BGH · IV ZR 237/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mitte December.1956 hat der Kläger die in dem vorliegenden Verfahren/erhobene Klage bei Gericht eingereicht 0 Mit dieser hat er beantragt, festzustellen, daß der Beklagte nicht sein natürliches; Kind sei, hilfsweise festzustellen, daß er nicht der natürliche Erzeuger- des Beklagten sei. , Ber Erzeuger des Beklagten sei wahrscheinlich ein später verstorbener Taxifahrer Peters aus Hannover* Die•Kindesmutter sei wahrend der Empfängnisseit der heimlichen Prostitution nachgegangen Bas in dem Unterhältsprozeß ergangene Yersäumnisurfeil sei bei der Zustellung seiner Ehefrau ansgehändigt werden* und er habe davon erst nach dem Ablauf der Einspruchsfrist erfahren e der Kläger .erstrebe nur die Beseitigung des ihn - zur ' Zahlung verpflichtenden Tinterhaltsur-teilsv In einer vor dem Jugendamt in Wiesbaden am 25* .Julia -1955 abgegebenen Erklärung habe der Kläger ei«geräumtrdaß dor Go schlechtsverkehr zwischen ihm und der Llutter des Beklagten in der zweiten. 2o Pas Berufungsgericht hat das in § 2ä6 ZPO vorausgesetzte rechtliche Interesse des Klägers an der von ihm begehrten Feststellung verneint und deshalb die.Klage abgewiesen-.- a) Bait den von der Revision angeführteny in einem Urteil des Oberlandesgerichts in Stuttgart (NJW 1956, 1442) erhobenen Einwänden dagegen, daß der die negative Abstammungs-klage erhebende angebliche Erzeuger sein Pestste 1 luiigsInteresse •besonders' darlegen und beweisen müsse, während dem die positive Abstammungsklage erhebenden Kind dieses .-Inter-esse ohne weiteres zuzubilligen.sei,‘hat der Senat sich bereits in einem früher ergangenen Urteil eingehend aus-einandergesetzt (IM BG-B § 1717 Ur<, 7). Diese'Entscheidung betrifft die Revision gegen ein anderes Urteil des Oberlahde sgerichts in Stuttgart, in dem zu der Präge des rechtlichen Interesses bereits dieselben.Ausführungen wie in dem von der Revision genannten Urteil enthalten waren» Der hier erkennende'- Senat geht mit dem Oberlandesgericht in Stuttgart darin einig, daß die Verbindung mit den Nachfahren ebenso wie diejenige mit den Vorfahren ein elementarer, nicht nur biologischer, sondern auch sittlicher Tatbestand ist, und es ist gewiß nicht in Zweifel zu ziehen, daß des bei der positiven und negativen Abstammaingsklage um dasselbe von zwei verschiedenen Seiten aus betrachtete Rechtsverhältnis gelito Es ist aber an der in dem letztgenannten Urteil des Senats und vorher schon oft von ihm niedergeleg-ten Auffassung festzuhalten, daß die Abstammung für das Kind von schlechthin zentraler Bedeutung ist und dies auch in der Rechtsordnung beachtet werden muß;, während die Va~ • Wirkung verlieren oder aufgehoben werden kann (Urteile des Senats BG-EZ 5, 385* •'■01, LM ZBO § 256 Kr* 11,§640 Nr, 4* 65 XTJW 1356, 668) > Weiiergehende Möglichkeiten der Bev/eiserhebung iia Siatusprozeß begründen das Peststel-lungsinteresse des Klägers, wenn es ihm um die Klärung der Unterlialtsfrage geht, jedenfalls nicht, in den fällen, ■ in denen ein rechiskir ftiges Unterhaltsurteil vorliegt, .. c) Im Ergebnis nicht zu beanstanden sind auch die in dem , angefochtenen Urteil enthaltenen Ausführengen darüber, daß der Kläger nach der ganzen Sachlage,wie sie sich im Zeit- . können, daß das Ve rsäumnisur teil der v?ifkllohen Rechtslage entspreche, und es hätte dann auch annehmen müssen, ton der Kinde smut t er bewußt falsch unterrichtet worden zu ■ sein,-falls diese etwa angegeben hatte, sie habe in der Empfang-' ■ nxszeit nur mit dem Kläger geschlechtlich verkehrt* insofern enthalten die Ausführungen des angefochtenen Urteils . gey/ipse ünstimmigkeitenr Das Berufungsgericht hat aber zutreffend eine Reihe von umständen hervorgehoben, die dafür sprechen, daß das Jugendamt auch im Kalle eines Öbsiegens des Klägers im Statusprozeß von dem Vollstreekungstitel, den der Beklagte in dem Unterhaltsprozeß.erlangt hatte, we iter würde Gebrauch;machen können » Es würde auch dann angesichts des ganzen Verhaltens des Klägers dessen Behauptung in Zweifel sieben können, daß er nicht schon in der gesetzlichen Empfängniszeit mit der Kindesmutter Ge-schlec.Irbsverkehr gehabt habe , und es 'würde weiterhin von seiner,iSichtAdei?''Dinge aus in Rechuuhg: stellen können,' daß der Kläger es erst durch erhebliche eigene Kacklässigkeit zu dem Versäumnisurieil habe kormen lassen. Es ist nicht ersichtlich, daß unter solchen Umständen Veranlassung für das Jugendamt bestehen sollte, entgegen den Interessen des von.,.'ihm'/vertretenen Kindes von einer Verwertung des erlangten- fiteis absusehen (vgUv Urteil des Senats UJW 1956, 668,; 669)o Auch eine derartige Erwartung wurde deshalb hier das Restste11ungsinteresse nicht begründen. . d) Bas Interesse, in - der Öffentlichkeit oder bei den -Anr-,gehörigen^nicht als der Vater eines unehelichen■Kindes zu erscheinen, hat ■ das•Berufungsgericht nicht als schutzwürdig und rechtlich beachtlich -bezeichnet 1; Es' hat sich damit in Gegensatz zu der Auf fas sung des Oberlaridesgerichts in Schleswig (UJW 1955, 591) gestellt, die von Boehmer (KJW ./ 1955, 575, 577) und Schwab ilTJW 1956, 988) gebilligt worden ist. Auch eine Begründung des Festste!lxuigsinteress es mit der Behauptung;, die Hutter des Beklagten sei sozial' minderwertig und es liege dem Häger deshalb daran, daß seine WichtVaterschaft zudem möglicherweise erblich belasteten Beklagten festgestellt, werde, hält das Berufungsgericht nicht für berücksichtigenswertc Es kam dahinstohen, ob dem in dieser Allgemeinheit zuzustimmen wäre. Beim das Berufungsgericht hat dargelegt, daß hier der alleinige Beweggrund für die Erhebung der Eeststellungslc 1 age 'der Wunsch des Klägers ist, von seiner Unterhaltspflicht loszukoißmenh-Wie sich aus dem angefochtenen Urteil ergibt, hat der Kläger durch sein verhalten zu erkennen gegeben, daß es ihm in Wirklichkeit nur darum geht u Bas Berufungsgerieht konnte aus der Gleichgültigkeit -des Klägers gegenüber dem Ver-Säumnisurteil, aus '.dem zeitlichen Zusammenhang der Klageerhebung in dem vorliegenden Rechtsstreit mit der Vollstreckung aus dem-Versäumnisurteillund'aus der allgemeinen Bebenserfahrung den Schluß ziehen, das alleinige Motiv für die Erhebung der Statusklage sei das Bestreben des : Klägers, von der Unterhaltspflicht für den Beklagten be-' freit zu werden* Ber Erhebungder Beweise über den Lebenswandel; der TCindes-mutter. • ..und über ihre sonstigen von dem Kläger behaupteten Handlungen bedurfte -es unter' diesen Um-stähden-nicht., da nach den getroffenen Eeststellüngen der angebliche soziale Minderwert der Kindesmutter,' zu der der Kläger jahrelang Beziehungen imterhalten hatte, bei der .Erhebung der Statusklage keine Rolle spielte* \ die bei dein Berufungs gericht nach dem Schluß der letzten mündlichen Verhandlung^ aber vor der Verkündung des Urteils eingegangen ist?-