BGH · IV ZR 224/61 vom 22.06.1962
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Der Bundesgerichtshof hat auf die Revision der Klägerin dieses Urteil aufgehoben und den Rechtsstreit zur anderweitr:; Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen» I* Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe das vom Beklagten bei seiner Parteivernehmung vorgezeigte Rechnungsbuch bei der Urteilsfindung mitverwertet, obwohl das Buch nicht Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen sei, und obwohl der Klägerin entgegen ihrem Verlangen nicht Einsicht in das Buch gewährt worden sei* Diese Rüge ist unbegründet. Es hat seine Entscheidung nicht auf den Inhalt des Rechnungsbu'ches gestützt, sondern seine Überzeugung, daß das Grundstück nicht mit Mitteln der Klägerin erworben worden ist, aus der in allen wesentlichen Punkten lückenlosen, widerspruchsfreien Darstellung, die der Beklagte seit Beginn des Rechtsstreits gegeben hat, und aus dem glaubhaften Eindruck gewonnen, den der Beklagte bei seiner Vernehmung erweckt hat. Unter den Urkunden, in deren Inhalt es einen zusätzlichen Anhaltspunkt für die Richtigkeit der Angaben des Beklagten gesehen hat, ist das Rechnungsbuch nicht aufgeführt * Die Klägerin kann sich auch nicht darauf berufen, daß ihr nicht Einsicht in dieses Buch gewährt worden sei« Denn sie hat in der mündlichen Verhandlung vom 28» Februar 1961 (Bl, 226/250 GA) ausweislich der Sitzungsniederschrift keinen Antrag auf Vorlage der Urkunde gestellte 4»913,30 RM bestritten hat und daß das Berufungsgericht in den Einträgen 4° und 5° im Kontoblatt eine Bestätigung dieser Darstellung erblickt hat«, Insov/eit hat die Revision keinen Angriff erhobene Wenn das Berufungsgericht auch der weiteren Darstellung des Beklagten über sein Einkommen und Vermögen mit Rücksicht darauf Glauben geschenkt hat, daß seine detaillierten Angaben auch insoweit teilweise durch den weiteren Inhalt des Kontoblatts bestätigt werden, so kann hierin ein Denkfehler nicht erblickt werden« Diese Würdigung ist im Zusammenhang mit den übrigen Feststellungen zu sehen, die das Berufungsgericht über die Herkunft der für den Erwerb des Grundstücks verwendeten Gelder getroffen hat«, Bei diesen Feststellungen ist das Berufungsgericht von den eigenen, wechselnden Angaben der darlegungsund beweis-pflichtigen Klägerin ausg'egangen und hat die Gründe erörtert, weshalb es der im zweiten Rechtszug berichtigten Darstellung der Klägerin, die Mittel zu dem Erwerb des Anwesens seien durch Aufnahme von Hypotheken auf die der Klägerin ganz oder teilweise gehörenden Anwesen M^|^straße 0 und W^Hpstraße ^ beschafft worden, nicht geglaubt hat« Schon durch diese Erwägungen wird die Klageabweisung getragen« Den weiteren Erwägungen, mit denen das Berufungsgericht seine gegenteilige Überzeugung der Volksbank Wenn das Berufungsgericht als weiteren Anhaltspunkt für die Richtigkeit der Angaben des Beklagten deren Übereinstimmung mit dem Inhalt des Kontoblattes gewertet hat, ohne die Herkunft des in diesem Auszug ausgewiesenen Beginnguthabens ausdrücklich zu prüfen, so liegt in dieser Würdigung, sofern sie im Zusammenhang mit der vorangegangenen Wertung der Darstellung des Beklagten und der eigenen Angaben der Klägerin über die Herkunft der für den Erwerb des Anwesens aufgewendeten Gelder gesehen wird, kein Denkverstoß» Auch die von der Revision weiter erhobene Rüge, das Berufungsgericht habe übersehen, daß der Beklagte selbst den Erhalt größerer Geldbeträge seitens der Klägerin zugegeben habe (Bl. 15 GA und Aufstellung Bio 58 GA), ist nicht begründet» Das Berufungsgericht ist ersichtlich davon ausgegangen, daß diese Mittel zu dem Erwerb der oben erwähnten, im Zeitpunkt des streitigen Erwerbs der Klägerin ganz oder teilweise gehörenden Anwesen mitverwendet worden sind» 3o Die Revision rügt weiter, das Berufungsgericht habe zu Unrecht dem Antrag der Klägerin auf Erhelung einer Auskunft des Finanzamts Über das vom Kläger in den Jahren 1927 bis 1935 versteuerte Einkommen und Vermögen nicht entsprochen« Das Berufungsgericht hat diesen Antrag abgelehnt, weil es sich um einen unzulässigen Aus-forsebungsbeweis handle, der Beklagte für das Jahr 1928 Vermögen und Einnahmen aus verschiedenen Quollen sowie für die Jahre ab 1929 eine leitende Stellung bei einem großen Unternehmen nachgewiesen habe und aus einer vom Durch den Beweisantritt sollte die streitige Tatsache, daß nämlich der Beklagte nicht aus eigenen Mitteln, sondern mit Mitteln der Klägerin das Grundstuck gekauft und bebaut hat, nicht unmittelbar bewiesen werden□ Der Beweisantritt ging vielmehr dahin, daß der Beklagte in den in Frage kommenden Jahren kein oder nur ein geringes Einkommen versteuert hat« Der Beweisantritt war also auf eine Hilfstatsache gerichtete In einem solchen Fall ist es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteil des Vc Zivilsenats vom 15« Februar 1952 - V SR 48/51 ~ und Urteil des erkennenden Senats vom 20» Oktober 1952 - IV ZR 68/5^2 LM Nr. 1 zu § 559 ZPO) keine unzulässige Vorwegnahme des Beweisergebnisses, wenn der Tatrichter die Beweiserhebung mit der Begründung ablehnt, daß die unter Beweis gestellte Hilfstatsache ihm nicht die Überzeugung verschaffen werde, daß die Tatsache, auf deren Vorhandensein aus der Hilfstatsache geschlossen werden könnte, wahr i3to Allerdings müssen die Urteilsgründe ergeben, daß und weshalb der Tatrichter den Bev/eisantritt als für die Bildung seiner Überzeugung unerheblich erachtet hat» Diesem Erfordernis werden die Gründe des Berufungsurteils gerecht. Die v/eitere Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe es in Verletzung der ihm nach § 159 ZPO obliegenden Aufklärungspflicht unterlassen, die Klägerin zu befragen, ob sich die Vernehmung des Beklagten auch auf andere, früher aufgestellte Behauptungen der Klägerin erstrecken solle, greift gleichfalls nicht durch» Das Berufungsgericht hat der Klägerin bei Termins-anberaumung (Bl« 212 GA) ausdrücklich aufgegeben, die Tatsachen genau zu bezeichnen, über die der Beklagte als Partei vernommen werden sollte. am 3« Oktober 1957 vor dem Amtsgericht in Guebwiller-Oberelsaß vernommenen Zeugin Maria (Bl» 106/107 GA) abgelehnt hat, kein Verfahrensverstoß zu erblicken« Der Senat hat in seiner in dieser Sache ergangenen früheren Entscheidung vom 6« Juli I960 - IV ZR 322/59 -dargelegt, daß die im Ausland durcbgeführte Beweisaufnahme 2war mangelhaft war, weil entgegen den Bestimmungen des Art« 261 Gode de Procedure und des § 357 ZPI die Terminsbestimmung der Klägerin nicht mitgeteilt worden war, daß aber auch für eine ohne Zwischenschaltung des Beweisführers unmittelbar auf Ersuchen des Prozeßgericbts durchgeführte Beweisaufnahme die Bestimmung des § 364 Abs« 4 ZPO gilt, die Verwertung der Beweisaufnahme also im Ermessen des Gerichts liegt« Der Senat hat das erste Berufungsurteil deshalb aufgehoben, weil sich das Berufungsgericht nicht die Grundlage für eine sachgemäße^Ausübung des Ermessens durch Befragung der Klägerin, welche Fragen und Vorhaltungen sie im Palle ihrer Benachrichtigung an die Zeugin gerichtet haben würde, verschafft hatte« An diese rechtliche Beurteilung war, was die Revision verkennt, das Berufungsgericht bei seiner erneuten Verhandlung und Entscheidung gemäß § $65 Abs« 2 ZPO gebunden« Es ist auch dementsprechend verfahren und hat nach Befragung der Klägerin unter Y/ürdigung der von ihr angekündigten Fragen und Vorhaltungen dargelegt, aus welchen Gründen es eine erneute Vernehmung der Zeugin nicht für erforderlich, sondern die frühere Beweisaufnahme für verwertbar erachtet und seiner Entscheidung zugrundegelegt hat« Die Darlegung der für die Ausübung seines Ermessens maßgebenden Gründe läßt keinen Rechtsfehler erkennen« Entgegen der Meinung der Revision liegt darin, daß das Berufungsgericht die Notwendigkeit einer Wiederholung der früheren fehlerhaften Beweisaufnahme verneint hat, nicht eine unzulässige Vorwegnahme des Beweisergebnisscs« Die Revision rügt schließlich, das Berufungs-gericht habe der Klägerin das rechtliche Gehör versagt,, indem es ihr die erbetene Nachreichung eines Schriftsatzes nicht gestattet und auch dem Antrag auf Vertagung nicht entsprochen habe; es habe ferner zu Unrecht dem mit Schriftsatz vom 2. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts (RGZ 102, 262, 266), die der Bundesgerichtshof übernommen hat (vgl« das in BGHZ 30, 60, 65 abgedruckte Urteil des erkennenden Senats vom 29« April 1959 - IV ZR 311/58; ferner Urteil des VIII« Zivilsenats vom 19» Oktober 1959 - VIII ZR 115/58 LM Nr, 1 a zu § 156 ZPO), kann eine Partei nur dann die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung verlangen, wenn sich aus ihrem neuen Vorbringen ergibt, daß die bisherige Verhandlung Lücken hat und in ihr für das Gericht ein unbeachtet gebliebener Anlaß Vorgelegen hat, nach § 139 ZPO den Sachverhalt weiter aufzuklären « Liegen diese Voraussetzungen, die von der Sicht des bis zu dem Schluß der Verhandlung vorgetragenen Prozeßstoffes her zu beurteilen sind, nicht vor, so steht eine Wiedereröffnung im freien tatrichterlichen Ermessen, Dieser seiner Befugnis war sich das Berufungsgericht bewußt» Es hat, rechtlich zutreffend, ausgeführt, daß sich aus dem zur Zeit des Verhandlungsschlusses vorliegenden Prozeßstoff kein Anlaß zur Wiedereröffnung ergibt.