BGH · IV ZR 240/52 vom 07.05.1953
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Rechtssatz; Von den Umstanden, die für die Unehelichkeit eines Kindes sprechen, muß der Ehemann, wenn die-Anfechtungsfrist in Lauf gesetzt werden soll, zweifelsfreie Kenntnis haben» Dagegen ist es nicht erforderlich, daß diese Umstände ihm persönlich schon die feste Überzeugung von der Unehelichkeit des Kindes vermitteln oder daß sie objektiv jeden verständigen Beurteiler zu dem Schluss zwingen, das Kind sei nicht von dem Ehemann erzeugt» Ein Umstand, der für die Unehelichkeit des Kindes spricht, ist vielmehr schon in jedem Sachverhalt gegeben, der sachlich die Ehelichkeit des Kindes ernstlich in Frage zu stellen geeignet ist, also die nicht ganz fernliegende Möglichkeit einer unehelichen Abstammung begründet (vgl HGZ 165, 70 ff). Erst am 11.Mai 1950 habe die Mutter der Beklagten ihm gestanden, daß sie im September 1937 mit einem anderen Mann Geschlechtsverkehr gehabt habe. ,zugetraut habe, .auch mit einem anderen Mann Ge-' schlecntsverkehr gehabt zu haben, vielmehr angenommen habe, daß die Beklagte möglicherweise doch als Frühgeburt geboren sein könne, zu demal da er noch zwei Tage vor der Niederkunft mit der Mutter der Beklagten geschlechtlich verkehrt und diese ihm erklärt habe.die Das Berufungsgericht hat mit dem Landgericht zutreffend angenommen, daß der Kläger die im § 1594- BGB für die i Anfechtung der-Ehelichkeit eines Kindes dem Ehemann ; bestimmte einjährige Erist versäumt hat. der Ehemann von den Umständen Kenntnis erlangt, die für die Unehelichkeit des Kindes sprechen. Von den Umständen., die für die Unehelichkeit sprechen, muß' der Ehemann,- wenn die Anfechtungsfrist in Lauf gesetzt werden soll, zweifelsfreie Kenntnis haben. Maßnahmen alsbald zu treffen, insbesondere etwaige Nachforschungen über die Abstammungsverhältnisse des Kindes so rechtzeitig anzustellen, daß er bis zu dem Ablauf eines Jahres seit Erlangung dieser Kenntnis endgültig entscheiden kann, ob er die Anfechtungsklage - sei es auch nur, um dadurch jedenfalls eine Klärung der Abstammungsfrage herbei zuführen - erheben, oder die gesetzlich vermutete Ehelichkeit des Kindes hinnehmen willlt;!!'r ilKh Nach diesen im Anschluss an die Rechtsprechung des Reichsgerichts (R6Z 163,70 lf) vom erkennenden Senat bereits in seinem Urteil vom 20.10» 1952 - IV ER 92/52 ausgesprochenen Grundsätzen und dem vom Berufungsgericht als unstreitig festgestellten Sachverhalt war die Änfechtungsfrist für den Kläger bei Klageer.hebung bereits verstrichen. Als Umstände, die für die Unehelichkeit der Beklagten sprechen konnten und die dem Kläger schon bei der Geburt der Beklagten bekannt waren, hat das Be-rufungsge lebt auf Grund des unstreitigen Sachverhalts festgestelIts erstens die Tatsache, daß der Kläger in der ge liehen Empfängniszeit der Beklagten erstmalig stens am 6. oder 7»11»1937 mit der Kindesmutter geschlechtlich verkehrt hatte, daß also die Beklagte, wenn sie aus diesem Verkehr hervorgegangen wäre,schon nach der ungewöhnlich kurzen ‘Tragezeit von 7 Monate zur Welt gekommen sein mußte. Diese Tatsachen waren geeignet, die Erzeugung der Beklagten, durch den Kläger ernstlich in Präge zu stellen.-Tatsächlich haben sie auch in dem Kläger, w: dieser seihst vorgetragen hat, schon hei der Geburt des Kindes Zweifel erweckt, ob dieses von ihm, dem Kläger abstamme. Umständen, die für die Unehelichkeit des Kindes sprachen, wurde dadurch ebensowenig beseitigt, wie die Tatsache, daß diese Umstände die Möglichkeit einerL Abstammung der Beklagten von einer anderen Person nahe leg ten . Auf die vom Kläger angebotenen Beweise dafür, daß er der von der Mutter der Beklagten gegebenen Darstellung, es handle sich um eine 1 Frühgeburtk die durch den 2 läge vorher stattgefundenen ehelichen Verkehr verursacht sei, 'Glauben geschenkt -babe, kam es also nicht an; Die Rüge der Revision, das Beru-hhni fuugsgerieht habe diese Beweise erheben müssen, ist-unbegründet; Ebensowenig kam es darauf an, ob der Klager über hie Beweggründe, die ihn veranlaßt hatten, von der Erhebung-der Anfechtungskluge abzusehen, bei einer. Die Tatsache, daß das-Berufungsgericht diese seine früheren Angaben verwehtet-bat, ist also'für die Entscheidung unerheblich, -abgesehentdavon,-' daß die An-Ordnung (Der'Vernehmung des Klägers nach § 448 ZPO im Ermessen des Berufungsgerichts lag,.und kein An- ; halt dafür besteht,- daß dieses sich der Möglichkeit, den Kläger nochmals zu vernehmen, nicht bewußt gewesen ist Hiernach ist es auch unerheblich, ob der vom Berufungsgericht angenommene Erfahrungssatz, daß 1 Männer genau zu wissen pflegen, wenn sie als Erzeuger eines Kindes auf Brune - außereheiichen Verkehrs mit der Mutter in Frage kommen und.