BGH · IV ZR 254/65 vom 27.01.1967
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ler Kläger hat die Beklagte unstreitig durch Schreiben eines Hechtsanwalts vom 21* Juni .1963 aufgefordert, die eheliche und häusliche Gemeinschaft innerhalb von 6 Monaten wie&erherzustellen oder Scheidungsklage zu erheben* lie Beklagte hat diesem Verlangen nicht entsprochen* Die Beklagte hat behauptet, sie habe am 3« Mai I960 nicht umziehen können, da sie erkrankt gewesen sei* In der Folgezeit habe sich der Kläger nicht mehr um sie gekümmert und ihr auch keine neue Wohnung mehr angeboten. Juni 1963 sei nicht ernst gemeint gewesen* Der Kläger habe damals keine geeignete Wohnung gehabt* Sie habe auch kein Vertrauen mehr zu ihm haben können, denn er habe in der Zeit von 1944 bis 1961 zu einer Reihe von anderen Frauen ehebrecherische und ehewidrige Beziehungen unterhalten« Burch die fortgesetzten ireubrüehe und sein Verhalten ihr gegenüber sei die Ehe zerrüttet. Unstreitig hat der Kläger die Beklagte mit Schreiben vom 30.Januar ,1962 aufgefordert, ihm eine Erklärung dahin zugehen zu lassen, daß sie sich mit dem Bezug und dem Mieten einer im Frühjahr 1962 freiwerdenden Wohnung bestehend aus zwei Zimmern, Küche und Bad im Stadt- oder Landkreis Fürth-Bayern einverstanden erkläre. Die Beklagte hat dieses Schreiben ihrem Rechtsanwalt unterbreitet, der daraufhin mit Schreiben vom 22« Februar 1962 von dem Kläger eine weitere Aufklärung verlangt hat. Diese vielfältigen, fortgesetzten, schweren Verstöße gegen die eheliche freupflicht seien maßgeblich Schuld an der Zerrüttung der Ehe. Hinzukomme, daß der Kläger sich jahrelang, zu demindestens seit I960 nicht mehr um seine Ehefrau gekümmert habe, daß er sich schließlich den Unterhaltsverpflichtungen seiner Irau gegenüber entzogen habe und erst durch Urteil zu einer entsprechenden Unterhaltsleistung hätte angehalten werden müssen. Diese Äußerungen, insbesondere der Hinweis darauf, daß auf Seiten der Beklagten ein auch nur annähernd gleichwertiges Fehlverhalten nicht vorliege, ergeben, daß das Berufungsgericht die in § 48 Abs. 2 EheG ent- Das Berufungsgericht hat infolge rechtsirrtümlicher Beurteilung des Tatbestandes des § 48 Abs» 2 den Sachverhalt nient in der gebotenen Weise aufgeklärt» Es hat festgestellt, daß der Kläger in der Zeit von 1947 bis 1957 zu einer ganzen Reihe von Frauen ehebrecherische und ehewidrige Beziehungen unterhalten habe* Sicherlich kann ein Ehegatte dadurch, daß er solche Beziehungen zu anderen Frauen anknüpft, das Gefühl, mit seinem Ehegatten durch die Ehe unlöslich verbunden zu sein, verlieren und so in seiner Person die Ehe unheilbar zerrütten» In dem hier zu entscheidenden Fall haben die Ehegatten aber nach d an vom Berufungsgericht gleichfalls getroffenen Feststellungen noch bis zu dem Oktober I960 zusammen gelebt und bis zu dem April I960 zusammen ehelich verkehrt« Daraus ergibt sich, daß die Eheverfehlungen des Klägers in den Jahren 1944 bis 1957 nicht die Ursache oder doch wenigstens nicht die alleinige Ursache dafür gewesen sein können, daß der Kläger seine eheliche Gesinnung verloren hat« Bun hat das Berufungsgericht weiter festgestellt, daß der Kläger im Jahre 1961 ehewidrige Beziehungen zu einer Angestellten seiner Dienststelle unterhalten habe« Es führt aber nicht aus, daß diese Beziehungen der Grund dafür gewesen sind, daß der Kläger seine eheliche Gesinnung verloren hat, sondern im Gegenteil, daß der Kluger sich schon vorher Jahrelang, zu demindest seit I960 nicht mehr um die Beklagte gekümmert habe« Dieses Verhalten ist ein Ausdruck dafür, daß der Kläger sich innerlich weitgehend von seiner Ehe abgewandt hatte« Das Berufungsgericht hätte aber prüfen und feststellen müssen, worauf dieses zurückzufüren war» Es lag nahe, in diesem Zusammenhang zu erörtern, welche Bedeutung es für den Kläger hatte, daß die Beklagte sich am 3« Mai I960 außerstande erklärte, in die in Bürnberg bereitstehende Wohnung zu ziehen» Bur im Zusammenhang mit der Erörterung der auf § 43 EheG gestützten Klage hat das Berufungsgericht ausgelührt, daß die Weigerung der Beklagten umzuziehen, keine- schwere Eheverfehlung sei und daß es ihr auch nicht anzulasten sei, daß sie sich in der Folgezeit nicht mehr um den Um2ug bemüht habe» Diese zu § 43 EheG getroffene Feststellung bietet aber keine genügende Grundlage um zu entscheiden, ob der Kläger es verschuldet hat, daß die Parteien keine gemeinsame Wohnung bezogen haben« Er hat sie allerdings vergeblich aufgoiordert, ihre Einwilligung in einen Umzug und für das Anmieten einer* Wohnung zu erklären« Es ist zu prüfen, worauf das Ver-halten des Klägers zurückzufiihren ist, ob es ihm recht war, daß die Beklagte allein in Amberg blieb oder ob er den Eindruck gewonnen hatte, die Beklagte wolle unter keinen Umständen zu ihm nach Nürnberg ziehen, da oie in der gewohnten Umgebung und bei ihren verheirateten Kindern und deren Familien bleiben wollte« Schließlich ist auch zu prüfen, ob die Beklagte nicht trotz oder vielleicht gerade wegen des Briefes, den der Kläger unter dom 10« Mai I960 an sie gerientet hatte und in dem seine Enttäuschung darüber, daß der Umzug nicht an dem geplanten Termin hatte durchgeführt werden können, deutlich wurde, diesem ihre grundsätzlich Bereitschaft zu einem Umzug erkennen lassen mußte« Bur dann, wenn der Sachverhalt in dieser Richtung weiter aufgeklärt wird, läßt sich entscheiden, ob es überwiegend von dem Kläger verschuldet ist, daß die Parteien nach dem für don Umzug vorgesehenen Termin weiter getrennt lebten* Erst dann kann auch beurteilt werden, welche Auswirkung die früheren Treupflichtverlötzungen des Klägers auf den weiteren Verlauf der Ehe und die Einstellung und das Verhalten der Beklagten und damit wieder auf seine eigene Einstellung ihr gegenüber gehabt haben» Bas Berufungsgericht hat schließlich lestgesteilt, daß der Widerspruch der Beklagten gegen die Ehe auch beachtlich sei, da sie sich noch an die Ehe gebunden fühle und unter gewissen Voraussetzungen auch bereit sei, die Ehe fortzusetzen» Es kann dahingestellt bleiben, ob die von der Revision hiergegen erhobenen Rügen begründet sind» Bonn das Berufungsgericht muß auf Grund der neuen Verhandlung diesen Sachverhalt ohnehin erneut prüfen» Dabei wird das Berufungsgericht allerdings zu berücksichtigen haben, daß bei der Beklagten keine Bindung an die Ehe mehr besteht, wenn sie nicht mehr das Gefühl und das Bewußtsein hat, für die Person des Klägers und für sein Schicksal verantwortlich zu sein, wenn ihr dieser ganz gleichgültig geworden ist und sie an seinem Ergehen keinen Anteil mehr nimmt» Bas Gefühl, für die Person des Klägers verantwortlich zu sein,- muß bei der Beklagten Kräfte aktivieren, die auf die Verwirklichung sittlicher Y/erte zielen» Deswegen können die hierfür erforderlichen Feststellungen nicht allein auf Grund der Äußerungen getroffen werden, die die Beklagte hierzu während des Verfahrens vor dem Gericht abgegeben hat, sondern das Gericht muß auch ihr Verhalten berücksichtigen» Die Revision hat darauf hingewiesen, daß die Beklagte vor dem Bandgericht, wie es in dem Schriftsatz vom 28» Dezember 1964 unwidersprochen dargelegt worden sei, erklärt habe, sie wolle nicht geschieden sein, sondern getrennt leben wie bisher» Bei ihrer Vernehmung am 25» November 1964 hat die Beklagte es abgelebnt, die eheliche Gemeinschaft mit dem Kläger wieder aufzunehmen, Sie hat sich auch nach der Trennung der Parteien nicht mehr um den Kläger gekümmert und an seinem Leben keinen Anteil mehr genommen. Eine zu demutbare Bereitschaft, die Ehe fortzusetzen, kann in der Kegel nicht bejaht werden, wenn ein Ehegatte die Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft allein mit der Begründung verweigert, er habe zu seinem Ehepartner kein Vertrauen mehr, obwohl er keine Anhaltspunkte dafür hat, daß dieser in den letzten etwa 1 1/2 Jahren gegen die ehelichen Treupflichten verstoßen hat, und wenn er sich auch nicht durch eine Aussprache mit seinem Ehepartner bemüht hat, ’aufzuklären, ob sein Mißtrauen noch berechtigt ist. Für den Fall einer echten Versöhnungsbereitschaft des Ehepartners ist dem Ehegatten die Fortsetzung der Ehe in ehelicher Gemeinschaft mit diesem nur unter außex'gewöhnlichen Verhältnissen unzu demutbar, so etwa, wenn er sich auch dann bei einem Zusammenleben mit Bücksicht auf die besonderen Gegebenheiten oder wegen des bisher erlittenen Schicksals einer ernsten Gefahr für sein Wohlergehen aussetzen wüi'de. Damit das Berufungsgericht den Sachverhalt nach Maßgabe dieser rechtlichen Gesichtspunkte erneut prüfen und würdigen kann, muß das angefochtene Urteil insoweit aufgehoben werden, als darin Uber die Klage ont-schieden worden ist« In diesem Umfang iet der Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückzuverweisen«