BGH · IV ZR 221/57 vom 27.11.1957
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gibt an, sie habe den von den nationalsozialistischen Machthabern eingenommenen Standpunkt gegenüber Nichtdeut-schen abgelehnt und für sich das Hecht in Anspruch genommen, mit jedem anständigen Menschen zu verkehren, auch wenn dieser kein Deutscher sei. Der von der Klägerin auf Grund des US-Entschädigüngs-gesetzes geltend gemachte Haftentschädigungsanspruch ist rechtskräftig abgevviesen worden. Hierbei war vom Oberlandesgericht angenommen worden, daß die Klägerin als Mitglied der NS-Frauenschaft und Transportleiterin bei der Umsiedlung von Volksdeutschen der ßev/altherrschaft des Nationalsozialismus Vorschub geleistet habe. Ob die Klägerin aus Gründen der Weltanschauung oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt worden sei, ist in jenem Verfahren dahingestellt geblieben. Das Berufungsgericht hält die Behauptungen der Klägerin für erwiesen, sie habe durch ihren Umgang mit dem Tschechen in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu dem Ausdruck gebracht, auch die Angehörigen der slavischen Völker seien als gleichwertige Menschen anzusehen- Diese Anschauung habe offensichtlich mit der entgegengesetzten des Nationalsozialismus in V/iderspruch gestunden» Das von ihr beanspruchte Recht, mit jedem anständigen Menschen zu verkehren, auch wenn er kein Deutscher sei? Bei dem Tschechen habe es sich nicht um einen feindlichen Ausländer oder einen Polen gehandelt, so daß aus diesem Grunde ein Vorgehen gegen die Klägerin auf Grund von Kriegsgesetzen oder Sondergesetzen nicht gerechtfertigt gewesen wäre, sondern um einen sich frei im Deutschen Reich bewegenden Tschechen, der in einer angesehenen Maschinenfabrik als Arbeiter beschäftigt gewesen wäre. jt~uf Grund dieser Feststellungen hat das Berufungsgericht angenommen, daß die Klägerin aus Gründen politischer Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus verfolgt worden sei. Nach der ständigen Heclrfcsprechung des erkennenden Senats, von der abzugehen auch nach den Ausführungen des Berufungsgerichts ein Anlaß nicht besteht, liegt eine Verfolgung aus Gründen politischer Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus nur vor, wenn der nationalsozialistische Verfolger mit seinen Maßnahmen eine Person hat schädigen wollen, weil er sie auf politischem Gebiet als Gegner der nationalsozialistischen Herrschaft oder der dem Nationalsozialismus eigentümlichen Bestrebungen oder Gedanken angesehen hat (vgl. Auf Grund der tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts läßt sich etwas Derartiges aber für die Klägerin nicht bejahen. Das muß vor allem für solche Fälle gelten, in denen Maßnahmen gegen den Verkehr mit Ausländern während der Kriegszeit getroffen wurden, wie es bei der Klägerin geschehen ist. Aus Maßnahmen wegen des Verkehrs mit Ausländern allein ergibt sich daher noch nicht, daß der davon Betroffene wegen einer politischen Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus verfolgt worden ist. Zwar ist nicht zu verkennen, daß der Klägerin durch ihre Inhaftierung, die auch nicht auf Des Bundesentschäaigungsgesetz will und kann aber nicht alles Unrecht, was tint er der Herrschaft des UationulsozialisLius angerichtet worden ist, entschädigen, sondern hat eine Entschädigung auf eng begrenzte Tatbestände beschränkt * Auch der Auffassung der Klägerin kann nicht gefolgt werden, daß sie sich durch ihren Verkehr nit dem Tschechen aktiv gegen die Mißachtung der Menschenwürde eingesetzt habe - das Berufungsgericht spricht nur von einer humanen Einstellung der Klägerin - und dadurch entsprechend dem § 1 Abs. 2 Hr. 1 BEG einem Verfolgten im Sinne des Abs. 1 gleichzustellen sei. April 1957 - IV ZR 58/57 - ausgesprochen hat, bei dem Einsatz für eine bestimmte Person müsse diese auch menschenunwürdig behandelt worden sein, und!, die Feststellungen des Berufungsgerichts über den Tschechen xxxx das Gegenteil ergeben, ist ein freundschaftlicher Verkehr, selbst wenn dieser nach Beanstandung durch den nationalsozialistischen Gewalthaber fortgesetzt wurde, noch kein aktiver Einsatz in Sinne der Bestimmung des § 1 Abs. 2 Kr. 1 BEG (vgl. Die Klägerin hat auch nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht verlangt, daß Angehörigen slavischer Völker ein menschenwürdiger Verkehr mit Deutschen zugestanden werde, sondern nur für sich allgemein das Recht in Anspruch genommen, mit jedem anständigen Menschen zu verkehren, auch wenn dieser kein Deutscher sei.