BGH · IV ZR 273/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ein Anspruch auf eine-Elternrente besteht auch dann, wenn die Bedürftigkeit des Anspruchsberechtigten allein darauf zurückzuführen ist, daß sein Ehemann infolge der gegen ihn gerichteten nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen einen nach dem BEG zu entschädigenden Berufs*» und Gesundheito-schaden erlitten hat, der ihn außerstande gesetzt hat, den Anspruchsberechtigton weiter zu unterhalten» Beklagten und Revisionsbeklagton, - Brozeßbovollmächtigters Rechtsanwalt Br» ®®® in hat der IV» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom TO» Juni 1964 unter ulitw'irkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Johannsen, Maaß, Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen» daß ihr Ehemann infolge der gegen ihn gerichteten nationol-sozialistischen Verfolgungen Gesundheitsschäden erlitten hat und aus seinem Beruf verdrängt worden ist» Für diese Schäden hat er im Jahre 1957 und in den folgenden Jahren Entschädigung erholten» Die Klägerin hat als Erbin ihres Sohnes dessen Ansprüche auf Entschädigung wegen des von ihm erlittenen Freiheitssohadeno und wegen seines Schadens im beruflichen Fortkommen in Höhe von insgesamt 5»971 DM erhalten» Die Auszahlung dieser Summe hat im Juli ’956 begonnen» Eie Revision ist begründete Eas Berufungsgericht hat angenommen«, der Klägerin stehe der geltend gemachte Anspruch nicht zu, da ihre Bedürftigkeit allein darauf zurückzuführen ist, daß ihr Ehemann durch nationalsozialistische Verfolgungen einen Berufs- und Gesundheitsschaden erlitten hat und ihr deswegen keinen Unterhalt gewähren konnte«, Bei der Bemessung der ihrem Ehemann zustehenden Entschädigung werde die Tatsache, daß er der Klägerin unterhaltspflichtig sei, bereits berücksichtigt« Eer Klägerin stehe daher kein Anspruch auf eine Elternrente zu, da sie andernfalls für den von ihr erlittenen Schaden doppelt entschädigt werde« Die von der Revision hiergegen geltend gemachten Bedenken sind im Ergebnis begründet« Per erkennende Senat hat in seinen LM BEG 1956 § 17 Nr« 5 Nr« 11, Nr« 16/17 und Nr« 18 veröffentlichten Urteilen entschieden, daß ein Anspruch nach § 17 Abs« 1 Ziff.53EG nicht besteht, wenn die Bedürftigkeit des Antragstellers allein durch eine gegen ihn gerichtete Verfolgung hervorgerufen worden ist und wenn deswegen Entschädigungsansprüche nach dem BEG bestehen, Biese Entscheidungen beruhen auf der Erwägung« daß in einem solchen Palle Entschädigung für den Schaden gewährt wird, der dadurch eingetreten ist, daß der Verfolgte bedürftig geworden ist und Not gelitten hat« Soweit die Ursache dieser Bedürftigkeit in dem erlittenen Gesundheits- oder Berufsschäden liegt, erfolgt die Entschädigung nach den Bestimmungen der §§ 28 ff und 64 ff BEG» Soweit die Ursache darin besteht, daß der Verfolgte von einem durch die nationalsozialistischen Verfolger getöteten Kind nicht hat unterhalten Sie hat deswegen aus diesem Grunde keine eigenen Entschädigungsansprüche, Sie hat einen Anspruch nach § 17 Abs. 1 Nr, 5 BEG, wenn ihr durch nationalsozialistische Verfolgung die Möglichkeit genommen worden ist, in der Zeit, in der sie von ihrem Ehemann nicht unterhalten werden konnte und Not gelitten hat, Unterhalt von einem ihrer Kinder zu erhalten, Bas ist ein Schaden, den sie selbst erlitten hat und für den sie auf andere Weise nicht entschädigt wird. Ihre Bedürftigkeit, die Voraussetzung für ihren Anspruch nach § 17 Abs. t Nr. 5 BEG ist, ist nicht die Folge einer gegen sie gerichteten Verfolgung, für die sie nach dem Gesetz auf andere Weise entschädigt wird. Daß die Klägerin in einem solchen Fall Anspruch auf Entschädigung hat, ist auch nicht unbillig, vvio sich aus dem Rechtsgedanken ergibt5 der in § 843 Abs.4 BGB enthalten und auch in § 9 Aha« 4 BEG zu dem Ausdruck gelangt ist und der auch bei der Bemessung der Rente nach § 31 Abso 3 BEG zu beachten ist (vgl. Das angefochtene Urteil mußte daher aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, damit das Berufungsgericht prüfen kann, ob die sonstigen Voraussetzungen für den geltend gemachten Anspruch gegeben sind.