BGH · IV ZR 276/60
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1. Ohne Rechtsirrtum hat das Berufungsgericht angenommen, daß der Klager, der tätiger Teilhaber einer Kommanditgesellschaft, also einer Personalgesellschaft des Handelsrechts, war, durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit verdrängt worden ist» Auch seine Einstufung in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes, bei der § 14 3o DV-BEG in Verbindung mit Anlage 3 zur 3» DV-BEG in der Passung der VO vom 25* Februar I960 zu berücksichtigen ist, ist rechtlich unangreifbare Von dem Gesamteinkommen in Höhe von 19<>600 RM, das der Kläger nach den getroffenen Feststellungen bis 1937 erzielt hat, ist nur der Betrag abzuziehen, der üblicherweise als Ertrag des von dem Verfolgten in einem derartigen Betriebe investierten Kapitals erzielt wird (Urteil des Senats RzW I960, 136 Nr» 40), entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts jedoch nicht die Prämie für das Unternehmerrisiko (Urteile RzW I960, 131 Nr«. 31 , 373 Nr» 29)° Wenn auch die Höhe des Betriebskapitals nicht festgestellt ist, so kann doch unbedenklich davon ausgegangen werden, daß der Kläger, der allein eine Geschäftsführervergütung von jährlich 6«,000 RM bezog, für seine Tätigkeit als Mitunternehmer vor dem Beginn der Verfolgung ein Entgelt bezog, das die in der Anlage 3 zur 3. Nach § 81 BEG kann er deshalb anstelle der Kapitalentschädigung die von ihm gewählte Bente beanspruchen, wenn die dafür in § 82 BEG aufgeführten Voraussetzungen vorliegen« Es kommt darauf an, ob er zur Zeit der letzten vor dem Berufungsgericht geführten mündlichen Verhandlung keine Erwerbstätigkeit ausübte, die ihm eine ausreichende Lebensgrundlage bot, ob ihm die Aufnahme einer solchen Erwerbstätigkeit auch nicht zuzu demuten war, und ob er ferner keine Versorgung aus einer früher aus-geübten Erwerbstätigkeit hatte. Das Berufungsgericht hat diese Voraussetzungen für das Bentenwahlrecht nicht als gegeben angesehen« Es hat das Einkommen, das der Kläger in den Vereinigten Staaten von 1945 bis 1958 erzielt hat, unter Verwendung der Mittelwerte der von dem Statistischen Bundesamt veröffentlichten Verbrauchergeldparitäten in die deutsche Währung umgerechnet und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die Einkünfte des Klägers in dieser Zeit das in der Anlage 1 zur 3» DV-BEG angegebene Einkommen eines vergleichbaren Beamten des höheren Dienstes nicht nur erreicht, sondern im Durchschnitt der Jahre um mehr als 50$ überschritten hätten, abgesehen von dem Jahr 1953, in welchem die Einkünfte darunter geblieben seien« Die von dem Kläger geleisteten Überstunden könnten nur berücksichtigt werden, indem die durch sie bedingten Mehraufwendungen für Ernährung, Verkehrsmittel, Gesundheitspflege und Erholung in Abzug gebracht würden; selbst wenn man aber dem Kläger dafür 10$ seines Bruttoeinkommens zubillige, habe er im Durchschnitt der Jahre die ausreichende Lebensgrundlage immer noch um mehr als 40$ überschritten« Der Klager sei auch nicht durch besonders hohe Mietaufwendungen überbelastet; ferner seien die Aufwendungen, die er infolge seiner eigenen Erkrankung und derjenigen seiner später verstorbenen Ehefrau gehabt habe, durch den Überschuß seiner Einkünfte über die Die ausreichende Lebensgrundlage sei nachhaltig* Zur Zeit der Aufnahme der Erwerbstätigkeit seien aus dieser auf die Dauer auskömmliche Einnahmen zu erwarten gewesen* Der Kläger gehe seiner Berufstätigkeit noch in vollem Umfang nach* wann er mit fortschreitendem Alter und anhaltenden Beschwerden seine Arbeit werde aufgeben müssen, sei noch nicht abzusehen, da seine seit der Verfolgung bestehenden Leiden ihn nicht gehindert hätten, seit 14 Jahren den Berufpeines Kostümschnei-dero für große Filmunternehmen auszuüben * Außerdem habe der Kläger eine amerikanische Versorgungsrente von monatlich 116 Dollar in Aussicht* Unabhängig davon, ob der Kläger bereits in früheren Jahren eine ausreichende Lebensgrundlage erreicht hatte, kommt es für das Rentenwahlrecht allein darauf an, in welchen Verhältnissen er sich im Zeitpunkt der Entscheidung durch das Berufungsgericht, genauer im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor diesem, befunden hat* Dafür kann es freilich auch erheblich sein, welche Einkünfte der Kläger in den vorhergehenden Jahren gehabt hat* Soweit die Einkünfte darauf zurückgehen, daß der Kläger entsprechend der Eigenart des von ihm ausgeübten Berufs manchmal über eine normale Arbeitszeit hinaus tätig sein mußte, dürfen sie nicht außer Betracht bleiben» Doch können außergewöhnliche Mehraufwendungen, zu denen der Kläger gezwungen war, um sich die für seinen Beruf im besonderen erforderliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, und die normalerweise einem unselbständig Berufstätigen nicht zur Last fallen, von dem Einkommen abgesetzt werden* Es be- Bei der Prüfung der Frage, ob die Lebensgrundlage, die der Kläger im Zeitpunkt der Entscheidung gehabt hat, nachhaltig ist, ist sein Lebensalter in Rechnung zu stellen und zu prüfen, ob er auf die Bauer noch in der Lage sein wird, eine Erwerbstätigkeit auszuüben, bei der wegen der Eigenart des Berufes Zeiten starker Inanspruchnahme mit längeren Freizeiten abwechselno Es darf nicht unbeachtet bleiben, daß das Entschädigungsgesetz einem Verfolgten, der keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, die Aufnahme einer solchen nicht mehr zu demutet, nachdem er das 65° Lebenjahr vollendet hat (§ 82 Satz 2 BEG)» Bann aber kann einem Verfolgten, der eine seine Kräfte im Grunde übersteigende Erwerbstätigkeit über die Vollendung des 65» Lebenjahres hinaus auf eine noch nicht absehbare Zeit nur deshalb ausübt, weil seine wirtschaftliche Lage ihn dazu zwingt, nach dem Sinn des Gesetzes die Rente nicht im Hinblick darauf versagt werden, daß er sich tatsächlich durch die von ihm ausgeübte Erwerbstätigkeit doch noch eine ausreichende Lebensgrundlage zu verschaffen vermag» Bas Rentenrecht 3oll es dem Verfolgten vielmehr ermöglichen, im Alter von einer ihm nicht mehr zuzu demutenden Erwerbstätigkeit abzusehen» Wenn im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht nur noch für eine verhältnismäßig kurze Zeit mit Einkünften des Klägers aus seiner Erwerbstätig-keit zu rechnen war, so wurde auch bei Einkünften, die die Tabellensätze erreichen (§ 21 Abs« 1, 2 3° DV-BEG in Verbindung mit Anlage 1 zur 3° DV-BEG), von einer ausreichenden Lebensgrund-läge nur gesprochen werden können, sofern die Einkünfte in der vergangenen Zeit es dem Kläger ermöglicht hatten, sich eine hinreichende Altersversorgung zu verschaffen; eine Hinterbliebenenversorgung kommt bei ihm nach dem Tode der Ehefrau nicht mehr in Betracht„ Einer ordentlichen Wirtschaftsführung widersprechende Versäumnisse bei der Alterssicherung müßte der Kläger sich zurechnen lassen (§9 Abs« 1 BEG)» Der Vorschrift deä § 21 Abs» 3 3« DV-BEG, nach der ausschließlich auf eigenen Geldleistungen beruhende Renten nicht als Versorgung aus einer früher ausgeübten Erwerbstätigkeit im Sinne des § 82 Satz 3 BEG gelten sollen, kann andererseits nicht entnommen werden, daß der Vecfolgte der Kotwendigkeit enthoben sei, entsprechend den Grundsätzen einer ordentlichen Y/irtsehaftsführung einen Teil seines Einkommens für die Alters- und Hinterbliebenenvorsorge zu verwenden, und daß auch diejenigen Leistungen nicht als Versorgung anzusehen seien, die auf eine solche Verwendung von Arbeitseinkommen zurückgehen» Z .r UU 0 t Es ist mithin unter diesem Gesichtspunkt zunächst von Bedeutung, ob das Einkommen des Klägers in der zurückliegenden Zeit das Einkommen eines vergleichbaren Beamten erreicht oder überstiegen hat, in wieviel Jahren das der Pall gewesen ist und um welche Beträge es über das Vergleichseinkommen hinausgegangen ist» Da die aus der amerikanischen Sozialversicherung zu erwartende Rente offenbar die Altersversorgung nicht in vollem Umfang sicherstellt, ist dem Vergleichsein-kommen ein Zuschlag von 20$ hinzuzurechnen (§21 Abs» 2 3« DV-BEG); unter Umständen könnte dieser Zuschlag sogar bei der Gegenüberstellung mit dem im vorgerücktem Alter erzielten Einkommen in entsprechender Anwendung von § 12 Abs* 2 Satz 2 3o3)V-BEG um mehr als 20$ erhöht werden (Urteile des Senats RzW 1953, 3&9 Nr* 34 und insbesondere RzW 1959, 178 Nr* 31)o Nach alledem ist dafür, oh der Kläger im Zeitpunkt der Entscheidung nachhaltig eine ausreichende Lebensgrundlage gehabt hat, von maßgeblicher Bedeutung, daß die Umrechnung der von ihm erzielten Einkünfte, um sie dem vergleichbaren Beamteneinkommen gegenüberstellen zu können, jeweils in der richtigen Weise erfolgt« Wie der Senat in dem RzW 1961, 121 Nr» 18 veröffentlichten Urteil eingehend dargelegt hat, sind bei der Umrechnung des in der Währung der Vereinigten Staaten erzielten Einkommens nach der Kaufkraft die von dem Statistischen Bundesamt veröffentlichten Mittelwerte einer Korrektur zu unterziehen, da bei der Errechnung dieser Werte solche Ausgaben nicht berücksichtigt sind, die allgemein im Haushalt der Verfolgten eine besondere Holle spielen <> Auf die Ausführungen, die darüber in diesem Urteil enthalten sind, ist in vollem Umfang zu verweisen» Bas Berufungsgericht hat sich zwar mit dem Problem der Kaufkraft eingehend auseinandergesetzt, es hat aber doch nicht alle in Betracht kommenden Umstände so in Rechnung gestellt, wie es nach den Ausführungen dieses Urteils erforderlich ist. So können die Kosten für die Alters- und Hinterbliebenenvorsorge bei dem Preisvergleich nicht deshalb außer Betracht bleiben, weil dem Vergleichseinkommen ein Alters- und Hinterbliebenenzuschlag von 20$ hinzuzurechnen ist» Bei der Ermittlung der Kaufkraft ist allein zu fragen, welche Bedürfnisse aus dem Einkommen eines Verfolgten regelmäßig bestritten werden müssen, und zu diesen gehören auch die auf die Alters- und Hinterbliebenenvorsorge entfallenden Aufwendungen, die im Ausland höher oder niedriger als im Inland sein können» Erst das umgerechnete Einkommen ist dann dem Vergleichseinkommen, gegebenenfalls mit dem Zuschlag, gegenüberzustellen; andernfalls wird das Ergebnis durch die Vermengung zweier Fragenkreise unrichtig» außer Betracht bleibender Auffassung des Berufungsgerichts, daß dies unzulässig sei, kann nicht beigetreten wordene Es wird allerdings nicht verkannt, daß dem praktisch Grenzen gesetzt sind; es wird allenfalls in Betracht kommen, daß für erheblich höhere oder niedrigere Steuern gegenüber denjenigen, die ein deutscher Beamter aus seinem Einkommen zu leisten hat, im Wege der Schätzung bei der Korrektur der Kaufkraftrichtzahlen ein gewisser Ausgleich erfolgt, Auch die Annahme, daß insbesondere die Berücksichtigung der Krankheitskosten in der bei den Verfolgten vielfach gegebenen überdurchschnittlichen Höhe und die Kosten der Kindererziehung die Kaufkraft des in der Währung der Vereinigten Staaten erzielten Einkommens nicht verändern, wird einer Überprüfung bedürfen. Gegebenenfalls wird das Berufungsgericht dann noch weiter zu prüfen haben, von welchem Zeitpunkt an die Voraussetzungen des § 82 BEG endgültig Vorgelegen haben» Der Kläger kann die Rente frühestens von diesem Zeitpunkt an, nicht jedoch für einen vor dem 1« November 1953 liegenden Zeitraum beanspruchen, während ihm die Entschädigung in Höhe der Ren-