BGH · IV ZR 266/64 vom 30.07.1964
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Der Kläger hat vorgetragen, die Beklagte habe schon bald nach der Eheschließung begonnen, zu trinken, und durch ihren sich ateigernden Alkoholmißbrauch die Ehe völlig zerrüttet» Dabei sei sie auch in der Öffentlichkeit durch Alkoholexzesse aufgefallen» Grund der Trunksucht sei ein Schuldkomplex der Beklagten gewesen, die sich Vorwürfe gemacht habe, weil sie wegen des Klägers ihren ersten Ehemann verlassen habe» Die Beklagte habe wegen ihrer ständigen Trinkereien auch den Haushalt und die Kinder vernachlässigt» 1958 hätten sich die Parteien im Einverständnis getrennt» Als die Beklagte entgegen der Abmachung im Jahre 1959 wieder zurückgekehrt sei, habe er die eheliche Wohnung verlassen, da ihm ein Zusammenleben mit der mehr und mehr der Trunksucht verfallenden Beklagten nicht mehr zu demutbar gewesen sei» zuviel Alkohol getrunken habe« In der Öffentlichkeit sei sie aber niemals aufgefallen» Der Alkoholmißbrauch sei allein auf das ehewidrige Verhalten des Klägers zurückzuführen» Der Kläger habe sie ständig mit anderen Frauen hinter-gahgen» Schon vor der Eheschließung, als die Parteien miteinander ein festes geschlechtsvertraulicbes Verhältnis unterhalten hätten, dem die Kinder Christa und Hans-Albrecht entstammten, habe er ein Verhältnis mit einer Frau angeknüpfto In den Jahren 1952 und 1953 habe er mit Frau Ruth ScflHH) fortlaufend die Ehe gebrochen» Als sie hiervon erfahren habe, habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten» Im Jahre 1955 habe er sich mit ihrer damals 19 Jahre alten Hausgehilfin Helga SchflB eingelassen und anschließend bis I960 ein geschlechtsvertrauliches Verhältnis mit Dorle unterhalten» Vor allem durch die Beziehungen zur Zeugin die der Kläger trotz mehrfacher Versprechungen nicht abgebrochen habe, seien die Nervenbelastungen, denen sie ausgesetzt gewesen sei, so groß gewesen, daß sie gelegentlich aus Verzweiflung zu dem Alkohol gegriffen habe» Im Jahre 1959 habe sie einen Liebesbrief einer Renate J^H^^an den Kläger gefunden, mit der der Kläger zu demindest ehewidrige Beziehungen unterhalten habe» Jetzt lebe der Kläger mit seiner Sprechstundenhilfe zusammen, die der Grund für seinen Bruch mit Dorle gewesen sei» Soweit in ihrem gelegentlichen Alkoholmißbrauch unter diesen Umständen überhaupt eine Eheverfehlung gesehen werden könne, berechtige dies den Kläger nicht zur Scheidung» Der Scheidung aus § 48 EheG stehe ihr Widerspruch entgegen, der zulässig sei, weil die Ehezerrüttung überwiegend vom Las Berufungsurteil, in dem die Revision nicht zugelassen ist, unterliegt gemäß § 547 Abs. 1 ZPO nur insoweit der Anfechtung durch die Revision und der Nachprüfung durch das Revisionsgericht, als es sich um die Präge handelt» ob die vom Berufungsgericht festgestellte unheilbare Zerrüttung der Ehe von dem die Scheidung begehrenden Ehegatten ganz oder überwiegend verschuldet worden ist (BGHZ 58, 116). Bas Berufungsgericht hat deshalb den ganzen Verlauf der Ehe in Betracht gezogen und als erwiesen angesehen, daß der Kläger ab 1952 bis Spätsommer 1953 zu demindest ehewidrige Beziehungen zu der Zeugin ScfllHB unterhalten habe. Beklagte schon vor 1956 dem Alkohol in einem bei Frauen nicht allgemein üblichen Maße bei geselligen Anlässen zugesprochen habe»Der Kläger habe dieses Verhalten aber , nicht als ehezerstörend empfunden « Das ergebe sich daraus, daß zwischen den Parteien bis 1958 regelmäßig Geschlechtsverkehr stattgefunden habe und der Kläger, der selbst dem Alkohol nicht abgeneigt gewesen sei, bei geselligen Anlässen mitgezecht und die Beklagte, statt ihr vom Alkoholgenuß abzuraten, zu dem trinken aufgefordert habe«, Wenn die Beklagte schon 1952 in unerträglichem Maße getrunken haben sollte, so sei dies vorübergehend und im Zusammenhang mit den ebewidrigen Beziehungen des Klägers zur Zeugin Schieske der Fall gewesen« von der Ehe abgewandt bat* Das Berufungsgericht sagt hierzu bei der Zusammenfassung seiner Gründe, daß erst der nach 1956 festgestellte Alkobolmißbr.auch der Beklagten zur unheilbaren Zerrüttung der ehelichen Lebensgemeinschaft beigetragen habe* Daß das Berufungsgericht die Zerrüttung der Ehe der Parteien als vom Kläger überwiegend verschuldet angesehen hat, ist nicht zu beanstanden* Denn die Peststellung des Berufungsgerichts, die Beklagte sei nur auf Grund der wiederholten Treuebrüche des Klägers zu einem die übe zerstörenden Alkoholmißbrauch gekommen, ist möglich und liegt nicht außerhalb aller Wahrscheinlichkeit* Es ist sogar naheliegend, und eine dahingehende Würdigung war dem Berufungsgericht deshalb nicht verwehrt, daß sich die Beklagte nicht in einem die Ehe zerstörenden Ausmaß dem Alkohol zugewendet hätte, wenn der Kläger seiner Frau in der Ehe pflichtgemäß beigestanden und sie nicht immer wieder durch schwere Ebewidrigkeiten enttäuscht und psychisch belastet hätte. wann, wo und vom wem Äußerungen dieser Art gemacht worden sind, noch daß dieses Gerede dem Kläger bekannt geworden ist und von ihm als ehezerstörend empfunden wurde« Außerdem konnte das Berufungsgericht auf Grund seiner Würdigung des Verhaltens des Klägers in dieser Zeit, insbesondere der Tatsache, daß er selbst dem Alkohol nicht abgeneigt war und bei gesellschaftlichen Veranstaltungen die Beklagte zu dem Trinken aufforderte, zu dem Ergebnis kommen? der Kläger habe das damalige Verhalten der Beklagten nicht als ehezerstörend empfunden« Nach dieser von der Revision im einzelnen nicht angegriffenen Feststellung des Berufungsgerichts hat das Verhalten der Beklagten jedenfalls vor 1956 nicht zur Zerrüttung der Ehe beigetragen« Dasselbe gilt hinsichtlich der Rügen, das Berufungsgericht habe es rechtsfehlerbaft unterlassen, den Zeugen Roland zu der Behauptung, die Beklag- geselligen Anlässen, die vom Berufungsgericht unterstellt, aber dahin gewürdigt worden sind, daß sie vom Kläger nicht als ehezerstörend empfunden wurden* In diesem Zusammenhang ist auch bedeutsam, daß das Fehlverhalten der Beklagten in einer Zeit liegt, in der der Kläger nach den Feststellungen des Berufungsgerichts bereits ehewidrige Beziehungen Uber längere Zeit unterhalten hatte* Die hierzu erhobene Rüge, das ehewidrige Verhältnis zur Zeugin sei später gewesen, ist erst in der mündlichen Verhandlung vor dem erkennenden Senat, also verspätet, erhoben worden* Auch die Vernehmung des erstebelicben Sohnes des Klägers konnte unterbleiben* In sein Wissen waren keine bestimmten Tatsachen gestellt* Zudem hätte der ersteheliche Sohn des Klägers, der 1955 im Alter von 12 Jahren den gemeinsamen Haushalt der Parteien verlassen hat, wenn überhaupt, nur etwas sagen können über das Verhalten der Beklagten bis zu dieser Zeit* Das Berufungsgericht hat aber auf Grund einer Würdigung des Verhaltens des Klägers die Überzeugung gewonnen, daß der Kläger das Verhalten der Beklagten bis 1956 nicht als ehezerstörend empfunden bat, daß es mit anderen Worten bis zu diesem Zeitpunkt keine Zerrüttungsursache gewesen ist. Entgegen der Auffassung der Revision besteht auch kein Widerspruch zwischen der Feststellung des Berufungsgerichts, die Beklagte habe schon 1951 oder 1952 gesagt, sie betäube sich gelegentlich mit Alkohol, um die Selbstvorwürfe zu vergessen, die sie sich mache, weil sie wegen des Klägers ihrem ersten Ehemann untreu geworden sei, und seiner Würdigung, das Verhalten des Klägers sei für den Alkoholmißbrauch ursächlich gewesen« Denn das Berufungs gericht hat gerade festgestellt, die Beklagte habe erst seit 1956 in einem die eheliche Lebensgemeinschaft zerstörenden Ausmaß getrunken» Deshalb kommt es auf die Zeit vor 1956 nicht an und das Berufungsgericht brauchte kein Gutachten darüber einzuholen, daß es eine psychologische Erfahrungstatsache sei, daß derjenige, der durch ein Schuldgefühl belastet ist, sich davon durch Betäubung zu befreien sucht» Das Berufungsgericht brauchte sich auch nicht mit der Aussage des Zeugen Wid[^auseinanderzusetzen» Diese Aussage befaßt sich mit einem Vorfall im Jahre 1958» Für diese Zeit hat das Berufungsgericht bereits festgestellt, daß die Beklagte in einem ehezerstörenden Ausmaß getrunken hat» Entgegen, der Auffassung der Revision hat das Berufungsgericht rechtlich bedenkenfrei angenommen, es lasse sich nicht feststellen, daß der Beklagten die Bindung an die Ehe fehle. Da die Beklagte vor dem Berufungsgericht glaubhaft angegeben habe, sie sei bereit, dem Kläger zu verzeihen und mit ihm die eheliche Lebensgemeinschaft vrieder aufzunebmen, sei für die Feststellung, es fehle ihr die Bindung an die *.:he oder die zu demutbare Bereitschaft, die Ehe fortzusetzen, kein Raum. Der Revision ist zwar zuzugeben, daß sich das Berufungsgericht nicht mit dem von der Beklagten bestrittenen Vortrag des Klägers in erster Instanz auseinandergesetzt hat, im Jahre 1958 sei zwischen den Parteien vereinbart worden, die Parteien sollten 2 Jahre getrennt leben und es solle die Scheidung erfolgen, wenn der Kläger nach Ablauf dieser Frist darauf bestehe. Die Beklagte hat sich zunächst einmal nicht an die Vereinbarung gehalten, sondern sie ist 1959 zu dem Kläger zurückgekehrt • Dann hat sich der Kläger von der Beklagten getrennt» Aus diesen Umständen konnte das Berufungsgericht schlies-sen, es könne auf Grund der Trennungsvereinbarung nicht festgestellt werden, daß die Beklagte keine Bindung an die Ehe hat« Zum anderen ist der sich auf die Trennungsvereinbarung von 1958 beziehende Vortrag in der 2. Bei dem widersprechenden Ehegatten muß ferner eine Bereitschaft, die eheliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen, sofern das in einer seiner Stellung als Ehegatte entsprechenden Weise geschehen würde, feststellbar sein« Biese Voraussetzungen des Widerspruchs gegen die Scheidung brauchen bei einer Ehefrau nicht zu fehlen, die sich auf Verhandlungen über eine Scheidungsvereinbarung eingelassen hat.