BGH · IV ZR 266/62 vom 06.03.1963
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vertreten durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen in München, Beklagten und Revisionsbeklagten«) - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br« MH^in hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 27» Februar 1963 unter Mitwirkung des S enatspräsidenten Asch er und der Bunde sri cht er Ra s ke„ Wüstenberg, Maaß und Dr« Loewenheim für Recht erkannt: Der klagende Verein hat Ansprüche auf Entschädigung geltend gemacht«, die er daraus herleitet, daß ihm durch Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung Einnahmen aus Beiträgen2 Spenden und ähnlichen Zuwendungen entgangen seien*. Das Berufungsgericht hat zunächst dargelegt, daß die Einnahmen aus Beiträgen, Spenden und ähnlichen Zuwendungen an sich kein Vermögen seien* Wohl könnten sie durch die Art ihrer Verwendung dem Vermögen zugeschlagen und als Vermögen angelegt werden*, Die Aussicht auf Einnahmen von Geldspenden oder ähnlichen freiwilligen, einmaligen oder wiederholten Zuwendungen sei als Gegenstand des Vermögens anzusehen, sofern es sieh nach den jeweiligen Umständen des einzelnen Palles um eine in bestimmten rechtlichen und tatsächlichen Verhältnissen oder sogar Anwartschaften genügend konkretisierte Chance handle, die sich weiter in irgendeiner V/eise als Gegenstand des Verraögensverkehrs auswerten lasse„ Die Verwertbarkeit im wirtschaftlichen Vermögensverkehr sei für den Vermögensbegriff des Bundesentschädigungsgesetzes wesentlich* Gerade der Verlust dieser Möglichkeit führe zu dem Vermögensschaden1 PÜr den Kläger entfalle aber wegen der satsungsgemäßen Verwendungsgebundenheit seiner Einnahmen aus Spenden und Sammlungen zu gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Zwecken die Möglichkeit, die Chance auf die Einnahmen (nicht die Einnahmen selbst) als Gegenstand des Wirtschaftsverkehrs auszuwerten. Die Chance auf die Sammlung einnahmen beruhe gerade auf dem Verwendungszweck und sei des halb, auch wenn sie dem Vermögen zusurechnen sei, vom wirtschaftlichen Vermögens verkehr ausgeschlossen,, Sie sei von der Existenz des Vermögensinhabers weder unabhängig noch lösbare Das sei für den Vermögensbegriff des BEG wesentlich* Diese Ausführungen sind, wie die Revision bemerkt, nicht in jeder Beziehung rechtlich unbedenklich* Hierauf braucht jedoch nicht näher eingegangen zu werden, denn dem Berufungsgericht ist im Ergebnis darin beizutreten, daß der Kläger für seine Ausfälle an Beiträgen, Spenden und ähnlichen Einnahmen keine Entschädigung beanspruchen kann«, § 146 Abs« 3 BEG bestimmt, daß hierfür keine Entschädigung geleistet wird* Diese Bestimmung verstößt«, jedenf alls soweit es sich um die Ansprüche des Klägers handelt, nicht gegen Art. 3 des Grundgesetzes* Der Entschädigungsanspruch des Klägers ist nach § 146 Abs« 3 BEG nicht deswegen begrenzt^ weil der Kläger im engen Zusammenhang mit einer Kirche steht und mildtätige Zwecke verfolgt, Wenn das der Pall wäre«, könnte die Bestimmung gegen Art«, 19 Abs«, 3 in Verb, mit Art« 3 Abso 3 des Grundgesetzes verstoßen«, § 146 Abs«, 3 BEG betrifft aber schlechthin alle nach §142 BEG anspruchsberechtigten juristischen Personen;, Anstalten und Personenvereinigungen ohne Rücksicht auf die von ihnen verfolgten Zwecke in gleicher Weise* Der Kläger nimmt einen Verstoß gegen Art. 3 Abs«, 1 in Verb«, mit Art» 19 Abs, 3 des Grundgesetzes an«, Nach Art, 19 Abs, 3 £§ gelten die Grundrechte auch für inländische juristische PersonenP soweit sie ihrem Wesen nach auf diese anwendbar sind«, Der Gleichheitssatz des Art, 3 Abs, 1 GG ist seinem Wesen nach auf inländische juristische Personen anwendbar«, Er besagt allerdings nicht* daß juristische Personen schlechthin ebenso gestellt werden müssen wie natürliche«, Dem Art» 3 Abs, 1 GG kann über seinen allgemeinen Wortlaut hinaus ein allgemeines Prinzip der Gerechtigkeit als Grundrecht entnommen werden (vgl, Maunz/Dürig GG Art«, 19 Abc, 3 Anm«, 32) c Dieser allgemeine Gleichheitssatz ist gemäß Art«, 19 Absc 3 GG auch auf juristische Personen anwendbar«, und zwar sowohl in ihrem Verhältnis zueinander* als auch in ihrem Verhältnis zu natürlichen Personen (Mangold/Klein GG 2 c. Die sich aus § 146 Abs« 3 BEG ergebende Begrenzung der Entschädigung für Vermögensschaden von juristischen Personen verstößt nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art« 3 Abs» 1 GG« Das Ausmaß der durch nationalsozialsocia-1isiisehe Verfolgung hervorgerufenen Schäden hat den Gesetzgeber dazu gezwungen? auch bei dem Ersatz von Vermögensschäden zu unterscheiden zwischen den Schäden, die juristische und denen, die natürliche Personen erlitten haben* Denn eine juristische Person kann von einem Vermögenssehaden in anderer Weise betroffen werden als eine natürliche* Es kann dahingestellt bleiben, ob das allein es schon rechtfertigen würde, die Entschädigung für Vermögens schaden bei natürlichen und juristischen Per-* conen unterschiedlich zu behandeln* Eine, solche unterschiedliche Behandlung ist jedenfalls gerechtfertigt«, soweit es sich um die Schaden handelt, die dadurch entstanden sind, daß Ausfälle an Beiträgen, Spenden und ähnlichen Einnahmen entstanden sind* Es ist in diesem Zusammenhang wesentlich, daß Spenden, Beiträge und ähnliche Einnahmen auch bei natürlichen Personen an und für sich denkbar sind, aber in aller Hegel nicht Vorkommen* Natürliche Personen erzielen Einnahmen durch die Nutzung ihrer Arbeitskraft oder aus den Erträgen ihres Vermögens oder durch die Verwertung solchen Vermögens* Soweit sie bedürftig sind, worden sie durch unterhaltspflichtige Personen oder die Träger der öffentlichen Pürsorge unterhalten* Die genannten Einnahmearten bilden daher nicht die Grundlage ihrer Existenzt, Völlig anders ist die Lage bei juristischen Personen, insbesondere solchen, deren Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist* Sie sind vielfach auf Spenden und Beiträge und ähnliche Einnahmen angewiesen, um die ihnen durch Satzung oder Gesetz auferlegten Zwecke erfüllen zu können* Man kann daher mit Hecht sagen, daß diese Einkommensquellen juristischen Personen, die caritative Zwecke verfolgen wie der Kläger, eigentümlich sind* Es kann daher der Revision nicht gefolgt werden, wenn sie meint, durch Art*- 146 wie er in den genannten Vorschriften als Grundlage eines Entschädigungsanspruchs vorausgesetzt wird» Was unter einem Schaden am Vermögen im Sinne des § 56 BEG zu verstehen ist, hat der erkennende Senat in der in BzW 1959? Es bestehen aber sehr erhebliche rechtliche Bedenken dagegen, die Ausfälle an Spenden, Beiträgen und ähnliche Einnahmen zu den Chancen zu rechnen, die sich in irgendeiner Weise als Gegenstand des Wirtschaftsverkehrs aus werten lassen« Sie sind viel zu sehr mit der Person des Vermögensträgera verknüpft, als daß sie, wie etwa der “good will? eines gewerblichen Unternehmens, auf einen anderen Vermögensträger übertragen oder sonstwie zu dem Gegenstand einer Transaktion wirtschaftlicher Art gemacht werden können* Aus dem Umstand, daß auch andere gleichgerichtete Vereine die gleichen oder ähnliche Zwecke verfolgen wie der Kläger, kann mit der Revision nicht geschlossen werden, daß die Chancen auf Einnahmen der in § 146 Abs« 3 BEG genannten Art von der Person des betreffenden Vermögensträgere sich lösen lassen und etwa auf einen andei*en übertragen werden oder sonst übergehen können» Denn die Chance, solche Einnahmen zu erzielen, beruht wesentlich mit auf dem besonderen Charakter des geschädigten VermÖgen&trägers und der Art und Weise, wie gerade er seine ihm durch Satzung öder anders gestellten Aufgaben erfüllt, und sie ist daher weder übertragbar oder sonst verwertbar, wie es nach unserer Wirtschaftsordnung notwendig ist, um eine solche Chance als Gegenstand des Vermögensverkehrs anzusehen und sie damit zu einem Vermögensgegenstand wie den good will zu machen» § 146 Abs* 3 BEG enthält daher, wie die schriftliche Revisionserwiderung mit Recht ausführt, nicht mehr als die Klarstellung einer sich schon aus § 56 a&O ergebenden Rechtslage* Abgesehen hiervon würde aber § 146 Abs» 3 BEG auch aus einem anderen Grunde nicht wegen Verstoßes gegen Art» 25 GG nichtig sein» Art» 25 GG bezieht sich nur auf die allgemeinen Regeln des Völkerrechts, nicht dagegen auf eine einzelne völkerrechtliche Vereinbarung. Diese wird nicht schon dadurch zu einer allgemeinen Regel, daß entsprechend dem für alle Rechtsgebiete und auch im Völkerrecht geltenden Grundsatz der vertragsschließende Staat verpflichtet ist, die Vereinbarung zu beachten (vgl.