BGH · IV ZR 261/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
1« Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des Entschädigungssenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 9* April 1958 aufgehoben und die Berufung des beklagten Landes gegen das Urteil der Entschä-digungskamraer II äes Landgerichts Karlsruhe vom 28o Mai 1957 mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß das Urteil des Landgerichts folgende Fassung erhält? Bas beklagte Land wird verurteilt, außer der im Bescheid des Landesamts für 7/iedergutmachung in Karlsruhe vom 24® Juli 1956 2uerlcannten monatlichen Keilte von 555,55 BIS ab 1„ Juni 1954 weitere 44,45 BM je Ilonat bis zu dem Lebensende des Klägers zu zahlen® Das Landesamb für \Viedergutmachung in Karlsruhe hat durch Bescheid vom 24 « Juli 1956 dem Kläger wegen Verdrängung aus dem privaten Dienst eine lebenslängliche monatliche Rente von 555,55 DM seit 1. Juni 1954 zuerkannt und im übrigen den Antrag des Klägers, monatlich 600DM zu gewähren, abgelehnt» Es hat bei Ermittlung der Jahresrente gemäß § 95 BEO, § 44 der 5- DV-BEG vom 6« April-1955 (jetzt § 35 der Jo DV-BDG vom 20« März 1957) nicht die nach § 92 BEG errechnet,® Kapitalcntschädigung von 43«957,42 DM, sondern den in § 125 Abs» 1 BEO genannten Höchstbetrag der Kapitalentschädigung durch den dem Lebensalter des Klägers entsprechenden Divisor 6 geteilt« Der Klager hat diese Art der Berechnung seiner Rente mit der beim Landgericht Karlsruhe erhobenen Klage angegriffen und beantragt, das beklagte Land su verurteilen, anstatt der monatlichen Rente von 555,55 DM eine solche von 600,- DM Das angefochtene Urteil meint, unter festgesetzter Kspitalentschädigung im Sinne des § 33 Abs* 1 der 3» DV-BEG könne nur eine solche bis zu 40.000 DM in Betracht kommen, da sie diesen Betrag gemäß*§ 123 Abs« 1 BEG nicht übersteigen dürfe und daher auch nicht höher festgesetzt werden ^ könne* Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden« Dem Berufungsgericht ist zuzugeben, daß der Wortlaut des § 33 Abs« 1 der 3* DV-BEG die Annahme nahelegt, daß die zur Ermittlung der Jahresrente als Berechnungsgrundlago maßgebende Kapitalentschädigung nicht über 40.000 DM hinausgehe * Denn unter festgesetzter Kapitaientschädigung ist in der Regel die Kapitalentschädigung zu verstehen, die die Entschädigungsbehörde zur Auszahlung festsetzt und die den Höchstbetrag des § 123 BEG nicht übersteigen kenn« Dem Wortlaut des § 33 Abs* 1 der 3* DV-BEG ist Jedoch keine entscheidende Bedeutung beizximessen« Es erscheint schon zweifelhaft, ob die Bundesregierung durch die Fassung dieser Bestimmung beabsichtigt hat, für die Rente der aus dem privaten Dienst Verdrängten eine zweite obere Grenze mit der Folge einsufübren, daß an die Geschädigten, die in dem nach § 33 Abs.3 der 3. Es ist denkbar, daß die Worte "festgesetzte Kapitalentschädigung" in § 53 der 3* DV-BEG nur eine ungenaue Ausdrucksweise dind und daß durch ihren Gebrauch vermieden werden sollte, das Wort "errechnet" zweimal zu verwenden* Es ist nicht ausgeschlossen, daß mit den Worten "festgesetzte Kapitalentschädigung" die nach § 92 BEO zustehende KapitalentSchädigung bezeichnet werden sollte Wenn § 33 Abs« 1 der 3« DV-BEG Jedoch dahin zu verstehen und auszulegen wäre« daß statt der nach § 92 BEG zu errechnenden Kapitalentschädigung nur die bis 40*000 DM fest-zusetzende KapitalentSchädigung als Bereohnungsgrimdlage zu dienen habe, hätte die Eiuidesregierung insoweit die durch § 93 BEG gezogenen Grenzen ihrer Ermächtigung zu dem Erlaß von HechtsVerordnungen (§ 126 Abs» 1 Satz 1 und 4 BEG) überschritten und über die Vorschrift des § 95 AbSo 1 BEG Denn das Bundes ent scJiädigungsge setz bestimmt in § 93 Satz 2 BEG, daß bei Bemessung der Rente eines im privaten Dienst Geschädigten sein Lebensalter und die ihm nach § 92 BEG zu-stehonde Kapitalentschädigung angemessen zu berücksichtigen sei. davon ausgegangen werden, daß nach dem Willen des Gesetzgebers Berechnungsgrundlage der Rente die gemäß § 92 BEG errechnete Kapitalentschädigung ist. Etwas Gegenteiliges könnte nur dann angenommen werden, wenn die Ansicht des Berufungsgerichts zuträfe, daß § 123 BEG für das ganze Gebiet der Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen maßgebend sei und daher auch die zur Ermittlung der Rentenhöhe dienende Hilfsgröße nach oben begrenze* Das ist Jedoch nicht der Fall. Aus der Fassung des § 123 BEG und seiner Stellung im Gesetz ergibt sich, daß die Vorschrift nur verbietet, an Kapitalentschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen insgesamt mehr als