BGH · IV ZR 225/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BEG- § 94 Die Frage der Arbeitsfähigkeit ist hach dem Beruf zu beurteilen, den der Verfolgte im Zeitpunkt der Entscheidung Uber seinen Rentenanspruch ausUbt oder, falls er in diesem Zeitpunkt keinen Beruf mehr ausUbt, zuletzt ausgeübt hat. Justizangestellter als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle Im Kamen des Volkes In dem äntschädigungsrechtsstreit des b MBB 9 BBBB, HBBBBBBIt Klägers und Revisionsklägers, - Prozeßbevollmächtigter: Hechtsanwalt in gegen das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Landesamt für die Wiedergutmachung in Beklagten und Revisionsbeklagten, - Prozeßbevollmächtigter: Hechtsanwalt Br* in hat der IV* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 27« April i960 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Br. v* Werner, Wüstenberg, Br« Loewenheim und Br. Graf für Recht erkannt: 1c Das Berufungsgericht hat die Revision zugelassen, weil eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu § 94 BEG noch nicht ergangen sei* Diese Begründung ist zu beanstanden; Wie sich schon aus dem Wortlaut dieser Bestimmung ergibt, ist Voraussetzung für die Zulassung nicht etwa, daß eine Rechtsvorschrift von grundsätzlicher und deshalb über den Binzelfall hinausgehender Bedeutung angewandt werden muß; notwendig ist vielmehr, daß eine grundsätzliche Rechtsfrage zu entscheiden ist* Es muß also ein gewisser Zweifel oder eine Unsicherheit darüber bestehen, welchen Inhalt der anzuwendende Rechtssatz hat, ob er auf die festgestellten Tatsachen anzuwenden ist oder ©b ein derartiger Rechtssatz, wie er von den Instanzgerichten angewandt worden ist, überhaupt besteht. Sind ‘solche Bedenken nicht vorhanden, ist der Rechtssatz ohne weiteres aus dem Gesetz oder anerkannten Grundsätzen zu entnehmen und besteht weder Über seinen Bestand noch über seinen Inhalt oder seine Tragweite irgendwelche Unsicherheit, dann ist für die Zulassung der Revision nach § 2.19 BEG kein Platz. Der iCLäger hat den Antrag gestellt, ihm anstelle einer Kapitalentschädigung eine Rente auf Lebenszeit zuzubilligen* Bin derartiger Antrag entbehrt der nach § 253 ZPO erforderlichen Bestimmtheit* Zwar läßt sich die Höhe der begehrten Rente dem Antrag des Klägers entnehmen, insofern als bei einer Kapitalentschädigung von 484,So DM nur der in § 95 Abs* 2 BEG bestimmte lündestbetrag von loo,- DM in l’rage kommen kann* Rieht entnommen werden kann jedoch dem gestellten Antrag, von welchem Zeitpunkt ab diese Rente gezahlt werden soll, da nach § 33 Abs* 4 3* DV-BBG die Zahlung erst mit Wirkung vom 1* des Monats an beginnt, in dem der Verfolgte nicht mehr als 5o v# H* arbeitsfähig ist. Eine Abweisung der Klage aus diesem Grunde ist aber nicht gerechtfertigt, da das Berufungsgericht nicht, wie es nach § 139 ZPO seine Pflicht gewesen wäre, auf die Stellung eines sachgemäßen Antrags hingewirkt hat* a) V/as zunächst die Frage der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anlangt, so ist, wie sich aus dem Wortlaut des § 94 BAG ergibt, diese nicht nur nach einer solchen im allgemeinen Erwerbsleben, sondern nach der für den Beruf 'des Verfolgten zu beurteilen* Beruf im Sinne dieser Be- Stimmung ist aber nicht der Beruf, in dem der Verfolgte ausgebildet worden ist oder den er in früheren Zeiten einmal ausgeübt hat, sondern grundsätzlich nur der Beruf, den er im Zeitpunkt der Bntscheidung über seinen Rentenanspruch ausübt oder, falls er in diesem Zeitpunkt keinen Beruf mehr ausübt, zuletzt ausgeübt hat* Bas folgt aus dem Wesen der Berufsschadensrente, die ja dem Verfolgten anstelle einer Kapitalentschädigung nur eine Versorgung geben soll, weil er das 65» Lebensjahr vollendet hat oder infolge Absinkens seiner Arbeitsfähigkeit auf 5o v, H* und weniger nicht mehr ausreichend erwerbstätig sein kann und daher meist sich mit einem geringen Arbeitsverdienst begnügen muß» Hin Anlaß zu einer derartigen Versorgung besteht jedoch nicht, wenn der Verfolgte in einem Beruf tätig ist oder zuletzt tätig war, für den seine Arbeitskraft mehr als 5o v, Ho betrug. H. oder mehr beeinträchtigt ist* Ist dies aber bei dem von ihm erwählten neuen Beruf nicht der Fall, so fehlt es an einem Grund für eine Versorgung durch Gewährung einer Rente* Es ist aber rechtsirrig, wenn das Berufungsgericht lediglich auf Grund der Tatsache, daß der Kläger aus seiner neuen Tätigkeit einen Verdienst hat, der die Hälfte seines früheren Verdienstes als Glaser übersteigt, auf eine höhere als 5o JftLge Arbeitsfähigkeit schließen will; denn hierfür kann nicht allein die Höhe des Arbeitsverdienstes entscheidend sein* Zwar hat das Berufungsgericht seine Annahme auch auf das ärztliche Schlußgutachten der Landesversicherungs-Anstalt BMBb gestützt, dieses Gutachten ist jedoch für den 17« Januar 1957 erstattet worden und kann daher, wie dies die Revision zu Recht rügt* nichts für den Grad der Arbeitsfähigkeit in dem nach § 94 BBG allein maßgebenden Zeitpunkt sagen, nämlich dem Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht am 25* Juni 1959.