BGH · IV ZR 215/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Gesetz: ZPO § 233 Rechtssatz: Der verspätete Eingang einer Berufungsbegrün-dungsschrift beruht nicht schon auf einem unabwendbaren Zufall, wenn die Schrift während der Gerichtsferien am Tage vor Ablauf der Begründungsfrist in ein offenes Fach zu dem Abtragen auf der Wachtmeisterei des Berufungsgerichts gelegt wird« Mit Eingabe vom 7, Juli 1951 hat der Kläger beantragt, die Sache zur Periensache zu erklären« Nachdem entgegen einer fernmündlichen Zusage des Büros des Prozessbevollmächtigten des Beklagten die Berufungsbegründung nicht bis zu dem 16» Juli 1951 eingegängen war, hat das Berufungsgericht durch einen dem Beklagten am 24» Juli 1951 zugestellten Beschluss vom 21, Juli 1951 die Sache zur Periensache erklärt und die Prist zur Begründung der Berufung bis zu dem 4» August 1951 verlängert» Die Berufung ist durch Schriftsatz vom 3* August 1951 begründet worden. Falls erforderlich bitte er um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand«, Diese Erklärung hat er in einer v/eiteren eidesstattlichen Versicherung wiederholt, bei dieser aber die Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen., dass er die Berufungsbegründung in das Fach des Senats des Oberlandesgerichts in der Wachtmeisterei im II, Stockwerk gelegt habe. Der Justizangestellte der für den Empfang von Schriftstücken zuständig ist, die für den 5* Zivilsenat bestimmt sind, hat auf Veranlassung des Berufungsgerichts eine dienstliche Erklärung abgegeben, derzufol-ge er die Berufungsbegründung mit dem Datum des 6„August •1951 gestempelt und sie auch erst an diesem Tage erhalten habe,. 1) Das Berufungsgericht hat als Zeitpunkt des Ablaufs der Frist für die Begründung der Berufung den 4» August 1951 angenommen* Die hiergegen von der Revision gerichteten Angriffe sind nicht begründet* Zv/ar war der Ablauf der Begründungsfrist nach ihrer vom Vorsitzenden des Berufungsgerichts verfügten Verlängerung bis zu dem 16. Juli IS51 durch die am 15* Juli 1951 beginnenden Gerichtsferien gehemmt (§ 225 Abs 1 ZFO), so dass die beiden letzten Tage der Frist erst mit dem Ende der Gerichtsferien am 16* September 1951 zu laufen begonnen hätten.Dadurch, dass auf Antrag des Klägers die Sache zur Feriensache erklärt wurde, fand die Hemmung jedoch mit der Bekanntgabe dieses Beschlusses am 24° Juli 1951 ihr Ende, so dass nunmehr am 25» Juli 1951 gemäss § 223 Abs 2 ZPO der bisher gehemmte restliche Teil der Begründungsfrist zu laufen begann (vgl auch RG- in JRdsch 1925 Nr 1574); diese Frist wäre somit bereits am 26„ Juli 1953 abgelaufen, wenn sie nicht durch die in dem Beschluss des Berufungsgerichts enthaltene Verfügung des Vorsitzenden bis zu dem 4* August 1951 verlängert worden wäre* Hierin liegt nicht, wie dies die Revision meint, eine nach § 224 ZPO unzulässige Abkürzung der Begründungsfrist, sondern es ist dies nur die sich aus den Gesetz ergebende Folge der Erklärung der Sache zur Feriensache* Es kann demnach dahingestellt bleiben, ob etwa eine Abkürzung der Frist, wenn sie als solche zu werten wäre, gesetzlich zugelassen wäre (§ 224 Abs 2 ZPO). 2) Aus dem Vermerk des Justizangestellten S^Hl auf der Begründungsschrift und seiner dienstlichen Äusserung sowie aus den jetzigen Erklärungen des Beklagten ergibt* sich, dass die Berufungsbegründungsschrift erst am 6„August 1951 auf der Geschäftsstelle des Senats des Berufungsgerichts eingegangen ist, Bie von der Revision behauptete Einlegung der Schrift am 3» August 1951 in das Senatsfach auf der V/achtmeisterei des Berufungsgerichts kann zwar angenommen werden; sie reicht aber für die Einhaltung der Berufungsfrist nicht aus, denn zu einer wirksamen Einreichung gehört, dass das Schriftstück entweder einem zuständigen Beamten oder Angestellten übergeben wird oder ein Gewahrsam der für den Empfang des Schriftstücks zuständigen Stelle begründet wird (vgl RG in Jff 1938, 2153 und 1936, 2136 sowie BGHZ 2, 31). 3) Der Beklagte hat gegen eine etwaige Versäumung der Berufungsbegründungsfrist um Y/iedereinsetzung in den vorigen Stand gebeten„ Zur Begründung hierfür beruft sich der Beklagte darauf«, dass die Begründungsschrift am 3o August 1951 in das Senatsfach gelegt worden sei und damit zu rechnen gewesen wäre, dass sie von dort aus noch rechtzeitig an die Geschäftsstelle weitergeleitet werde0 Es kann schon zweifelhaft sein«, ob der Beklagte mit dieser Behauptung gehört werden kann, die von ihm in dieser Form erst nach Ablauf der in § 234 bestimmten 2-.7ochen-Frist aufgestellt worden ist, während vorher nur eine Irreleitung auf der Geschäftsstelle als möglich behauptet war0 Aber selbst wenn man in der innerhalb der 2-Y'ochen-Frist gemachten Bemerkung über die nicht ganz ausgeschlossene Möglichkeit einer Einlegung in das Fach auf der Wachtmeisterel bereits die Angabe dieser Tatsachen erblicken will, so reicht dies für die Bejahung eines unabwendbaren Zufalls nicht aus„ Da der Anwalt des Beklagten mit der Einreichung der Begründungsschrift bis einen Tag vor dem Ablauf der Begrühdungsfrist gewartet hatte, traf ihn eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Fach auf der Wachtmeisterei einer-Einreichung hei der Geschäftsstelle gleichwertig sei, hat der Beklagte nicht vorgetragen; im Gegenteil ergibt die zuletzt heim Oberlandesgericht eingereichte eidesstattliche Versicherung seines Anwalts, dass auch dieser zu einer ordnungsmäßigen Begründung den Eingang der Begründungsschrift bei der Geschäftsstelle für erforderlich angesehen hatc Bas Verschulden seines Prozessbevollmächtigten muss der Beklagte sich gemäss § 232 Abs 2 ZPO anrechnen lassen.