BGH · IV ZR 264/61 vom 27.06.1962
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Ein aus Verfolgungsgründen in den Ruhestand versetzter Beamter, der aus einer danach angetretenen Stellung im privaten Bienst gleichfalls aus Verfolgungsgründen verdrängt wurde, hat nur Anspruch auf eine Kapitalentschädigung entsprechend den Bestimmungen der §§ 102 bis 107 BEG, wenn er wogen der Schädigung in seinem Beamtenverhältnis nach den Bestimmungen des BWGoB entschädigt worden ist o März 1951 zustehende Entschädigung und auf eine Nachzahlung von VersorgungsheZügen für die Zeit vom 1o April 1951 bis zu dem 31» März 1953 verzichtete, während die Stadt Versorgung aus der Rechtsstellung eines Berufsschuldirek-toro gewährte* Der Kläger hat Berufung eingelegt und eine weitere Entschädigung wegen Entlassung im privaten Dienst aus Verfolgungsgründen für einen Entschädigungszeitraum vom 1. Bas Ende dieses zweiten EntschädigungsZeitraums hat das Berufungsgericht in Anwendung des § 99 BEG auf den 31 * März 1950 festgesetzt* Es hat auch im übrigen für diesen Zeitraum die Entschädigung nur nach den Vorschriften der §§ 99 bis 107 BEG bemessen* Bie Anwendbarkeit des § 113 BEG hat es mit der Erwägung verneint, daß der Kläger nur unselbständige Erwerbstätigkeiton ausgeübt habe* Bio Schädigung, die der Kläger in der Nutzung seiner Arbeitskraft durch die Entlassung aus dem privaten Bienst erlitten hat, hat es unberücksichtigt gelassen, weil der Klüger die Möglichkeit, seine Arbeitskraft im privaten Dienst zu nutzen, erst durch die Verfolgung erhalten habe und nur Entschädigung wegen der gegen ihn als Beamten gerichteten Schädigung beanspruchen könne. Es hat daher die von der Entschädigungsbehörde nach den Vorschriften der §§ 102 bis 107 BEG vorgenommene Berechnung der Kapitalentschädigung gebilligt und demgemäß einen Anspruch dos Klägers auf eine weitergehende Kapitalentschädigung verneint, a) Beinißt sich der Anspruch des Klägers auf eine Kapitalentschädigung nur nach den Bestimmungen der §§ 102 bis 107 BEG, so ergibt sich für den Kläger keine höhere Kapitalentschädigung als ihm bereits durch die Entschädigungsbehörde zugebilligt worden ist. richt nicht dem Kläger mit Rücksicht auf die durch die Entlassung bei der Firma Ende Februar 1944 erlittene Schädigung im privaten Dienst auch eine Kapitalentschädigung nach den Bestimmungen der Das Berufungsgericht hat sich für seine Auffassung, daß bei der Berechnung der Kapitalentschädigung eines entlassenen Beamten eine später im privaten Dienst erlittene Schädigung außer Betracht zu bleiben hat,' auf das Urteil des erkennenden Senats vom 24, Mai 1961 - IV ZR 291/60 RzW 1961, 448 Nr, 11, berufen. über die Frage der Bemessung der Kapitalentschädigung' eines zuerst aus dem Bienst entlassenen und später aus einer Aucwcichtütigkeit verdrängten Beamten entschieden, öondern über dessen Anspruch auf Wiedereingliederung in den Beruf nach § 67 BEG« Bie Entscheidung betrifft einen im Jahre 1953 aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzten Beamten, der danach als Prozeßagent zugelassen worden ist, dem aber diese Zulassung später gleichfalls aus politischen Gründen Wieder entzogen worden isto Ber Senat hat hier ausgesprochen, daß ein Anspruch nach § 67 BEG auf Y/iederaufnähme der früheren Tätigkeit als Prozeßagent nicht besteht, wenn der Verfolgte wegen der Schädigung in seinem Beamtenverhältnis nach den Gesetzen voll entschädigt worden ist* Biese Entscheidung ist damit begründet, daß der Beamte mit der ihm für die Schädigung in seinem Bienstverhältnis zugebil-ligton Entschädigung nach dem Gesetz wieder in das Erwerbs-und Wirtschaftsleben so eingegliedert ist, wie er daran vor dor politischen Verfolgung teilgenommen hatte, der Beamte folglich keine weitergehenden, seine Eingliederung in das Erwerbsund Wirtschaftsleben betreffende Ansprüche haben kann« Weiter ist in der Entscheidung ausgeführt, daß der Anspruch auf Entschädigung für Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Portkommen ein im Rechtssinne einheitlicher Anspruch ist« Bei Bemessung dieses Anspruchs kann folglich nicht unberücksichtigt bleiben, daß der verfolgte Beamte die Möglichkeit, in einem Ausweichberuf (hier als Prozeßagent) tätig zu werden* erst durch das ihm in seinem Beamtenverhältnis zugefügte Unrecht erlangt hato Bafür, daß der Beamte diese Möglichkeit später infolge einer erneuten politischen Verfolgung wieder verloren und dadurch abermals.einen Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen erlitten hat, kann er jedenfalls dann keine Entschädigung beanspruchen, wenn Diese Erwägungen treffen in gleicher Weise auch dann zu, wenn der Verfolgte nicht, einen Anspruch auf Wiedereingliederung nach § 67 BEG geltend macht, sondern eine zusätzliche Kapitalentschädigung, die über die in den §§ 99 ff BEG vorgesehene Entschädigung hinausgeht, mit der Begründung begehrt, daß er nach der Schädigung im Beamtenverhältnis noch eine weitere Schädigung in einem nach der Entlassung aus dem Beamtenverhältnis erg tiffenen Auswcich-beruf erlitten hato Bei Prüfung der Präge, ob ein verfolgter Beamter neben den für geschädigte Beamte vorgesehenen Wiedergutmachungs- und Entschädigungsansprüchen auch einen Anspruch wegen einer Schädigung geltend machen kann, die er in einem nach der Entlassung ergriffenen Auswoichberuf erlitten hat, darf seine mit dem Beamtenverhältnis verknüpfte Rechtsstellung nicht außer acht gelassen werden«, Ein Beamter kann und darf keiner anderen, seine Arbeitskraft voll in Anspruch nehmenden Erwerbstätigkeit nachgeheno Dies gilt zwar nicht für außer Dienst befindliche Beamte* Diesen ist die Ausübung oiner Erwcrbstätigkeit, und zwar auch einer solchen, die die ganze Arbeitskraft in Anspruch nimmt, nicht verwehrt* Es ist jedoch, was die Revision übersieht, 211 bedenken, daß bei der Bemessung des Y/iedcrgutmachungsanspruchs eines Beamten davon ausgegangen v/ird, daß der Beamte ununterbrochen im Bienst geblieben wäre» Bics lassen verschiedene Bestimmungen des BWGöD erkennen, nach denen der voraussichtliche Verlauf der Bienstlaufbahn nachzuzeichnen und demgemäß der Anspruch des Beamten festzusetzen ist» So ist nach § 9 Abs» 2 BWGöB einem geschädigten Beamten nach seiner V/iederanstellung .'die Rechtsstellung und die'Besoldung zu gewähren, die er im Verlauf seiner Bienstlaufbahn ohne Entlassung oder vorzeitige Versetzung in den Ruhestand voraussichtlich erreicht hätte» Hach diesen Grundsätzen ist auch das Ruhegehalt eines geschädigten Beamten zu bemessen (§§ 10,11 BWGöB)» Hat ein Verfolgter diese Ansprüche geltend gemacht und sugebiiligt erhalten, so muß er sich auch bei der Feststellung der ihm für die Zeit vor dem 1» April 1950 zustehenden Kapitalentschädigung so behandeln lassen, als wäre seine Bienstlaufbahn nicht durch eine Tätigkeit im privaten Bienst unterbrochen worden» Br kann Tnicht einerseits die Einräumung einer Rechtsstellung beanspruchen, die zur Voraussetzung hat, daß er ohne die Verfolgung ununterbrochen Beamter gewesen und als solcher sowohl im Bienstalter aufgerückt als auch befördert worden wäre, andererseits aber Ansprüche wegen der Verdrängung aus einer anderen Erwerbstätigkeit geltend machen, die ihm bei dem für die Bemessung der beamtenrechtlichen Wiedorgutmachungsan-sprücho zu seinen Gunsten unterstellten ungestörten Verlauf seiner Bienstlaufbahn aus beamtenrechtlichen Gründen unmöglich gewesen wäre» Ber vom Senat in der vorerwähnten Entscheidung ausgesprochene Grundsatz der Einheitlichkeit des Anspruchs auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen läßt es nicht zu, daß der Verfolgte bei der Durchsetzung der ihm nach dem BY/GöD anstehenden beamtenrechtlichen Y/iedergutmachungsansprüche al3 niemals aus dom öffentlichen Dienst ausgeschiedener Beamter behandelt worden will, zugleich aber bei der Bemessung der ihn nach dem BEG wegen Schadens im beruflichen Fortkommen zustehenden Kapitalentschädigung die Berücksichtigung einer nach der Entlassung aufgenommenen und erst durch diese Entlassung ermöglichten Erwerbstätigkeit in privaten Dienst und die Verdrängung aus ihr über den für Beamte in den Bestimmungen der §§ 99 ff DEG vorgesehenen Hahnen hinaus verlangt* Sr kann nicht sowohl die Vorteile aus der beamtenrechtlichen Wiedergutmachung als auch die Hechte in Anspruch nehmen, die ihm aus einer erst durch sein verfolgungsbedingtes Ausscheiden aus den öffentlichen Dienst möglich gewordenen anderweitigen ErWerbetätigkeit erwachsen sind» Entgegen der Auffassung der Revision kann darin nicht eilte Sohlechtorstellung des geschädigten Beamten erblickt werden. Er kann sich darauf beschränken, nur Ansprüche nach dem BEG geltend zu machen, wenn er glaubt, auf Grund der Bestimmungen dieses Gesetzes wegen der Verdrängung aus der nach dem Ausscheiden aus dom öffentlichen Dienst ausgeübton Erwerbstatigkeit einen höheren Anspruch auf Kapitalentschädigung oder auf Rente su haben. Entschließt er sich aber zur Geltendmachung der im BWGöD vorgesehenen Ansprüche, dann muß er folgerichtig nicht nur für seine beamtenrechtliche ’Wiedergutmachung, sondern auch für die im BEG vorgesehenen Ansprüche auf Kapitalentschädigung von einem ungestörten Verlauf seiner Dienstlaufbahn ausgehen, sich also so behandeln lassen, als ob er immer Beamter gewesen wäre. vorgesehenen begrenzten Kapitalentschädigung begnügen« Dieses Ergebnis stellt keine Härte für den geschädigten Beamten dar« Denn nach den Bestimmungen des BWGÖD wird zu seinen Gunsten bei der Festsetzung seiner Besoldung und seines Ruhegehaltes wie auch bei der Nachzeichnung seiner Dienstlaufbahn die gesamte Zeit der Verdrängung aus den öffentlichen Dienst, und zwar auch die Zeit, in der er eine private, ihn wirtschaftlich günstiger stellende Erwerbstiitigkeit ausgeübt hat, angerochnet* Angesichts der Vorteiles, die diese Fiktion der ununterbrochenen Zugehörigkeit zun öffentlichen Dienst zur Folge hat, muß er es in Kauf nehmen, auch bei der Festsetzung der in BEG für Schaden im beruflichen Fortkommen vorgesehenen Ansprüche als Beamter betrachtet und daher nur nach den Bestimmungen der §§ .102 bis 107 BEG entschädigt zu werden. Diese Vorschriften des BEG sehen eine Kapital-entschädigung für die Zeit vor dem 1« April 1950 deshalb vor, weil die bcamtenrechtlichc Y/iedergutmachung erst von diesen Zeitpunkt an einsetzt* Dies ist aus der Bestimmung des § 112 Satz 2 BEG zu entnehmen* Die im BEG vorgesehene Regelung ist also der beamtenr.echtlichen Ein aus Vcrfolgungsgründen in den Ruhestand versetzter Beamter, der aus einer danach angetretenen Stellung im privaten Dienst gleichfalls aus Verfolgungs-gründen verdrängt wurde, hat somit nur Anspruch auf eine Kapitalentochädigung entsprechend den Bestimmungon der §§ 102 bis 107 BEG, wenn er wegen der Schädigung in seinen Beamtenverhältnis nach den Bestimmungen des BWGöD entschädigt worden ist. Dieser Auffassung steht die in § 102 Abs, 5 BEG getroffene Regelung nicht entgegen, Nach dieser auf § 75 Abs, 1 und 2 BEG verweisenden Vorschrift endet auch für geschädigte Beamte der Entschädigungszeiträum, sobald sie wieder eine ausreichende Lebensgrundlage, wenn auch durch die Ausübung einer privaten Erwerbstätigkeit, gefunden haben. Die hier gebotene Berücksichtigung einer solchen Erwerbstätigkeit führt nur dazu, bei geschädigten Beamten den Anspruch auf eine Kapitalentschädigung für diejenige Zeit auszuschließen, in der sie keinen Ausfall bei der Verwertung ihrer Arbeitskraft erlitten haben. Aus dieser seitlichen Begrenzung des Anspruchs auf Kapital-entochädigung kann für die Präge, ob im Hinblick auf eine auch in dem Ausweichberuf eingetretene Schädigung der Anspruch auf eine Kapitalentschädigung nicht allein nach den Bestimmungen der §§ 99 ff BEG, sondern auch nach den Vorschriften der §§ 92, 75 ff BEG festsusetzen ist, nichts entnommen werden. Entgegen der Meinung der Revision kann auch aus der Bestimmung des § 105 BEG nicht gefolgert werden, daß hier bei der Festsetzung der Kapitalentschädigung die im Ausweichberuf eingetretene Schädigung über die Bestimmungen der §§ 99 f BEG hinaus zu berücksichtigen ist. Der Umstand, daß er im Vergleichswege auf einen Teil dieser Ansprüche verzichtete, ändert nichts daran, daß seine sämtlichen ihm nach dem BWGöD zustehenden Y/iedcrgutmachungsansprüche ihre Erledigung gefunden haben« Der Kläger kann also hieraus keine Rechte auf eine höhere Kapitalentschädigung, als sie in den Bestimmungen der §§ 102 bis 107 BEG für verfolgte Beamte vorgesehen ist, herleiten. Bei einem solchen Sachverhalt ist es geboten, dem Verfolgten nicht nur dio für die Schädigung im Beamtenverhältnis im BWGÖD und im BEG vorgesehenen Ansprüche zusubilligen, sondern ihm auch wegen des Verlustes seines Einkommens aus der zusätzlich ausgeübten zulässigen privaten Nebentätigkeit Entschädigung zu gewähren. Der Kläger hat nicht von vornherein neben seinem Dienst als Beamter auch eine private Tätigkeit ausgeübt, sondern diese letztere Tätigkeit erst nach dem Ausscheiden aus Bei dieser Rechtslage bedarf es keiner Prüfung der Präge, ob das Berufungsgericht zu Hecht den Kläger als nur nominelles Mitglied der NSDAP betrachtet und einen Ausschluß des Klägers von der Entschädigung gemäß § 6 BEG verneint hat. Aus diesen Gründen muß die Revision des Klägers mit der sich aus den §§ 97 Abs«, 1 ZPO, § 225 Abs. 1 BEG ergebenden Kostenfolgc zurückgewiesen werden.