BGH · IV ZR 261/64 vom 28.01.1966
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 10« November 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundea-richter Johannsen, Wilden, Br. Graf und von der Mühlen für Recht erkannt: Bie Revision der Kläger gegen das Urteil des 5. Nachdem der erkennende Senat auch das zweite Urteil des Berufungsgerichts vom 19* November 1962, durch das den Klägern aus ererbtem Recht wegen des Berufsschadens des Erblassers Entschädigung von 10.000,— BM zugesprochen worden war, aufgehoben und den Rechtsstreit erneut zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückverwiesen hatte, haben die Kläger ihren Antrag, das beklagte Land zur Zahlung einer Entschädigung von 10.000,— BM zu verurteilen, weiter verfolgt*.« diesen Anspruch als unbegründet angesehen und demgemäß die Berufung der Kläger gegen das Urteil des Landgerichts Köln vom 28« März 1961 zurückgewiesen* Ein Anspruch auf eine Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen ihres Erblassers nach den §§ 150 ff BEG steht den Klägern nicht zu* Hieran kann nach der Vorschrift des § 154 BEG in der Fassung des Entschädigungsschlußgesetzes vom 14* September 1965 - BGBl 1965* X S* 1315 -kein Zweifel bestehen* Nach Abs» 2 der genannten Vorschrift, der durch die neue Fassung des Gesetzes in die Bestimmung des §.154 BEG eingefügt worden ist, ist Voraussetzung für den Entschädigungsanspruch des Vertriebenen wegen Schadens im beruflichen Fortkommen, daß der Verfolgte die in § 1 Abs* 2 Nr» 3 des Bundesvertriebenengesetzes genannten Ge« biete vor dem 1. August 1945 endgültig verlassen hat* An der Erfüllung dieser Voraussetzung fehlt es im vorliegen« den Fall» Denn der Erblasser der Kläger hat nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die Tschechoslowakei erst am 1. Mai 1948 verlassen und sich über die Republik Österreich in die Schweiz begeben, wo er bis zu seinem Tode verblieb (Bl* 8, 13 des Berufungsurteils vom 22» Juni 1964)* Der Erblasser hatte seinen Wohnsitz bis zu dieser Ausreise in der Slowakei, die nach kurzer 3) Im vorliegenden Fall war der Anspruch der Kläger jedoch auch nach dem BEG in seiner bisherigen Fassung unbegründet, so daß die Frage, ob gegen die Rechtmäßigkeit der Neufassung des § 154 Abs» 2 wegen der Einführung des Stichtages "1, August 1945” verfassungsrechtliche Bedenken bestehen, nicht abschließend geprüft zu werden braucht« Wie der erkennende Senat in Übereinstimmung mit seiner ständigen Rechtsprechung auch in dieser Sache in seiner Entscheidung vom 20« Dezember 1963 - IV ZR 136/63 - ausgeführt hat, soll die Rechtsstellung als Vertriebener demjenigen nicht versagt werden, der sie allein deshalb nicht erlangt hat, weil er vor der allgemeinen Vertreibung aus Verfol-gungsgründen ausgewandert ist« Andere Hinderungsgründe für den Erwerb der Vertriebeneneigenschaft als die verfolgungsbedingte Auswanderung werden durch die Fiktion des Gesetzes nicht ausgeräumt« Die Bedeutung der Vorschrift erschöpft sich vielmehr darin, daß die tatsächliche Vertreibung durch die frühere verfolgungsbedingte Auswanderung ersetzt wird« Steht daher fest, daß der Verfolgte der allgemeinen Vertreibung entgangen ist und ungeachtet seiner deutschen Volkszugehörigkeit unangefochten im Vertreibungsgebiet gelebt hat, so besteht kein hinreichender Grund, ihm einen Entschädigungsanspruch wegen Schadens im beruflichen Fortkommen zuzuerkennen« Denn bei dieser Sachlage hat die verfolgungsbedingte Auswanderung die spätere Vertreibung nicht ersetzt, da eine solche nicht erfolgt ist« Dafür, daß ein deutscher Volkszugehöriger aus dem Vertreibungs-gebiet, aus dem er aus Verfolgungsgründen auagewandert ist, ohne diese Auswanderung später vertrieben worden wäre, besteht eine tatsächliche Vermutung, deren Widerlegung dem in Anspruch genommenen Land obliegt« Ein solcher Ausnahmefall liegt nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hier vor« Nach diesen Feststellungen hat der Erblasser der Kläger nach dem Krieg in Bratislawa Wenn das Berufungsgericht auf Grund dieser tatsächlichen Feststellungen zu dem Ergebnis kommt, es lasse sich nicht sagen, daß der Erblasser nur deshalb der allgemeinen Vertreibung entgangen sei, weil es ihm gelungen sei, sich in Preßburg durch falschen Neunen aufzuhalten und dadurch seine Abstammung zu verbergen, so bestehen gegen diese Auffassung keine rechtlichen Bedenken. 4) Ist nach alledem der Anspruch der Kläger sowohl nach dem BEG a.F. als auch nach der Auf Grund des Schlußgesetzes bestehenden Rechtslage unbegründet und liegt demgemäß ein Fall des Art. VII des Entschädigungsschlußgesetzes nicht vor, so ist die Revision der Kläger mit der Kostenfolge aus den §§ 97 ZPO, 225 Abs. 1 BEG zurückzuweisen»