BGH · IV ZR 245/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Berufungsgericht hat das klageabweisende Urteil bestätigt, weil der Kläger nach Entdeckung seines Irrtums zu erkennen gegeben ,habe, daß er die Ehe fortsetzen wolle, und weil sein Verlangen auch mit Rücksicht auf die bisherige Gestaltung dos ehelichen Lebens der Parteien als sittlich nicht gerechtfertigt erscheine. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen« Im Berufungsrochtszug hat der Kläger in Ergänzung seines bisherigen Vorbringens behauptet, dio Beklagte habe schon v/onige Tage nach der Eheschließung ihm gegenüber ein Schimpfwort (Götz von Berlichingen) gebraucht« Als er durch die Meisterprüfung höhere Aufwendungen gehabt habe, habe sie seine Bitte, mitzuverdienen, abgeschlagen« Der Beziehungen zu Fräulein Stflp habe sie ihn - auch Dritten gegenüber - schon zu einer Zeit bezichtigt, als diese Beziehungen noch gar nicht bestanden hätten« Bei den Eltern und dom Bruder des Fräulein St^Bl habe sie ihn wüst beschimpft, als Verbrecher hingestellt und verleumdet« Den Bruder dos Fräulein Stflp habe sie aufgefordert, ihn, den Kläger, zu überfallen und zusammenzuschlagen« Auch habe sie ihm, dem Kläger, wiederholt gedroht, ihn umzubringen, und zwar schon zu einer Zeit, als er noch keine Beziehungen zu Fräulein St^^ angeknüpft gehabt habe. Das Berufungsgericht hat nicht für erwiesen erachtet, daß diese Zerrüttung von der Beklagten durch eine schwere Ehcvorfohlung verschuldet worden ist. Es hat die Abweisung der Klage, soweit sie auf § 45 EheG gestützt ist, wie folgt begründet § Die behauptete Beschimpfung (Götz von Berli-ehingen) sei ohne wesentliche Bedeutung für den Zerfall der Ehe. Aus der Weigerung der Beklagten, während der Zeit der Vorbereitung des Klägers auf die Meisterprüfung uitzuverdienen, könne der Kläger nichts herleiten, da er eich mit der V/eigerung abgefunden habe« Auch in dem Vorhalten der Beklagten gegenüber ihrer Schwiegermutter sei keine schwere Eheverfehlung zu sehen. Bei Würdigung der tätlichen Auseinandersetzung zwischen der Beklagten und ihrer Schwiegermutter im November 1959 müsse berücksichtigt werden, daß sich die Beklagte in großer Erregung befunden habe; die Zerrüttung der Ehe sei dadurch nicht wesentlich vertieft worden. Die Behauptung des Klägers, die Beklagte habe ihn bei Dritten bereits zu einer Zeit des Ehebruchs bezichtigt, als er seine Treuepflicht noch nicht vorletzt gehabt habe, sei nicht dargetan und auch unglaubhafte Der Besuch der Beklagten bei der Familie St Mi habe erst im Jahre 1957 stattgefunden, und zwar zu einer Zeit, da der Kläger bereits ehebrecherische Beziehungen zu Fräulein St^fe angeknüpft gehabt habe. Br sei eine verständliche Reaktion auf den tfreuebruch des Klägers gewesen und habe dem Zweck gedient, zu erreichen, daß der Kläger von Fräulein StflP ablasso« Der Behauptung des Klägers, die Beklagte habe ihm wiederholt, und zwar schon zu einem vor seinem ehebrecherischen Verhältnis liegenden Zeitpunkt gedroht, sie werde ihn umbringen, komme ebenfalls keine wesentliche Bedeutung zu* Der Kläger habe nicht dargetan, bei welchen Anlässen und in welchem Zusammenhang die Beklagte solche Äußerungen getan haben solle. Das Berufungsgericht hat weiter festgestellt, daß die häusliche Gemeinschaft der Parteien seit 3 Jahren aufgehoben ist» Es hat jedoch die Klage auch insoweit, als sie auf § 48 EheG gestützt ist, im Hinblick auf den V/idprspruch der Beklagten mit folgenden Erwägungen abge-wiesent Der Kläger habe die Zerrüttung der Ehe zu demindest überwiegend verschuldet» Im Hinblick auf den Widerspruch der Beklagten dürfe die Ehe nur geschieden werden, wenn fcststehe, daß der Beklagten die Bindung an die Ehe und eine zu demutbare Bereitschaft, die Ehe fortzusetzen, fehlten» Eine etwaige Äußerung, ihr liege an der Erhaltung der Ehe nichts, sie wünsche nur versorgt zu sein, treffe nicht den Fall, daß der Kläger sich von Fräulein Stfl^ abwende und zur Beklagten zurückkehre o Es hat jedoch verkannt, daß bei der nach § 48 Abs, 2 EheG gebotenen Prüfung der Frage, worauf die unheilbare Zerrüttung der Ehe zurückzuführen ist, das gesamte Verhalten der Ehegatten zu berücksichtigen ist und daher auch die etwaige Ursächlichkeit solchen Verhaltens untersucht werden muß, auf das die Klage nach § 43 EheG nicht gestützt werden kann, sei es, daß es gemäß § 49 EheG verziehen ist, sei es, daß es gemäß § 616 ZPO nicht mehr berücksichtigt werden kann, weil es in einem früheren Rechtsstreit, so hier durch eine mit der vom Kläger erhobenen Aufhebungsklage gemäß § 61$ ZPO zu verbindenden Scheidungsklage, hätte geltend gemacht werden können. nach § 43 EheG nicht mehr in Betracht kamen, doch im Rahmen des § 48 Abs* 2 EheG erheblich sein* Als solche Verfehlungen kommen zwar, entgegen der Meinung der Revision, weder die behauptete Beschimpfung während der Hochzeitsreise noch die Weigerung des Mitverdicncno während der Zeit der Vorbereitung des Klagers auf dio Meisterprüfung in Betracht* Die erstere Verfehlung hat das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum abschließend dahin gewürdigt, daß ihr keine wesentliche Bedeutung für den Zerfall der Ehe zukomme* Die Geltendmachung der zweitgenannten Verfehlung ist nicht verständlich, da der Kläger im Zeitpunkt der Eheschließung bereits Meister war, wie sich aus der Heiratsurkunde ergibt, in der er als Installationsraeister bezeichnet ist* Die Vorbereitung auf die Meisterprüfung kann daher nicht in die Zeit nach der . Das Berufungsgericht hat es jedoch, unter Hinweis auf die Bestimmungen der §§ 49 EheG, 616 ZPO unterlassen, die EheVerfehlungen, die in dem Verhalten der Beklagten gegenüber der Mutter des Klägers, namentlich in den behaupteten wiederholten Beschimpfungen, erblickt werden können, abschließend zu würdigen. Außerdem ist es der Behauptung des Klägers, die Beklagte habe ihm wiederholt, und zwar auch schon zu Beginn seines ehebrecherischen Verhältnisses, gedroht, sie werde ihn umbringen, nicht nachgegangen* Dieser Verpflichtung war das Berufungsgericht nicht etwa deshalb enthoben, weil der Kläger nicht dargelegt hatte, bei welchen Anlässen und in welchem Zusammenhang die Beklagte solche Äußerungen getan haben soll* Diesen Äußerungen kann nicht schon deshalb eine ehezerrüttende Wirkung abgeoprochen werden, weil der Kläger nicht sofort Folgerungen gezogen und Scheidungsklage erhoben hat* Äußerungen dieser Art können zur Entfremdung der Parteien und damit zur Zerrüttung der Ehe auch dann beigetragen haben, wenn der Kläger ihnen nicht sofort mit einer Trennung oder einer Scheidungsklage begegnet ist* Trotz der schweifen Treupflichtverletzung des Klägers läßt sich nicht von vornherein die Möglichkeit ausschließen, daß das Berufungsgericht bei der gebotenen eingehenden und abschließenden Würdigung de3 Gesamtverhaltens der Beklagten zu einer anderen Beurteilung der Frage, ob der Kläger die Zerrüttung der Ehe ganz oder überwiegend verschuldet hat und die Beklagte daher der Scheidung widersprechen kann, gekommen wäre« b) Bas Berufungsurteil hält weiter der rechtlichen Nachprüfung auch insoweit nicht, stand« als es eine Bindung der Beklagten an die Ehe bejaht hat* Die Frage der Bindung des widersprechenden Ehegatten an die Ehe beurteilt sich zwar nach seiner Einstellung im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Tatsachengericht. Das Berufungsgericht hätte in diesem Zusammenhang prüfen müssen, ob die vom Kläger behaupteten und unter Beweis gestellten Äußerungen der Beklagten über ihn - Ausdrücke wies Verbrecher, Schweinehund -wie auch die behaupteten wiederholten Drohungen, den Kläger umzubringen, nicht der Annahme, daß die Beklagte sich an die Ehe innerlich gebunden fühlt, ihr Widerspruch von echter ehelicher Gesinnung getragen ist, entgegensteht.