BGH · IV ZR 232/64 vom 03.11.1965
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Der Kläger, der bis dahin eigene Ansprüche nach dem Bundesentschädigungsgesetz (BEG) nicht geltend gemacht hatte, hat erstmalig mit Antrag vom 22« November 1962, bei der Entschädigungsbehörde eingegangen am 26« November 1962 (BA 237217 Bl« 1), eigene Ansprüche, und zwar wegen Schadens in der Berufsausbildung, geltend gemacht und zugleich um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen der Versäumung der Antragsfrist (§ 189 BEG) gebeten« Den Wiedereinsetzungsantrag hat er damit begründet, die Zuständigkeit der Entschädigungsbehörde in Hildesheim habe sich er3t in dem Entschädigungsverfahren der Erbengemeinschaft ergeben« Nach Hinweis der Entschädigungsbehörde, die Aussichten für die begehrte Wiedereinsetzung seien ungünstig, hat der Kläger geltend gemacht, die Wiedereinsetzung werde nicht v/egen der Zweifel über die Zuständigkeit der Entschädigungsbehörde in Hildesheim begehrt, sondern deshalb, weil das Verfahren der Erbengemeinschaft Überhaupt erst die Grundlage für einen Ausbildungsschaden ira Sinne des BEG erbracht habe; bis dahin sei immer nur von dem ständigen Wohnsitz in Danzig ausgegangen worden (BA 237217 Bl«, 3). Die Entschädigungsbehörde hat mit Bescheid vom 28» Januar 1963 den Antrag unter Versagung der Wiedereinsetzung als verspätet abgelehnt * Mit der Klage bat der Kläger seinen Anspruch weiterverfolgt0 Er hat nunmehr vorgetragen, er habe erst durch die im Verfahren der Erbengemeinschaft eingeholte Geburtsurkunde erfahren, daß er nicht in sondern in geboren worden sei«, Es widerspreche Treu und Glauben, wenn die Entschädigungsbehörden, die über ihre Zuständigkeit gestritten hätten, vom Antragsteller verlangten, er müsse seinen Anspruch rechtzeitig anmelden» Der Kläger hat Berufung eingelegt» Er hat nunmehr behauptet, er habe die Geburtsurkunde vom 12» September 1957 erst nach dem 1» April 1958 zu Händen seines Prozeßbevollmächtigten erhalten« Dieser habe einen Auftrag, Entschädigungsansprüche aus eigenem Recht des Klägers geltend zu machen, erst nach Klärung der Zuständigkeitsfrage erhalten» Das Berufungsgericht hat dem Kläger eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Anmeldefrist des § 189 Abs. 1 BEO versagt« Es hat ausgeführt, der Kläger habe seinen Wiedereinoetzungs-antrag zunächst damit begründet, erst in dem Entschädigungsverfahren nach dem Vater des Klägers habe sich die Zuständigkeit der Entschädigungsbehörde ergeben. Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb der Kläger von der unter dem 12, September 1957 ausgestellten Geburtsurkunde erst nach dem lo April 1958 erfahren haben wolle« Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, daß der Kläger diese Geburtsurkunde demnächst, jedenfalls aber noch im Jahre 1957, erhalten habe, also zu einem Zeitpunkt, der eine rechtzeitige Anmeldung von eigenen Entschädigungsansprüchen ermöglicht hätte. Abgesehen davon habe es der Kläger verabsäumt, alsbald einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand einzureichen * Eine Abschrift der Geburtsurkunde habe der frühere Prozeßbevollmächtigte des Klagers bereits mit Schriftsatz vom 8o Juni 1961 eingereicht (Bl» 4 der BA 229194)« Spätestens in diesem Zeitpunkt sei daher der wirkliche Geburtsort bekannt gewesene Mit der Anmeldung der eigenen Ansprüche hätte der Kläger nicht bis zu dem November 1962 warten dürfen» Da im übrigen selbst eine Anmeldung bei einer unzuständigen Entscbädigungsbebörde die Anmeldefrist gewahrt haben würde (§ 189 Abs«, 2 BEG), könne dem Kläger Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht gewährt werden, ohne Rücksicht darauf, ob*-der Kläger bei Zweifeln über die Zuständigkeit vorsorglich bei beiden in Betracht kommenden Entschädigungsbehörden hätte anmelden müssen» Die Revision macht geltend, der frühere Prozeßbevollmächtigte des Klägers habe zunächst als Vertreter der Erben nach den Eltern des Klägers, Mordechai und Ester SflHHHHIB» am 17« Februar 1957 bei dem Bezirksamt für Wiedergutmachung in Neustadt/Weinstraße Entschädigung beantragt, wobei in dem Antrag Danzig als Wohnsitz angegeben worden sei» Mit Rücksicht hierauf habe er sowohl den Kläger als auch die Tochter Soscha Erst nach Erledigung aller dieser Auflagen im November 1962 habe der frühere Prozeßbevollmächtigte des Klägers das Mandat Übernommen und am 22, November 1962 den Antrag wegen Ausbildungsschadens für den Kläger eingoreicht. Das Berufungsgericht gehe davon aus, daß der Kläger seine Geburtsurkunde schon vor dem 1, April 1958 in der Hand gehabt habe, dagegen nicht der frühere Prozeßbevollmächtigte des Klägers, Dem Kläger sei damals aber nicht bekannt gewesen, daß im Hinblick auf § 64 AbSo 1 Satz 2 BEG ein Anspruch wegen Ausbildungsschadens auch in Danzig gegeben gewesen sei, weil eine Zuständigkeit nach § 4 BEG bestanden habe, während sonst mit der Zuständigkeit des § 150 BEG ein Anspruch wegen Ausbildungsschadens in Danzig im Gesetz nicht vorgesehen gewesen sei« Die Kenntnis des früheren Prozeßbevollmächtigten des Klägers als Rechtsanwalt könne erst in dem Augenblick in Betracht gezogen werden, in dem er die Vertretung übernommen habe* Das sei aber erst geschehen, als alles erledigt gewesen sei, was für die Anerkennung der Zuständigkeit für den Anspruch nach den Eltern verlangt worden seio Auch der Hinweis, daß die Anmeldung vor einer unzuständigen Behörde die Frist ebenfalls gewahrt hätte, treffe nicht zu; denn es habe kein Anspruch des Klägers bestanden, solange nicht der Wohnsitz im Gebiet von Leipzig und die Auswanderung von dort nach Danzig für die Zuständigkeit anerkannt worden sei« 1 BEG gerechtfertigt erscheinen zu lassen« Das Berufungsgericht hat den Schwerpunkt seiner Ausführungen darauf gelegt, es könne dem Kläger nicht geglaubt werden, daß er, wie er behauptet habe, erst nach dem 1« April 1958 erfahren habe, er sei nicht in DflflHP» sondern in geboren« Außerdem habe es der Kläger verabsäumt, alsbald nach Erlangung dieser Kenntnis, welche spätestens am 8« Juni 1961 Vorgelegen habe, einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand einzureichen« Hierbei übersieht das Berufungsgericht, daß es auf die Kenntnis des Klägers von seinem Geburtsort allein nicht entscheidend ankommt« Er konnte nicht beurteilen, ob dem Umstande, daß er vor der Übersiedlung seiner Eltern mit diesen bereits in Papitz einen Y/ohnsitz begründet hatte, rechtliche Bedeutung zukam; er hatte sich außerdem auch an einen Rechtsanwalt gewandt« Es kommt vielmehr auch auf die Kenntnis dieses Rechtsanwalts von dem Sachverhalt an; es ist daher zunächst erheblich, wann dieser von dem Geburtsort des Klägers Kenntnis erlangt hat und ob ihn ein Verschulden trifft, weil er den Anspruch des Klägers erst am 22« November 1962 angemeldet hat, was der Kläger sich dann zurechnen lassen müßte (BGH in LM Nr« 17 zu § 189 BEG 1956)« Entscheidungserheblich ist ferner, ob Rechtsanwalt Dr« NdB in N&NHHA als er von der Geburtsurkunde des Klägers Kenntnis erhielt, mit der Wahrnehmung der eigenen Rechte des Klägers betraut war (LM Nr« 9 zu § 189 BEG 1956)« Für die Entscheidung der Frage, wann der frühere Bevollmächtigte des Klägers Bas steht bisher nicht fest» Die formelle Bevollmächtigung kann dem maßgeblichen Abschluß des Auftragsver-trages nachgefolgt sein«, Für eine frühere Bevollmächtigung spricht auch der Wortlaut der Vollmachtsurkunde (Bl* 3 der BA 237217)* derzufolge die früheren Vollmachten widerrufen werden» Bas Berufungsgericht muß also durch Ermittlungen von Amts wegen (§ 176 Abs» 1 BEG), etwa durch Vernehmung des Klägers und seines früheren Verfahrensbevollmächtigten» aufklären, wann und in welchem Umfange dieser von dem Kläger den Auftrag zur Geltendmachung von dessen Entschädigungsanspruch erhalten bat» insbesondere ob das schon am 8» Juni 1961 der Fall war, als er dem Amt für Y/ledergut-machung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin die Geburtsurkunde des Klägers (mit dessen Geburtsort Papitz) in beglaubigter Abschrift einreichte (Bl» 4 der BA 219194)o Sollte der Kläger alsbald nach diesen Zeitpunkt, in dem also der wahre Geburtsort des Klägers bekannt war, seinem früheren Verfahrensbevollmächtigten Auftrag und Vollmacht zur Geltendmachung des Entschädigungsanspruchs des Klägers erteilt haben, so wäre es schuldhaft, wenn der frühere Verfahrensbevollmächtigte des Klägers mit der Anmeldung des Entschädigungsanspruchs bis zu dem 22o November 1962 (Bl«, 1 der BA 237217) gewartet ioe> Urteil vom 13* Oktober 1965 - IV ZR 22a/64 -)« Gemäß Art. III Nr„ 1 Abs. 2 aaO, welcher nach Arto XII Nr. 6 aaO mit der Verkündung am 18o September 1965 in Kraft getreten ist, greift das BEG-Schlußgesetz nicht ein, wenn der Verfolgte seinen Anspruch bereits nach dem bisherigen Recht geltend machen konnte, aber die Frist des § 189 Abs» 1 BEG versäumt hat„