BGH · IV ZR 273/61 vom 13.07.1962
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1962 unter Mitwirkung der Bundesrichter Johannsen, Maaß, Wilden, Br*Loewenhein und Br» Graf für Recht erkannts Bie Revision des Klägers gegen das Urteil des 13o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Hamm/Y/estf o vom 9. In den nächsten Jahren lebte er mit seiner Ehefrau - teilweise illegal - in Südfrankreich, In Jahre 1948 wanderte er nach den USA weiter, V/egen des erlittenen Schadens an Freiheit und im beruflichen Fortkommen ist der Kläger entschädigt worden. Der Kläger hat Klage erhoben und u» a» beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an ihn den Gegenwert von insgesamt 38»ooo sfrs in Deutscher Mark zu zahlen» 1» Der Kläger verlangt die Erstattung von Kosten, die er nach seiner Darstellung während seiner Flucht in Frankreich für den vergeblichen Versuch, mit seiner Ehefrau in die Schweiz zu gelangen sowie für den Erwerb franzö-sichor Identitätskarten aufgewendet hat» Mit Recht hat das Berufungsgericht diesen Entschädigungsanspruch als unbegründet angesehen» Es ist der Ansicht, daß zwischen der verfolgungsbedingten Auswanderung des Klägers und seinem versuchten Grenzübertritt in die Schweiz sowie dem Erwerb der Identitätskarten kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe» Diese Begründung gibt zu rechtlichen Bedenken Anlaß» Es erscheint zweifelhaft, ob die Möglichkeit des Eintritts dieses Schadens nach den Erfahrungen des Lehens so entfernt war, daß mit ihm vernünftigerweise nicht mehr gerechnet zu werden brauchte• Einer Entscheidung dieser Frage bedarf es jedoch nicht, da die Klage aus einem anderen Grunde unbegründet ist, Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Auswanderung und den entstandenen Kosten genügt nicht, um einen Entschädigungsanspruch nach § 57 BEG zu rechtfertigen o Denn der Sinn dieser Vorschrift liegt, wie der erkennende Senat bereits in seiner Entscheidung vom 30o September 1959 - IV ZR Io1/59 HzW i960, 29p zun Ausdruck gebracht hat, nicht darin, alle Aufwendungen zu ersetzen, die mit der Auswanderung des Verfolgten noch in einen solchen ursächlichen Zusammenhang stehen (so auch BGH von 13. SH 60/60 -, RzV; i960, 5o9)o Die nach § 57 BEG zu gewährende Entschädigung gleicht vielmehr nur solche Vermögensopfer aus, die zur Durchführung der Auswanderung aus dem Reichsgebiet erforderlich oder deren unmittelbare Folge waren* Die Kosten, deren Ersatz nach § 57 BEG verlangt werden kann, müssen daher unmittelbar durch die Auswanderung entstanden sein« Es müssen ,,Auswanderungskostenü im eigentlichen Sinne des Wortes sein« Unter § 57 BEG fallen daher regelmäßig Fahrtkosten des Verfolgten und seiner Familie vom Reichsgebiet bis zun Ziel der Auswanderung, Transportkosten für das Fluchtgepäck des Verfolgton, Kosten der VisabesclaTfung, Transferkosten, ebenso aber auch Debenshaltungs- und Aufenthalts-kosten während der Dauer der Flucht« Rechtlich unerheblich ist cs, ob der Verfolgte sein Auswanderungsziel auf dem kürzesten Yfeg erreicht hat oder ob er aus politischen oder Wirtschaftlichen Gründen Umwege machen oder Zwischenaufenthalte nehmen mußte. 3. Diese grundsätzliche Voraussetzung fehlt im vorliegenden Palleo Betrachtet man zunächst den versuchten Grenzübertritt des Klägers in die Schweiz, so hat er nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die Schmuggler angeworben, um sieh durch den Grenzübertritt nach der Schweiz den Verfolgungen deutscher und französischer Behörden in Frankreich entziehen zu können« Hicht aber war die Schweiz das von dem Kläger erwählte Auswanderungsland« Ebensowenig war es die Absicht cfes Klägers, über die Schweiz sein Auswanderungsziel, die Vereinigten Staaten von Amerika, zu erreichen« Der Grenzübertritt in die Schweiz sollte daher nicht der Durchführung der Auswanderung, sondern der Rettung vor Verfolgungsmaßnahmen dienen, die den Kläger wegen seiner jüdischen Abstammung in Frankreich drohten, während er in der Schweis hoffen durfte, vor diesen Verfolgungs-rcaßnahmen sicher zu sein. Auch diese Kosten sollten nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht der Durchführung der Auswanderung, sondern der Sicherung des Klägers und seiner Ehefrau vor rassischen Verfolgungs-maßnahmen in Frankreich dienen. Nach alledem ist die Revision des Klägers mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO, § 225 Abs« 1 BBG zurückzuweisen«