen, daß bei der Prüfung der Frage, ob der Verfolgte aus seiner Erwerbstätigkeit eine ausreichende Lebensgrundlage erlangt hat, das von dem Ehegatten erzielte Erwerbseinkommen nicht mitzuberücksichtigen ist (Urteil des Der Umstand, daß der Kläger, wenn er nicht verheiratet wäre, von der Social Security eine geringere Altersrente erhalten würde, die den für ihn maßgebenden Richtsatz nicht erreichen würde, und daß ihm dann die Berufsschadensrente hätte zugesprochen werden müssen, rechtfertigt entgegen der Auffassung der Revision keine andere Beurteilung, Dieses Ergebnis beruht auf den Besonderheiten des Sozialversicherungsrechts der Vereinigten Staaten in Verbindung damit, daß es nach § 82 BEG darauf ankommt, ob die Voraxissetzungen für das Rentcnwahlrecht im Zeitpunkt der Entscheidung vorliegend Die Regelung des § 82 BEG ist nicht willkürlich, sondern aus wohlerwogenen Gründen getroffen worden und mit dem Grundgesetz vereinbar (Urteil des Senats vom 26» Mai 1965 ~ IV ZR 1 26/6A»}» Die Härten, die sich im Einzelfall daraus ergeben können, daß auf den Tag der Entscheidung als Stichtag abgestellt wird, müssen bei der bestehenden Gesetzeslage in Kauf genommen werden» Es liegt auch ein Verstoß gegen Art» 6 Abs» 1 GG, der die Benachteiligung von Verheirateten gegenüber Ledigen allein deshalb, weil sie verheiratet sind, verbietet, nicht schon darin, daß auf Grund einer im allgemeinen sachgerechten und verfassungsgemäßen Regelung unter gewissen besonders gelagerten Umständen einem verheirateten Verfolgten infolge der Struktur des für ihn maßgebenden ausländischen Sozialversicherungsrecht ein Anspruch versagt werden muß, der einem demselben Sozialversicherungsrecht unterworfenen unverheirateten Verfolgten zuzuerkennen wäre, weil dieser eine den Richtsatz nicht erreichende Versorgung erhält, die er freilich ganz für sich selbst verwenden kann» Wegen eines derartigen Ergebnisses ist weder die ganze Regelung des Bundesentschädigungsgesetzes Es läßt sich schließlich nicht mit der Revision anführen, der Kläger stehe vor einer ungewissen Situation, da seine von der Social Security bezogene Versorgung den Richtsatz nicht mehr erreiche, falls seine Brau vor ihm sterben würde» Es trifft zwar zu, daß der Kläger, wenn er seine Ehefrau überleben sollte, keine Versorgung mehr hätte, die nach § 21 Abo» 4 3o BV-BEG als ausreichend gilt» Maßgebend ist aber, wie die Verhältnisse in Zeitpunkt der Entscheidung, genauer der letzten mündlichen Verhandlung der Tatsacheninstanzen, zu beurteilen 3indo Aus der Sicht dieses Zeitpunktes war es völlig ungewiß, ob der erwähnte Fall eintreten wurde, oder ob der Kläger von seiner Ehefrau überlebt werden würde, die dann weiterhin eine ausreichende Versorgung im Sinne des Entschädigungsrechtshätte» Es ließ sich auch nicht sagen, daß das Überleben des Klägers wahrscheinlicher sei.