BGH · IV ZR 242/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 17« Dezember 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Raske, Wüstenberg:, Dr. Loev/enheim und von der Mühlen für Recht erkannt: Die gegen diesen Bescheid vom Kläger erhobene Klage blieb beim Landgericht und Oberlandesgericht ohne Erfolge Mit der Revision, die der erkennende Senat zugelassen hat, verfolgt der Kläger seinen Antrag, ihm wegen Schadens an Körper und Gesundheit eine Kapitalentschädigung und Rente unter Zugrundelegung einer 30#igen verfolgungsbedingten Erwerbsminderung, eines Hundertsatzes von 28 und einer Einstufung in den mittleren Dienst zuzuerkennen, weiter. Es‘hat dieses jedoch, ohne dazu nähere tatsächliche Feststellungen zu'treffen, zugunsten des Klägers unterstellt, weil es zu 'der -l^berzeugung gelangt ist, daß der Kläger durch die erlittei^^-y^folgungsmaßnahmen keine erhebliche, einen Anspruch auf Ife Ident Schädigung begründende Beeinträchtigung seiner Gesundheit erfahren habe, sodaß er mit seinem Anspruch jedenfalls aus diesem Grunde nicht durchdringen könne. Bei diesen Feststellungen und dieser Schätzung sei der Sachverständige jedoch von einem nicht erwiesenen Verfolgungstatbestand ausgegangen, bei dem der Kläger unter weit härteren Bedingungen gelebt haben würde, als dies nach seinem Verfolgungsschicksal, wie es sich bei Würdigung seines gesamten Vorbringens darctelle., tatsächlich der Pall gewesen sei* Berücksichtige man diesen Umstand, so sei die Annahme gerechtfertigt, daß die verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit, die von Br* Biezin ohnehin nur mit 27,5 angegeben worden sei, mit Sicherheit erheblich unter dem für die Rentengewährung maßgeblichen Mindestgrad von 25 # liege, zu demal auch die für ihre Sachkunde und ihre Objektivität bekannten Gutachter der Landesrentenbehörde Br, Vollbrandt Sterner (Bio 20 RA) und Br. Jentsch (Bl. 31 ff RA) übereinstimmend und unabhängig voneinander zu einer verfolgungsbedingten Gesamtminderung der Erwerbsfähigkeit des Klägers von insgesamt 15 # gelangt seien, Ben Gutachten der beiden zuletzt genannten Sachverständigen folgend, hat das Berufungsgericht eine verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit von 15 ^ angenommen« Welcher Anteil hierbei den einzelnen Leiden des Klägers zuzurechnen sei und ob es sich bei diesen Leiden je um eine ab-grenzbare Verschlimmerung oder um eine wesentliche Mitverursachung handele, hat das Berufungsgericht nicht dargelegt, Während der Vertrauensarzt Br. Biezin bei allen drei von ihm festgestellten Leiden eine abgrenzbare Verschlimmerung angenommen hatte, hatte Br. Jentsch für die Spondylirthrose eine abgrenzbare Verschlimmerung, für die geringfügige vegetative Dystonie eine wesentliche Mitverursachung mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 5 # festgestollt, für die Migräne: aber einen ursächlichen Zusammenhang mit der Verfolgung überhaupt verneint, Br. Jentsch hat dann die Gesamtminderung der Erwerbsfähigkeit auf 30 $£ - offenbar 25 + 5 - und die ver- Selbst wenn man davon ausgeht, daß das Berufungsgericht diesem Arzt auch hinsichtlich seiner zur Ermittlung der verfolgungsbedingten Gesamtminderung der Erwerbsfähigkeit getroffenen Einzelfeststellungen hat folgen wollen - was sich, wie dargelegt, aus dem Berufungsurteil nicht eindeutig ergibt - ist das Ergebnis, zu dem das Berufungsgericht gelangt, indem es feststellt, daß beim Kläger eine verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit im rentenberecht.igendem Ausmaß nicht vorliege, nicht einwandfrei begründet» Sämtliche Gutachter sind davon ausgegangen, daß die Leiden des Klägers erst während oder unmittelbar nach der Verfolgungszeit in Erscheinung getreten sind« Dr« Jentsch hat den Schadenseintritt auf das Jahr 1942 angesetzt» Das Berufungsgericht hat keine gegenteiligen Feststellungen getroffen« Da^nn ergab sich aber auch hinsichtlich der Spondyl-arthroae die Erage, ob die Verfolgung dazu geführt hat, daß dieses - wenn äüQh anlagebedingte - Leiden beim Kläger in einem früheren'‘^itpunkt in Erscheinung getreten ist« als dies ohne e^/Verfolgung^geschehen wäre, und daß es dabei -jedenfalls zunächst - eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 25 $ mit einem verfolgungsbedingten Anteil von mindestens 1/4 zur Folge gehabt hat» Diese Frage wurde auch durch das Gutachten von Dr» Jentsch nahegelegt» in dem im Bezug auf die Spondylarthrose von einer vorzeitigen Verschleißerscheinung und einer beschleunigten Entwicklung von bereits vorhandenen Degenerationserscheinungen gesprochen wird» Dieser Sachverständige ist dabei freilich davon ausgegangen, daß das erstmalige Auftreten von Beschwerden als Symptomen der Spondylarthrose - obwohl es von ihm offenbar mit dem Schadenseintritt gleichgesetzt wird - nicht als Entstehung dieses Leidens, sondern als eine Verschlimmerung der bereits vorher - wenn auch ohne Beschwerden latent -vorhanden gewesenen Degenerationserscheinungen zu kennzeichnen Sofern aber die Präge nach einem verfolgungsbedingten früheren Auftreten der Spondylarthrose zu bejahen ist, wäre dieses Leiden, wie der Senat in seinen RzW 1958, 196 Nr* 47, 1959«. Nach allem bedarf die Frage, ob und in welchem Umfang die beim Kläger festgeatellten Leiden auf seine Verfolgungserlebnisse zurückzuführen sind - sofern die allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des § 160 BEG zu bejahen sind -einer erneuten Prüfung unter Berücksichtigung der hier dargelegten Grundsätze.