BGH · IV ZR 245/56 vom 12.12.1956
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Der Kreissonderhilfsausschuß Wesermünde hat durch Bescheid vom 22, Oktober 1949 dem Kläger eine Geschädigtenrente - von monatlich 140,— DM ab 1, Juni 1949 zuerkannt. ICreisscnderhilf3ausschuß an, daß die durch den Beschluß vom 22, Oktober 1949 zugebilligte Rente mit dem 31, Dezember 1949 erloschen sei, weil der Kläger seinen Wohnsitz nach Bielefeld verlegt habe und damit der Anspruch \ des Klägers auf Zahlung der Geschädigtenrente nach § 6 Abs 2 des niedersächsischen Personensohadengesetzes vom 22, September 1948 weggefallen sei. Auf die Beschwerde des Klägers änderte der Beschwerdeausschuß für Sonder-hilfssachen in Lüneburg diesen Bescheid am 3o November •1950 (Bl 63 d, Beiakten Stadt Bielefeld, Amt für Wiedergutmachung 400,3 - W 63 III) ab und verfügte, daß die Rente fortzuzahlen sei, bis der Kläger endgültig seinen Wohnsitz aus dem Gebiet des beklagten Landes verlegt habe. schuß mit Schreiben vom 15, Januar 1951 mitgeteilt hatte * daß er endgültig nach Bielefeld verzogen sei, Nach dem Inkrafttreten des Bundesergänzungsgesetzes hat der Kläger Entschädigungsansprüche für Schaden ein Körper und Gesundheit sowie für Schaden an Freiheit nach diesem Gesetz geltend gemacht. Hierauf hat der Regierungspräsident in Stade als Entschädigungsbehörde unter dem 14, Mai 1954 an den Kläger ein Schreiben gerichtet, das mit den Worten beginntt 11 Zur Orientierung über den Stand Ihres Verfahrens teile ich Ihnen-folgendes mit," Am Ende des Schreibens stehen folgende-Sätze% "Das Dritte Änderungsgesetz zu dem Personenschadengesetz vom 13»7, "In Ergänzung meines Schreibens vom 14«5-» 1954 teile ich Ihnen mit, daß eine Wiederaufnahme der Rentenzahlung in Ihrem Ralle gemäß Art II Abs 2 des 3« Änderungsgesetzes zu dem Personenschadengesetz vom 13«7«1953 (Eds.GVBl S 45) nicht möglich ist. "Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung auf Grund von '§~24 SHG in der Passung vom 16« 5» 1952 ist nicht möglich, da gemäß § 104 Abs l’Satz 1 BEG die diesem Gesetz widersprechenden Bestimmungen der landesrechtlichen Entschädigungsgesetze aufgehoben sind und der Antragsteller nach dem Bundesentsehä-digungsgesetz nicht schlechter gestellt .wird als nach bisherigem Landesrecht, weil ihm bei erneuter Rentengewährung nach den Vorschriften des Bundesentschädigungsgesetzes für die zurückliegende Zeit gegebenenfalls eine KapitalentSchädigung gewährt werden kann« § 104 Abs l.Satz 2 findet deshalb insoweit keine Anwendung," Unter dem 11c September 1954 erließ der Regierungs Präsident einen Bescheid, durch den der Antrag des Klägers auf Entschädigung für Schäden an Körper und Gesund heit sowie an Freiheit nach dem Bundesentschädigungsgesetz abgelehnt wurde» /"Der Beklagte hat Klageabweisung'beantragt„ Er vertritt tua» die Auffassung, das oben angeführte Schreiben des Regierungspräsidenten vom 14» Mai 1954 sei kein Bescheid im Sinne des § 94 Abs 1 BEG, aus dem der Kläger irgendwelche Rechte herleiten könne■ Bas Bandgericht hat den Beklagten verurteilt, an den Kläger gemäß dem Bescheid vom 14, Mai 1954 eine Rente in Höhe von 140,— BM monatlich vom 1« März 1954 ab zu zahlen. Gegen dieses Urteil haben beide Parteien Berufung eingelegt» Bas beklagte Band hat mit seiner Berufung die völlige Abweisung der Klage erstrebt» Ber Kläger hat beantragt, unter insoweitiger Abänderung des angefochtenen Urteils den Beklagten zu verurteilen, an den Kläger - gemäß dem Bescheid des Regierungspräsidenten vom 14o Mai 1954 - eine Geldrente von monatlich 140,- BM Mit der von dem Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger den durch die .Vorinstanzen abgewiesenen Teil des von ihm erhobenen Klaganspruchs, soweit er die Rente für die Zeit vom 1, Oktober 1953 bis 28o Februar 1954 nebst 4 $ Zinsen ab 1. 1. Ba der Kläger in der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht die Klage insoweit zurückgenommen hat, als der Bescheid des Regierungspräsidenten in Stade vom 11. September 1954 den Anspruch des Klägers auf Entschädigung für Schaden an Körper und Gesundheit nach dem Bundesergänzungsgesetz abgelehnt hat, ist nur noch über den Anspruch auf Geschädigtenrente zu ent-scheiden, den der Kläger auf Grund des bis zu dem 1» 28, Februar 1954- nebst 4 v«H„ Zinsen seit dem L April 1955» Es besteht keine Meinungsverschiedenheit der Parteien darüber, daß nach § 6 Abs 3 des niedersächsischen Gesetzes über die Gewährung von Sonderhilfe für die Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vom 22. « A S 77) der Anspruch des Klägers auf Gewährung einer Geschädigtenrente zunächst erloschen war,‘weil der Kläger Anfang 1950 seinen Wohnsitz aus Niedersachsen endgültig nach Bielefeld verlegte« Der Kläger' vertritt jedoch den Standpunkt, dieser Anspruch sei wiederaufgelebt, nachdem § 6 Abs 3 aaO durch das Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Gewährung, von Sonderhilfe für die Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vom 13» Juli 1953 (Nds GV0B1 1953 S 45) dahin geändert worden war, daß Ansprüche nach dem Persönenschadengesetz nur erlöschen, wenn der Verfolgte seihen Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt außerhalb des Gebietes der Bundesrepublik einschließlich Berlin (West) nimmt« Der Berufungsrichter hat diese Rechtsansioht nicht geteilt, er ist vielmehr auf Grund der Auslegung dieses Gesetzes der Ansicht, der Vorschrift des § 6 Ab3 .3 n.P« komme keine rückwirkende Kraft zu und vorher erloschene Entschädigungsansprüche nach dem Personenschadengesetz lebten nicht wieder auf« Der Berufungsrichter kommt zu dem Ergebnis, daß der Anspruch des Klägers für die Zeit vom L Oktober 1953 bis zu dem 1« März 1954 nicht bestehe, und hat die Klage insoweit abgewiesen« Ob die Entscheid dung insoweit auf einer Verletzung des Gesetzes vom 13« Juli 1953 beruht, kann in diesem Rechtszug nicht nachgeprüft werden, weil hier Landesrecht angewandt worden ist “und die Revision in EntschädigungsSachen auf die Verletzung von Landesrecht nicht gestützt werden kann (§ 102 Abs 4 BErgGj § 222 BEG)-» November 1950 ausgesprochen hat, die mit Beschluß vom 22» Oktober 1949 gewährte Rente sei dem Kläger bis zur endgültigen Verlegung seines Wohnsitzes (nach Bielefeld) weiter zu zahlen. Oktober 1949 als erledigt angesehen haben, als der Kläger seinen Wohnsitz endgültig außerhalb des beklagten Landes genommen hatte» Mit Schreiben vom 15, Januar 1951 machte der Kläger dem Sonderhilfsausschuß von seinem Wegzug Mitteilung und verlangt nur die Rente nachbezahlt, die ihm noch zustehe» Auf diese Mitteilung hat der Kreissonderhilfsausschuß V/esermünde unter dem 24» Januar 1951 (Bl 67 der Beiakten) dem Kläger mitgeteilt , daß die Nachzahlung verfügt sei, daß aber der Kläger mit dem 1* Januar 1951 aus der Betreuung des Sonderhilfsausschusses Wesermünde ausscheide» Durch das eindeutige Schreiben vom 24» Januar 1951 hat er dem Kläger zu erkennen gegeben, daß der Rentenanspruch des Klägers infolge seines Wegzugs aus Niedersachsen entsprechend dem Bescheid des BeschwerdeausSchusses vom 3» November 1950 erloschen sei» Damit ist auch dieser Bescheid und der ihm vorangegangene des Kreis-sonderhilfsausschusses gegenstandslos geworden» Der .Kläger hat dem damals nicht widersprochen» Damit hatte der Bescheid seine Bedeutung für die Regelung des von dem Kläger im Jahre 1949 erhobenen Anspruchs verloren» Er steht somit einer den Anspruch verneinenden Entscheidung des Berufungsrichters nicht entgegen» nichts geändert werden« Da der Kläger, wie dargelegt, bereits seit dem 1« Januar 1950 nach dem bisherigen Entschädigungsrecht einen Rentenanspruch nicht mehr besaß und auch keine weiteren Zahlungen für die Zeit nach diesem Zeitpunkt erhalten hatte, kann er sich auf § 104 und auch auf § 107 Abs 2 BErgG nicht beziehen,