BGH · IV ZR 266/63
Originalentscheidung als PDF
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Unter der Goltung des US-EG machte er3 de Tis dahin keine Entscheidung der Entschädigungsbebörde er gangen war, seine Ansprüche bei Gericht anhängig© Der Antrag wurde nach dem Inkrafttreten des BE*g£r und weiterhin des BEG als Klage behandelt© Nachdem der Kläger im März '1957 gegenüber der Entschädigungsbehörde die Renten wähl erklärt hatte, schlossen die Parteion am "0« April *957 vor dem Landgericht einen Vergleich, in dem os kcißti I© Der Beklagte zahlt an den Kläger als Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen wegen Verdrängung aus unselbständiger Tätigkeit ab 1«2.1955 eine monatlich voruuszahlb^re Rente in Höhe von 272 DM © © © ©» Damit sind alle An spräche wegen Schadens im beruflichen Fortkommen-abgegolten© VI« Die Parteien gehen davon aus, daß der Kläger Anspruch auf Altersversorgung aus dor Sozialversicherung hht© Sollte diesejVoraussetzung nicht zutreffen, erklären sich die Parteien schon jetzt bereit, der diesem Vergleich zugrunde liegenden Berechnung 20 wegen fehlender Altersversorgung zuzuschlagen« Der Rentenberechnung liegt die Annahme einer Verdrängung aus einer unselbständigen Erwerbstätigkeit, die Einstufung des Klägers in den gehobenen Dionst und ein Sntschädigungszeitraum-vom 1, Januar "934 bis zu dem 31© Dezember 1950 zugrunde. Er hat geltend gemacht0 er habe vor der Verfolgung ein Einkommen von jährlich 6.000 RM gehübt uns sei nach den nunmehr geltenden Tabellensätzen dor Anlage 3 zur 3° DV-BEG in den höheren Dienst einzustufon* auch sei der Sntschädigungszeitraum bis zu dem 31- i^ärz 1955 auszudehneiio Die Entschädigungsbehörde hat den Antrag abgelohnto Mit der dagegen erhobenen Klage hut der Kläger beantragt* das beklagte Land zu verurteilen., an ihn unter Anrechnung der für den Schaden im beruflichen Fortkommen bisher gezahlten Beträge eine monatliche Rente für die Zeit vom 1. Dezember 196' hat es jedoch die Rente des Klägers nach der 3o/!ridV0 mit Wirkung vom . Das Landgericht hat das beklagte Land verurteilt0 an den Kläger unter Anrechnung der bereits ausbozahlten Rentenbeträge für die Zeit vom Io .Februar 1955 an eine monatliche Rente von 404 DM zu zahlen; im übrigen hat es die Klage abgewiesen* ihm für die Zeit vom 4° Januar ' 96an eine weitere monatliche Rente von 46 DM zuzu erkennen. an nur eine monatliche Rente von insgesamt 449 DM beansprucht hat; unmittelbar vor dem zur Verhandlung vor dem Revisionsgericht anberaumten Termin bat er jedoch den Klugantrag durch Erhöhung der vom A 0 Februar ?955 an verlangten jeweiligen monatlichen Rentenbozügc erwei terto Das beklagte -band hat sich im Revisionsrechtnzug nicht vertreten lassen0 Io Soweit der Kläger mit der Revision höhere Renton«-betrage als die in den Vorinstanzen verlangt* ist sein Antrag unzulässig* denn in der Revisionsinstanz kann die Klage nicht erweitert werden (BGH LM ZPO § 561 Nr »27 In diesem Umfang ist die Revision von vornherein unbegründet o Die Grundlage des angefochtenen Urteils bildet die Annahme* daß dem Verfolgten auf Grund der Änderungsverordnungen zu den Durchführungsverordnungen zu dem BEG keine weitergehenden Rechte zuerkannt werden können* wenn der geltend gemachte Anspruch zwischen ihm und der Entschädigungsbehörde durch einen echten Vorgleich* auch zu dem Verzicht auf eine höhere Einstufung die Urteile des Senats RzW 1963* 522 Nre 40, 1964*89 Nr» 32>. An ihr ist auch gegenüber den Ausführungen der Revision und denjenigen in einem Urteil des Landgerichte Karlsruhe,das einen von der Rechtsprechung des Senats abweichenden Standpunkt einnimmt (Urteil RzW 1964c, 414 Nr«, 57)? Eine Erwähnung des Vergleichs in Art« XV Abs® 1 ist nicht erforderlich«, da diese Vorschrift lediglich das Hindernis der Unanfechtbarkeit oder Rechtskraft einer früher ergangenen Entscheidung für erneute Entscheidungen ausräumen soll® Bei Vergleichen besteht ohno weiteres die Möglichkeit 9 im Zusammenwirken zwischen der Entschädigungsbehörde und dom Betroffenen eine anderweitige Regelung herbei zuführen«, die den Grundsätzen der ÄnderungsVO entspricht® Die Revision weist auf die Vorschrift des Art« II Abs. 2 Satz 2 der VO über die Neufassung der VO zur Durchführung des § 31 d BWGöD vom 2© April 1963 (BGBl 19 182) hin* in der bestimmt i£t* daß der Berechtigte* soweit nach der Neufassung der Verordnung ein weit»*r-gehender Anspruch begründet ist* diesen auch dann geltend machen kann* wenn der Anspruch auf Versorgungszahlungen durch Vergleich geregelt war. ÄndVQ* für die Verfolgten ergeben* können im Einzelfall beträchtlich seine Sie halten sich aber notwendig in dem Böhmen* der dadurch abgegrenzt ist, daß die Bundesregierung ermächtigt ist* zur Durchführung bestimmter Vorschriften des Bundesentschädigungsgesetzes* die als solche nicht ge-ändert werden können* Rechtsverordnungen zu erlassen* und sie sind deshalb in ihrer Tragweite und Bedeutung nicht mit der gesetzlichen Neuregelung des Entschadigungs-rochts* wie sie das Bundesergänzungsgesetz und das 3° Änderungsgesetz gebracht haben*.zu vergleichen© Die den gesetzlichen Neuregelungen Rechnung tragenden Vorschriften des § 235 BEG und des Art© III Nr© 44 ÄndG* nach denen die Anfechtung den Vergleich in vollem Umfang hinfällig macht* so daß die neue Entscheidung den Verfolgten ausnahmsweise sogar ungünstiger stellen kann* als er nach dem Vergleich stand (Urteil des Senats RzW 1962* 474 Nr© 40)* sind in die Änderungsverordnungen nicht übernommen worden* und die in ihnen zu dem Ausdruck gekommenen Grundsätze lassen sich nicht hierher übertragen«, 3s entspricht nicht dem Sinn und Zweck der Neuregelung* daß Verfolgte* deren Ansprüche durch einen Vergleich im Wege beiderseitigen Nachgebene (^echter11 Vergleich) bereinigt sind und die dadurch ohne die sonst notwendige weitere Durchführung des Verfahrens um so früher die in dem Vergleich vereinbarten Leistungen erhalten haben* auf Grund der Änderungsverordnungen das Verfahren auf~ nehmen und weitere Rechte geltend machen können* die sich etwa aus der Neufassung der Durchführungsverord-nungen ablejten lassen© Der Senat hat wiederholt darauf hingewiesen* daß der Verfolgte* der die Vorteile des Dabei ist nicht entscheidend* ob das Verfahren in einem verhältnismäßig frühen oder späten Zeitpunkt der Go-Samtabwicklung der Entschädigung sein Ende gefunden hat* sondern allein* daß es vorzeitig* nämlich bovor die Sache entscheidungsreif war* durch den Vergleich abgeschlossen worden ist. was er nach dem Stand der Sache zur Zeit des Vcrgleiehsabschlusses durch einen Bescheid oder ein Urteil hätte erhalten müssen,, wenn also der Vergleich nichts weiter als die äußere Eorm darstellt? ob die nach § 94 BEG für das Rentenwahlrecht vorausgesetzte Arbeitsunfähigkeit des Klägers von mindestens 50 # i.n seinem Beruf nochgewiesen war? daß eine Begutachtung des Klägers durch einen vom Gericht oder von der Entschädigungsbehördo beauftragten Vertrauensarzt nicht Vorgelegen habe«. wird in dem Berufungsurteil jedoch die vom Kläger vorgelegte Bescheinigung des Dr. Hosenbaum in Haifa ohne nähere Erörterung als privatärztliches Zeugnis bezeichnet« Penn die Entschädigungsbehörde hatte von dom Kläger die Vorlage eines vertrauenaärztlichen Gutachtene über seine Erwerbsminderung verlangt9 und der Kläger hätte daraufhin der Entschädigungsbehörde ein «VertrauensärztlioheB Zeugnis'* überschriebenes Schriftstück des Br. Rosenbaum* in dem eine mehr als 50 #ige Erwerbsminderung des Klägers bestätigt wurde* vorgelegto In dem zur Protokollierung des Vergleichs vor dem Einzelrichter des Landgerichts bestimmten Termin stellte dieser fest* daß die Entschädigungsbe-hörde das vortrauensärztliche Gutoohten des Dr« Rosenbaum übersandt habe* Bedenken gegen die Eigenschaft des Br. Hosenbaum als Vertrauensarzt wurden nicht geltend gemachto Biese Eigenschaft kann bei dom genannten Arzt deshalb nicht ohne weiteres verneint werdeno Trotzdem ist es* auch wenn man die spätere tatsächliche Erwerbstätigkeit des Klägers und die späteren Ergebnisse des bei der Bundesversicherungsanstolt für Angestellte durchgeführten Verfahrens außer Betracht läßt* oine offene ErageP ob das Gericht* wenn es zu entscheiden gehübt hätte* schon auf Grund des Zeugnisses des Br. Rosenbaum in Verbindung mit den vorliegenden ärztlichen Zeugnissen des Bre Bilski und des Br. Reiner* beide ebenfalls in Haifa* die einen 1955 erlittonon Coro nurinfarkt des Klägers bestätigt hatten* ohne weitere Beweisaufnahme zu der Überzeugung gelangt wäre* daß der Kläger in seinem Beruf nicht mehr als 50 # arbeitsfähig sei* oder ob es eine weitere Begutachtung für nötig gehalten hätte0 Ohne eine nähere tatsächliche Prüfung unter Berücksichtigung des Umstandes* daß Dr« Rosenbaum als Vertrauensarzt handelte* läßt sieh Die Frage bedarf jedoch keiner weiteren Klärung» Denn jedenfalls ergibt das angefoohtene Urteil«, daß zur Zeit des Abschlusses des Vergleichs die Voraus«» Setzungen für die Einstufung des Klägers in den gehoben nen Dienst noch nicht geklärt waren« Aus den von dem Berufungsgericht in Bezug genommenen Akten des Vorprozesses geht hervor«, daß das beklagte Land den Kläger zunächst vergleichsweise nur in den mittleren Dienst einstufen wollte* dann erklärte es sich aber doch mit einer Einstufung in den gehobenen Dienst einverstanden«, obwohl das von dem Kläger behauptete Einkommen«, das auch nach den damals maßgebenden Hechtsgrundsätzen diese Einstufung gerechtfertigt hätte«, nicht nachge-wiesen war, und obwohl auch die vorberufliche und berufliche Vorbildung des Klägers nicht ohne weiteres Anlaß zur Einstufung in den gehobenen Dienst geben konnte. Ebensowenig war erwiesen* daß der Kläger wegen seiner beruflichen BntwicfcldngsmSglichkeiten die Ein-’ stufung in den gehobenen Dienst verlangen konnteo Un~ angreifbar wird ferner in dem angefochtenen Urteil ousgeführt9 der Kläger, der in dem der Vorbereitung des Vergleichs dianenden Termin weiteren Beweis ange-boten hatte9 sei sich dessen bewußt gewesen«, daß seine Behauptungen no oh nicht bewiesen saien« daß das Landgericht in dem Vorprozoß ohne weitere Ermittlungen zur Entscheidung gekommen und den Kläger in die vergleichbare Beamtengruppe des gehobenen Dienstes eingestuft hätte« Das ist entscheidend für die Beurteilung des Ver— '{: gleiche o Unerheblich ist e6* ob das beklagte Band seiner- ,j zeit etwa deshalb der Einstufung des Klägers in den ge- j hobenen Dienst zugestimmt hat9 weil es glaubte 9 bei nähe- | rer Nachprüfung werde sich diese Einstufung unter Be- t j erscheinen» daß er damals nicht auf einer gerichtlichen j j Entscheidung bestand* da ihm in dem Vergleich diejenige Einstufung zugestunden Wurde* auf die er nach seiner V. mangels solcher Feststellungen dem Kläger*, indem er sich jj auf den Vergleich eingelassen hat* der Vorteil der ulsbal-| digen Beendigung des Rechtsstreits* verbunden mit der | Beseitigung der Ungewißheit * ob die von ihm begehrte Ein-’ j stufung ihm in einer gerichtlichen Entscheidung; wirklich j zuerkannt werden würde* zugute gekommen ist. Es ist der j Revision zuzugeben* daß das von dem Kläger eingeleitete gerichtliche Verfahren bereits seit langem anhängig war* als der Vergleich geschlossen wurdej trotzdem behält die durch den Vergleichsabschluß erreichte schnelle Beendigung des Verfahrens ihre Bedeutung. d; Es liegt demnach ein sogo echter Vergleich vor» Das beklagte Land gab nach*, indem es die von dem Kläger begehrte Einstufung ohne den Nachweis ihrer Voraussetzungen anerkannte» während der Kläger sich mit der Begrenzung des Entschädigungszeitraums bis zu dem 31 o Dezember 1950 begnügte, während er ihn zunächst bis zu dem 1» April 1952 ausgedehnt hüben wollte,, Unerheblich ist es9 aus welchen Gründen der Kläger in diesem Punkt nachgab» e) Es ist nichts zu Gunsten der Auffassung der Revision daraus herzule it en9 daß die Entschädigungs-behörde die nach Maßgabe des Vergleichs geleistete Rente an der linearen Rentenerhöhung, die durch die 3o ÄndVO erfolgte, hat teilnehmen lassen» Nach der Recht sprechung des erkennenden Senats beziehen sich derartige Rentenerhöhungen nicht ohne weiteres auf eine Rente, die auf Grund eines echten Vergleichs gezahlt wird (Urteil vom 19. 3» Rechtlich unangreifbar sind schließlich die in dem angefochtenen Urteil enthaltenen Ausführungen darüber, in dem Vergleich sei eine Neueinstufung für den Rail einer Änderung der fabellensätze, nicht vereinbart und es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, daß eine solche Neueinstufung dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Willen der Parteien bei Abschluß des Vergleichs entsprochen habe, die Parteien hätten sich auch nicht über den dem Vergleich als feststehend zu* • gründe gelegten Sachverhalt geirrt, es sei ferner nicht ersichtlich» daß die im Jahre 1957 geltenden Kin-stufungssätze zur Geschäftsgrundlage des Vergleicns gemacht worden seien« Was die Geschäftsgrundlöge im besonderen betrifft» so ergibt das Berufungsurteil» daß die Unabänderlichkeit der 1957 für die Einstufung geltenden Tubeliensätze nicht eine bei dem Ver-gleichsabschluß zutage getretene und erkennbare Vorstellung eines oder beider Beteiligter war» auf der sich deren Geschäftswille uufbautefl Auch in diesem Zusammenhang ist es erhoblich» daß die Parteien sich verglichen häben0 ohne daß die -frühere wirtschaftliche Stellung des Klägers geklärt wurde« Per Umstand9 wie sie zu bewerten ist» bildete nicht die Grundlage der Vereinbarung * Von einem Wegfall der Geschäftsgrundlage kann demnach nicht gesprochen werden (BGH LM BGB § 242 Bb Nr0 18* WM 1964 IV» 543, 547), und ebensowenig kommt eine Unwirksamkeit dos Vergleichs nach Maßgabe der Grundsätze des § 779 BGB in Betracht« lllo Demnach hat der Kläger keine höhere als die ihm durch den Vergleich eingeräumte und die späteren Be«» scheide zuerkannte Rente zu beanspruchen« Darüber» ob die nach dem Abschluß der Vorinstanz erfolgte Herabsetzung der Rente zu Recht erfolgt ist» ist in dem vorliegenden Verfahren nicht zu entscheiden®