BGH · IV ZR 262/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
und in hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 4* März 1959 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Räske, Jo-hsnnsen, Maaß und Br» Loewenheim für Recht erkannt? wohnte er im Lager, danach bezog er eine Privatwohnung in der Stadt« Nach der Auflösung des DP-Lagers Wpp war er nur noch als Gefängnisseelsorger tätig* Die genannte Wohnung und dieses Amt behielt er bei bis zu seiner Rückkehr nach Polen am'5« August 1947» daß der Kläger keine Entschädigungsansprüche aus den Vorschriften des Bundesentschädigungsgesetzes herleiten kann, weil er keine der Voraussetzungen des § 4- dieses Gesetzes erfüllte Standen ihm dagegen Ansprüche nach dem Bundeser-gänßungsgeseis zu, so hliehen sie nach Art* III Nr* 1 des ÄndG zu dem BEG aufrecht erhalten* Oh dem Kläger eine Entschädigung nach dem Bundesergänsungsgesetz zu gewähren ist, hat das Berufungsgericht bisher vornehmlich unter.dem Gesichtspunkt geprüft, ob der Kläger am 1« Januar 1947 seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Gebiet der Bundesrepublik gehabt hat (§ 8 Abs* 1 Nr« 1 BBrgG)« Aus dem angefochtenen Urteil und dem zur Ergänzung seines Tatbestandes in Bezug genommenen Urkunden ist jedoch nicht zu erkennen, ob und wann der Kläger einen Antrag auf Entschädigung gestellt hat« Nach § 91 BErgG und den zu seiner Ergänzung ergangenen Vorschriften - ebenso wie nach § 189 BEG - wird eine Entschädigung nur gewährt, wenn ein entsprechender Antrag innerhalb der vom Gesetz vorgeschriebenen Fristen gestellt worden ist« Dieser Mitwirkung der Geschädigten kommt im öffentlichen Interesse sachlich-rechtliche Bedeutung zu| auch wenn im übrigen alle anspruchbegründenden Tatsachen gegeben sind, besteht kein Entschädigungsanspruch, wenn es an einem rechtzeitig gestellten Antrag fehlt« Das hat der Senat im Anschluß an die Ausführungen von Haueisen im NJW 1958, 441, 444, in seinem Urteil vom 11« Juli 1958 - IV ZR 83/58 - ausgesprochen (vgl« IM Nr« 2 zu § 189 HEG 1956)« 2« Im übrigen ist das angefochtene Urteil frei von Rechts fehlem« Das gilt vor allem von den Ausführungen zur Anwendung des § 8 Abs« 1 Nr« 1 BErgG« Die von der Revision hier zu erhobenen Bedenken sind unbegründet« Aufenthaltes hat sich das Berufungsgericht in den Grenzen gehalten, die durch die von ihm zitierten Entscheidungen des Senats abgesteckt worden sind (RzW 1957? Rach den Feststellungen des Berufungsgerichts war der Kläger an diesem Stichtage schon länger als ein Jahr Seelsorger für die in der Strafanstalt - Zuchthaus - in W<|p einsitzenden Polen« Daß das Bedürfnis für eine solche Betreuung der polnischen Strafgefangenen am Stichtage weiter fortbestand, liegt nahe, weil mindestens ein Teil dieser Strafgefangenen jahrelange Zuchthausstrafen zu verbüßen hatte« Das ergibt sich ohne weiteres aus dem gesetzlichen Strafrahmen, in denen die Zuchthausstrafe angedroht ist$ vor allem auch daraus, daß schon die Mindest strafe in dieser Straf art ein Jahr beträgt (§ 15 StGB)« Damit steht auch im Einklang, daß nach der von dem beklagten lande nicht bestrittenen Darstellung des Klägers die kirchliche Behörde nach dem Weggang des Klägers einen Nachfolger bestellt hat. Diese Beurteilung der besonderen Verhältnisse des Klägers wird nicht dadurch in Frage gestellt, daß die Zahl der durch die genannte kirchliche Behörde in Deutschland eingesetzten polnischen Geistlichen nach Kriegsende Jahr für Jahr abnahm und auch nicht zu verkennen ist, daß deren seelsorgerische Aufgabengebiete zurückgingen«, Aus diesem allgemeinen Gesichtspunkt ergibt sich, jedoch nichts, was auch im Falle des Klägers das Berufungsgericht aus Rechtsgründen genötigt hätte, nur einen vorübergehenden Aufenthalt des Klägers in MUflp anzunehmen«, Ebensowenig ist von Belang, daß der Kläger nach den Gründen des angefochtenen Urteils am Stichtage möglicherweise noch den DP-Status hatte* Rach den für die frühere britische Besat-zungszono gcitenden Vorschriften erlangten die sogenannten displaced persons in dieser Zone nur dann ihre Sonderstellung, nach der sie der sonst geltenden Rechtsordnung nicht unterworfen waren, wenn sie tatsächlich in einem DP-Lager lebten (vglo yan Dam/Loos, Bundesentschädigungsge-setz.