BGH · IV ZR 229/55 vom 11.01.1956
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Tatbestand Der Kaufmann David B^m^und seine Frau Adelheid Emilie geh« B^p (im folgenden die Erblasserin genannt) sowie deren Schwester, die Beklagte, waren als Juden im Jahre 1940 aus Deutschland in das in Südfrankreich liegende Lager Ours verschleppt worden« Dort verstarb David B«| am 6. Lie in dem vierten Testament genannte Rosa ist mit der Erblasserin nicht verwandt$ sie lebte mit ihr im selben Lager zusammen« Lie in den drei anderen Testamenten genannte Bella lBJHHBfc» eine Tochter der Beklagten, also eine Nichte der Erblasserin, hatte sich zunächst auch im Lager Guts befunden; sie wurde aber von dort im August 1942 nach Auschwitz abtransportiert und ist von dort nicht zurückgekehrt. Aus der zweiten Ehe der Mutter der Erblasserin waren außer dieser zwei Kinder hervorgegangen, die Beklagte und ein 1917 Die Kläger sind der Meinung, die Erblasserin habe mit den 4 Testamenten nur über ihre im Lager befindlichen Sachen verfügen wollen, um sie damit dem Zugriff der Lagerverwaltung zu entziehen und anderen Lagerinsassen zu erhalten, für die selbst die gebrauchten Kleidungsstücke der Verstorbenen von großem Wert gewesen seien. Die Kläger begehren mit der Klage die Feststellung, daß ihnen an dem Nachlaß der Erblasserin eia Erbrecht in Höhe von je 1/8 Anteil zustehe und daß ein vom Notariat 1 in Weinheim am 1. 3.) Die Revision rügt zunächst, daß das angefochtene Urteil auf die mündliche Verhandlung vom 26. Sie meint, ein Urteil, das erst so lange Zeit nach der mündlichen Verhandlung erlassen sei, könne nicht mehr als auf die mündliche Verhandlung ergangen angesehen werden, so daß der Grundsatz des § 128 Abs 1 ZPO verletzt sei. Januar 1955 mündlich verhandelt worden ist und nicht ersichtlich und von der Revision auch nicht behauptet worden ist, daß vom Berufungsgericht Tatsachenstoff berücksichtigt worden sei, der nicht Gegenstand des mündlichen ParteiVorbringens gewesen sei, beruht das-Urteil auf der mündlichen Verhandlung. Der Grundsatz der Mündlichkeit ist nicht dadurch verletzt, daß das Urteil entgegen der Bestimmung des § 310 Abs 1 Halbsatz 2 ZPO nicht innerhalb einer Woche seit dem Verhandlungstermin verkündet wird. Ob dieser Grundsatz dann verletzt wäre, wenn die Sache erst solange Zeit nach der mündlichen Verhandlung beraten worden ist, daß nicht damit gerechnet werden konnte, daß dem Richter das Ergebnis der mündlichen Verhandlung noch Hierfür fehlt es im vorliegenden Pall an einem Anhaltspunkt 5 insbesondere liegt hier die Annahme nahe; daß mit der Verkündung gewartet wurde, bis das eingehende Urteil, in dem ein sehr umfangreicher Prozeßstoff zu würdigen war, vollständig abgefaßt worden war, um die Vorschrift des § 315 Abs 2 ZPO nicht zu verletzen. Das Berufungsgericht sehe den Vortrag der Beklagten als nicht widerlegt an, daß die Insassen des Lagers, in dem die Erblasserin festgehalten worden sei, über ihre Lagerhabe nur zu Gunsten einer im Lager befindlichen Person hätte testieren dürfen und daß die Lagerverwaltung den Vollzug einer anderslautenden Verfügung nicht zugelassen haben würde (BU S 12 - 13) - Aus diesem Grunde habe die Erblasserin nach ddm erwähnten Vortrag der Beklagten die gleichfalls im Lager festgehaltene Frau als Ersatz- Aus diesen Feststellungen des Berufungsgerichts ergebe sich, daß die Willensfreiheit der Erblasserin auch hinsichtlich der Errichtung letztwilliger Verfügungen durch Anordnung der Lagerverwaltung beschränkt gewesen sei, und daß die' Erblasserin aus Gründen dieser Einschränkung in der Person der Frau eine Ersatzerbin auch für das über die Lagerhabe hinausgehende Vermögen eingesetzt habe, der sie es materiell nicht zuv/enden wollte- Liese Ausführungen decken sich hinsichtlich ihrer tatsächlichen Grundlagen nicht mit den Feststellungen des Berufungsgerichts* Dieses hat nicht festgestellt, daß die Lagerverwaltung ,fden Vollzug einer letztwilligen Verfügung11 über die außerhalb des Lagers befindlichen Vermögenswerte nicht zugelassen haben würde, sondern es hat im Gegenteil als erwiesen erachtet, daß Lagerinsassen auch zu Gunsten von Personen außerhalb des Lagers über ihr gesamtes Vermögen verfügt hätten und daß es auch der Erblasserin nicht unmöglich gewe- Weiter hat das Berufungsgericht ausgeführt, die Erblasserin habe "eine Lagerinsassin" einsetzen müssen, wenn sie für ihre Lagerhabe eine Ersatzerbin gegenüber der Lagerverwaltung habe stellen wollen- Hinsichtlich des außerhalb des Lagers befindlichen Vermögens befanden sich also die Lagerinsassen nicht in einer Zwangslage- Auch abgesehen hiervon ergibt das Vorbringen der Hevision nicht, daß die Erbeinsetzung der Beklagten auf eine Drohung der Lagerverwaltung hin geschehen sei- 3) Die Hevision rügt drittens, das Berufungsgericht habe nicht gewürdigt, daß die Zeugen N^ppppund Ap^ PPPP bekundet hätten, daß die Verschleppten auf dem Bahnhof in Mannheim eine Erklärung unterzeichnen mußten, durch die sie ihr Vermögen der tfeichsvereinigung der Juden in Deutschland überliessen* Mit der Über- Diese Erwägung ist nicht schlüssig; denn daß nach den zur Zeit der Errichtung der Testamente herrschenden Zuständen die Verschleppten nicht annehmen konnten, damals zur Verfügung über die in Deutschland zurückgelassenen Vermögensstücke berechtigt oder tatsächlich imstande zu sein, schließt nicht aus, daß sie nicht damit rechneten, später wieder zu ihrem Vermögen zu kommen und in dieser Erwartung darüber letztwillig zu verfügen. Das ergeben insbesondere die Feststellungen des Berufungsgerichts auf S 9 des Urteils (Bl 451 d.A„), wo es sich mit der Aussage des als Zeugen vernommenen Chemikers Dr. phil*