BGH · IV ZR 258/57
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‘ 2 = Den Nat ional so ziä3zL smus hat im Sinne des § 6 AbSo • i; llro 1 BEG bekämpft, Wer auf Grund seiner Gegnerschaft zu dem HationalsozialIsmus; Handlungen vorgenommen hat1 die vom damaligen Standpunkt aus geeignet sein.konnten, der Herrschaft des Hationa.lsozialismus Abbruch zu tun oder zu demindest ihre schlimmen Folgen in beachtenswerter Weise zu milderno J ahre 1901 geborenen Zahnarzt verheiratet , Di es er war s ei t dem Jahre 1934 Mitglied der NSDAP»Br übte bis zu dem Kriege seine Drams in Königsberg aus »■ Im Kriege war er zur Wehr-macht eingezogen und zuletzt als Oberarzt bei einer Luft-waffensanitätsstaffei-'^uf der Insel Rügen eingesetzte Am 2o Mod 1945 ist er von einem Offizier des dort befindlichen Seefliegerverbandes - nach der Behauptung der Klägerin soll es der NS-Flihrungsoff izier dieses Verbandes gewesen sein- erschossen worden«, Der Ehemann hatte einen ihm eine Ehrenbezeugung erweisenden Soldaten nicht mit erhobener Hand; sondern in der früher in der Wehrmacht üblichen Weise wiedergegrüßt«, Als der Offizier ihn dieserhalb zur Rede stell te■, hatte er erwidert , Hitler sei doch tot, es sei alles vor bei und dieser Dreck ginge ihn nun nichts mehr an» Der Offizier feuerte darauf aus seiner Pistole mit dem Ausdruck "Sie Schwein" auf den Ehemann der Klägerin einen Schuß ab, der dessen sofortigen-Tod zur Folge hatte» Der Offizier hat über den Vorfall unmittelbar danach dem Kommandanten des Seefliegerhorstes Bericht erstattet» Etwa 3 Stunden später ist der Offizier mit einem Flugzeug tödlich verunglückt» Die Klägerin behauptet, daß ihr Kann trotz seiner-Mitgliedschaft bei der H8DAP den ITationalsozialismus scharf abgelehnt und sich auch nicht gescheut habe, seine Kritik rückhalf los in der Öffentlichkeit zu äußern. Diese Gegnerschaft zu dem RationalSozialismus sei auch dem ihn erschießenden^Offizier bekannt geworden und habe dessen feindselige Einstellung zur Folge gehabte Die Klägerin verlangt wegen des Todes ihres Mannes die Zahlung einer Witwenrente im gesetzlich zulässigen Höchstmaße, Wahrend die H^tsciiädigimgsfeehördh wegen der Parteimitglied-schaft des Ehemannes eine Rente versagt hat, ist ihr eine solche - und zwar zunächst in Höhe des gesetzlichen Mindestbetrages von 20.0*— DM monatlich - vom Landgericht und auch vom Öberlandesgericht zugesprochen wordene Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebtdas beklagte Land eine- Abweisung der Klage, Die Öä-ge'rih'Rittet, die.Revision zuriic 1:zuwe isen = noch nicht, daß dieser als Inhaber einer Dienststelle oder als Amtsträger: gehandelt hat (vgl* die Entscheidung BzW 57, 150 )* Dies könnte allerdings zu bejahen sein, wenn der Offizier ein NS-Führungsoffizier gewesen wäre, . : Di e s wür d e aut re f f end s e in, wenn darin eine Billigung läge* Der Revision ist jedoch zu-i zugeben, daß die Schlußfolgerung, die das Berufungsgericht aus dem Unterbleiben einer Verhaftung gezogen hat, verfahrensrechtlich nicht einwandfrei ist. Demi hierzu hatte es nach der Vorschrift des § 176 BEO genauerer Feststellungen über die Zustände im liiegerhorst in der in Frage kommenden Zeit und einer Vernehmung dafür in Frage kommender Angehöriger des Fliegerhorstes, insbesondere dessen Kommandanten' bedarf fc * Denn so hätte möglicherweise Genaueres darüber festgestellt werden können, warum gegen den Offizier nicht eingeschritten worden ist oder werden sollte,. III* Die Tatsache, daß der Ehemann der Klägerin Hitglied der HSDAP gewesen ist und damit entsprechend der Bestimmung des § 6 Abs* 1 Nr» 1 BSG- von einer Entschädigung grundsätzlich ausgeschlossen wäre, hat - das Berufungsgericht nicht als Hinderungsgrund für eine Entschädigung angesehen- 'dessen Anspruch auf Versorgung auch ihr Witwengeld abhängig ist (vgl* z0B, § 123 BBG)u/ Die Witwe eines Yerfölgten hat daher einen Entschädigungsanspruch für den Tod ihres Mannes nur^ wenn;äuch dieser entschädigungsberechtigt waren Eine andere Auslegung des Gesetzes führte sonst zu dem widersinnigen Ergebnis, daß ein ah seiner Gesundheit geschädigter Ehemann als Parteimitglied eine Entschädigung nicht erhalten würde * wenn er jedoch später stirbt und entsprechend dem § 41 BEG seihen Hinterbliebenen Leistungen zustehen würden, winden diese dann eine Entschädigung erhalten (vgl» im tibnigeh "auch Väh' i)äi~Loos Sol 16 Anm, 2 zu § 6 BEG sowie Blessin/Wilden So 239 Ahm* 4 zu § 6 BBG)o Bie Auffassung, daß es auf die Mitgliedschaft des Ehemannes nicht ankomme, weil die Klägerin nach f 1 Absa 3 Hr/-1 BEG als Verfolgte zu gelten ha.be, geht fehl* Denn diese Bestimmung hat nur gesetzestechnische Bedeutüng:insofern, als damit die Möglichkeit geschaffen werden sollte, von den nach den §| 15 und 41 BIG entsehädigungsberechtigten Hint erbli ef benen als Yerfölgten zu sprechen^'; §•• -1 nAteeV-3 Im' 1 BBG will jedoch nicht bestimmen, daß die Hinterbliebenen ohne Rücksicht auf die Person .des Yerfölgten schon als von Verfol-gungsmaßnahmen unmittelbar betroffen zu gelten haben (vgl, auch die Begründung zu dieser Bestimmung in der Bundestagsdrucksache Nro 1949 St 8? zweiten Halbsatz nicht durchgreife, weil der r-Ehemann der Klägerin nur nominelles Parteimitglied gewesen sei, den Nationalsozialismus aus Gründen politischer Gegnerschaft unter Einsatz von Freiheit, Leib oder Leben aus dd?unden des § 1 ßEG beltampft habe Und desv/egen verfolgt worden sei«, Der Grund für, seine Brsehießung habe darin gelegen, daß bei einer politischen Auseinandersetzung der.Ehemann die Überzeugung vertreten habe, es sei an der Zeit, die äußeren Zeichen der Unterwerfung unter den Nationalsozialismusdübzulegeno Damit sei er bewußt unter Gefährdung mindestens seiner Freiheit gegen den Nationalsozialismus auf getreten! Fest steht bisher lediglich, daß der Ehemann;der Klägerin die von den nationalsozialistischen Gev/eüthäberh nach dem 2öc Juli 1944 für das Heer angeordnete Art des Grüßeiis nicht beachtet und von einem Offizier des Seefliegerverpandes zur Hede gestellt, unter Hinweis auf den Tod Hitlers erklärt:;'hat';;aMes. sei vorbei unddieser Dreck gehe ihn nun nichts mehr an. Ein solches Verhalten kann aber für sich allein nicht als ein Be- : kämpfen im Sinne des § 6 Abs. 1 Kr« 1 BEG angesehen werden A Denn unter Bekämpfen kann • grund'sfitziieh -'nicht--Xchon die einmalige ITichtBefolgung einer derartigen nationalsozialistischen Anordnung und eine Bemerkung über das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und die Minderwertigkeit der Horm des Grü^ens verstanden werden. 110/57 - und vom 27'« März 1957 - 17 2B 5/57) auf Grund der Gegnerschalt zu dem Wationalsozialismus vorgenommene Handlungen, die vom damaligen Standpunkt aus geeignet sein könnton, der Herrschaft des Nationalsozialismus Abbruch zu tun oder zu demindest ihre schlimmen Folgen in beachtenswerten Weise zu ' mildern-»- Dies , laßt sich aber von der einmaligen Erwiderung eines militärischen Grußes in einer vom Hationalsosialismus abges chaff ten; Weise oder in einer Erklärung über das Ende der nationalsosialistischen Herrschaft und der Minderwertigkeit des nationalsozialistischen Grußes gegenüber einem fanatische/ Anhänger de.s lationalsoziaiismus und in einem ;Augenblick, in deia das Ende der nationalsozialistischen Ge-v/altherrschaft feststand, nicht sagen» Hoch dem Vortrag der Klägerin waren jedoch die Vorgänge, die zu dem lode ihres Hannes geführt haberi, möglicherweise nur das letzte C-lied' einer Kette von Handlungen, mit denen dieser systematisch auf den ZusammenbrUch-^dea^iatio-nalsozia.1 ismns hingearbeitet hat = Hi erfür spricht u0 aö fol-gen&ess Hach den bei den Akten befindlichen Schreiben eines Dr,Hofmann soll der Ehemann bei allgemeinen Besprechungen im Sanitätsoxfizierskorps seine antinationalsozialistische Überzeugung ohne Rücksicht auf sein und seiner FamilieErgehen geäußert haben und swar in einer Weise, daß seine Freunde ernstlich für sein Leben gefürchtet hätten, Her Ehemann soll auch aus diesem Grunde strafversetzt und nicht befördert worden sein, trotz einer frontnahen Verwendung und hervorragender ärztlicher Leistungen, Weiter soll er nach einer Erklärung eines Biplomchemikers Müller gleichfalls in der Öffentlichkeit ablehnende und gefährliche Bemerkungen über don national sozi all sinus gemacht -haben*' Es besteht hier— durch systematische Propaganda dem herrschenden System des Nationalsozialismus Abbruch su tun, insbesondere die Stimmung für den Nationalsozialismus zu untergraben und dessen Gewaltherrschaft zu unterhöhlen>"'Saß der Ehemann sein Leben damit bewußt aufs Spiel setzte und auch dieserhalb verfolgt worden ist, wird sich vielleicht auch im Hinblick auf sein gewaltsames Ende ar»nehmen lassen« Pieser Auffassung kann Jedoch nicht gefolgt werden» Zunächst schließt § 81 BVG nur Ansprüche gegen den Bund ause Schuldner eines Entschädigungsanspruchs auf Grund des Bundesentschädigungsgesetzes ist aber? Dezember 1950 befand, wegen der unter dieses Gesetz fallenden Vorgänge Ansprüche aus anderen Rechtsvorschriften ausgeschlossen werden sollten, so würde dies für Ansrpüche gus dem Bundesentschüdxgungs-gesets, das erst etwa 5 Jahre später erlassen ist, nicht zu gelten haben’, Dem sieht auch nicht entgegen, daß die Klägerin eine Hinterbliebenenrente auf • Grttnd-'dö'S' Bundes-Versorgungsgesetzes bereits bezieht. Denn wenn, was gegebenenfalls noch festzustellen wäre, ihr diese auf Grund der hier in frage stehenden Vorgänge entsprechend dem § 1 Abs,2 d) BVG bewilligt worden ist, würde es sich bei dieser Rente gl ei chzeitig um eine Leistung handeln, di e im Zuge ei--ncr, BntscMdiguh^:für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung bewirkt ist, so daß eine Anrechmmg gemäß § 10 Dieses wird, falls es zu einwandfreien Feststellungen über das V0rliegen einer nationalsozialistischen Gewaltmaßnahine kommt, im einzelnen den Werdegang und das Verhalten des Ehemanns der Klägerin seit dem Jahre 1934 bis zu seinem Bode,, vor allem auch durch Vernehmung der in Betracht körnenden Zeugen f est s t eilen mils-sen*