Nachschlagewerk: Amtliche Sammlung:
ja
nein
EheG § 48 Abac 2
*
Zur Präge des Verschuldens an der Zerrüttung der Ehe und der Bindung an die Ehe bei Erstattung einer unbegründeten Strafanzeige durch den der Scheidung
widersprechenden Eheteil«
BGH, Urt. v. 3. April 1963 - IV ZK 219/62
OLG Düsseldorf
L G Krefeld
Verkündet am
3o April 1963
Uooppe, Justizangestellte als TJrkundsbeamter
der Geschäftsstelle
*
Im Namen des Volkes
In dem Rechtsstreit
des
Bauunternehmers Josef Hans
Post
Über
Prozeßbevollmächtigter:
Klägers und Revisionsklägers?
Rechtsanwalt Br«, fllBM in
seine Ehefrau Lucie
geb
in
- Pro2eßbevolXmächtigter:
Beklagte und Revisionsbeklagte
Rechtsanwalt Brc>
in
hat der IV* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die miind liehe Verhandlung vom 27• März 1963 unter Mitwirkung der Bundesrichter Johannsen? Wüstenberg, Maaß«
Br
Loewenheim
und Br
Graf
für Recht erkannt?
*
Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung? auch über die Kosten der Revision? an den 7® Zivilsenat des Berufungsgei^ichts zurück-
verwieaonc
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Parteien haben hm 29« Juni 1937 vor dem
Standee»
C!
amt
in
Josef
tpreußen geheiratet* Damals hieß der Kläger
Den Nomen
führt er
nach seiner Behauptung mit Erlaubnis des Regierungspräsidenten
in A
seit 1943c Der Kläger ist am
19U
geboren, die Beklagte iat 4 Jahre älter
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Au
s der She sind
zwei Kinder hervorgegangen9 der am
?937 geborene
Sohn Heinz und die am
194o geborene Tochter Gisela«,
Vom Jahre 1941 ab mußte der Kläger Wehrdienst leisten
hrend eines Urlaubs im Juli oder August 1943 waren die
Porto
Len zu dem letzten Male zusammen«, damals hat auch der letzte Geschlechtsverkehr stattgefunden«. Gegen Bnde des
Krieges geriet der Kläger in russische Kriegsgefangenschaft
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Hr
de im Herbst 1949 entlassen und lebt seitdem im Rhein
land
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Er ist seit 1955 in
bei
als
Bauunter
nehncr tätig* Die Beklagte blieb mit den beiden Kindern in
Ostpreußen*, Im Pebruar
1957 konnte sie in die Bundesrepublik
ubcrsiedeln. Zuerst fand sie bei Verwandten im Kreise
Aufnahme«, ein Jahr später verzog sie nach
Ende Marz 1953 erhob der Kläger eine auf § 48 EheG
gestutzte Scheidungsklage * Er hat dazu vorgetragen«, spätestens
seit 1949 sei die Eho unheilbar zerrüttet*. Die Beklagte
widersprach dem Scheidungsverlangeru Daneben machte der
Kläger der Beklagten den Vorwurf * sie habe die Ehe
ttet
weil sie
sich grundlos geweigert habe«, mit den Kind
zu dem
Kläger übe
*v»rr
4.J
iedeln* Gegen
diesen
Vorwurf wehrte sich di
Beklagte mit der Behauptungp frühere Bemühungen um eine
3
Umsiedlungserlaubnis der polnischen Behörden seien nur daran gescheitert, daß der Kläger ihr trotz ihrer Bitten keine Zuzugsgenehmigung geschickt habe* Bas Landgericht hat die
Klage abgewiesen. Dieses Urteil hat das öberlandesgericht
• «
in Düsseldorf am 14. Dezember 1956 bestätigt.
Im November i960 hat der Kläger wiederum Klage er
hoben, um geschieden zu werden. Im ersten Rechtszug hat er
die Klage auf 48 EheG gestützt. Hiermit hat er keinen
ülrfolg gehabt. Seine Berufung gegen das Urteil des Land
gericlits hat er damit begründet, die Beklagte
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du*1*
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Eheverfehlungen
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heG) die Ehe unheilbar zei
rüttct. Boi ihrer polizeilichen Anmeldung bei der Amtsver
waltung in
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habe sie ohne Grund
angegeben, daß der Kläger den Namensteil
zu Unrecht
führe. Sic habe bei dieser Gelegenheit weiter angegeben
daß
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ich der Kläger möglicherweise wieder verheiratet habe? ohne
, die
geschieden zu sein. Der Kläger hat ferner noch behauptet
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klagte habe die beiden Kinder dazu erzogen, den Klag
zu
verachten und zu hassen. Das ergebe
sich
aus dem Inhalt zweier
Briefe, die die loch
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»ela
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am 2
April 1957 und 11
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1957 an ihren Bruder Heinz geschrieben habe. In diesen Briefen werde der Kläger ständig als "glupek*1 « MDummkopfn bezeichnet. Der Bruder der Schreiberin wurde im ersten der beiden Briefe
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den Kläger, seinen Vaters
viel als möglich
*u beschimpfen
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Hilfsweise hat der Kläger seine Klage auf § 48 EheG gestützt.
Die Beklagte hat gebeten, die Berufung zurückzuwoisen.
♦
Die Beklagte hat entgegnet, die vom Kläger erhobenen Vorwürfe seien unbegründet« Sie sei von der Behörde gefragt worden« weshalb sie den Namen j
führe
Dine Anzeige wegen unbefugter Namensführung habe sie nicht
erstatt
ange
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et
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Ebensowenig habe sie den Kläger wegen Bigamie
Die erwähnten Briefe habe ihre foch
ohne ihre
Mitwirkung oder ihre Einflußnahme geschrieben, für deren Inhalt könne 3ie also nicht verantwortlich gemacht werden
Der Scheidung nach § 48 EheG hat die Beklagte widersprochen« Nach ihrer Abreise aus Ostpreußen habe ihr der Kläger in einem an das Lager Priedland gerichteten Briefe
von 11« Februar 1957 mitgeteilt, daß er sie nicht bei sich
aufnehmen wolle« Das erkläre sich nur daraus, daß er mit
••
Frau Maria zusammenlebe«
Das Oberlandesgericht hat das Urteil des Landgerichts
bestätigt«
*
Mit seiner Revision will der Kläger erreichen, daß die Ehe geschieden wird«
Die Beklagte bittet, die Revision zurückzuweisen«
Die Revision ist begründet«
♦
1o Das Revisionsgericht kann das Berufungsurteil nur in den Grenzen nachprüfen, die durch § 547 Abs« 1 ZPO gezogen sind« Der Senat kann sich daher nur mit der Frage befasaenr
5
ob dor Kläger durch die Anwendung Unrecht beschwert ist*
des
48 Abs* 2 EheG zu
2
Die Vorschrift des § 616 ZPO
steht
dem Scheidungsver
langen des Klägers nicht entgegen« Der Kläger hat in seiner neuen Klage nicht nur geltend gemachtj> daß die Trennung der
Uh eg
fortbestehe
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Er hat sich darauf berufen« daß di
Beklagte nach der letzten mündlichen Verhandlung des früheren Rechtsstreits durch schwere Eheverfehlungen die Ehe schuld
haft und unheilbar
tet habe
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Berufungsgei1
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da
u fcstgestellt, daß die
liehen Anmeldung nach dem Verlassen
Beklagte bei ihrer ersten polizei
des Lagers Friedland die
Vermutung ausgesprochen hat, der Kläger
habe s
ich
edervo3
heiratet, ohne geschieden zu sein« In einem solchen Hinweis
gegenüber einer Polizeibehörde kann, wie noch darzulegen
t
eine Verletzung der sich aus der Ehe ergebenden Pflichten liegen« Auf Grund dieses Hinweises gegenüber der Polizei ist
jedenfalls nicht ohne weite
es auszuschließen, daß die Ent
Scheidung darüber, ob der Kläger die Zerrüttung der Ehe allein oder überwiegend verschuldet hat, anders als im früheren Rechtsstreit ausfallen kann* Die erwähnten Angaben der Beklagten sind ferner von Bedeutung für die jetzt notwendige
♦
Prüfung, ob die der Scheidung widersprechende Beklagte noch
an die Ehe gebunden ist« Bei dieser geänderten Tatsaclienlage
48
s
chließt $
616 ZPO die sachliche Prüfung des neuen auf
EheG gestützten Klagebcgehrens nicht aus, ohne daß es einer
Entscheidung der vom Berufungsgericht aufgeworfenen Präge
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o
ob schon die Neufassung des § 48 A.bs* 2 EheG
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2 Ziff
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«ft
g des PamRAndG diese
erneute Prüfung des
Scheidungcbegehrens erfordert
3« Das Berufungsgericht hat die neuen Behauptungen des Klägers allerdings nur unter dem rechtlichen Gesichtspunkt geprüft, ob die Beklagte schwere Bheverfehlungen begangen hat, durch die die Ehe unheilbar zerrüttet worden ist (§ 43 EheG), Soweit es sich um den Vorwurf handelt, der
Kläger führe den Namensteil AflHüHl zu Unrecbt9 sowie um die Behauptung, die Beklagte habe die Kinder zur Ver~ achtung des Vaters erzogen, hat das Berufungsgericht die
*
Behauptungen des Klägers nicht als erwiesen angesehen. Nach
♦
Ansicht des Berufungsrichters liegen keine Anzeichen dafür
vor, daß die Beklagte bei ihrer ersten polizeilichen An-
»
neldung in der Bundesrepublik erklärt hat, der Kläger fühi'e den Nanenszusatz zu Unrecht, Das Berufungsgericht hat ferner eine Verantwortung oder Mitverantwortung der Beklagten für den Inhalt der erwähnten Briefe abgelehnt. Seine Überzeugung, daß die Beklagte auf die Gestaltung des Inhalts der Briefe nicht eingewirkt habe, hat es im wesentlichen aus der Aussage der Zeugin - der Tochter der Parteien - gewonnen.
Diese Beweiswürdigung, Sache des Tatrichters, war möglich.
Die Revision kann sie nicht mit der Behauptung, § 286 ZPO sei
♦
verletzt, in Präge stellen. Anders ist es dagegen, soweit
*
der Kläger der Beklagten vorgeworfen hat, sie habe der Polizei den Hinweis gegeben, der Kläger lebe in Doppelehe, Das Berufungsgericht hat festgestellt, ,daß die Beklagte bei ihrer polizeilichen Anmeldung bei der Verwaltung des Amtes He^ll^B
die Vermutung ausgesprochen hat, der Kläger habe sich wieder vorheiratet, ohne geschieden zu sein. In dieser Andeutung liegt nach Ansicht des Berufungsgerichts keine EheVerfehlung, weil die Beklagte ihre Vermutung ausgesprochen habe, nachdem sie vom Kläger verlassen worden sei. Deshalb, so wird in dem angefochtenen Urteil ausgeführt, habe für die Beklagte ein
solcher Verdacht "im Bereich des Möglichen11 gelegen* Weil
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der Pall sei* stelle die Mitteilung des Verdacht
gegenüber der Pol-izei keine Bheverfehlung dar*.
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Soweit das Berufungsgericht in einer das Revisions
*
e festgestellt hat* daß die Beklagt
gericht bindenden
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ihr
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ur Last gelegten Pflichtverletzungen nicht begange
hat
9
brauchte der Berufungsrichter im Rahmen seiner Erörter
gen zu
Abwägung
48 Abs* 2 EheG hierauf nicht zurückzukomme
Für d
des
Verschuldens konnten al
die
Umstände außer
Betracht bleiben
Anders ist e*3
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jedoch bei dem Vorwurf
der
Kläger lebe möglicherweise in strafbarer Doppelehe* Wenn die Beklagte eine solche Vermutung aus
sprach
so genügte d
um
ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren in
Gang
zu s
Das Verbal
der Beklagten kam
it* was die Folg
tzen*
nlang
einer Str-sfanseige gleich* Mit der Begründung* daß ein solcher
Verdacht "im Bereich des
Möglichen" gelegen habe
9
konnte der
Vorwurf eines pflichtwidrigen Verhaltens aus Rechtsgründen
nicht
nt werden* Erst diese rechtliche Würdigung der
Strafanzeige läßt die
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in welchem Umfang der Beklag legen ist*
die
Beurteilung der Präge zu* ses Verhalten zur Last zu
In Rechtsprechung und Schrifttum ist seit langem aner-
*
kannt, daß ein Ehegatte auch von begründeten Strafanzeigen
*
Abstand nehmen muß* Das liegt auf der Hand* weil jede Strafverfolgung* auch wenn sie nicht einmal zu einer Geld- oder Prciheitostrafe führt* den Betroffenen in eine schwierige Lage bringt und wirtschaftlich und gesellschaftlich erheblich schädigen kann* Die Gefahr eines solchen Schadens durch eine begründete Strafanzeige darf ein Eheteil nur dann heraufbeschwören* wenn dies zur Wahrung eigener Rechte notwendig ist
und weniger einschneidende Mittel nicht zur Verfügung stehen (HG JW 19135 990 Nr» 19; RG LZ 22, 71; Hoffmann/Stephan,
EheG
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199; von Godin, EheG 20 Aufl
0 ?
S
165)
Aus
diesen Erwägungen
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olgt
9
daß ein Ehegatte eine Strafanzeige
9
auch in verhüllter Form, regelmäßig nicht erstatten darf wenn objektiv und nach Kenntnis des Anzeigeerstatters
fraglich ist, ob die Straftat, hier ein mit einer Zucht-
hausstrafe bis zu fünf Jahren bedrohtes Verbrechen* überhaupt
bedangen wurde» Lurch den Hinweis auf den Verdacht0 daß der
andere Ehegatte eine Straftat begangen hat, werden eigene Rechte nur selten wahrgenommen werden können» Da allgemein
bekannt ist
9
ß das Eingehen einer zweiten Ehe bei Fortbe
fl
Ü
tand der ersten mit schwerer Strafe bedroht ist, hätte das
Berufungsgericht der
Frage nachgehen müss
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weshalb die Be
klagte bei ihrer polizeilichen Anmeldung diese Vermutung aus gesprochen hat» Es liegt zwar nahe, daß dieses Verhalten der
Beklagten im inneren Zusammenhang steht mit der Art und Weise wie der Kläger der Beklagten bei ihrer Rückkehr in
das
Bundes
gebiet zu verstehen gab, daß er ein
Zusammenleben ablehne
Aber auch wenn die Beklagte, wie das Berufungsgericht in
diesem Zusammenhang bemerkt, durch das Verhalten
des
Klägers
erheblich gekränkt worden war, muß der Tatrichter prüfen, ob
die
ses
Verhalten des Klägers nach der Sachlage die Beklagte
zu ciiesem
Schritt veranlassen
durfte, obwohl es an einem
•Pi'*
Anhaltspunkt für eine strafbare
fehlte
As ist auch
nicht zu erkennen, welche eigenen berechtigten Belange sie durch diese verhüllte Anzeige wahrnehmen wollte» Ging es ihr darum, fcstsustellen, ob der Kläger trotz des Fortbestehens
der Ehe wieder geheiratet hatte, so konnte sie sich darüber auf andere, einfache Weise
vergewis
sern
%
In diesem Zusammenhänge hätte das Berufungsgericht auc
d
Brief der Tochter der Parteien vom 2* April 1957
digen
müssen«. Hier suchte die Schreiberin zu erfahren» ob die
Anzeige ungünstige Folgen für den Kläger gehabt hat* Es heißt in dem Briefs “Hat er Dir nicht gesagt, daß er vom Gericht
einen Brief bekommen hat, daß wir ihn angezeigt haben?
Das Berufungsgericht hätte also der Präge, aus welchem
Grunde und mit welchem Ziel die Beklagte die versteckte Anzei
*
erstattet hatte, nachgehen müssen» Erst nach de
egen Bigamie
Ergebnis entsprechender Feststellungen kann zutreffend beur
teilt werden, welche Schuld der Beklagten zur Last zu legen
Xi3
a
Durch die rechtirrige Auffassung des Berufungsgerichts, daß
eine solche Anzeige durch einen begründeten Verdacht gerecht
fertigt
sei, ist die
Würdigung dieses
im Rahmen des
48 Abs* 2 EheG unterblieben
ü'ine solche Würdigung war a
uch
d
geboten?.wenn der Kläger schon vor dem Zeitpunkt der
polizeilichen Anmeldung die Ehe durch sein
s
chuldhaftes Ver-
halten ganz oder überwiegend zerrüttet hatte, weil dann
da
o
Verbal
der Beklag
ih
ers
ehweron konnte (BGHZ 12
3
den Weg zur Einsicht und Rückkeh 111)»
Schließlich
ist
eine zu
treffende Bewertung des Verschuldens Regel erst möglich, wenn i
emeo
13
mmmm
Ehegatten in aller
eststeht, ob und in welchem Umfang
a
uch der andere Ehegatte schuldhaft die sich aus der Ehe er gebenden Pflichten verletzt hat*
5
Selbst wenn die Präge des Verschuldens bei richtiger
Würdigung der Anzeige und ihrer Motive nicht anders zu beur teilen ist, kann eine solche Anzeige gegen eine Bindung der
Beklagten an di
Ehe
s
prechen* Ein Ehegatte, der ohne
Wahrnehmung eigener berechtigter Interessen
die Strafv
olgungsbehörden in Bewegung
etzt und dadurch dem anderen
*
Eheteil erhebliche Nachteile bereitet* greift dadurch in aller Regel zu Mitteln* die erhebliche Zweifel an einer
Bindung dieses Ehegatten andie Ehe rechtfertigen» Dies
♦
gilt auch dann* wenn schwere Kränkungen des anderen Ehe-gatten den Anstoß zur Anzeige gegeben haben» Dem Scheidungs-
4
begehren des aus der Ehe herausstrebenden Ehegatten* der die Zerrüttung ganz oder überwiegend verschuldet hat* kann der andere Ehegatte nicht mit der bloßen Behauptung entgegentreten* er fühle sich noch an die Ehe gebunden und sei bereit*
diese fortsusetzen* wenn er auf die Kränkung in einer bedenk-
*
liehen iVcioe geantwortet hat»
6»
Beklagt
Bas Berufungsgericht hat die Frage der Bindung d
die Ehe und ihre Bereitschaft* sie fortzuae
9
nicht unter diesen
Gesichtspunkten geprüft» Bie Gründe des
Urteils enthalten zu diesem Punkt lediglich den Satz
9
daß
die Beklagte nicht geschieden
den wolle und zur Fortsetzung
der Ehe bereit sei» Eine solche Wendung genügt grundsätzlich nicht* weil das Revisionsgericht gar nicht erkennen kann*
welche rechtlichen Erwägungen der Berufungsrichter dabei ango stellt hat» Auch dann* wenn die widersprechende Partei ihren
Willen* an der Ehe festzuhalten* nicht weiter begründet hat* muß der Tatrichtcr den gesamten Prozeßstoff heranziehen und
orüfon* welche innere Einstellung der Behauptung der wider
sprechenden Partei
sie fühle sich noch an die Ehe gebunden
ugrunde liegt» In diesem Zusammenhänge hätte hier der Be-* rufungcrichtcr auch die bereits mehrfach erwähnten Briefe horanzichon müssen» Auch wenn die Beklagte* wie die Schroiberin
ngegeben
a
hat*
auf den Inhalt der Briefe keinen Einfluß ge
noinincn hat* so bleibt die Möglichkeit* daß der Inhalt der Briefe die allgemeine innere Einstellung der Beklagten zu dem
Kläger wiedcrspicgelt» Eine solche Möglichkeit liegt vo
*
allem deshalb nicht fern, weil die Schreiberin damals
0
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17 Jahre alt war und ständig mit der Mutter zusammenlebte also möglicherweise unbewußt die Einstellung der Mutter
dergegeben hat
H
atte
nicht nur die Tochter der Partei
sondern auch die Beklagte für den Kläger Empfaindungen der Verachtung und der Abneigung«, so könnte diese innere Ein
Stellung ebenso wie der ihr möglicherweise entsprechende
ntsehluß zur Strafanzeige gegen eine Bindung der Beklagten
*
an einer solchen Bindung ver
Der Mangel
an die Ehe sprechen«, liert nicht dadurch seine rechtliche Bedeutung«, daß das Verdes KlUgers.:zu dieser inneren Entwicklung geführt hat
halten
Auch in diesem Punkte bedarf also der Sachverhalt einer neuen
Prüfung und Würdigungc
7c Biese Rechtsfehler nötigen zur Aufhebung des Urteils ohne daß die von der Revision erhobenen Verfahrensrügen .i‘
der Erörterung bedürfen*
Br
Loewenheim
Br
Graf
J ohanns en Wüs t enberg Maaß
♦