BGH · IV ZR 252/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtsanwalt hat der IV0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 6o Februar 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Baske, Johannsen, Y/üstenberg und Br« Graf für Recht erkanntt Auf die Revisionen beider Parteien wird das Urteil des 6o Zivilsenats des Oberland esgei’ichts Cello vom 4o Juli 1962 aufgehoben, soweit entschieden ist über die außergerichtlichen Kosten und Uber den An-Spruch der Klägerin auf Zubilligung einer monatlichen Rente in Höhe von mehr als Die am 0» tHHB 1888 geborene Klägerin ist die Witwe des im November 1938 im Konzentrationslager Buchenwald verstorbenen jüdischen Augenarztes Dr» Cd®,, Die Entschüdi-gungsbehörde hat ihr mit Bescheid vom 29« Mai 1958 wegen Schadens an Leben eine Hinterbliebenenrente in Höhe von monatlich 484 DM für die Zeit vom 1» November 1953 bis 31o Dezember 1955 und in Höhe von monatlich 528 DM für die Zeit ab Io Januar 1956 sowie eine Kapitalentschädigung in Höhe von 42o237p06 DM für die Zeit von November 1938 bis 31* Oktober 1953 zugebilligt„ Dabei reihte die Entschädigungcbc-hörde den verstorbenen Ehemann der Klägerin in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes ein und nahm einen Hundertsatz von loo # der Versorgungsbezüge an» Da die Klägerin bei der Aufnahme ihrer Erwerbstätigkoit in den USA«, wo sie seit 1946 ansässig ist? zu Lasten der Klägerin bei der Bemessung des Hundertsatzes berücksichtigt und diesen von zunächst 9o # im Jahre 1953 auf 3o # ab 1959 gesenkte Demgemäß hat sie die Hinterbliebenenrente festgesetzt auf Die angegebenen Zinserträge und die social-security-Rento dürften den Hundertsatz nicht zu ihren lasten beeinflussen» Auch gehe der Bescheid von unrichtigen Kauf-kraftmittelwerten aus. Die Klägerin hat beantragt9 den Widerrufs- und Snderungsbescheid vom 13° Juni 196o aufzuheben und das beklagte Land zu verurteilen? Die Klägerin hat Berufung eingelegt und beantragt, das angefochtene Urteil zu ändern, ferner das beklagte Land zu verurteilen, den Widerrufs- und Änderungsbccchcid vom 13«. Juni i960 aufzuheben und den Bescheid vom 29» Mai 1*958 wiederherzustellen sowie an die Klägerin für Schaden an Leben folgende monatliche Renten zu zählen: Das beklagte Land hat beantragt, die Berufung zurück-zuweisen, soweit die Klägerin eine Rente und Kapitalent-Schädigung wegen Schadens an Leben auf der Grundlage eines für sie günstigeren Hundertsatzes begehrt als Too ia für das Jahr 1953; Es hat an seiner bisherigen Auffassung festgehalten, der Klägerin aber eine Verbesserung des Hundertsatzes nach einem Umrechungskurs von 1 Dollar : 2,5o DM für ihre in den USA erzielten Einkünfte zugestanden« 1o Die Revision des beklagten Landes greift die Festsetzung des Hundertsatzes auf loo % für das Jahr 1953 nicht an, wendet sich also nicht gegen die Verurteilung zur Zahlung einer Rente in Hohe von 484 DMfür die Monate November und Dezember 1953 und damit auch nicht gegen die Verurteilung zur Zahlung einer Kapitalentschädigung in Höhe von 42»237,o6 Itu Gegenstand der Revision des beklagten Landes sind somit nur die der Klägerin für die Jahre ab 1954 zugesprochenen Renten, soweit sie folgende Monatsbeträge Übersteigen; für die Zeit v« 1« 60196o bis 31«12«196o eine mtl« Rente von 418 DK statt 618 DK; 2» Die Erwägungen, mit denen das Berufungsgericht den Widerrufsbeseheid als innerhalb der Sechsmonatsfrist des § 2o3 Abs» 2 BEG ergangen angesehen hat, lassen keinen Rechtsirrtum erkennen,, Sie werden auch von der Revision der Klägerin nicht angegriffen» 3» Bas Berufungsgericht ist davon ausgegangen, daß auch Leistungen aus der social security Versorgungsbezüge im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes und damit an sich gemäß § 13 Abs» 3 Nr. 7 1. DV-BEG zu berücksichtigen sind* Biese Auffassung entspricht der Rechtsprechung dos erkennenden Senats (vgl» das zu §§82 Satz 3 BEG, 21 Abc» 3 3« DV-2KG ergangene Urteil vom 7«, Dezember i960 - IV ZK 112/6o RzW 1961, I80 Nr» 27)o Gleichwohl hat jedoch das Berufungsgericht die der Klägerin aus dor social security zuflicsecn-den Beträge bei Prüfung der Frage einer Ermäßigung des Hundert satzes der Hinterbliebenenrente gemäß § 18 Abs» 2 BEG und ? Die Revision des beklagten Landes greift diese rechtliche Würdigung mit Recht an» Der erkennende Senat hat bereits in den zur Veröffentlichung vorgesehenen Urteilen von 3» Oktober 1962 - IV ZR 87/62 - und vom 3o» Tovcmbcr 1962 -IV ZR 123/62, die vom Berufungsgericht vertretene Auffassung? abgelehnt und ausgesprochen, daß es bei der Berücksichtigung von Versorgungsbezügen gemäß der vorstehenden Bestimmung nicht darauf ankommen kann, ob und inwieweit die Bezüge auf einer zu demutbaren oder einer unzu demutbaren früheren Erwerbs tat igkeit beruhen» An dieser Auffassung ist fectzu-halten» Im einzelnen wird auf die Entscheidungogrünöc der vorerwähnten Senatsurteile Bezug genommen» Erweist sich somit der Revisionsangriff des beklagten Landes als begründet, so kann gleichwohl der Senat nicht in der Sache selbst abschliessend entscheiden, wie sich aus den Darlegungen zu 5« ergibt» 4o Dagegen hat das Berufungsgericht bei Festsetzung dos Hundertsatzes der Rente die Zinserträge, die der Klägerin aus der Anlage von Ersparnissen und auch aus der Anlage von Entschädigungsleistungen zugefloosen sind, als Vermögenoerträgnisse gemäß § 13 Abs» 3 Nr» 4 t„ DV-BEG berücksichtigt» Die Angriffe der Revision der Klägerin gegen diese Auffassung sind nicht begründet» Der erkennende Senat hat bereits im Urteil vom 2» November i960 - IV ZR II5/60 -RzW 1961, 67 Nr» 21, ausgesprochen, daß zu den Vermögender-trägnissen, die nach §18 Abs» 2 BEG, § 13 Abs» 3 Nr» 4 1» DV-BEG eine Herabsetzung des Hundertsatzes rechtfertigen können, auch Kapitalerträge aus der Anlage von Entschädig gungöloistungen gehören» Wie in dieser Entscheidung unter Hinweis auf eine Reihe von gesetzlichen Bestimmungen ausge~ führt ist, steht der Gedanke im Vordergrund, die Hinterbliebenen des Verfolgten vor Not zu bewahren, sofern sie ihren Lebensunterhalt nicht aus anderen Quollen bestreiten können» Die Erwägungen^ mit denen die Revision der Klägerin diese Rechtsauffassung angreift, gehen daran vorbei, daß das Bundesentschädigungsgeoetz selbst in einer Reihe von Bestimmungen die Minderung der Rente versieht und daß nach § 13 Abs.3 Nr. 4 1. 5* Dagegen macht die Revision der Klägerin mit Recht geltend, daß das Berufungsgericht der Bestimmung des § 18 Abs.» 2 BEG nicht ausreichend Rechnung getragen hat* Nach dieser Vorschrift ist die Rente in einem Hundertsatz von weniger als 1oo $ der Versorgungsbezüge nach Abs* 1 fest-zusetzen,, wenn die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Hinterbliebenen dies rechtfertigt. Letztere Vorschrift bestimmt nicht generell, daß die Rente, 3oforn die Klägerin die in Abs.3 genannten Einkünfte und Bezüge hat, in einem bestimmten Hundertsatz herabzusetzen ist. Im Anschluß an diese Entscheidung hat der erkennende Senat im Urteil vom 23» März i960 - IV ZR 215/59 HI 1'**° 5 zu § 18 BEG 1956 VrzW 196o, 3o7 Nr. 15a ausgeführt,, daß eine Gesamtwürdigung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Berechtigten erfolgen muß und daß eine Herabsetzung nur zulässig ist3 wann es die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse des Berechtigten rechtfertigen* zu welchem Ergebnis das Berufungsgericht gekommen wäre, wenn es dieses Vorbringen bei Prüfung der Präge, ob die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Klägerin eine Herabsetzung des Hundertsatzes rechtfertige^ gewürdigt hätte. Bei dieser Prüfung kann ferner auch in die Waagschale fallen, daß der Berechtigte seine unzu demutbare Arbeit aufgegeben und damit die ihm hieraus zufliessenden Bezüge eingebüßt hat und sich nunmehr mit den erheblich geringeren Versorgungsbczügen begnügen muß, im Ergebnis also seine wirtschaftlichen Verhältnisse sich eher verschlechtert als verbessert haben. Von dieser tatrichterlichen Klärung hängt die Beantwortung der Frage ab, ob, gegebenenfalls, in welchem Umfang der widerrufene Bescheid auf unrichtigen Angaben der Klägerin beruht und aus diesem Grunde widerrufen werden konnte (vgl0 Urteil des erkennenden Senats vom 27» Mai 1959 - XV ZR 3o9/58 DM Nr«, 9 zu § 7 BEG 1956 = RzW 1959, 393 »r. Dem Berufungsgericht ist auch die Entscheidung über die außergerichtlichen Kosten beider Revisionen zu übertragene Bas Verfahren des Revisionarechts^ugcs ist gcirüß § 225 Abs* 1 BEG frei von gerichtlichen Gebühren und Auslagen*