BGH · IV ZR 231/52
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Als die Beklagte von diesen Vorgängen erfuhr, ver-anlasste sie die Einleitung eines Strafverfahrens, in dessen Verlauf F^HP und wegen gemeinschaftlich begangenen fortgesetzten Betruges zu Freiheits- und Geldstrafen verurteilt wurden« Ferner erwirkte die Beklagte gegen die Klägerin und FflHP einen Arrest in Höhe von 60 000 DM nebst Zinsen und Kosten* Auf Grund des Arrestbefehles liess sie sämtliche Bankkonten der Klägerin pfänden* Die Klägerin, die hierdurch in finanzielle Schwierigkeiten geriet, trat in Verhandlungen mit der Beklagten ein, die am 10« Januar 1951 zu einem von den Rechtsanwälten und späteren Prozessbevollmächtigten der Parteien Unterzeichneten Abkommen folgenden Inhalts führten; Unter Anrechnung des in der Vereinbarung erwähnten Guthabens, das die Klägerin bei der Beklagten hatte und auf‘das sie verzichtete, zahlte sie an diese entsprechend dem Abkommen den Betrag von 42 397,95 DM. Die Klägerin behauptet, im Strafverfahren habe sich herausgestellt, dass der Beklagten ein Schaden nur in Höhe Von 16 OOOo- DM entstanden sei. Die Beklagte habe zwar auf die Vollziehung des Arrestbefehles einstweilen verzichtet; dieses Nachgeben beziehe sich jedoch nur auf die Ausnutzung der prozessualen Rechtslage, die sie durch den Arrest erlangt habe, nicht aber auf ihren materiellen Schadensersatzanspruch, was daraus zu ersehen sei^ dass sich die Beklagte für den Pall eines höheren Schadens als 42 000»- DM die weitere Vollziehung des Arrestes Vorbehalten habe» Die Vereinbarung- stelle daher materiell-rechtlich keinen Vergleich, sondern ein Schuldanerkenntnis der Klägerin dar« Diese Ausführungen sind nicht frei von Rechtsirrtum» Ein Nachgeben, wie es der Begriff des bürgerlich-rechtlichen Vergleichs verlangt, braucht nicht.in dem Verzicht auf materiell-rechtliche Vorteile, die eine Partei zunächst für sich in Anspruch genommen hat, zu bestehen? es kann vielmehr auch durch Zugeständnisse anderer Art erfolgen, insbesondere durch die Übernahme der Verpflichtung zu einem prozessualen Verhalten, abgesehen davon, dass im vonliegenden Pall die Beklagte in Ausführung des Vergleichs, auch die erworbenen Arrestpfandrechte an den von ihr .gepfändeten Bankguthaben der Klägerin aufzugeben hatte -Dass die Vereinbarung vom 10- Januar 1951 einen Vergleich darstelltv lat mithin nicht mit der von dem Berufungsgericht gegebenen Begründung in Zweifel- zu ziehen. Wie immer es aufzufassen und welches die Grundlage der von der' Klägerin geltend gemachten Forderung auf Rückzahlung des 16 000-— DM übersteigenden Betrages sein mag, so ist eine Verurteilung der Beklagten zur Zahlung in keinem Palle möglich, wenn nicht die Klägerin darlegt und naohweiet* dass, der der Beklagten durch die Unterschleife des' F^HP und des Hpmp entstandene Schaden unter dem von ihr zunächst anerkannten'Betrag von 42 000-— DM geblieben istNach des? dass die Beklagte nicht in Höhe von 42.000 DM, sondern nur in Hohe von 16 000,- DM geschädigt worden sei, war zu allgemein gehalten, als dass sie als eine hinreichende tatsächliche Begründung des Klaganspruchs angesehen werden konnte, auch wenn die Klägerin sich in diesem Zusammenhang auf den Inhalt der Strafakten oder die in ihnen enthaltenen polizeilichen Ermittlungen oder das Ergebnis der in dem Strafprozess- durchgeführten Hauptverhandlung berief.Durch die Behauptung der Klägerin war der Beklagten nicht die Möglichkeit gegeben,ihrerseits Behauptungen zur Sache aufzustellen und Gegenbeweis anzutreten; vielmehr mußte sie sich auf ein allgemeines Bestreiten der Behauptung beschränken, ohne die Möglichkeit zu haben, den Vortrag der Klägerin einer eigenen Überprüfung zu unterziehen.. Das wurde ihr auch nicht durch das Vorbringen der Klägerin ermöglicht, prick selbst habe erst geraume Zeit nach dem Abschluss des Vertrages vom 10= Januar 1951 festgestellt, welche Beträge er an für die nicht durch die Kon- Einen geeigneten Ausgangspunkt für die Schadensberechnung bildete ferner nicht der Vortrag der Klägerin, die Beklagte dürfe bei dieser Berechnung nicht an die MPro-visionsgelder" von 28 000 = — DM anknüpfen, die von Perhalten habe und die nach den von beiden in dem Der Hinweis der Klägerin auf das in .dem Strafverfahren ergangene Urteil vermochte gleichfalls nicht weiterzuführen, ln diesem ist festgesteilt, dass infolge des strafbaren Verhaltens von Ff//) und Uf/f///// bei der Beklagten 250 bis 300 Tonnen Schrott für die Klägerin abgefahren wurden, die an die Beklagte nicht bezahlt wurden,, Abgesehen davon* dass das Urteil eine summarische Aufzählung der Beweismittel enthält, deren sich die Strafkammer bei der Bildung ihrer Überzeugung bedient hatte, ist aus ihm nicht zu ersehen, welche Umstände im einzelnen dafür vorliegen konnten, dass von dem abgefahrenen Schrott keine höhere Menge als die angegebene nicht an die Beklagte bezahlt wurde, Ferner ist auch dem Urteil der Strafkammer nicht zu entnehmen, inwiefern aus der in ihm angegebenen Hohe der von EflHP an Kf/E/E/ gezahlten Geldbeträge darauf sollte geschlossen werden können, dass der der Beklagten zugefügte Schaden die Höhe von 42 000,— DM keinesfalls erreicht habe,, Dabei ist zu beachten, dass sich aus. sierung desjenigen, was sich aus den Akten ergeben sollte, fehlen Hess und auch die von ihr vorgenommene Zeugenbenennung sich nur auf allgemeine Behauptungen über die in dem Strafverfahren getroffenen Feststellungen oder auf Vorbringen bezog, das für die Entscheidung allenfalls bei einer genauen Darlegung der gesamten Verhältnisse von Bedeutung sein konnte, die nicht erfolgte, hat das Kammergericht mit Recht davon abgesehen, durch die Beiziehung der Strafakten und die Vernehmung der Zeugen Beweis zu erheben« Ob es gemäss § 139 ZPO geboten gewesen wäre, durch Ausübung des Fragerechts auf eine Ergänzung des Klagevortrags hinzuwirken, kann dahingestellt bleiben, da insoweit eine Verfahrensrüge nicht erhoben ist«, Dem vorgetragenen Sachverhalt nach war jedenfalls die Berufung der Klägerin gegen das klagabweisende Urteil des Landgerichts, was den Anspruch auf Zahlung von 26 397,95 DM betrifft, als unbegründet zurückzuweisen, so dass die Revision insoweit erfolglos bleiben musste. IIo Begründet ist dagegen die Revision, soweit sie sich gegen die Abweisung des eingeklagten Anspruchs auf Zahlung von'”2 850»— DM nebst Zinsen richtet» Das Berufungsgericht' ist hier zur Zurückweisung der Berufung gekommens weil es den Vortrag der Klägerin; mit dem sie ihre Klage rechtfertigen wollte, als verspätet angesehen und deshalb unbeachtet gelassen hat (§ 529 Abs 2 ZPO)» Das war Damit' hatte die Klägerin/ auch wenn sie die Rechnungen selbst noch nicht vorgelegt hatte, die Voraussetzungen für den von ihr geltend gemachten Bereicherungsanspruch nach § 812'BGB ausreichend dargetan und unter Beweis gestellt, so dass schon das Landgericht nicht, wie es das tat, die Klage wegen mangelnder Substäntiierung hätte abweisen dürfen» Wenn die Klägerin in der Berufungsinstanz ihr Vorbringen wiederholte und durch die gleichen Zeugen unter Beweis stellte und nun auch unmittelbar in ihrem Vortrag die Daten der fraglichen Rechnungen angab, so handelte es sich hier um kein neues Vorbringen; schon deshalb war mithin dessen Zurückweisung nach § 529 Abs 2 ZPO nicht zulässig» Das Vorbringen war auch, falls es erwiesen wurde, geeignet, der Klage insoweit zu dem Erfolg zu verhelfen* Mit der Behauptung, die Klägerin habe eine "Mängelrüge" verspätet vorgebrdcht, konnte ihm, jedenfalls wenn dieser Einwand wörtlich zu verstehen war, nicht entgegengetreten werden, weil von der Klägerin nicht die Lieferung einer mangelhaften oder einer anderen als der bestellten Ware, sondern die Berechnung eines anderen als des vereinbarten Preises behauptet worden war«, Da die Beklagte im übrigen die tatsächlichen Ausführungen der Klägerin ohne Angabe von Einzelheiten nur mit dem Hinweis bestritt., Wenn im übrigen unstreitig war, dass die Klägerin in anderen Fällen Schrott besserer Qualität anstelle von minderwertigem hatte abfahren lassen und nur den Preis für den minderwertigen gezahlt hatte, so konnte das hier unter Umständen bei der Beweiswürdigung von einer gewissen Bedeutung sein, umsomehr, wenn die Klägerin mit der Vorlage der Bestellscheine und der Rechnungen weiterhin zurückhielt; es be^-rechtigte jedoch nicht dazu, von vornherein die von der Klägerin angetretenen Zeugenbeweise zu übergehen und ohne weiteres zu einer klagabweisenden Entscheidung zu kommen« Das angefochtene.Urteil musste deshalb in dem hier in Frage stehenden Punkt aufgehoben und die Sache insoweit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden«, In der neuen Verhandlung wird das Kammergericht gegebenenfalls zu klären haben, ob die Beklagte sich etwa mit ihrer Behauptung der Verspätung einer "Mängelrüge" darauf berufen wollte, dass die Klägerin auf Grund der laufenden Geschäftsverbindung der Parteien nach Handelsbrauch bei Meidung der Verwirkung ihrer Rechte verpflichtet gewesen wäre, die Rechnungen, in die ein anderer als der vereinbarte Preis eingesetzt war, sofort zu beanstanden, und ob aus anderen Gründen das längere Schweigen der Klägerin zu ihrem Nachteil wirkte0