BGH · IV ZR 235/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Im Verfahren vor der Entschädigungsbehörde hat der damalige Bevollmächtigte des Klägers 9 Rechtsanwalt mit Schreiben vom 22« Dezember I960 (Bl« 41 EA) gebeten* den Kläger in den gehobenen Dienst einzustufen« In einem weiteren Schreiben vom 9« Januar 1961 (Bl« 49 EA)» dem Unterlagen Uber die früheren geschäftlichen Beziehungen des Klägers und über sein Einkommen vor dem Kriege beigefügt waren*' hat der Bevollmächtigte gebeten* diese Unterlagen bei der Einstufung zu berücksichtigen« Per Kläger hat Klage erhoben* Br hat mit ihr unter Bezugnahme auf die von ihm der Bntschädigungsbehörde eingereichten Unterlagen nur geltend gemacht, daß er in den höheren Bienet einzustufen sei, und er hat beantragt, das beklagte Land zur Zahlung einer entsprechend höheren Kapital, entschädigung und Rente zu verurteilen* 1• Bas Berufungsgericht hat es offen gelassen, ob der Kläger zu den nach § 160 BEO anspruchsberechtigten Personen gehört, da das Landgericht die Klage schon deshalb mit Recht abgewiesen habe, weil der Kläger durch den angefochtenen Boschoid nicht beschwert sei* Per Kläger habe bei der Entschädigung öbehörde durch seinen Bevollmächtigten in dem Schriftsatz vom 22* Bezember I960 ausdrücklich beantragt, ihn in die vergleichbare Beamtengruppe des gehobenen Bienates einzustufen* Bern weiteren Schriftsatz vom 9» Januar 196t sei nicht zu entnehmen, daß höhere Ansprüche geltend gemacht werden sollten* Bieser Schriftsatz habe nur der Ergänzung und Rechtfertigung des vorher gestellten Antrags gedient* 2« Die Revision ist der Auffassung, mit dem Schreiben von 9« Januar 196T habe der Bevollmächtigte des Klägers nicht nur auf sein früheres Schreiben vom 22« Dezember I960 Bezug genommen, er habe vielmehr dieses Schreiben ergänzt und erweitert, indem er gebeten habe, die neu überreichten Unterlagen bei der Einstufung zu berücksichtigen« Damit hebe er beantragt, diejenige Einstufung vorzunehmen, die sich unter Verwendung der überreichten Unterlagen ergebe« Damit kann die Revision die Aufhebung des angefochtenen Urteils jedoch nicht erreichen« 33s ist zwar richtig, daß der § 190 BEG, soweit er über den Inhalt des an die Entschädigungobehörde zu richtenden Antrags Bestimmungen trifft, nur eine Sollvorschrift darstellt, und daß er nicht einem Antrag im gerichtlichen Verfahren gleichgestellt werden kann, Wenn aber der rechtskundige Vertreter des Verfolgten ausdrücklich erklärt, er bitte um einen Bescheid unter Einstufung des Antragstellers in den gehobenen Dienst, so hat er damit eindeutig zu dem Ausdruck gebracht, daß er darüber hinaus Entschädigungsleistungen, die sich bei einer höheren Einstufung ergeben würden, nicht beanspruche, und eino solche Erklärung ist von der Entschädigungsbehörde bei der Entscheidung über den Anspruch zu berücksichtigen« Werden nachträglich Urkunden vorgelegt, die der Entschädigungsbehöröe als Unterlagen für die Einstufung dienen sollen, so wird dadurch die frühere Erklärung, der Antragsteller verlange Entschädigung in der der Einstufung in den gehobenen Dienst entsprechenden Höhe, nicht ohne weiteres widerrufen, selbst wenn der Antragsteller ausdrücklich bittet, die Untorlagcn bei der Einstufung zu berücksichtigen, und wenn diese Unterlagen gewisse Anhaltspunkte dafür geben, daß eino höhere Einstufung in Betracht kommen könnte« Ein solcher Widerruf ist nicht schon, wie der Kläger meint, deshalb anzunehmen, weil sein Bevollmächtigter bei der Erklärung, es werde die In dem angefochtenen Urteil wird jedoch mit Hecht darauf hingewiesen, daß die Unterlagen weder Angaben über den Wert der eigenen Arbeitsleistung des Klägers in dem von ihm betriebenen Geschäft enthalten (§ 14 Abs.3 Satz 3 2. Das Berufungsgericht brauchte im Zusammenhang mit der Prüfung der Präge, ob die Klage mangels Beschwer unzulässig sei, dem in der Berufungsinstanz gestellten Antrag des Klägers, eine Auskunft der Hande&gkcmmer in AflHHHi einzuholen, nicht stattzugeben, denn für die Zulässigkeit der Klage konnte es insoweit allein darauf ankommen, ob der Klüger vor der Entschädigungsbehörde hinreichend deutlich zu dem Ausdruck gebracht hatte, daß er an der von ihm zunächst begehrten und damit begrenzten Entschädigung nach einer Einstufung in den gehobenen Dienst nicht mehr festhiclt«. In dem Urteil, das RzW I960, 183 Nr» 50 veröffentlicht ist, hat der Senat angenommen, daß die gegen den Bescheid der Entschädigungsbehörde erhobene Klage mangels Beschwer unzulässig sei, weil« die Entschädigungsbehörde der damaligen Klägerin den von ihr geltend gemachten Anspruch wegen Schadens an Beben auf der Grundlage der von ihr begehrten Einstufung in die vergleichbare Beamtengruppe des mittleren Dienstes in voller Höhe zuerkannt hatte» Eine höhere Entschädigung konnte damals* wenn die Einstufung in den mittleren Dienst maßgebend war, Überhaupt nicht in Betracht können da die Entschädigungsbehörde den vollen Hundertsatz sugrund gelegt hatte (§ 18 Abs» 2 BEG, § 13 Abs» 1 1» DV-BEG) und auch Kürzungen nicht vorgenommen worden waren» In einem Ball, in dem das Kammergericht eine Klage::mangels Beschwer abgewiesen hat (RzW 1962, 228 Nr. 27), war dem Verfolgten offenbar ebenfalls die Entschädigung in vollem Umfang zugesprochen worden, die bei der nach seinen Angaben maßgebende! Dabei mag es auf sich beruhen, ob der Kläger sich zur Begründung einer höheren verfolgungsbedingten Erwerbsminderung noch auf seine vorgebrachten Verdauungsbeschwerden berufen konnte, nachdem darüber in dem Verfahren vor der Entschädigungsbehörde wegen seiner Weigerung, Röntgenuntersuchungen vornehmen zu lassen, keine Peststellungen getroffen werden konnten* Von Bedeutung ist jedenfalls, daß er, nachdem die Entschädigungsbehörde ihm angekündigt hatte, sie beabsichtige, den Antrag abzulehnen, ein Gutachten des Facharztes Br* B4B vorgelegt hat, der eine verfolgungsbcdingte Erwerbsminderung von 15 % auf Grund eines Cervicalsyndrcms und eine weitere verfolgungsbedingte Erwerbsminderung von 25 i» auf Grund vegetativer Dystonie angenommen hat, ohne anzugeben, wie hoch er die verfolgungsbedingte Erwerbsminderung insgesamt schätze (Bl* 32 bis 35 EA)* In dem Anschreiben dazu hat der Bevollmächtigte des Klägers geboten, unter Berücksichtigung des Gutachtens die Akten nochmalc zut:prüfen (Bl* 31 EA)* Wenn es in dem Anschreiben heißt, die Feststellungen des Br* Bflp rechtfertigten den in dem Vorbescheid eingenommenen Standpunkt, so ist offenbar versehentlich das Wort «nicht” weggelassen* minderung von insgesamt 40 # angenommen werden, und er wäre nicht gehindert gewesen, diese Auffassung gegenüber dem Bescheid mit der Klage geltend zu machen« Baraus ergibt sich dann aber, daß er durch den Bescheid beschwert und eine Klage gegen diesen zulässig ist« Bür das Vorliegcn einer Beschwer und damit die Zulässigkeit der Klage kommt es nicht darauf an, ob der Kläger die Klage tatsächlich so begründet hat, oder ob er zur Begründung soineo Klagebegohre dio Feststellung eines anderen Ta tb e stand seiements angegriffen hat, mag er sich seinerzeit insoweit auch mit dieser Feststellung einverstanden erklärt haben« Für die Frage der Beschwor ist es allein erheblich, ob dem Kläger durch die Entschädigungsbehörde nicht Leistungen in der Höhe zugesprochen worden sind, in der er sie. vor ihr beansprucht hat* Baß er den Anspruch auf Leistungen in der ihm zuerkannten Höhe begrenzt habe, läßt sich jedoch, wie die vorhergehende» Ausführungen zeigen, nicht mit der notwendigen Eindeutigkeit sagen 5* XSLo der Senat in dem zu Veröffentlichung bestimmten Urteil vom 13« Mai 1964 - IV ZR 197/63 - dargelegt hat, ist es nur dann möglich, ohne weiteres zu erkennen, ob der Bescheid der Entschädigungsbehörde dem Verfolgten die beantragten Leistungen gewährt, wenn der Verfolgte entweder nur bestimmte Geldleistungen begehrt oder einen Sachverhalt vorträgt, dor die für die Berechnung bestimmtet Goldloiotun gen in Frage kommenden Elemente enthält« Anders ist oo &W 36 BEG, § 15 der 2* BV-BEG)> Ist aber die Klage zulässig, so steht es dem Kläger regelmäßig frei, sie so zu begründen,, wie er es für sachgemäß hält, und auch in der Höhe des von ihm gestellten Klagantragc ist er nicht beschränkt« Trotz seiner im Verfahren vor der Entschädigungsbehörde abgegebenen Erklärungen kann er deshalb den im gerichtlichen Verfahren gestellten Antrag regelmäßig auch damit begründen, daß er eine höhere Einstufung für geboten halte, er kann sich dabei auch auf diese Begründung beschränken«